Himmelsfotografie für Jedermann: Kamera, Technik und sonstiges

Himmelsfotografie AstrofotografieVor ein paar Tagen hatte ich ja angekündigt, dass ich mich verstärkt mit der Himmelsfotografie beschäftige. Hierbei möchte ich meine hoffentlich wachsenden Erfahrungen mit Euch teilen.

Zum Hauptartikel und damit zu allen bisher erschienen Folgen aus der Serie kommt Ihr hier:

Himmelsfotografie für Jedermann (Astrofotografie)

In dem heutigen Artikel soll es um die technischen Voraussetzungen und um einige Grundlagen in der Fotografie gehen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass jemand der gerade einsteigt in die Fotografie des Himmels etwas lernen kann, sondern ich muss mich intensiver mit der Thematik auseinander setzen, da ich Euch ja nichts falsches beschreiben möchte.

Kamera für die Himmelsfotografie

Für diese Serie werde ich meine Sony Alpha 230 Kamera nehmen und mein neulich erst neu erworbenes Stativ. Ich hatte zwar hier schon einmal beschrieben, warum sich die Sony Alpha 230 nicht für die Astrofotografie eignet, aber zum einen möchte ich mir nicht gleich eine neue Kamera kaufen und zum anderen zeigt es, dass man auch mit einer nicht unbedingt geeigneten Kamera sehr viel machen kann.

Warum die Kamera nicht geeignet ist findet Ihr in diesem Artikel:

Erfahrungsbericht: Warum eine Sony Alpha 230 für die Astrofotografie ungeeignet ist?

Wer sich schon im Vorfeld für einen Beobachtungsbericht der ISS mit Kamera und Stativ interessiert, kann sich gern hier informieren:

Beobachtungsbericht: ISS, Sony Alpha230 und neues Stativ

Die groben technischen Daten der Sony Alpha 230 seht Ihr in der folgenden Tabelle.

Kamera TypDigitale Spiegelreflex
FirmaSony
BezeichnungDSLR-A230
Pixel10,2 Megapixel
ProzessorBIONZ
ObjektivSAL 18-55
ISObis 3200

Das ist also die Grundlage für meine Himmels- und Astrofotografie.

Es spielt aber keine wirkliche Rolle mit welcher Kamera Ihr einsteigt. Selbst analoge Spiegelreflexkameras kann man gut für die Astrofotografie verwenden. Natürlich ist es einfacher geworden, die digitalen Bilder von der Speicherkarte auf den Computer zu ziehen und diese zu bearbeiten.

Ich kenne noch die Zeit wo man seinen Film in den Laden brachte und irgend etwas kaputtes wiederbekam, weil der Automat die Bilder nicht ordentlich schneiden konnte. Außerdem musste man die Bilder dann einscannen und auch dabei gab es dann Qualitätsverluste.

Heute ist es einfach für die Astrofotografen geworden.

Zubehör für die Himmelsfotografie

Es gibt diverses Zubehör für jede Kamera. Stative, Filter, Objektive etc. Einiges davon braucht man für die Himmelsfotografie.

Stativ

Um in die Himmels- oder Astrofotografie einzusteigen sollte man sich auf jeden Fall ein Stativ anschaffen. Falls dies nicht schon vorhanden ist.

Jetzt kann man denken, wozu brauche ich ein Stativ, wenn man doch nur mit Kamera fotografiert und diese nicht an ein Teleskop anbringt?

Auch nur mit Kamera kann man sehr schöne Langzeitaufnahmen machen. Hierbei gehen diese Aufnahmen in die Bereiche 30 Sekunden bis zu mehreren Stunden. Das kann man einfach nicht mehr machen indem man die Kamera hält. Meine Erfahrung ist auch, dass man sich zwar geeignete Orte suchen kann, auf denen man die Kamera ablegt. Zum Bespiel Stromkästen. Aber stellt euch vor das zu fotografierende Objekt steht 45° über dem Horizont? Wie richtet man die Kamera darauf aus?

Ein Stativ ist hier schon sehr von Vorteil. Ich habe mein Stativ nach der Transportabilität ausgesucht und weil es gerade im Angebot war. Die ersten Test mit Stativ bringen aber schon eine ganze Menge. Im Nachhinein betrachtet war es für mich genau das richtige Stativ. Ich kann jedes bewegliche Teil klemmen und minimiere dadurch die Schwingungen im Stativ.

Fernauslöser (Kabelbasiert)

Leider gibt es ja für meine Kamera keinen kabelbasierten Fernauslöser. Das ist sehr Schade und einer der Gründe warum sich meine Kamera nicht unbedingt eignet.

Ein Fernauslöser hat zwei Aufgaben zu erledigen. Die erste ist die Schwingungen bei der Aufnahme zu minimieren. Da man nicht mehr direkt an der Kamera auslöst, kann man diese auch nicht mehr mit dem Finger zum Schwingen bringen. Ihr seht schon, Schwingung ist ein ernstes Thema bei der Himmels- und Astrofotografie.

Die zweite Aufgabe des Fernauslösers ist, die Langzeitbelichtung. Jeder Fernauslöser kann nach dem Auslösen fest gestellt werden. Darauf sollte man beim Kauf auch achten. Wer mag schon gern 5 Minuten oder sogar 30 Minuten mit dem Finger auf den Auslöser drücken?

Speicherkarten

Wer mit einer digitalen Kamera arbeitet, sollte für ausreichend Speicher sorgen. Bilder die im normalen JPEG-Format aufgenommen werden sind nicht wirklich groß und meist kann man 1000 Bilder auf eine solche Karte speichern. Da wir aber diesen Qualitätsverlust nicht haben wollen, arbeiten die meisten Himmels- und Astrofotografen mit dem RAW-Format (Rohformat). Dieses ist aber um ein vielfaches Größer als das JPEG-Format, da hier keine Informationen weg gefiltert werden.

Daher sollte man schon 1-2 Ersatzkarten dabei haben. Weiterhin ist darauf zu achten, dass die Karten vom Markenhersteller zu bevorzugen sind. Ein Datenverlust durch billige Karten wird dabei vermieden.

Die Geschwindigkeit spielt bei den Karten eine eher untergeordnete Rolle, da schnelle Serienaufnahmen eher selten getätigt werden. Wenn man natürlich Sonne, ISS oder andere schnell bewegte Objekt aufnehmen möchte, dann kann man sich eine Karte mit einer höheren Geschwindigkeit anschaffen. Diese kostet aber meist dementsprechend mehr.

Ersatzakku

Wer schon einmal in kalter Umgebung fotografiert hat, weiß das kälte den Akku leer saugt. Wer also ein Beobachtungswochenende fern ab jeder Steckdose plant, sollte sich einen Ersatzakku anschaffen. Ich werde darauf verzichten, da ich mir sicherlich dieses Jahr noch eine neue Kamera kaufe, daher spar ich mir lieber das Geld und nehme in Kauf, dass der Akku halt auch mal leer ist.


Sensorreinigung

Manchmal kommt es vor das der Sensor verschmutzt. vor allem wenn man häufig die Objektive wechselt. Wie man den Sensor oder auch Objektive reinigt werde ich in einem anderen Artikel beschreiben, da man hier auch Tests durchführen kann die einem den Grad der Verschmutzung zeigen.

Störlichtblende

Wer wie ich aus einer hellen Umgebung heraus den Himmel fotografieren möchte, sollte sich eine Störlichtblende anschaffen. Diese wird auf das Objektiv gesetzt und minimiert von der Seite einfallendes Licht. Bewährt hat sich hier die Blende in Tulpenform. Eine normale runde Blende tut es aber auch. Für meine Kamera muss ich mir eine solche Blende noch besorgen. Ich werde dann in einem kleinen Test einige Aufnahmen ohne und mit Blende durchführen und Euch natürlich hier berichten.

Das war es soweit erst einmal zu den Zubehörsachen für die Himmelsfotografie. Der ein oder andere wird sich Fragen, ob man sich noch extra ein Objektiv anschaffen sollte. Ich werde einige Beispiele durchgehen, bei denen man schöne aufnahmen mit speziellen Objektiven erstellen kann. Da ich aber selbst diese Beispiele ausprobieren möchte, muss ich mir ein solches Objektiv erst besorgen. Wenn das Beispiel dann steht, dann werde ich auch auf diese Thematik eingehen.

Technik

Jeder sollte im Umgang mit seiner Kamera vertraut sein und wissen, was man wo einstellen kann. Damit einige grundlegende Fragen geklärt werden, möchte ich diese hier kurz besprechen. Sicherlich ist der Hinweis dienlich in das Handbuch eurer Kamera zu schauen. Meist bekommt man auch extra Bücher über die Kamera, Ich habe mir zum Beispiel das Buch Sony Alpha Fotoschule: Alpha 230 / Alpha 330 / Alpha 380 * gekauft. Dort wird beschrieben, wie man mit seiner Kamera schöne Aufnahmen machen kann und welche Techniken es gibt.

Alle die erst in die Thematik einsteigen, sei dieser kurze Überblick über die wichtigsten Begriffe gewidmet.

Was ist die Blende?

Mit der Blende kann man Steuern wie viel Licht durch das Objekt auf den Chip den Film fallen kann. Die Blende befindet sich also im Objektiv. Je größer die Blendenzahl ist, desto weniger Licht kommt durch das Objektiv. Sprich bei meiner Kamera kann ich eine Blende zwischen 3,5 und 5,6 einstellen. 5,6 lässt weniger Licht durch, als die Blende 3,5.

Was ist ISO?

ISO ist ein Wert für die Empfindlichkeit. Durch diesen Wert kann man die Aufnahme des Signal verstärken. Dabei kommt es aber unwillkürlich zum Rauschen. Das Rauschen oder auch Bildrauschen entsteht durch den Chip selbst und sind Fehlsignale. Je höher der ISO-Wert ist, desto höher ist das Bildrauschen.

Einer der größten Erleichterung für alle Fotografen war die Einführung der digitalen Kameras. Hier kann man den ISO-Wert einfach umschalten. Ich weiß noch, dass in meiner früheren Zeit beim Fotografieren diverse Filme von ISO200 bis ISO1000 bei mir im Kühlschrank lagen. Man musste sich beim Film halt vor dem Einlegen entscheiden, mit welchem ISO-Wert man arbeiten will und war dann für die Anzahl der Bilder festgelegt.

Was ist die Belichtungszeit?

Die Belichtungszeit ist schnell erklärt. Das ist die Zeit die das Licht auf den Chip fällt. Habe ich also 1 Sekunde Belichtungszeit eingestellt, dann wird der Chip 1 Sekunde lang mit Licht versorgt und dann schließt die Kamera wieder.

Was ist die Spiegelvorauslösung?

Schaut an Euren Spiegelreflexkameras oder im Handbuch nach ob Ihr eine Spiegelvorauslösung habt. Deshalb ist zum Beispiel meine Sony Alpha ungeeignet. Die Spiegelvorauslösung lässt den Spiegel wegklappen ohne das schon das Bild geschossen wird. Erst bei erneutem Druck auf den Auslöser wird auch die Bildaufnahme gestartet. Da der Hauptspiegel ein relativ großes Bauteil ist, bringt dieser beim wegklappen viel Schwingungen in das System. Das kann man damit vermeiden. Bei sehr langen Belichtungszeiten kann ich etwas vor das Teleskop halten und löse das Bild aus, warte 1-2 Minuten und nehme dann den Gegenstand (dunkle Pappe oder anderes) vor dem Teleskop weg. Damit habe ich etwas ähnliches wie eine Spiegelvorauslösung. Hilft aber nicht bei 1-2 Sekunden Belichtungszeiten.

Es gibt natürlich noch eine weit größere Anzahl an interessanten Daten und Einstellungen. Ich werde sicherlich das ein oder andere noch bei den Artikel schreiben. Wenn genug zusammen kommt, dann fasse ich die Techniken alle noch einmal in einem gesonderten Artikel zusammen.

Ausblick

Im nächsten Teil der Serie werde ich mit der Fotografie beginnen. Welches Beispiel ist wähle weiß ich noch nicht. Das ist Wetterabhängig. Lasst Euch einfach überraschen.

Literaturtipp:

Wer sich natürlich selbst in die Materie einlesen möchte, dem sei folgendes Buch nahe gelegt.



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4 comments

  1. Chris sagt:

    Kleiner Tip am Rande für Leute, die noch Hilfe bei der Fotografie brauchen: Der Fotolehrgang im Internet (http://www.fotolehrgang.de)

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Chris,

      vielen Dank für den Link. Ich habe mir die Seite angeschaut und finde die Klasse. Es gibt wirklich gute Tipps. Vor allen Eye-Fi hat es mir angetan. Ich hab mir die Karte besorgt und werde das mal mit iPad ausprobieren.

  2. Paul Ebner sagt:

    Danke für den ausführlichen Artikel. Der macht Lust auf mehr. Ich habe schon seit Monaten eine digitale Spiegelreflexkamera im Schrank liegen und noch nie wirklich benutzt. Das werde ich jetzt bei dem schönen Wetter definitiv mal nachholen weil mich der Artikel so dermaßen angespornt hat.

  3. Mina sagt:

    Hallo,

    ein sehr guter und vor allem übersichtlicher Artikel! Ich würde ebenfalls behaupten, dass ein Stativ bei Astroaufnahmen unentbehrlich ist, besonders wenn Bilder von hoher Qualität erzielt!

    LG

    Mina

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