Der Stand der Astronomie in Deutschland

Astronomie in Deutschland - © jokatoons - Fotolia.comWie sieht es mit der Astronomie in Deutschland aus? Ich möchte hier meine eigene Sichtweise auf das Thema Astronomie in Deutschland wiedergeben. Natürlich spreche ich hier nicht von der professionellen Astronomie, sondern eher von dem Hobby, dem Interesse der Menschen an dem Thema Astronomie.

Meine Fragen sind daher folgende: Kann es sein, dass die Menschen sich immer weniger für da Thema Astronomie interessieren? Ist der Himmel so uninteressant geworden?

Ich habe mir mal die Zeit genommen und ein wenig zum Thema Astronomie recherchiert. Meiner Meinung nach bin ich auf erschreckende und zum Teil verstörende Ergebnisse gekommen.

Ich möchte Euch meine Sichtweise und meine Recherchen näher bringen, in der Hoffnung eine Diskussion anzustoßen, aus der einige Wege zur Verbesserung hervorgehen.

Google Trends

Aufgrund einer Auswertung zu meinen Blog-Projekten bin ich zu Google Trends gegangen und habe mir mal das Suchwort Astronomie gegriffen.

Google Trends ist ein Dienst, wie soll es auch anders sein, von Google, der das Suchvolumen der letzten Jahre auswerten kann.

Dort habe ich mit den Filtern ein wenig rumgespielt und habe folgende Grafiken erhalten:

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Die erste Grafik (oben) zeigt den Trend vom Jahr 2004 bis heute für das Suchwort “astronomie” weltweit an. Man kann sehen, dass das Suchvolumen in den Jahren 2004-2005 noch recht hoch war. Aber der gesamte Trend ist auf einem absteigenden Ast und nicht mal das Internationale Jahr der Astronomie konnte das Suchvolumen wieder auf einen Wert von über 1 bringen.

Die Werte der Suchvolumen beziehen sich hier auf das Durchschnittliche Suchvolumen, welches auf den Wert 1 skaliert ist. Das heißt das im Jahr 2004 das Suchvolumen ca. 2.5 mal so hoch war als der Durchschnitt aus allen Jahren. Im Jahr 2011 haben wir noch ca. 50% des Durchschnittlichen Suchvolumens aus allen Jahren.

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Hier in der zweiten Grafik habe ich den Trend für Deutschland dargestellt. Dieser hat einen ähnlichen Verlauf wie der weltweite Trend. Trotzdem ist er absinkend.

Im Jahr 2011 kann man sehen, dass das Suchvolumen langsam wieder dem Wert 1 zustrebt. Ob das so bleibt, weiß ich nicht. Etwas deutlicher zeigt sich der Beginn des Internationalen Jahres der Astronomie 2009. Aber auch hier kann der Anfangspeek nicht gehalten werden.

Mitte 2010 fällt der Wert sogar unter die 0,5er Marke.

Ist das ein Zeichen dafür das Astronomie als Thema nicht mehr interessant ist?

Schaut man sich jetzt den Trend nur für Deutschland an, dann gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer.

image 

Nur das Jahr 2011 kann damit Punkten, dass das letzte Quartal über dem Trend liegt und sich hier einen Aufwärtsbewegung abzeichnet. Ob diese aber anhält kann ich nicht einschätzen und das wird die Zukunft zeigen. Vielleicht trägt ja dieser Artikel dazu bei, dass 1-2-3 Besucher sich mehr mit Astronomie beschäftigen oder die ein oder andere Webseite sich mehr dem Thema widmet.

Astronomie und die sozialen Themen

Der Entschluss diesen Artikel zu schreiben, habe ich getroffen als ich mir die sozialen Medien angeschaut habe. Allen voran Twitter, Facebook und Google+.

Twitter

Ich veröffentliche ja bei Twitter (@gottie29)alle meine Blogeinträge und trotzdem komme ich nur auf 125 Follower. Sind diese Beiträge so uninteressant?

imageIch habe gerade eben zur Minuten (12:18 Uhr) nach dem Stichwort “Astronomie” gesucht und finde die Auflistung die Ihre rechts sehr.

Hierbei geht es mir nicht um die Anzahl der Tweets. Dazu ist Twitter viel zu schnell. Nein, schaut mal genau auf die Zeit der Tweet-Nachrichten. Die letzten Nachrichten wurden erstellt (ab Suchzeit rückwärts) vor – 2m, 1h, 1h, 1h, 5h, 12h, 22h, 28 Dez, 27 Dez.

Fällt Euch was auf? Nehme ich die letzten 7 Nachrichten, dann ist nur alle 3 Stunden eine Nachricht mit dem Stichwort Astronomie erschienen. Das finde ich sehr wenig. Nimmt man nun noch die Leute, die die Tweets erstellt haben, dann zähle ich gerade mal 4.

Das finde ich dann doch etwas wenig. Ist aber nur meine Meinung. Zu berichten gibt es doch eigentlich genug.

Immerhin hat Vorzeige-Blogger Florian Freistetter (@astrodicticum) 3,778 Follower. Das lässt sich schon sehen. Man muss aber sagen, dass er nicht immer rein astronomisch Bloggt. Sondern viele Themen sind fern der Astronomie anzusiedeln.

Ich habe mir mal einige Twitter-Accounts angeschaut, die sich mit Astronomie beschäftigen:

Manfred Holl (@Astroholl)124 Follower
Relativ Kritisch (@RelativKritisch)119 Follower
Joachim Schulz (@quantenwelt)348 Follower
Stephan Fichtner (@Astronomy_Live)171 Follower
Sterne und Weltraum (@Sterne_Weltraum)1,131 Follower

Selbst die Zeitschrift SuW, die jedem Hobbyastronomen bekannt ist, hat nur 1,131 Follower. Weniger als Florian als Blogger besitzt.

Facebook

imageGut, gehen wir weiter zu Facebook. Ich habe auch dort mal nach Astronomie-Seiten Ausschau gehalten. Mit über eine halben Milliarde Mitgliedern sollte man doch meinen, dass hier die Astronomie stark vertreten ist oder?

Ich habe einfach mal in die Suche das Wort “Astronomie” eingegeben und erhalten schon eine Menge an Suchergebnissen.

Der Screenshot zeigt aber erschreckendes.

Schaut Euch mal die Zahlen zu “Gefällt mir” an.

Die Gemeinschaft mit dem Wort Astronomie hat genau 97 Fans. Die Naturwissenschaftsseite Astronomie hat genau 146 Fans.

Filtern man nun nach Gruppen und betrachtet hier mal nur die offenen Gruppen, dann stellt sich ein ähnliches Bild ein.

Es gibt hier Gruppen mit vllt. 2 bis max. 10 Mitgliedern. Wo sind die ganzen Hobbyastronomen bei Facebook?

Schaut man sich nun die Facebookseiten einiger (Hobby-)Astronomen bei Facebook an, dann kann man hier etwas ähnliches feststellen, wie bei Twitter.

Astrodicticum Simplex (FB-Link)1.862 Fans
Clear Sky-Blog (FB-Link)30 Fans
Astrofan80s Blog (FB-Link)11 Fans
Haus der Astronomie (FB-Link)464 Fans
Astronomie & Astrophysik (FB-Link)53 Fans
Astronomie.de (FB-Link)572 Fans
astronews.com (FB-Link)766 Fans

Selbst Seiten wie Astronomie.de oder Astronomie & Physik kommen nicht auf 1000 Fans.

Google+

Als letztes habe ich mir mal Google+ angeschaut. Das es bei Facebook schwierig ist an Fans ranzukommen, kann ich verstehen. Bei Google+ habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass es reicht sich in einige Kreise einzutragen und häufig wird man dann auch gleich in einen Kreis eingefügt.

Ich habe diese Woche eine Google+-Seite für diesen Blog erstellt. Wer direkt mal nachschauen will, der kann das hier tun: Clear Sky-Blog bei Google+

Nun hat Google+ noch nicht so viele Mitglieder wie Facebook, aber trotzdem ist es eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke.

Da denkt man doch, dass zumindest ein Teil der Astronomen dort vertreten ist.

Als ich meine G+-Seite mit anderen Seiten verbinden wollte, bin ich zu einer erschreckend kleinen Anzahl an Seiten gelangt, die sich mit dem Thema Astronomie beschäftigen.

In Summe sind das genau 10. Ja, 10! Noch einmal. In Worten: Zehn!

Schaut man sich nun noch die Kreise der 10 Seiten an, dann kommt man auf noch geringere Werte als bei Facebook mit den Fans.

Das Haus der Astronomie (bei FB mit immerhin 464 Fans vertreten) ist bei G+ genau bei 34 Personen in den Kreisen. (Google+-Link)

Die DLR steht immerhin schon bei 269 Personen in den Kreisen. Wahrscheinlich ist ein recht hoher Anteil davon beim DLR beschäftigt (Google+-Link).

Während astronews.com bei FB noch 766 Fans hat, kommt es bei Google+ nur noch auf 37 Kreise (Google+-Link).

Ist hier wirklich so wenig los? Wo sind die ganzen Webseitenbetreiber, Blogger, Kommunikatoren, astronomiebegeisterten Leser und Schreiber?

Was ist in Deutschland los? Kann mir das jemand erklären? Warum interessieren sich so wenige für dieses Thema? Wo sind die Vereine geblieben? Wo die AG’s? Warum findet man diese nicht im Netz der Netze?

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Teleskop bei Astroshop
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18 comments

  1. Christoph sagt:

    So, nach Deinem Artikel habe ich auch erst mal ein Google+ Profil für meinen Blog “Der AstroGnom” angelegt. In meinem Fall hab ich es total verpennt und Dein Artikel hat mich wachgerüttelt.
    Was die praktische Astronomie angeht, denke ich, sind viele zu bequem um Nachts aufzubrechen an einen dunklen, kalten Ort um dort ihre Teleskope aufzubauen und mit der Beobachtung zu starten. Ein weiterer Faktor ist die Zeit. Viele haben keine Zeit oder wollen die Zeit lieber anderweitig verbringen. Das Geld darf man nicht vergessen. Es gibt zwar Einsteiger-Teleskope und Feldstecher aber wenn es dann später mal mehr sein soll, wird es schnell teuer. Wenn ich die Preise sehe, haut es mich teils auch aus den Latschen. Für mich käme nur ein Feldstecher in Frage weil ich mir ein teures Teleskop nicht leisten kann und ich auch zu bequem bin in der Kälte mein Teleskop groß aufzubauen oder abzubauen etc.
    Ich beschäftige mich daher mehr mit der Theorie. Lese viel über Astronomie und Raumfahrt, weil ich es einfach spannend finde und die Astronomie muss man eigentlich mögen, weil es die älteste aller Wissenschaften ist und sie erklärt warum alles ist wie es ist. Ich würde aber schon sagen, dass das schon recht speziell ist. Wer setzt sich hin und liest aus Spaß Astronomiebücher oder Physik-Bücher? Da liegt es näher mit Freunden auszugehen oder Sport zu treiben oder die XBOX anzuwerfen, leider. Aber ich kann es verstehen.
    Viele sehen auch keinen Sinn in der Astronomie. Ich hatte Schüler befragen lassen in Hamburg, was sie von Astronomie an ihrer Schule hielten. Das Echo war eher negativ, auch wenn es positive Stimmen gab. Es wurde z.B. gesagt, dass der Lehrplan zu voll sei um noch so etwas unwichtiges wie Astronomie reinzupressen. Astronomie würde einem im Leben nichts bringen. Es hat keine Auswirkung bzw. einen Vorteil bezüglich eines späteren Berufs, Geld etc. Heute scheinen die Leute alle nur Dinge tun zu wollen, die Geld einbringen, förderlich für den Beruf sind, das Prestige etc.
    Naja, über die Politik muss man nicht viel reden. Da wird ja auch nicht gerade viel Geld in die Astronomie und Raumfahrt investiert. Für Länder wie Griechenland hat man notfalls ein paar Milliarden übrig aber für die Raumfahrt oder Astronomie, nein. Das Problem ist hier, dass viel Geld investiert werden muss aber die Ziele die erreicht werden sollen, eher langfristig sind. Das Geld ist erstmal weg und Ergebnisse gibt es dann Jahre später, manchmal fällt das Ergebnis auch nicht so aus wie man es sich erwünscht hätte. Manchmal schlagen Missionen fehl und das Geld ist weg, ohne Ergebnis. Die Politiker brauchen gute Ergebnisse und zwar schnell. Forschung braucht aber Zeit.
    Was die Onlinepräsenz angeht, weiß ich nicht, warum es so mau aussieht. Vielleicht spielt auch ein wenig Unwissenheit über die neuen Medien mit, sodass die Vorsitzenden oder Verantwortlichen solcher Vereine evtl. öfters auch schon ein wenig älter sind und nicht mit dem Computer oder Internet aufgewachsen sind und gar nicht wissen, welche Möglichkeiten es gibt sich zu präsentieren und auszutauschen. Nur eine Theorie von mir, keine Ahnung ob es zutrifft.

    Das war jetzt recht viel aber ich habe einfach mal so geschrieben was mir spontan in den Kopf gekommen ist.

  2. Hallo,

    was die Stichworte bei Twitter betrifft:
    Ich gebe meist auch nicht das Stichwort Astronomie bei jedem Post an. Auch kommt das Wort selbst selten in den Posts vor. Ich denke, dass es mehr Posts zur Astronomie gibt.

    Trotzdem ist die Anzahl der deutschsprachigen Posts im Web 2.0 zu Astronomie recht gering. Die deutschsprachigen Streiter, also Leute wie wir, kann man an max. zwei Händen abzählen.
    Wirklich schade.

    Lösungsvorschläge:
    Untereinander mehr verlinken, Beiträge “teilen”, interessante Links verbreiten, etc.

    Grüße
    Albert

  3. Stefan Gotthold sagt:

    Ich habt beide Recht mit Euren Aussagen.
    Es fehlt an der Vernetzung, es fehlt an dem Engagements und vor allem an der Leidenschaft. Diese möchte ich den aktiven Hobbyastronomen, aber auch den aktiven Wissenschaftlern nicht absprechen und alle über einen Kamm scheren. Aber ich habe das Gefühl das von unserer Seite nicht viel dafür getan wird.
    Ich habe in einem Artikel eine Umfrage an Schulen in Hamburg gelesen, bei der die Jugend nicht interessiert ist an den astronomischen Themen.
    Ich glaube fest, dass die Menschen sich mehr dafür interessieren würden, wenn Sie die Zusammenhänge verstehen würden.
    Mein Experiment in einer 6. Klasse hat eine totale Begeisterung an dem Thema gezeigt. Es hat den Kindern Spaß gemacht und es bleibt sicherlich bei dem einen oder anderen hängen.
    Wie oft liest man aber, dass Vereine oder andere Institutionen an die Schulen gehen? Wie selten hört man von solchen Aktionen? Ich glaube das ab und an sowas stattfindet, aber es wird nicht öffentlich gemacht. Die Leute kennen die Techniken oder Kommunikationswege nicht und es werden meiner Meinung nach immer weniger.
    Muss das sein? In der Richtung biete ich gern jedem meine Dienste an der mehr in die Öffentlichkeit tragen möchte.
    @Albert: Ich werde von nun an verstärkt darauf achten, mehr Beiträge zu Liken, Tweeten, +1sen und zu teilen. Einfach in der Hoffnung das immer mehr Menschen sich wieder dafür interessieren.
    Mal sehen wie es 2012 laufen wird.

    Viele Grüße
    Stefan

  4. Schau Dir mal die unglaubliche Action auf den großen Forensystemen von astronomie.de und astrotreff.de an: *Da* findet die Vernetzung statt. Ein Bedarf für großen Einsatz per Blog, Facebook und Twitter wird angesichts der dort vorhandenen Fülle an aktuellem Material einfach nicht gesehen – das kann man doof finden (ich halte z.B. Twitter für das ideale Medium schlechthin für schnelle Informationsverbreitung), aber es ist halt hierzulande Tradition.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Daniel,
      in den Foren findet die Vernetzung der dort angemeldeten Benutzern statt. Doch ist das der Sinn der Sache?
      Facebook hat > 500 Millionen User, Google will bis 2013 400 Mio. User haben und wieivle hat Twitter? Da hab ich keine Zahl im Moment. Sollte nicht dort Vernetzt werden um die Menschen zu erreichen und das Thema, die Wissenschaft aller Wissenschaften bekannter zu machen?
      Ja, ich finds doof. Ich bin nicht gegen Traditionen (Teleskoptreffen find ich Klasse), aber die Forentradition schneidet die Astronomen immer mehr von den Menschen ab und das sehe ich als schlechten Weg an. Ich will nicht die Foren verteufeln oder habe etwas gegen die Foren, mich wundert nur das es anscheinend nur diese eine Welt bei den Astronomen (Amateur) gibt und nichts rechts und links. Gut, fast nichts.

  5. Claudia sagt:

    Ich weiß nicht wie es bei Facebook und g+ ist, aber viele Follower bei Twitter genieße ich eher mit Vorsicht. So eine hohe Follower-Zahl generiert sich meiner Meinung nach aus 3 Gruppen:
    1) Leute, die nur folgen, um des folgens willen – damit mehr Follower zum anderen Profil kommen. Diese Gruppe besteht eigentlich nur aus Leuten, die irgendwas verkaufen wollen.
    2) Spammer
    3) echte Menschen mit echtem Interessen. Dies ist wohl die kleinste Gruppe.

    Problem mit Vernetzung generell: Die Inhalte sind oft diesselben.
    Durch die Vielzahl der Kommunikationskanäle muss sich der User aussuchen, was am Besten passt. Wenn bei Facebook, g+ und twitter der gleiche Blogbeitrag gepostet wird, muss ich in keinem sozialen Netzwerk sein, mir reicht es den Blogbeitrag zu lesen.

    Und was ist eigentlich mit den traditionellen Medien? Aushängen in öffentlichen Institutionen? usw.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Claudia,
      ja, da hast Du recht. Aber in den sozialen Netzen zählt die Masse…nicht die Klasse. Es geht ja gerade darum, dass man durch die Masse wesentlich mehr Menschen erreicht. Ehrlich gesagt hätte ich lieber 100.000 Follower, von denen 1% sich für Astronomie interessiert, als 100 Follower von denen sich 80% für Astronomie interessieren oder?

      Und gerade durch die Vernetzung muss der Benutzer sich nicht mehr aussuchen, was der beste Kanal für Ihn ist. Er bekommt die Info für die er sich interessiert dort wo er ist und muss nirgends hingehen. Das ist das Hol-Bring-Schuld-Problem.
      Ich möchte meinen Artikel gern zu den Benutzern bringen…ohne das er sich umorientieren oder suchen muss. Das wäre ein Ziel für mich!

      An die traditionellen Medien kommt der Hobbyastronom nicht ran. Ich gehe in kein Insitut und hänge dort aus, dass ich an einem neuen Projekt arbeite. Wissenschaftler haben sicher andere Möglichkeiten in der Richtung.
      Aber Florian zeigt auch, dass sein Bekanntheitsgrad Ihn häufiger mal ins Radio bringt. Das wäre auf jeden Fall etwas…wenn es nicht immer um so tolle Themen wie den Weltuntergang gehen würde.

  6. Frank sagt:

    Moin,

    uij, das ist ein Thema … ein wichtiges Thema.

    Mal hinten angefangen: ich gebe Manfred recht. Die Darstellung vom “Astronom” oder der Steigerungsform “Hobbyastronom” in den Medien ist wirklich schlimm. Dem könnte man nur durch entsprechend anderes und medienwirksames Auftreten entgegenwirken. Da kenne ich auch ein Beispiel zu: wir haben in Gießen mal in einem Pub ein Kometenfoto versteigert – das ändert das Bild. Andere Beispiele könnte ich geben.

    Vor einiger Zeit habe ich mal in einer Schule mit einem Freund zusammen eine freiwilllige Astronomieveranstaltung bestritten. Wir wurden von einen motivierten Lehrer unterstützt – aber Jungs, das ist echte Arbeit, die ja neben einem Vollzeitjob laufen muss. Mit Blick auf meine Vereinskollegen (ein Geschäftsführer, ein Entwicklungsleiter, usw.) sehe ich das zeitliche Problem auch bei anderen …

    Christoph, Deinen Ansatz, Dich im Rahmen von Möglichkeiten tief in die Astronomie einzuarbeiten, finde ich gut. Ich möchte Dir nur etwas widersprechen: wir leben in Bezug auf astronomische Technik fast im Paradies. Mit einem Budget von 500 Euro bekommt man ganz andere Technik als mit 1000 DM in den Achtzigern. Allerdings muss ich zugeben, dass die Bezahlung in vielen Jobs auch nicht mehr ideal ist. Ich finde übrigens, dass man von Astronomie langen Atem lernen kann, was für den Beruf überaus wichtig ist :-)

    Tja, Foren. Sie sind gut und wichtig, keine Frage. Aber sie sollten m.E. nicht alles sein – und daher helfe ich in Vereinen und betreibe selbst ein Blog. Direkte Ansprechpartner, die Astronomie leben, sind meiner Erfahrung nach sehr wichtig.

    Wir hatten ein ähnliches Thema mal an meiner Uni. Dort ging es um Physik und wie man sie darstellt. Am Ende steht, sich das Zielpublikum anzugucken und es abzuholen, wo es steht. Die Zeiten sind heute anders als bspw. in den von Raumfahrt und technischem Fortschritt geprägten 60zigern.

    Ich persönlich wünsche mir einfach mehr Zeit für Beobachten und für das Umsetzen einiger Ideen zur Verbreitung astronomischer Themen. Ich fürchte, das geht vielen so. Aber mein Eindruck ist: es gibt viel fruchtbaren Boden, auf den nur mal ein Samen fallen müsste.

    Viele Grüße,
    Frank

  7. Manfred Holl sagt:

    Hallo Stefan,

    im Verein erlebe ich auch viele Leute, die erstaunt sind, dass man zum Sternegucken nachts raus muss, dass man dazu in eine viele Kilometer weit entfernte Außensternwarte fährt usw. Ich denke, viele Leute haben einfach eine vollkommen falsche Vorstellung von praktischer Astronomie, das zeigt sich bei sehr vielen Einsteigern.

    Die Zahl der Follower bei twitter ist auch nicht gerade aussagekräftig. So habe ich viele Follower und Followerinnen, die augenscheinlich wenig oder gar kein Interesse an Astronomie haben, meinen tweets aber trotzdem folgen, warum auch immer.

    Viele nutzen aber twitter und facebook gar nicht, wobei ich selber auch nicht bei facebook bin.

    Ein Punkt ist auch die oft falsche und weit daneben liegende Darstellung von Astronomen und Sternfreunden in den Medien, die oft als schräge Gestalten kolportiert werden. Heute muss alles ein Eventcharakter haben, und die sind nur bei besonderen Ereignissen wie Mond- und Sonnenfinsternissen hinzubekommen.

    Als ich vor ein paar Wochen die Mondfinsternis in Kellenhusen an der Ostsee mit einem Kumpel beobachtet habe, kamen auch ein paar Passanten vorbei. Die meisten ignorierten uns, ein älteres Pärchen blieb länger (die jüngeren gingen achtlos vorüber), aber auch die beiden verstanden nicht, wieso man nur wegen einer Mondfinsternis da hinfährt, wo das doch überall im Fernsehen zu sehen ist. DAS könnte ein Hinweis sein, denn anscheinend meint man, dass es genügt, sich astronomische Vorgänge im Fernsehen anzusehen und dabei verkennt, welches Naturereignis man da live hätte erleben können. immerhin weiß ich noch, was ich an dem Abend gemacht habe, ich wüsste aber nicht mehr, was ich einen Tag vorher oder nachher im TV gesehen habe.

    Vielleicht liegt es auch an der zunehmenden Lichtverschmutzung, die verhindert, dass man in den Städten noch Sterne sieht und die damit verhindert, dass sich Menschen für Astronomie interessieren.

    Möglicherweise hat das zunehmende Desinteresse aber auch viel tiefliegendere Ursachen, wer weiß.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Ich glaube es ist der letzte Satz, der viel Wahrheit enthält.
      Man muss sicher beide Seiten betrachten. Haben die Menschen Interesse an dem Thema? Ich glaube ja. Kann ich das Interesse wecken? Als einzelner nur beschränkt, aber in der Gruppe schon.
      Ich hatte ein ähnliches Erlebnis bei einer meiner ISS-Beobachtungen. Dort kam eine Frau und fragt, was ich auf einem berliner Sportplatz tue. Ich habe Ihr gesagt, dass ich die ISS beobachte. Ach ja, sagte Sie während Sie zum Himmel schaute. Danach kam die Frage: Was die ISS eigentlich wäre? Fand ich lustig und ich hatte ein langes Gespräch mit Ihr. Man kann die Menschen schon erreichen und begeistern.
      Man muss es nur tun.

  8. Wenn man als Hobby-Astronom mit anderen Hobby-Astronomen quatschen will, sind Foren sicher ein guter Ort. Dafür braucht man kein Blog. Ein Forum ist ein Diskussionmedium, ein Blog ein Publkikationsmedium. In meinem Blog erzähle ich das, was ich interessant finde und freue mich, wenn andere es lesen. Mit einem Blog kann man Laien für ein Thema interessieren; in einem Forum amüsieren sich meistens nur Stammmitglieder; ein Neuling/Laie blickt nicht durch und findet dort keine konsistenten und vernünftig aufbereiten Informationen.

    Ist halt die Frage, was man will. Geht es um die Kommunikation zwischen Gleichgesinnten, dann braucht man nicht viel tun. Diese Leute finden sich in Foren, Vereinen etc sowieso zusammen. Geht es um Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, gibt es kaum ein schlechteres Medium als ein Forum…

    • Stefan Gotthold sagt:

      Da stimme ich Dir zu. Um so mehr wundert es mich, dass es so wenige Blogs gibt. Ich bin der Meinung, und hier vermute ich nur mal, das es Deutschlandweit < 100 Blogs gibt, die sich mit astronomischen Themen. Woran liegt das?

  9. Oliver Rensch sagt:

    Hallo Herr Gotthold,

    herzlichen Dank für Ihre interessanten Ausführungen!

    Ich bin seit 30 Jahren Amateurastronom. Ich kenne die Zeiten, in denen ich ‘privilegiert’ war, da ich im örtlichen Planetarium an die IAU-Telegramme kam. Ab Ende der 80er hatte ich diese dann sogar via Akustikkoppler und Telefonleitung auf meinem Rechner. Kurzfristige Ereignisse und Beobachtungstreffen liefen über Telefonkette. Zwischen dieser Zeit und heute hat die internationale Vernetzung der astronomisch Interessierten derart zugenommen, dass ich für meinen Teil schon seit Jahren nicht mehr mit dem Lesen der mich potentiell interessanten Neuigkeiten nachkomme. Ich muss täglich aus Hunderten von Nachrichten filtern. Dabei bekomme ich Nachrichten via Email aus Diskussionsgruppen oder ich besuche Foren, wie die hier bereits erwähnten. Wenn ich es möchte, kann ich innerhalb von Minuten Kontakt mit Amateuren aber auch Profiastronomen weltweit aufnehmen und mich austauschen. In den Jahren 85-05 war ich sehr intensiv in der astronomischen Öffentlichkeitsarbeit tätig. Durch sehr gute Pressekontakte kam es immer wieder zu Erwähnungen astronomischer Aktionen und Ereignisse in Print, Funk und TV. Ziel war es, Menschen nicht nur der Astronomie näher zu bringen, sondern ihnen auch mögliche Anlaufpunkte zu nennen.
    Heutzutage kann jeder, der sich für die praktische Astronomie interessiert mit ein paar Mausklicks die nächstgelegene (Volks-)Sternwarte samt Beobachtungsprogramm ausfindig machen. Wenn es dann ans ‘Eingemachte’ geht, bieten sich die spezialisierten Foren an.

    Kurzum: Ich sehe das Grundproblem nicht.
    Wenn das Interesse an der Astronomie sinkt, ist wohl der letzte Grund mangelnde Information!
    Ohne es belegen zu können, befürchte ich eher das Gegenteil: In einer immer schnelllebigeren, konsumorientierten, lichtverschmutzten Welt, sind viele Menschen derart ‘überinformiert’, dass sie den Himmel vor lauter Sternen nicht sehen. Der Weg führt meines Erachtens in eine immer weitere Spezialisierung innerhalb der Medien, egal ob es sich um einen eigenen TV-Kanal für Eisenbahnfreunde oder um ein Internet-Forum für den astrotauglichen Umbau digitaler Spiegelreflexkameras handelt.
    Ich habe eben in einer Suchmaschine den Städtenamen meines Wohnortes und ‘Astronomie’ eingegeben. Die ersten Treffer haben mir zielgerichtet alle relevanten Anlaufstellen in meiner Umgebung gelistet. Was will ich mehr?

    Clear Skies für 2012!

    Oliver Rensch

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Herr Rensch,
      interessante Denkweisen die Sie hier geäußert haben. Ist wirklich eine Überinformation daran Schuld das sich viele nicht mehr mit dem Thema Sternenhimmel und den Grundfragen der Astronomie, Physik, Mathematik beschäftigen?
      Das würde ja heißen, dass jeder alles Überall her bekommt und immer Antworten auf seine Fragen findet und deshalb nicht mehr danach sucht?
      Hmmm, ich muss sicherlich noch ein paar Gedanken aus Ihrer Sichtweise wälzen. Danke für das anregende Kommentar.
      CS und gesundes neues Jahr wünscht,
      Stefan

  10. Wer sich für die Astonomie interessiert und auch weiß wie er im Netz voran kommt, weiß auch wo er seine Infos herbekommt und wie er sie bewerten muß. Neulinge erreicht man so eher nicht…. Sei es mit Foren, Blogs oder sonstigen Communities.

    Seit Ende November haben wir mit unserer Sternware einige öffentliche Aktionen gehabt und eine grandiose Reaktion der interessierten Bevölkerung bekommen. SO erreicht man die Öffentlichkeit. Und dann muß man es hinbekommen, dieses Interesse zu erhalten… und das braucht langen Atem. Aber wer kommt dann schon gegen TV und Co an ? Gegen die Bilder von Hubble und Co ?

    Aber: Es gibt immer wieder Leute die sich begeistern lassen von den realen Bildern im Teleskop, dem Gefühl endlich M82 gefunden und sogar vielleicht fotographiert zu haben.

    Und solche begeisterten Personen sind die Personen die sich dann organisieren und willens sind das selbst erlebte an die Schulen und andere Multiplikatoren heran zu bringen.
    Davon lebt die Hobbyastronomie. Nicht von Links in irgendwelchen Blogs oder ähnliches.

    CS und frohes neues Jahr

    Stefan

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Stefan,
      meist ist es doch nur eine Frage, die erst in die Richtung “Astronomie” zeigt. Ist diese beantwortet, war es das auch schon wieder. Weiterhin sehe ich die Onlinemdien heute als das wichtigste Mittel zur Verbreitung der Informationen an. Warum also nicht die Onlinemedien nutzen um aus dieser 1 Frage vielleicht 1000ende zu machen. Warum nicht die Möglichkeit von Netzwerken und dem aktiven Austausch zu diesen Fragen ermöglichen?

      Natürlich finde ich es toll, dass Sie an der Sternwarte solche Aktionen durchführen. Doch, wo steht darüber etwas? Wie können andere Sternwarten oder auch Privatpersonen davon profitieren oder lernen, indem Sie sehen was und wie es gemacht wurde?
      Auf Ihren Seiten finde ich wenig darüber.

      Wer sich aufrafft und in eine Sternwarte zu einer Veranstaltung geht, hat schon ein so hohes Eigeninteresse an der Astronomie entwickelt, dass man diesen nicht mehr Überzeugen muss. Es geht mir hier nicht darum, die vielen Astronomieinteressierten in die praktische Astronomie zu bringen, sondern eher die vielen tausend Hobby- und Amateurastronomen dazu zu bringen Ihr Thema, ihr Interesse, Ihr Hobby weiter in die breite Öffentlichkeit zu tragen und zwar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

      Ihre Aussage zu TV und Co oder zu Hubble finde ich erschreckend. Natürlich ist es schwer die Leute vom Fernseher weg zu bekommen oder davon zu überzeugen, dass ein Saturn im 10 Zöller anders aussieht, als auf den Hubble-Fotos. Aber wer, wenn nicht wir (Hobby-)Astronomen können probieren dagegen anzukommen? Was wäre den die Alternative? Aufgeben? Die Welt so weiterlaufen lassen wie sie im Moment ist oder lieber darüber Nachzudenken, was man besser machen kann?
      Ich bin für letzteres.

      Ich sehe eine gute Chance und viel potential in den neuen Medien. Ich denke das hier noch sehr viele Wege existieren um die Menschen zu erreichen und Ihnen zu zeigen wie fantastisch diese Welt, dieses Universum ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass man hier viel tun kann und auch sollte. In Ansätzen ist es da, aber das reicht meiner Meinung nach noch nicht.

      CS und gesundes neues Jahr
      Stefan

  11. BLugger sagt:

    Interessante Zusammenstellung. Danke für Deinen Hinweis! Und zur G+Frage: Meinem Gefühl nach eignet sich G+ bislang weniger zum Aufbau einer Fangemeinde für Institutionen oder Blogs und mehr. Die etablierten Fanpages auf FB sind da schon besser. Allerdings erreichen abgesetzte Meldungen die Fans nur, wenn es zu häufigen Interaktionen kommt. Insofern erreicht PR/ÖA via Fans weniger als per Twitter. Fans sind in diesem Sinne eher ein Netzwerk, Angehörige, Freunde und Partner, die sich einfach gerne als einer Gruppe zugehörig erklären.

  12. Stefan Gotthold sagt:

    Hallo,
    in 2011 hat ja dieser Artikel für einen große Aufmerksamkeit gesorgt. Der Artikel aus 2012 über den Stand der Astronomie 2012 (http://www.clearskyblog.de/2012/12/10/stand-der-astronomie-in-deutschland-2012/) wurde nicht so oft kommentiert.
    Ich überlege gerade die dritte Zusammenstellung zu machen und kann ja dann auf die Statistik verweisen. Was sagt Ihr?
    VG,
    Stefan

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