Schritt für Schritt zum eigenen Sternspurvideo (Teil 1/2)

Startrails_20121207In meinem Artikel zur Himmelfotografie für Jedermann findet Ihr schon einen Artikel zur Strichspuraufnahmen.

In dieser zweiteiligen Artikelserie möchte ich mit Euch Schritt für Schritt durchgehen, wie man selbst solche Strichspurvideos erstellen könnt.

Hierbei sollen die Fragen beantwortet werden, was man dafür braucht, was die Einstellungen der Kamera sind und mit welcher Software man zum Schluss Strichspurbilder (Startrails) oder –videos erstellen kann.

Es ist nicht wirklich schwer, daher kommt einfach mit und macht es zum Schluss nach.

In diesem ersten Teil der kleinen Serie möchte ich mit Euch die Kamera und die Einstellungen durchgehen.

Anfangen tun wir mit den Voraussetzungen zur Strichspur-Fotografie und dann wollen wir die Einstellungen am Beispiel meiner Canon 600D betrachten.

Der zweite Teil wird sich dann um die Bearbeitung drehen. Hierbei werden wir die Software betrachten und besprechen was man aus den Aufnahmen machen kann.

Was sind Strichspuraufnahmen?

Damit auch jeder weiß um was es hier geht, möchte ich noch einmal ein kleines Video von mir zeigen.

Hierauf sieht man recht deutlich was Strichspuraufnahmen sind. Man kann das ganze natürlich auch als Bild erstellen und muss kein Video draus machen, aber ich finde Videos hier etwas schöner.

Es geht also im folgenden darum, dass man die Erddrehung dazu nutzt um die scheinbare Sternbewegung am Himmel aufzunehmen und darzustellen.

Voraussetzungen

Die Voraussetzungen um den Himmel zu fotografieren sind nicht sonderlich hoch. Im wesentlichen benötigt man dafür nur einen Fotoapparat. Für Strichspuraufnahmen sollte man sich aber doch das ein oder andere Zubehörteil besorgen.

Welches Zubehör das ist, könnt Ihr hier nachlesen.

Kamera

Als erstes benötigt Ihr eine Kamera. Logisch oder? Hierbei könnt Ihr so ziemlich alles nehmen, was es am Markt gibt. Sogar alte filmbasierende Kameras kann man verwenden. Hierbei ist es aber doch recht kompliziert ordentliche Strichspuraufnahmen hinzubekommen.

Daher greifen wir auf die digitalen Kameras zurück.

Ich verwende für Strichspuraufnahmen meine Canon 600D. Früher hatte ich eine Sony Alpha230 und damit konnte man auch Klasse aufnahmen machen. Aber selbst das muss nicht unbedingt sein. Die sogenannten Digiknipsen oder eine WebCam gehen auch.

Nehmt Euch das was Ihr habt und probiert es mal am Himmel aus. Sobald Ihr Fotos erstellen könnt auf dem Ihr Sterne seht, könnt Ihr die Kamera verwenden.

Stativ

Da man bei Strichspuraufnahmen einen Himmelsausschnitt mehrfach fotografieren muss, lohnt sich hier ein Stativ zu verwenden. Ich habe zwei Stative mit denen ich arbeite. Einmal mein großes Stativ für den Außeneinsatz und einmal ein kleines Tischstativ. Dieses verwende ich auf dem Balkon oder am Fensterbrett. Das Video oben ist mit meinem Tischstativ erstellt.

Fernbedienung (optional)

Für längere Strichspuraufnahmen, wie oben im Video (14,5 h), verwende ich eine Fernbedienung, die Programmierbar ist.

Diese kostete mich ca. 40 € und erlaubt es mir, nicht die ganze Zeit neben der Kamera zu stehen.

Die Fernbedienung hat noch einen anderen Nebeneffekt. Man berührt die Kamera nicht und läuft dadurch keine Gefahr, dass man ausversehen das Stativ verrückt oder die Kamera schwingt.

Das war es schon mit der Ausrüstung. Wer sich meine Ausrüstung anschauen will, dem sei dieser Artikel empfohlen: Neue Ausrüstungsteile: Neues Objektiv und eine verbesserte Fernbedienung

Die Einstellungen

Nun zur Aufnahmetechnik. Wir haben also unsere Kameras bereit und evtl. auch ein Stativ mit Fernbedienung.

Dann mal ab und auf den Himmel draufgehalten.

Wer nun mit einer Spiegelreflexkamera den Himmel fotografieren möchte hat es etwas einfacher. Für alle mit Digiknipse oder Webcam, ihr müsst es ausprobieren.

Ich fotografiere den Himmel grundsätzlich mit manuellen Einstellungen. Auf meiner Canon stelle ich also das Programm auf “M” für manuell.

Weiterhin schalte ich den automatischen Fokus aus und den Bildstabilisator auch. Das natürlich nur, wenn ich die Standardobjektive (EFS) verwende. Wenn ich mit meinem Walimex FishEye arbeite, dann hat dieses Objektiv keinen Autofokus und keinen Bildstabilisator.

Die DSLR-Besitzer können sich nun mal diesen Artikel anschauen. Hier erkläre ich Blende, ISO und Belichtungseinstellungen etwas genauer.

Himmelsfotografie für Jedermann: Die Kamera kennen lernen

Wenn man an seiner DSLR nun alles auf manuell gestellt hat, gilt es den richtigen Fokus zu finden. Meine Canon macht es mir sehr einfach. Ich kann hier in den Live-View-Modus schalten und sehe den Himmel im Display.

Über die Zoomtaste kann ich mir nun helle Sterne heranzoomen und manuell am Objektiv den Fokus einstellen. Das funktioniert super.

Um die richtigen Einstellungen zu finden, kann man nun mit 3 Faktoren spielen.

Blende

Mit der Blende kann ich Einstellen, wie viel Licht durch das Objektiv gelassen wird. Je höher die Blendenzahl an der Kamera ist, desto weniger Licht kommt am Chip an.

Auf den Tag genau vor einem Jahr habe ich einen kleinen Foto-Test mit der neuen Canon gemacht. Hier in dem Artikel Kleiner Astro-Foto-Test kann man den Einfluss der Blende auf unterschiedlichen Fotos sehen.

Ich stelle momentan die Blende auf F/5,6 ein. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht.

ISO-Zahl

Mit der ISO-Zahl kann ich die Empfindlichkeit steuern. Je höher die ISO-Zahl eingestellt ist, desto empfindlicher regiert die Kamera auf Lichtteilchen.

Hier muss man aber das sogenannte Bildrauschen im Auge behalten. Man könnte ja denken, dass eine ISO-Zahl von 1600 besser ist als ein ISO-Wert von 400.

Ich arbeite trotzdem mit der ISO-Zahl 400 für meine Strichspuraufnahmen, da hier das Hintergrundrauschen nicht mehr wirklich zum tragen kommt.

Belichtungszeit

Womit ich nun sehr viel Experimentiere, ist die Belichtungszeit.

Hierbei steuere ich an der Kamera, wie lange die Kamera belichten soll. Werte um die 4-10 Sekunden haben sehr gute Ergebnisse geliefert. Dabei erstelle ich einige Testaufnahmen und achte darauf, dass zum Beispiel die Lichteinflüsse aus der Umgebung nicht zu stark in den Vordergrund treten, aber trotzdem alles gut zu erkennen ist.

Wer schöne Motive im Vordergrund hat, sollte auf diese achten. Sternspuraufnahmen mit einem schönen Baum oder entsprechenden Häusern im Vordergrund können die Stimmung stark beeinflussen und das Video oder das Bild erst richtig gut werden lassen.

Bei der Belichtungszeit könnte man nun aber auch annehmen, dass man die Kamera (falls möglich) einfach auf Bulk (Dauerbelichtung) einstellt und dann laufen lässt. Hierbei muss man aber den Effekt von Licht beachten. Je länger der Chip den Himmel aufnimmt, desto mehr Lichtphotonen treffen auf diesen.

Das Bild wird irgendwann überbelichtet und das kann man kaum verhindern. Außerdem verrauscht dieses Bild dann stark. Es ist also besser viele Einzelaufnahmen zu erstellen und diese dann zu verbinden.

Die Aufnahmen

Habt Ihr Eure Kameras nun so eingestellt, dass man ein schönes Bild erhält, dann kann es an die Aufnahmen gehen.

Hierbei geht es nun darum, möglichst nahtlos Bilder vom Himmel zu erstellen. Dazu verwende ich die Fernbedienung. Diese kann ich nun so einstellen, dass die Kamera ein Bild nach dem anderen schießt und dadurch die Himmelsdrehung aufnimmt.

Hierbei kommt es vor, dass mehrere hundert Bilder entstehen. Sorgt also dafür, dass der Speicherchip ausreichend Platz hat.

Wer keine programmierbare Fernbedienung verwendet, kann folgenden Tipp mal probieren.

Viele Kameras haben einen Serienaufnahmen-Einstellung. Diese kann man dazu verwenden mehrere Aufnahmen hintereinander zu machen.

Bei meiner alten Sony Alpha konnte ich eine Serie von 10 Bildern schießen lassen. Mit einer Einstellung von 30 Sekunden Belichtungszeit konnte ich damit 5 Minuten lang aufnehmen ohne mich um die Kamera zu kümmern.

Natürlich musste ich immer wieder zur Kamera und erneut auslösen, aber die 5 Minuten hatte ich Pause.

Eine einfache Fernbedienung mit der Möglichkeit den Auslöser festzustellen kann auch schon Helfen. Hier braucht man sich dann gar nicht mehr um die Kamera kümmern.

Tipp:

Hier noch ein kleiner Tipp. Wenn Ihr nicht nur einen sternenklaren Himmel aufnehmt, sondern eine sehr leichte Bewölkung habt, dann könnt Ihr fantastische TimeLapse-Aufnahmen machen. TimeLapse sind Zeitrafferaufnahmen, auf denen man langsame Effekte besser sehen kann. Schlussendlich tun wir nämlich nichts anderes mit den Sternspuraufnahmen. Wir verschnellern einfach die langsame Himmeldrehung und stellen diese schneller dar. Hierbei müsst Ihr aber drauf achten, dass die Belichtungszeit kürzer gewählt wird, da die Wolken sonst verschmieren.

Fazit und Ausblick

Ihr seht, dass das Fotografieren vom Himmel nicht wirklich schwer ist. Mit der Zeit gewinnt man ein Gefühl dafür, welche Aufnahmeeinstellungen ideal sind und kann sich schneller an das Bild herantasten.

Wenn Ihr Eure Einstellungen gefunden habt, dann fotografiert einfach was das Zeug hält. Schon bei Bildern die eine halbe Stunde oder eine Stunde abdecken kann man die Himmelsbewegung sehr gut sehen.

Im nächsten Teil dieser zweiteiligen Serie werden wir unsere aufgenommenen Bilder nehmen und mit einige Software ein Video und ein Bild der Strichspuren erstellen.

Tipp:

Und hier noch ein kleiner Tipp. Die Himmelsachse liegt im kleinen Bären. Wer seine Kamera auf den kleinen Bären ausrichtet, der wird den Rotationspunkt des Himmels mit in der Aufnahme haben. Das sorgt häufig für eine tolle, effektvolle Aufnahmen. Probiert es mal aus.

Der zweite Teil ist nun auch veröffentlicht. Ihr könnt diesen hier nachlesen:

Schritt für Schritt zum eigenen Sternspurvideo (Teil 2/2)

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