Himmelsfotografie für Jedermann: Strichspuraufnahmen

Himmelsfotografie für JedermannIch muss doch nun mal endlich einen weiteren Artikel zu meiner Serie Himmelsfotografie für Jedermann veröffentlichen.

Heute möchte ich die Strichspuraufnahmen besprechen. Nachdem ich mir ja eine neue Kamera gekauft habe (siehe auch Neues Ausrüstungsteil: Spiegelreflexkamera Canon 600D), konnte ich damit erste Aufnahmen erstellen und bin im höchsten Maße zufrieden.

Ich plane zwar ständig mal eine längere Fotosession, aber bisher kamen mir immer wieder Wolken dazwischen.

Trotzdem möchte ich Euch zeigen, wie man Strichspuraufnahmen erstellen kann, auf was man achten sollte und wie man bestimmte Stimmungen dabei einfängt.


Wie kommen Strichspuraufnahmen zustande

Bevor ich auf das eigentliche Fotografieren von Strichspuraufnahmen eingehe, möchte ich erst kurz beschreiben, warum wir überhaupt Strichspuraufnahmen machen können.

Jeder aktive Hobbyastronom kann diesen Absatz gern überlesen.

Jeder Mensch (mit Verstand) weiß das sich die Erde einmal am Tag um Ihre eigene Achse dreht. Diese Achse steht schräg im Raum und zeigt auf unserer Halbkugel auf den Polarstern. Naja, sie zeigt leicht daneben, aber mit bloßem Auge kann man annehmen, dass die Erdachse durch diesen Stern geht.

Das sich der Himmel bewegt kann man leicht feststellen und das sollte auch keine neue Info für Euch sein. Nun dreht sich ja nicht der Himmel, sondern die Erde. Da wir uns auf der Erde mit Ihr drehen, erscheint es uns nur, als wenn der Himmel über das Himmelszelt zieht. Und genau diesen Effekt kann man mit der Kamera einfangen.

Ich habe Euch hier mal eines meine Videos eingestellt. Dort sieht man die Himmelsbewegung sehr deutlich. Macht Euch das Video bitte Groß, sonst sieht man die vielen Sterne nicht wirklich deutlich.

Die Strichspuraufnahmen

Bei Strichspuraufnahmen stellt man also die Kamera auf einen bestimmten Himmelsausschnitt und lässt quasi den Himmel an der Kamera vorbei ziehen.

Mehr tut man hierbei nicht.

Im unteren Bild könnt Ihr eine Strichspuraufnahme von mir sehen.

Diese wurde aus der schönen Stadt Berlin heraus gemacht. Ihr seht also, dass es sogar aus einer Großstadt heraus möglich ist, schöne Aufnahmen zu machen.

 

Wer jetzt genau hinschaut wird feststellen, dass die Striche in der Aufnahme unterbrochen ist. Dazu gleich mehr.

Wenn man also Strichspuraufnahmen machen möchte, dann muss man lange Belichtungszeiten verwenden, damit der Himmel genügend Zeit hat, am Aufnahmechip vorbeizudrehen.

Jetzt könnte man denken, dass man seine Kamera halt auf Bulk stellt und dann einfach laufen lässt. Hierbei werden aber zwei Effekte störend Einfluss nehmen.

Bei sehr langen Belichtungszeiten, nimmt man nicht nur die Sternenbewegung auf, sondern auch alle anderen Licht-Photonen, die so herumschwirren. Sprich man nimmt auch die Aufhellung des Himmels mit auf. Das gilt vor allem für das Fotografieren in der Stadt.

Des weiteren hatte ich ja in anderen Teilen dieser Serie schon das Rauschen beschrieben. Nun kann man dem Rauschen entgegenwirken, indem man die ISO-Zahl nach unten dreht, aber ab einer bestimmten Zeit hilft das nicht mehr wirklich. Bei Aufnahmen von 10-15 Minuten fängt auch hier das Rauschen an zu stören.

Was kann man also dagegen tun? Jetzt komme ich zu dem angesprochenen kleinen Trick. Man nimmt einfach mit kürzerer Belichtungszeit eine Reihe von Bildern auf. Diese kann man dann in einem Fotobearbeitungsprogramm überlagern und erhält dadurch eine Strichspuraufnahme mit super Qualität.

Das Video ganz oben entspricht quasi den Bildern, die ich unten dann kombiniert habe.

Das ist übrigens einer der Nebeneffekte. Man kann dadurch nicht nur tolle Fotos erstellen, sondern auch super Videos draus machen. Auf dem Video oben sieht man zum Schluss unten Rechts Flugzeuge langfliegen.

Trotz der Wolken konnte ich heute (14.01.2012) eine Strichspuraufnahme machen.

Strichspur1

Einstellungen bei Strichspuraufnahmen

Folgende Einstellungen habe ich bei den Aufnahmen verwendet.

 

Brennweite

Blende

Belichtungszeit

ISO-Zahl

Bildanzahl
Bild 118 mmF/1130 sec40043
Bild 218 mmF/930 sec40030

Ihr seht, dass ich hier ganz normale Einstellungen verwendet habe. An diese muss ich mich jedes mal herantasten um das für mich optimale Ergebnis zu bekommen. Das kann dann schon mal 10 Minuten dauern bis die Einstellungen passen.

Ihr könnt aber die obigen Einstellungen übernehmen und Euch von dort aus an Eure Einstellungen herantasten. Dann geht das etwas schneller.

Tipps und Tricks oder verbessern der Stimmung

Strichspuraufnahmen sind meistens sehr Stimmungsvoll. Man kann selbst dafür Sorgen.

Es sieht natürlich Klasse aus, wenn man die Aufnahmen lange genug macht und gegen den Polarstern (Norden) aufnimmt.

Schöner werden aber die Aufnahmen, wenn man Objekte mit in der Aufnahme belässt. Ich habe zum Beispiel die Baumkronen und ein Teil vom Haus drauf gelassen. Oder nehme gleich ganze Bäume mit auf.

Dadurch bekommt das Bild etwas Dynamik. Die Objekte sind fest und die Sterne bewegen sich quasi in einer Aufnahme. Das finde ich unheimlich spannend und toll.

Wie man die Bilder zusammen kombinieren kann, werde ich in einem anderen Artikel beschreiben. Nur soviel sei gesagt, das Bild ganz oben habe ich mit Gimp verbunden. Es war recht viel Handarbeit.

Das untere habe ich mit Startrails erstellt und dass waren, bis auf die Bildauswahl, zwei Mausklicks. Startrails werde ich hier im Blog noch beschreiben. Auf jeden Fall!

Ich wünsche Euch viel Spaß bei Euren Strichspuraufnahmen des Himmels.

Update 15.01.2012

Heute gelang es mir zwar wieder nicht eine 1-stündige Aufnahme der Strichspuren von Sternen zu machen, aber das Stimmungsbild aus 55 Aufnahmen möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Strichspur1_mitWolken

Durch die Wolken kommen die Bäume sehr gut zur Geltung. Leider verdecken die Wolken in dieser Aufnahme die schwachen Sterne sehr stark. Ich finde es trotzdem Klasse.

Literaturtipp:

Wer sich natürlich selbst in die Materie einlesen möchte, dem sei folgendes Buch nahe gelegt.

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