Himmelsfotografie für Jedermann: Die Kamera kennen lernen

Bevor wir mit der Himmelsfotografie richtig loslegen, möchte ich darüber sprechen wie man seine Kamera etwas besser kennen lernen kann. Ich weiß, eigentlich wollte ich mit einem Beispiel beginnen, aber das Wetter und die Zeit hat das nicht zugelassen.

Bevor wir also in die Himmelsfotografie einsteigen, kommen hier noch einige Hintergründe und Tipps wie man mit seiner Kamera besser umgehen kann.

Im letzten Teil der Reihe Himmelsfotografie für Jedermann bin ich auf die Technik und das Zubehör eingegangen. Wer wissen möchte, was man zur Himmelsfotografie so alles benötigt der schaue bitte dort im Artikel nach.

Kennenlernen der Kamera

Bei den ersten Himmelsfotografien werden wir uns weniger um die Kamera am Teleskop kümmern, sondern eher mit Kamera und Stativ arbeiten. Mit dieser Technik kann man schon erstaunlich viel aus seiner Kamera heraus holen. Ein Stativ ist dabei schon ein muss. Viel mehr braucht man aber nicht.

Damit die Bedienung der Kamera auch im dunkeln funktioniert, sollte man seine Kamera kennen. Dazu muss man aber nicht jede Kleinigkeit und jede Menüeinstellung kennen. Die Grundlagen sollten aber da sein.

Da die Einstellungen je nach Kameratypus unterschiedlich sind, werdet Ihr nicht drum herum kommen, das Handbuch zu lesen. Ich mache das auch nicht gern, aber bei einer DSLR ist das schon recht hilfreich.

Wir werden erste Experiment mit der Kamera am Tage durchführen. Das erleichtert das Kennenlernen und viele Funktionen kann man damit auch herausfinden. Wichtig ist, dass man sich die Effekte immer mal wieder verdeutlicht. Mit zunehmender Übung geht das aber ins Blut und man braucht weniger Überlegen, mit welchen Einstellungen man die nächste Aufnahme durchführen möchte.

Experiment ISO-Zahl

Im letzten Artikel der Serie bin ich ja schon ganz kurz auf die ISO-Zahl eingegangen. Dort habe ich beschrieben das die ISO-Zahl die Empfindlichkeit der Aufnahme ist. Dabei bedeutet die nächst höhere ISO-Zahl eine Verdopplung der Lichtempfindlichkeit.

Die meisten heutigen DSLR-Kameras haben ISO-Zahlen von 100 bis 3200. Die Schritt weiter ist auch immer eine Verdopplung der Zahl.

Die Erhöhung der ISO-Zahl kann eingesetzt werden um die Belichtungszeiten zu verkürzen. Hierbei befindet man sich aber in einer Gradwanderung. Die Verkürzung der Belichtungszeit ist ja anzustreben, da dadurch Nachführfehler reduziert werden können. Doch die Erhöhung der ISO-Zahl hat auch ein erhöhtes Bildrauschen zur Folge. Dieses Entsteht dadurch das der Chip nun mehr Signale sendet und damit auch Fehlsignale die vom Chip selbst stammen. Dies macht sich dann als Bildrauschen bemerkbar.

Ich habe euch einmal 6 Bilder in einem dunklen Zimmer mit den entsprechenden ISO-Werten aufgenommen. Die Bilder tragen die entsprechenden Namen der ISO-Werte.

Alle Bilder wurden hierbei mit einer Blende von 5,6 und einer Belichtungszeit von 4 Sekunden aufgenommen. Den Effekt der Empfindlichkeitserhöhung kann man hier sehr gut erkennen.

Um euch den Rauscheffekt darzustellen, habe ich zwei Bilder aufgenommen mit folgenden Einstellungen. Bild 1 hat eine Blende von 5,6 und einem ISO-Wert von 100. Die Kamera hat eine Belichtungszeit von 0,8 Sekunden ermittelt.

image

Das Bild hierbei ist Glasklar geworden.

Nun ein Ausschnitt mit einer ISO-Zahl von 3200. Die Blende war mit 5,6 die gleiche und die Kamera hat in der Programmautomatik eine Belichtungszeit von 1/40tel Sekunden ermittelt.

image

Schaut man nun mal auf die Tapete im Hintergrund oder direkt auf den Randbereich der Schale, könnt Ihr ein starkes Rauschen sehen.

Zur besseren Verdeutlichung habe ich noch einen größeren Ausschnitt erstellt. Links ist das ISO100 Bild und recht das mit ISO3200.

ISO100 BildISO3200 Bild

Hier kann man nun doch recht deutlich den Unterschied sehen.

Probiert es einfach aus und Ihr werdet ein Gefühl dafür bekommen.

Viele Kameras haben eine Automatische Rauschunterdrückung. Diese funktioniert bis ISO800 recht gut. Danach so gut wie gar nicht mehr. Macht doch mal einige Testreihen mit und ohne Rauschunterdrückung.

Manuelle Belichtungskorrektur

An den heutigen DSLR-Kameras kann man mit der Belichtungskorrektur einige schöne Effekte erzielen. Später in den Beispielen werden wir damit Arbeiten um mit Absicht etwas Über- oder Unterzubelichten. Diese Korrektur wird in meiner Kamera im Display mit einer Skala angezeigt. Diese geht von –2 über –1, 0, +1 bis +1.

Dabei stellt die negative Zahl eine Unterbelichtung und die positive Zahl eine Überbelichtung dar. Mit Belichtungsautomatik versucht die Kamera möglichst immer die 0 zu treffen.

Bildbearbeitungsprogramm

Natürlich muss man sich die Bilder auch noch irgendwie anschauen. Dazu benötigt man für den Computer Bildbearbeitungsprogramme. Hier sind einige Programme im Zuge der Astrofotografie entstanden.

Ich benutze zum Beispiel das Programm Gimp und meine Bilder zu bearbeiten. Dieses Programm ist OpenSource, kostet also nichts und hat unheimlich viele Funktionen. Wie man mit Gimp und anderen Programmen zur Bearbeitung von Bilder arbeitet, werde ich aber an gesonderter Stelle besprechen.

Gimp könnt Ihr hier runterladen: http://www.gimp.org/

Weiter Übungen

Um Eure Kamera noch besser kennen zu lernen, könnt Ihr Euch in der Zukunft mit folgenden Punkten beschäftigen:

  1. Handling mit den manuellen Einstellungen. Geht hier weg von der Belichtungsautomatik. Für normal Tagesbilder ist diese gut, spätestens bei den ersten Dämmerungsaufnahmen müsst Ihr auf manuellen Betrieb umschalten.
  2. Belichtungszeit und Blendeneinstellungen im manuellen Betrieb kennen lernen.
  3. Verwenden der Belichtungskorrektur. Sprich unter- und überbelichtete Aufnahmen machen.
  4. Verändern der ISO-Zahl
  5. Ein- und Ausschalten der automatischen Rauschunterdrückung
  6. Spiegelvorauslösung (falls an der Kamera vorhanden). Bei meiner Kamera geht das leider nicht. Nachzulesen hier: Erfahrungsbericht: Warum eine Sony Alpha 230 für die Astrofotografie ungeeignet ist?
  7. Ausschalten der Automatischen Bildanzeige nach jeder Aufnahme. Das frisst nicht nur Energie des Akkus, sondern zerstört Euch auch die Dunkeladaption des Auges.
  8. Aus- und Einschalten des Autofokus (dieser Funktioniert bei dunklen Bildern eh nicht)

So, ich hoffe das es Euch trotz des fehlenden Livebeispiel trotzdem Spaß gemacht hat. Ich werde mich nun auf die lauer Legen, damit ich beim nächsten mal mit einem Artikel protzen kann, der auch Himmelsfotos beinhaltet. Ich wünsche euch viel Spaß beim ausprobieren.

Literaturtipp:

Wer sich natürlich selbst in die Materie einlesen möchte, dem sei folgendes Buch nahe gelegt.



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