Beobachtungsabend in Dabendorf (26.02.2011)

Seit ewigen Zeiten hatte ich gestern mal wieder die Gelegenheit den abendlichen Sternenhimmel zu beobachten.
Da meine Teleskope bei meinen Schwiegereltern in Dabendorf (Brandenburg) stehen, müssen bei mir für einen Beobachtungsabend immer drei Faktoren stimmen:
1. Das Wetter
Das lässt sich ja prüfen. Einen Artikel dazu hab ich hier geschrieben
2. Dabendorf
Ich muss natürlich zu dem Tag in Dabendorf sein. Da ich in Berlin wohne ist das eben nicht mehr ganz so spontan möglich.
3. Ich muss Lust haben.
Ja, auch das spielt eine Rolle. Naja, manchmal bin ich halt träge.

Gestern kamen alle drei Faktoren zusammen und da ich es mir in meinen astronomischen Vorsätzen für das Jahr 2011 vorgenommen hatte, war es dann so weit.

Ich war schon den ganzen Tag recht aufgeregt und habe seit Mittag mich mit der Beobachtungsvorbereitung beschäftigt.

Da ich meine Montierung vom 6 Zöller immer noch nicht zusammen gebaut habe, kam gestern nur der 8" Dobson zum Einsatz.

Ich habe ja beschrieben was für mich in einen Beobachtungsbericht gehört, daher hier nun erst einmal die Daten zum Beobachtungsbericht.

Daten

Datum: 26.02.2011
Zeit: 18:00 Uhr bis 19:00 Uhr und von 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr
Ort: Dabendorf
Beobachter: Stefan Gotthold (+Schwiegerpapa und Schwiegermama)
Gerät: 8" Dobson auf Rockerbox und Fernglas 10×50
Zubehör: Okulare – 40mm, 25mm, 12.5mm, 6mm, Telrad
Grenzhelligkeit (Beobachtungsteil 2): 5mag
Seeing: gut-sehr gut (sehr klar, fast windstill, kalt)

Vorbereitung

In meiner Artikelserie Einstieg in die Astronomie gibt es ja ein Kapitel über die Beobachtungsvorbereitung. Das ist zwar noch nicht fertig, aber natürlich ist eine Vorbereitung wichtig, wenn man einen Beobachtungsabend plant.

Meine Planung habe ich mit dem iPad, dem PC und natürlich dem Karkoschka durchgeführt. Das iPad ist Klasse dafür. Ich habe mir dieses mal das App RedShift genommen und konnte damit den Himmel schön anschauen und die Zeiten planen. Natürlich ginge das auch mit Stellarium, aber das war auf dem PC meines Schwiegerpapas nicht installiert. Für den ISS-Überflug habe ich CalSky verwendet. Die Beschreibung zu der Seite findet Ihr hier. Der Karkoschka ist ideal für das Mitnehmen aufs Feld.

Beobachtungsteil 1

Mein Beobachtungsabend hat sich in zwei Teile zerlegt. Um 18:00 Uhr bin ich das erste mal raus und habe angefangen Jupiter zu beobachten. Da Jupiter sich langsam dem Horizont näherte und in dieser Richtung ein Haus stand, war das Seeing nicht ganz so toll. Im 25mm Kellner-Okular konnte man schon einen der 4 galileischen Monde sehen und Jupiter als Kugel. Der Himmel wurde nun langsam dunkler und mit dem 12.5er Okular waren 3 Monde und die zwei dunklen Wolkenbänder von Jupiter sichtbar. Ich probierte zwar noch das 6mm Okular aus, aber damit hat man Jupiter nicht mehr scharf erfassen können. Also zurück aufs 12.5er. klasse Ansicht von Jupiter.

Danach gab es noch einen schwenk auf die Plejaden. Im Fernglas find ich die schon cool, aber im 40mm Okular passen die gerade noch so ins Sichtfeld und sehen leicht bläulich aus.

Da es recht kalt wurde, ging es erst einmal rein. Das eigentlich Ziel waren ja nicht Jupiter oder die Plejaden, sondern ISS und Fuhrmann.

Beobachtungsteil 2

Zum zweiten Teil ging es pünktlich zu 19:30 Uhr wieder raus. Ein paar mehr Klamotten haben mich vor der Kälte geschützt und ausgerüstet mit Fernglas und Teleskop wurde als erstes auf die ISS gewartet. Wie man die ISS beobachten kann hab ich ja hier beschrieben:

ISS beobachten mit dem Auge, Fernglas oder Teleskop

Heute war nämlich ein besonderer Tag. Das Shuttle STS133 sollte kurz nach 20:00 Uhr an der ISS andocken. Den Überflug um 18:00 Uhr hatte ich mir leider entgehen lassen, aber um 19:38 Uhr kam die ISS noch einmal über den Himmel gejagt. Also 40mm-Übersichtsokular in den Dobson und warten. Dann kam die ISS aus Westen angeflogen. Kurzzeitig konnte ich Sie mit dem Teleskop verfolgen. Sie sah leicht länglich aus. Ob das am Shuttle lag oder nur an meiner schlechten Nachführung kann ich nicht sagen, aber ich muss allen meine Hochachtung aussprechen, die es schaffen die ISS mit Teleskop und Kamera einzufangen. Sie ist unheimlich schnell. Die ISS zog dann Ihre Bahn mit einer Geschwindigkeit von 28800 km/h bis in den Zenit und würde dann dunkler und verschwand.

Toll, ich hatte es auf jeden Fall geschafft.

Danach habe ich mit meinem Schwiegervater die Andromeda-Galaxie gesucht. Hier kam genau die Aussage die viele Einsteiger aussprechen, wenn diese das erste Andromeda sehen. Es war für mein Schwiegervater “nur” ein verwaschener Fleck. Auch er hatte andere Bilder einer Galaxie im Kopf und hatte erwartet, dass man hier Strukturen und anderes sieht. Auch im Teleskop sieht man nicht viel mehr und da es nur ein kurzer Ausflug zu der Galaxie war, haben wir uns nicht weiter damit beschäftigt.

Geprägt von meinem Artikel Sternbilder für Anfänger und Fortgeschrittene: Fuhrmann (Auriga) hatte ich mich genau auf diesen Vorbereitet. Schon am Nachmittag habe ich mir den Karkoschka genommen und mein iPad und habe geschaut, wie ich die drei offenen Sternenhaufen finden kann.

Nachdem ich noch einmal mit dem Fernglas und dem Teleskop die Plejaden (M45) und danach die Hyaden beobachtet habe, ging es auf in den Fuhrmann.

Also Ziel meines Beobachtungsabend waren die drei offenen Sternhaufen M36, M37 und M38 im Fuhrmann.

Nach einer kurzen Orientierungszeit im Fuhrmann, habe ich sowohl M36 als auch M38 sehr schnell gefunden. Im Sucher sind diese beiden Sternenhaufen nur kleine Fleckchen. Man muss schon aufpassen, dass man diese nicht übersieht. Im 25mm Kellner lösen sich beide in schöne Sternhaufen auf, aber fantastisch sehen diese erst im 12,5mm-Okular aus. Hier kann man Formatfüllend beide Sternhaufen beobachten.

M36 ist etwas offener und hat nicht so viele Sterne. Diese konzentrieren sich zum Zentrum hin. M38 finde ich da schon um einiges schöner. Er hat mehr Sterne und bildet schöne Strukturen aus.

Nach dem Besuch der beiden Sternhaufen wollte ich den Gasnebel NGC 1931 noch anschauen, da diese ja in der nähe von M36 liegt. Diesen konnte ich aber nicht entdecken. Mit einer Helligkeit von 10-11m ist dieser auch nicht wirklich einfach zu sehen.

Naja, dann eben auf zu M37. Nach kurzer Suche konnte ich M37 entdecken und was sich da im Okular zeigt war fantastisch anzusehen. Im Sucher war dieser offene Sternhaufen auch wieder nur ein Nebelfleckchen, doch im Okular konnte man hunderte von Sternen an einem Fleck sehen. Er passt genau in mein 12,5mm Okular und ich konnte gar nicht genug von diesem Haufen an Sternen sehen.

So langsam wurde mir kalt. Also bestimmte ich noch die Grenzhelligkeit am Sternbild Fuhrmann. Ich bin auf ca. 5mag gekommen. Omega-Aur war noch mit dem Auge sichtbar, aber schwach.

Fazit

Wirklich ein gelungener Beobachtungsabend. Es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht und da ich mir für dieses Jahr (Das Jahr 2011 und was ich mir vorgenommen habe) ja mind. 5 Beobachtungen vorgenommen habe, kann ich schon eine abstreichen.

Was ich brauche ist ein neues Übersichtsokular. Am besten ein 2 Zoll-Okular.

Nun kann ich auch mal wieder drei Messierobjekte meiner persönlichen Messierliste hinzufügen.

Klasse Abend!!!

 

Die Bilder in diesem Artikel sind wie immer mit dem Programm Stellarium erstellt worden. Eine Beschreibung zu dem Programm findet Ihr in meinem Artikel Stellarium 0.10.6.1 (Freeware)

Ansonsten sind die Informationen zu den Nebeln, Sternenhaufen und Doppelsternen dem Karkoschka entnommen.


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