Montierungen – Artikelserie (5)

In meiner Artikelserie über Den Einstieg in die Astronomie haben wir uns bisher mit dem Wunsch in das Hobby einzusteigen beschäftigt. Weiterhin haben wir einiges an Informationen über Literatur und Software besprochen. Und in den letzten beiden Teilen der Serie ging es um das Teleskop.

Hier ein kleiner Überblick über alle bisher erschienene Teile:

  1. Der Wunsch in das Hobby einzusteigen
  2. Literatur/Internet/Informationen
  3. Das Wetter
  4. Das Teleskop (Teil 1)
  5. Das Teleskop (Teil 2)

Da jedes Teleskop und Fernglas auf einer Montierung oder einem Stativ steht, möchte ich in diesem Artikel auf Montierungen für Teleskope eingehen.
Dazu müssen wir uns aber erst einmal ein wenig mit der Himmelsmechanik beschäftigen um die Unterschiede der Montierungen zu verstehen.

Drei unterschiedliche Montierungsbauarten habe ich hier im Blog schon einmal beschrieben. Zu den Einzelartikeln kommt Ihr hier:

  1. Montierungen (Teil 1) – Die azimutale Montierung
  2. Montierungen (Teil 2) – Die parallaktische Montierung
  3. Montierungen (Teil 3) – Die Dobson Rockerbox

Himmelsmechanik

Der Himmel bewegt sich ja auf einer scheinbaren Bahn um die Erde. Wirklich richtig ist das nicht, aber wenn man auf der Erde steht, dann sieht es so aus. Jeder weiß das die Sonne im Osten aufgeht und Westen unter. Nun führt nicht nur die Sonne eine scheinbare Bewegung am Himmel aus, sondern alle Himmelsobjekte. Das kann man an einigen Videos sehen.

In dem Video könnt Ihr ganz klar die Drehung des Himmels sehen. Das liegt daran, dass wir auf einer Kugel (die Erde) stehen und diese Kugel sich im Ihre Achse dreht. Dadurch entsteht die Drehbewegung des Himmels. Das heißt aber auch das die Sterne sich nicht auf einer Geraden über den Himmel bewegen, sondern in einer Kurve.

Wer nun mit einem Teleskop einen Stern oder ein anderes Himmelsobjekt beobachtet, der muss diese Kurve nachführen.

Auf unserer Seite der Erde haben wir das Glück das der Drehpunkt des Sternhimmels ungefähr auf dem Stern Polaris im Sternbild Kleiner Bär liegt. Dadurch scheint sich der Himmel um diesen Punkt zu drehen.

image 

Auf dem Bild habe ich einmal Polaris, den Polarstern, markiert und ein Gitternetz eingefügt. Dieses Gitternetz ist dargestellt als äquatoriales Netz. Das heißt alle Sterne bewegen sich nun entlang der Kreislinien.

imageWenn man nun also einen Stern betrachtet und hier zwei Zeiten eingibt, zum Beispiel 3 Stunden abstand, dann sieht man das die Sterne sich auf der Kreisbahn bewegt.

Auf den beiden Bildern könnt Ihr den Stern Kochab sehen. Die beiden Bilder haben einen Abstand von drei Stunden und man sieht das sich Kochab entgegen des Uhrzeigersinns bewegt hat. Der Abstand zur Achse (Polarstern) hat sich dabei nicht imagegeändert. Man sieht also das der Himmel sich in einer Kreisbahn bewegt.

Das gilt es zu beachten, wenn wir uns nun den Montierungen zuwenden und die unterschiedlichen Bauweisen betrachten.

Bei den nun folgenden Montierungen, werde ich auf die drei geläufigsten Montierungsarten eingehen.

Die Teleskop-Montierung

Es gibt heute 3 gebräuchliche Montierungsarten auf dem Markt. Alle drei haben Ihre vor und Nachteile, auf die ich hier im einzelnen eingehen werde.

Die Azimutale Montierung

Azimutale MontierungIn meinem Artikel Montierungen (Teil 1) – Die azimutale Montierung bin ich auf die Bauweise der azimutalen Montierung eingegangen.

Einige sogenannte Billigteleskope werden mit einer azimutalen Montierung ausgeliefert. Diese Montierungen sind meiner Meinung nach ungeeignet für Einsteiger. Zum einen sind diese sehr instabil. Das macht das Beobachten schwierig. Man kann aber nicht im allgemeinen Sagen, das die azimutalen Montierungen schlecht sind.

Bewährt haben sich diese Montierungen zum Beispiel bei Goto-Systemen. Hierbei sind die Motorsteuerung in dem Arm untergebracht.

Weiterhin muss man jedes Fernglas- oder Fotostativ zu den azimutalen Montierungen rechen.

Wenn man sich nun den Himmel noch einmal unter mechanischen Gesichtspunkten anschaut, kann man recht schnell sehen, warum zum Beispiel die azimutale Montierung für Langzeitaufnahmen nicht unbedingt geeignet ist.

Ich habe im nachfolgenden Bild ein azimutales Gitternetz über den Himmel gelegt und wieder in einem 3 Stunden-Abstand ein Vergleichsbild erstellt. Damit man die Bewegung besser erkennt, habe ich dieses mal einen Horizontnahen Stern gewählt.

imageWie man auf den Bildern erkennen kann, bewegt sich die azimutale Montierung entlang der Gitternetzlinien.

Man kann also die Montierung, parallel zur Erde bewegen. Sprich nach rechts und links drehen und nach oben und unten verstellen. Möchte man nun zum Beispiel dem Stern Capella auf dem Bild folgen, dann muss man die azimutale Montierung sowohl nach rechts, als auch nach unten drehen.

imageDas heißt man muss die Montierung in zwei Achsen nachführen.

Man kann sich also Vorstellen, dass eine Aufnahme mit einer Kamera oder das Nachführen bei sehr hohen Vergrößerungen schon recht schwierig sein kann.

Hat man natürlich ein Goto-System, dann führt dieses Goto-System automatisch nach.

Man muss dieser Montierung aber auch einräumen, dass diese meist wesentlich leichter als zum Beispiel eine parallaktische Montierung ist. Dadurch eignet sich diese natürlich für Reisen recht gut.

Vorteile:

  • meist leichter als parallaktische Montierungen
  • mit Goto-System für Astrofotografie einsetzbar
  • günstiger als parallaktische Montierungen

Nachteile:

  • man muss in zwei Achsen nachführen
  • für Langzeitbelichtungen ungeeignet (Ausnahme Goto)
  • bei günstigen Teleskopen ist die Montierung meist instabil

Teleskop bei Astroshop

Parallaktische Montierung

parallaktische Montierung - Autor: Kapege.deDie parallaktische Montierung ist die am häufigsten eingesetzte Montierung, wenn es um die Himmelsbeobachtung oder auch Himmelsfotografie geht.

Der Umgang mit dieser Montierungsart muss erlernt werden, da diese so aufgebaut ist, dass Sie der scheinbaren Himmelsbewegung folgt.

Einige Anfänger sind damit überfordert oder trauen sich den Umgang mit einer parallaktischen Montierung nicht zu. Man kann es aber lernen und ich werde in einem gesonderten Artikel noch einmal auf die parallaktische Montierung eingehen. Hier aber erst einmal der Artikel aus meiner Montierungsserie: Montierungen (Teil 2) – Die parallaktische Montierung .

imageDa die parallaktische Montierung der Sternenbewegung (siehe oben) folgt, eignet sich diese Montierung sehr gut für DeepSky-Beobachtungen oder auch für die Astrofotografie. Richtig ausgerichtet, folgt diese den Sternbewegung nur durch verstellen einer Achse.

Auch die parallaktische Montierung lässt sich mit diversen Motorsystem ausstatten. Im Normalfall reicht aber ein Motor an der Achse (Rektaszension) um den Sternen zu imagefolgen.

Wenn man nun also wieder Capella folgen möchte, sieht man an dem parallaktischen Gitter, dass man nun die Montierung nur auf der Kreisbahn bewegen muss, um den Stern im Fokus zu halten.

Das macht die Astrofotografie natürlich um ein Vielfaches einfacher.

Leider ist diese Montierung, vor allem wenn diese größere Teleskope tragen soll, sehr schwer und unhandlich. Für Reisezwecke ist diese Montierung eher weniger geeignet. Weiterhin muss man den Aufbau und das Ausrichten erlernen und günstig ist diese Montierung auch nicht.

Vorteile:

  • sehr gut für hohe Vergrößerungen
  • sehr gut für Astrofotografie geeignet (Langzeitaufnahmen)

Nachteile:

  • meist sehr schwer bei großen Teleskopen
  • teuer
  • kompliziert beim Ausrichten
  • nicht als Reisemontierung geeignet

Die Rockerbox

Dobson RockerboxNeben der parallaktischen Montierung gewinnt die Rockerbox immer mehr an Beliebtheit. Die Rockerbox ist eine Unterart der azimutalen Montierungen. Meist wird die Rockerbox an sehr großen Spiegelteleskopen eingesetzt.

Durch Ihre einfache Bauweise ist die Rockerbox sehr leicht und kann bei speziellen Bauweisen auf einen sehr kleinen Raum zusammengelegt werden.

Sehr gern wird die Rockerbox bei Selbstbauprojekten eingesetzt. Über die Himmelsmechanik brauche ich ja nicht sehr viel sagen. Schaut einfach oben bei den azimutalen Montierungen nach. Die Rockerbox verhält sich genau so.

Der Aufbau gestaltet sich sehr einfach, da die Rockerbox meist nicht zusammen gesetzt werden muss, sondern man stellt das Teleskop einfach in die Rockerbox und fertig ist der Aufbau.  Meinen Artikel zur Rockerbox findet Ihr hier: Montierungen (Teil 3) – Die Dobson Rockerbox

Mittlerweile gibt es auch für die Rockerbox Goto-Systeme, also Motorsteuerungen. Das ermöglicht auch den Einsatz zur Astrofotografie.

Vorteile:

  • sehr schneller Aufbau des Teleskops
  • sehr günstig im Vergleich zu den anderen Montierungen
  • leicht zu Transportieren (spezielle Rockerboxen lassen sich auseinander nehmen)
  • Mit Goto-System für die Astrofotografie einsetzbar
  • Stabil auch für große Teleskope

Nachteile:

  • Nachführung in zwei Achsen

Montierung für Anfänger

Wer sich für den Kauf eines Teleskop entscheidet, sollte sich erst einmal darüber im klaren sein, was er denn bei der Himmelsbeobachtung möchte.

Bei einem günstigen Teleskop sollte man darauf achten, dass die Montierung ausreichend Dimensioniert ist für die Himmelsbeobachtung. Bei den meisten Billigteleskopen wird sehr stark an der Montierung gespart. Dabei werden nicht nur billige Komponenten verarbeitet, sondern die Montierungen sind auch meist Unterdimensioniert. Ein solches Teleskop müsst Ihr Euch anschauen. Wenn es beim Anfassen schon sehr stark schwingt, dann lasst die Finger von dem Angebot.

Ein sehr schneller und günstiger Einstieg in die Astronomie lässt sich sicher mit einem Dobson-Teleskop realisieren. Hierbei kostet die Rockerbox nicht viel und mittlerweile gibt es diese Geräte auch schon mit Motoren. Durch den schnellen Aufbau kann man sehr schnell beobachten und die Transportabilität sollte man auch bedenken.

Für den Semi-Professionellen Einstieg in die Astronomie wird es sicherlich auf eine parallaktische Montierung herauslaufen. Hier solltet Ihr Euch unbedingt vorher Erkundigen ob das Wunschteleskop mit dieser Montierung auch ordentlich bedienbar ist. Schwingung sind der größte Killer für Astrofotografie und es wäre sehr Schade viel Geld in ein Teleskop zu investieren und später festzustellen, dass die Montierung ersetzt werden muss.

Ausblick

In der nächsten Folge der Serie zum Einstieg in die Astronomie gehe ich auf das Zubehör ein. Sicherlich gibt es Komplettpakete mit denen man sofort beobachten kann. Aber mit der Zeit wird man feststellen, dass man doch das eine oder andere Teil noch nachkaufen muss.


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