Das Teleskop – Artikelserie (4-2)

So nun muss ich doch wirklich mal den zweiten Teil des Teleskops aus meiner Artikelserie Einstieg in die Astronomie schreiben.

Es ist schon einen Monat her, dass der erste Teil des Teleskop heraus gekommen ist.

In diesem Artikel über das Teleskop gehe ich auf die unterschiedlichen Bauweisen der Teleskoptuben ein. Welche Vor- und Nachteile haben die unterschiedlichen Bauweisen.

Bisher sind in dieser Serie folgende Artikel erschienen:

  1. Der Wunsch in das Hobby einzusteigen
  2. Literatur/Internet/Informationen
  3. Das Wetter
  4. Das Teleskop (Teil 1)

Beim Teleskopkauf gibt es zwei Bereiche auf die man sein Augenmerk richten sollte.
Das Teleskop selbst und die Montierung auf dem das Teleskop zum Einsatz kommt.

Natürlich ist alles eine Budgetfrage, aber das soll hier nicht im Vordergrund stehen. Was ein Teleskop für den Einstieg in die Astronomie kosten sollte, werde ich in einem gesonderten Artikel beschreiben.

Teleskopbauarten

Es gibt diverse unterschiedliche Teleskopbauarten und jeder Einsteiger ist erschlagen von der Vielfalt.

Daher möchte ich die Bauarten hier einmal Vorstellen und auf die Vor- und Nachteile dieser eingehen.

Linsenteleskope

Wie der Name schon sagt, bestehen Linsenteleskop aus einer Kombination aus Linsen um entsprechende Vergrößerungen zu erhalten.

Linsenteleskop werden auch als Refraktoren bezeichnet. Da Einzellinsen zu Farbfehlern führen, werden meist zwei- oder mehrlinsige Refraktoren gebaut.

Die klassischen Linsenteleskope bestehen meist aus 2 Linsen und werden als Achromat bezeichnet.

Als Apochromat werden Linsenteleskop bezeichnet die mit 2 oder mehr Linsen ausgerüstet sind, bei denen die Linsen aus Spezialgläsern bestehen. Hier ist der Farbfehler praktisch nicht mehr wahrnehmbar.

Dadurch das der Okularauszug hinter dem Tubus sitzt, braucht man ein Zenitprisma um Objekte hoch am Himmel beobachten zu können oder man muss unter das Teleskop kriechen.

Refraktor - Autor: Szőcs TamásTamasflex

Achromatische Refraktoren

Mit steigender Öffnung der Achromaten nimmt der Farbfehler exponentiell zu. Bei sehr großen Öffnungen mit kurzen Bauweisen ist die Astrofotografie schon fast ausgeschlossen. Nur recht lange Achromate mit einem Öffnungsverhältnis ab f/12 zeigen kaum noch Farbfehler.

Wer nicht weiß wie sich das Öffnungsverhältnis berechnet, schaut sich bitte den folgenden Artikel an: Mathematik in der Astronomie (Teil 1): Das Öffnungsverhältnis

Vorteile

  • robuste Konstruktion mit geringer Gefahr der Dejustierung
  • geschlossener Tubus mit geringer Anfälligkeit für Temperaturschwankungen
  • keine Hindernisse im Strahlengang
  • leicht und transportabel bei großen Öffnungsverhältnissen
  • preiswert pro Öffnung

Nachteil

  • Restfarbfehler bei großen Öffnungsverhältnissen und großen Öffnungen
  • lang und unhandlich bei großen Brennweiten (Tubuslänge entspricht Brennweite)
  • Zenitprisma wird bei hoch stehenden Beobachtungsobjekten benötigt
  • durch kleine Öffnungen im Lichtsammel- und Auflösungsvermögen beschränkt
  • Astrofotografie nur mit Filtern möglich

Achromatische Refraktoren sind die häufigsten Einsteigerteleskope. Häufig werden recht billige Geräte sogar von Supermarktketten verkauft. Solche sogenannten Kaufhausteleskope sind meist mit sehr billigen Bauteilen und Linsen zusammengebaut und das mitgelieferte Zubehör kann man beruhigt in die Tonne treten.

Trotzdem erreichen einige Hobbyastronomen auch mit dieser Geräteklasse erstaunliche Ergebnisse. Auch in der Astrofotografie wurden diese Geräte eingesetzt.

Nicht alle Achromaten sind aber schlecht. Es gibt auch hier eine hohe Bandbreite in der Qualität. Für Achromaten muss man Preise zwischen 200 –1000 €.


Apochromatische Refraktoren

Die Apochromatischen Refraktoren, oder kurz APO genannt, sind die in der Qualität höherwertigen Linsenteleskope. Wie oben schon erwähnt, sind hier meiste Speziallinsen eingebaut, welche den Farbfehler fast gänzlich beheben.

Besitzt ein Apochromat noch eine Restfarbfehler, welcher bei großen Öffnungen und großen Öffnungsverhältnissen auftreten kann, werden die Geräte als Halb- oder Semi-Apochromat bezeichnet.

Vorteile

  • robuste Konstruktion mit geringer Gefahr von Dejustierung
  • geschlossener Tubus mit geringer Anfälligkeit für Temperaturschwankungen
  • keine Hindernisse im Strahlengang
  • leicht und transportable
  • sehr großer Vergrößerungsbereich

Nachteil

  • sehr teuer pro Öffnung
  • Zenitprisma wird bei hoch stehenden Objekten benötigt
  • durch kleine Öffnungen im Lichtsammel- und Auflösungsvermögen eingeschränkt

Apochromaten sind meist um ein vielfaches Teurer als entsprechend große Achromaten. Daher wird diese Teleskopart weniger von Einsteigern eingesetzt. Wer aber mal durch einen APO geschaut hat, der wird sich mit Achromaten nicht mehr abgeben wollen.

Apochromaten kann man für einen Preis von 500 € für kleine Geräte bis hin zu mehreren tausend Euro für große Geräte kaufen.

Spiegelteleskope

Die Spiegelteleskope galten lange Zeit als Geräte für den erfahrenen Amateurastronomen. Das hat sich geändert und mittlerweile sind Spiegelteleskope bei Einsteigern genau so beliebt wird Refraktoren.

Spiegelteleskope werden auch als Reflektor bezeichnet, da diese ja das Licht mit einem oder mehreren Spiegeln reflektieren.

Es gibt viele unterschiedliche Bauweisen von Spiegelteleskopen.

Allen Spiegelteleskopen ist eines gemeinsam. Das Licht wird im Tubus gesammelt und ein Hauptspiegel fängt dieses Licht ein und reflektiert es auf einen Fangspiegel. Der Fangspiegel leitet dann den Lichtstrahl in den Okularauszug.

Vorteile

  • sehr preiswert pro Öffnung, deshalb mit geringen Kosten pro Lichtsammel- und Auflösungsvermögen erreichbar
  • transportabel bei großen Öffnungsverhältnissen bis 300 mm Durchmesser
  • kein Farbfehler
  • Astrofotografie ohne Einschränkungen möglich
  • kein Zenitprisma notwendig (Newton-Teleskope)

Nachteil

  • lang und unhandlich bei großen Brennweiten
  • offener Tubus mit großer Anfälligkeit für Temperaturschwankungen
  • Fangspiegel als Hindernisse im Strahlengang
  • Anfällig für Verschmutzung, da offene Bauweise

Die Spiegelteleskop lassen sich in zwei Hauptklassen einteilen.Newton-Teleskop - Autor: Szőcs Tamás Tamasflex

 

Die bekannteste Klasse ist das Newton Teleskop. Hier reflektiert der Fangspiegel den Lichtstrahl und leiten diesen zur Seite um. Dadurch sitzt der Okularauszug am oberen Ende des Tubus.

Schmidt-Cassegrain - Autor: Szőcs TamásTamasflex

Neben den Newton-Teleskopen gibt es auch die Cassegrain-Reflektoren. Bei den Cassegrain-Geräten sitzt der Fangspiegel in der Mitte des Tubus und leitet den Lichtstrahl zurück in Richtung Hauptspiegel. Der Hauptspiegel besitzt ein Loch in der Mitte wodurch der Lichtstrahl wie bei den Refraktoren hinten am Tubus austritt.

Der Fangspiegel trägt bei Cassegrain-Geräten mit. Daher kann der Tubus wesentlich kürzer gestaltet werden.

Eine Spezialklasse ist das katadioptrische Teleskop mit dem schönen Namen Schmidt-Cassegrain. Man kennt diese Gräte von der Firma Meade. Diese Geräte verknüpfen die Technik der Linsenteleskope mit denen der Spiegelteleskop.

Hierbei sitzt am Tubusanfang (vorn) eine Glasplatte, die schon vor dem eintreffen des Lichtes auf den Hauptspiegel das Licht brechen und umlenken. Dadurch lassen sich extrem kurze Bauweisen bei gleicher Brennweite realisieren. Weiter Vorteile sind, das der Tubus abgeschlossen ist und dadurch die Gefahr der Verschmutzung drastisch sinkt. Häufig werden diese Geräte für die Astrofotografie eingesetzt.

Die Nachteile sind natürlich das die Glasplatte bei hoher Luftfeuchtigkeit beschlagen kann. Außerdem ist der Fangspiegel recht groß und man braucht auch hier ein Zenitprisma, wenn zu beobachtende Objekte hoch am Himmel stehen.

Es gibt noch andere katadioptrische System. Da diese aber selten geworden sind und für Einsteiger meist zu teuer sind, möchte ich nicht darauf eingehen. Hier sind nur kurz die Namen genannt. Neben dem Schmidt-Cassegrain, gibt es noch das Schmidt-Newton-Teleskop, das Maksutov-Cassegrain-Teleskop und das Maksutov-Newton-Teleskop.

Die Preisbereiche der Spiegel-Teleskope liegt zwischen 200 € und mehreren tausend Euro für Riesenteleskop ( > 30-40 Zoll).

Die Preise in diesem Artikel sind angegeben für die Teleskoptuben. Natürlich braucht man noch entsprechende Montierungen dazu um das Teleskop auch ordentlich bedienen zu können.

Da dieser Artikel nun doch schon wieder etwas lang geworden ist, werde ich die Montierungen gesondert behandeln.

Ausblick

Im nächsten Artikel werde ich auf die Montierungen eingehen. Welche Montierung sollte man sich für den Einstieg holen und für welche Zwecke ist welche Montierung am besten geeignet.

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