Erster Erfahrungsbericht zum Celestron FirstScope 76

IMG_4552Heute am 29.12.2012 durfte ich mein bestelltes Celestron FirstScope 76 vom Nachbarn abholen. Wie es immer so ist, bestellt man sich was und dann ist man nicht da, wenn das lang ersehnte Teil kommt.

Nun gut, heute Morgen hab ich also mein Teleskop von Celestron, das FirstScope 76, abgeholt und ausgepackt.

Der aufmerksame Blogleser wird nun Fragen, warum ich mir ein so kleines Gerät kaufe, wenn ich doch 3 Teleskope besitze die Größer sind als das FirstScope?

Ich will das hier gern in dem Artikel beantworten und werde meine ersten Erfahrungen mit dem FirstScope beschreiben.


Warum das FirstScope?

Da irgend jemand im Netz schon mal schrieb, dass ich einen Teleskoppark besitze, möchte ich diesen Begriff gleich verwenden und beantworte gern die Frage: Warum das FirstScope in meinen Teleskoppark aufnehmen?

Es gibt genau 2 Gründe dafür:

Grund 1

Ich habe in einem Artikel das Teleskop empfohlen. Vor allem für komplette Astronomie-Einsteigern, aber auch für Kinder. Nach einer kleineren Diskussion in einem der sozialen Netzwerke, in denen ich ja intensiv unterwegs bin, kam mir der Gedanke, ob ich wirklich etwas empfehlen kann, was ich selbst nicht getestet habe?

Ein Gerät für Einsteiger und Kinder

Ich bin immer noch oder jetzt erst recht der Ansicht, dass dieses Gerät für Einsteiger, die in das Hobby reinschnuppern wollen, eine Klasse und vor allem kostengünstige Variante ist.

Grund 2

Ich bin ein Spielekind (ja, obwohl ich Mitte 30 bin). Ich möchte wissen, was mit dem Gerät funktioniert und wie weit man gehen kann.

Wo liegen die Grenzen. Sowohl visuell als auch fotografisch. Ich werde ausprobieren, was man damit alles tun kann. Außerdem ist die Größe des Teleskops ideal um es einfach mal in den Kofferraum zu legen und mit auf Geschäftsreise zu nehmen.

Daher will ich das FirstScope gern testen und auch sehen ob es wirklich für Kinder geeignet ist.

Bevor ich nun auf das Teleskop selbst eingehen kommt hier noch einmal meine Standardwarnung:

IMG_4557Bitte achtet darauf, dass Ihr NIEMALS, aber auch wirklich NIEMALS mit einem Teleskop, einem Fernglas oder anderen optischen Mitteln in die Sonne schaut. Wenn Ihr dieses Teleskop Euren Kindern in die Hand drückt, dann trichtert Ihnen das bitte ein. Die Beobachtung der Sonne mit Teleskopen oder Ferngläsern führt zu irreparablen Schäden an den Augen. Das ist kein Spaß oder sollte auf die leichte Schulter genommen werden!

NIEMALS in die Sonne schauen ohne entsprechende Sonnenfilter. Man kann solche Filter selbst bauen! Aber ohne diese darf man die Teleskope nicht auf die Sonne richten!!! Hier findet Ihr einen Artikel zum Sonnenfilterbau: Sonnenfilter selber bauen für Teleskop und Fernglas

Das Celestron FirstScope

Ich habe für Euch das Auspacken gefilmt und das Video bei YouTube eingestellt. Ihr könnt Euch das also anschauen. Ich wollte schon immer mal ein Unboxing-Video drehen, von daher war das jetzt die beste Gelegenheit.


Was war alles im Paket?

Wenn man sich das Teleskop kauft, dann bekommt man neben dem Teleskop selbst und der sogenannten Rockerbox-Montierung (Montierungen (Teil 3) – Die Dobson Rockerbox) noch einiges an Zubehör.

Das Teleskop ist ein sogenannter Reflektor. Also ein Spiegelteleskop (Das Teleskop – Artikelserie (4-2)) nach Newton-Bauweise.

IMG_4550Es besitzt also ein Hauptspiegel, der das Licht auf einen Fangspiegel bündelt. Der Fangspiegel leitet das Licht dann in den Okularauszug, wo das Okular das Licht noch einmal bündelt und in das Auge leitet.

Das FirstScope hat einen Hauptspiegeldurchmesser von 76 mm bzw. von 3 Zoll.

Die Brennweite des Teleskops liegt bei 300 mm.

Als Vergleich habe ich mal mein Bresser Pluto/S neben das FirstScope gestellt. Das Bresser hat einen 114mm Hauptspiegel und eine 500 mm Brennweite.

In dem Gesamtpaket sind zwei Okulare enthalten. Einmal ein 20 mm und ein 4 mm Okular.   Weiterhin hat Celestron eine Anleitung zu dem Teleskop beigelegt und beim ersten Überfliegen muss ich sagen, dass mir die Anleitung gut gefällt.

Sie ist mit vielen Bildern versehen und macht damit das Verständnis für ein Teleskop einfach. Ich werde prüfen ob die Anleitung Ihre Versprechen bezüglich der Himmelobjekt hält oder nicht.

Zu dem Teleskop gibt es auch noch die Planetariums-Software Redshift 7 als Celestron Edition dazu.

Schaut man sich mal bei Redshift um, dann sieht man das diese Software schon in der 7er-Kompaktversion als Download 14,99 € kostet. Daher finde ich das sehr gut. Ich werde die Software getrennt betrachten, da ich meine eigene Ausrüstung und Software für die Planung eines Beobachtungsabend verwende.

Das Teleskop selbst hat keinen Sucher im Standardpaket. Hier hat Celestron eher gespart und bietet eine Accesory Kit an. Dort enthalten sind 2 weitere Okulare, ein Sucherfernrohr und ein Beutel zum Transportieren.

Das war also im Gesamtpaket enthalten. Es gibt natürlich eine Vielzahl an solchen kleinen Teleskopen mit verschiedenen Ausrüstungen, aber ich denke dass die Grundbasis bei allen diesen Ausführungen die gleiche ist.

Warum das Zusatz-Kit nicht wirklich sinnvoll ist?

Das Kit habe ich mir mit Absicht nicht gekauft. Das hat mehrere Gründe.

Erst einmal habe ich genügen Okulare. Gut das ist bei einem Einsteiger nicht der Fall, aber trotzdem kann ich das Kit nicht empfehlen.

Das Kit soll bei Amazon 26,98 € kosten. Was denkt Ihr wie die Qualität der Okular bei diesem Preis ist? Ich habe Okulare im Koffer, für die hätte man 3 solcher Teleskope mit Kit bekommen. Gut, dass muss nicht jeder Ausgeben, aber Okulare im 10 €-Bereich taugen einfach nichts.

Wie man oben in dem Vergleich sieht, ist das FirstScope recht Tischnah gebaut. Das heißt, wenn ich hier einen Sucher anbaue, dann muss ich den Kopf zwischen die Tischplatte und den Suchereinblick schieben.

Sorry, aber ich habe da so meine Probleme mit. Bei meinem großen Kopf und in meinem Alter ist man nicht mehr so dehnbar, funktioniert das einfach nicht.

16115_1Empfehlen kann ich hier Winkelsucher. Diese sind mit einem 90° Winkel versehen und bieten dadurch einen einfachen Einblick. Wer also einen Sucher benötigt, der kann sich z.B. beim Astroshop so etwas bestellen.

Ich werde das Teleskop erst einmal ohne Sucher ausprobieren, da es durch die kurze Brennweite einen guten Himmelsüberblick bietet.

 

Das FirstScope in Zahlen

Wer meinen Blog aufmerksam liest, kenn sicherlich meine Reihe Mathematik in der Astronomie. Diese wurde ja sogar vor Jahren in der NightSky (einer damaligen Astronomiezeitschrift) abgedruckt.

Daher kann ich Euch nur Empfehlen mal vor dem Kauf eines Teleskops auszurechnen, was der Wunschkandidat den kann. Vor allem die Billig-Anbieter preisen hier Vergrößerungen von 200 und mehr an bei Öffnungszahlen von 76-90 mm. Das ist reiner Unsinn.

Also gehe ich mal durch meine Artikel

Das Öffnungsverhältnis

Das Öffnungsverhältnis gibt das Verhältnis von Öffnung zu Brennweite an und lässt sich auch so berechnen.

Das FirstScope hat also eine 76mm Öffnung bei 300 mm Brennweite. Das ist also ein Verhältnis von 1:3.9

Das Teleskop spielt also in der Liga der schnellen Teleskope. Was bedeutet dies aber nun? Nimmt man sich zwei Teleskop mit der gleichen Öffnung, aber unterschiedlicher Brennweite und vergleicht diese, dann wird man feststellen, dass das Teleskop mit der längeren Brennweite im Bild dunkler ist.

Das heißt, dass Teleskop mit einem Öffnungsverhältnis > f/5 oder f/6 ist dunkler, als Teleskope mit Öffnungsverhältnissen f/4 oder wie in unserem Fall f/3.9.

Diese “langsameren” Teleskope sind besser am Planeten geeignet, da hier die Vergrößerung eine größere Rolle spielt als die Helligkeit. Bei DS-Beobachtungen spielt aber die Helligkeit ein größere Rolle.

Die Austrittspupille

Mit den mitgelieferten Okularen können wir nun die Austrittspupille berechnen.

Dazu benötigen wir erst einmal die Vergrößerung für die Okulare.

Das 20 mm Okular erzeugt eine Vergrößerung von 15fach.

Das 4 mm Okular erzeugt eine Vergrößerung von 75fach.

Berechnet wird die Vergrößerung indem man die Brennweite des Teleskops mit der Brennweite des Okulares teilt.

Jetzt können wir die Austrittspupille berechnen.

Mit der Öffnung von 76 mm bekommen für das 20 mm Okular eine Austrittspupille von 5,06 mm und mit dem 4 mm Okular von 1,01 mm.

Diese Austrittspupille kann nun für die maximale und minimale sinnvolle Vergrößerung von Teleskopen herangezogen werden.

Teleskope und ihre sinnvollen Vergrößerungen

In diesem Artikel habe ich beschrieben, wie das menschliche Auge, also die Austrittspupille am Auge sich mit dem Alter ändert. Man muss hier mit geschätzten Werten rechnen, da ja das Auge von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist.

Nimmt man nun mal an, dass ein Auge ideal dunkeladaptiert und damit eine maximale Austrittspupille von 7mm erreicht, kann man nun die minimale Vergrößerung des Teleskopes berechnen.

Bei 7 mm wären dass also 10fach Vergrößerung. Unser 20 mm Okular erzeugt eine 15fache Vergrößerung und damit sind wir also in einem guten Bereich.

Bei der maximalen Vergrößerung rechnet man entweder mit einer Austrittspupille von 0,5 mm oder man nimmt gleich die Faustformel 2 * Öffnung des Teleskops.

Bei 0,5 mm Austrittspupille erhält man für das Teleskop genau 152fach. Das heißt man kann theoretisch ein 2mm Okular an dem Gerät einsetzen.

Das ist hier aber nun wirklich nicht mehr zu empfehlen und wird von der Optik gar nicht mitgemacht. Geschweige denn das man hier noch etwas sinnvolles sieht.

Ich denke, dass 4 mm Okular stellt die obere Grenze für die maximale Vergrößerung dar.

Das Auflösungsvermögen von Teleskopen

Für die Berechnung des Auflösungsvermögens wird es nun etwas komplizierter. Schaut Euch den verlinkten Artikel an und berechnet die Faktoren für Eure Teleskope selbst.

Das FirstScope müsste ein theoretisches Auslösungsvermögen von 1,5” (Bogensekunden) haben. Das bezweifle ich stark und die Formel spiegelt auch nur den idealen Wert wieder.

Für ein realistischen Wert sollte man den Multiplikator von 1,22 als Faktor nehmen.

Damit würde ich ein Auflösungsvermögen von 1,83 Bogensekunden erhalten. Ich werde das am Doppelstern testen.

Das Lichtsammelvermögen eines Teleskopes bei visueller Beobachtung punktförmiger Lichtquellen

Als letztes komme ich zum Lichtsammelvermögen. Sprich der Grenzhelligkeiten die das Teleskop darstellen können müsste.

Auch diese Formel könnt Ihr im Artikel nachlesen.

Das FirstScope müsste nach meiner Berechnung noch Sterne mit 11,6 mag Helligkeit darstellen können. Das entspricht aber nur einem Wert unter einem Himmel von 6 mag (bloßem Auge) mit eine AP von 6 mm.

Ich werde die Grenzhelligkeit am Himmel bestimmen. Das ist meiner Meinung nach genauer und entspricht dann auch realen Bedingung.

Fazit

Das Teleskop macht auf mich einen guten Eindruck. Die Größe und das Gewicht sprechen eindeutig für eine Reiseteleskop.

Ich bin immer noch Überzeugt, dass es sowohl für Kompletteinsteiger, als auch Kinder sehr gut geeignet ist und einen guten Einstieg in das Hobby ermöglicht.

Ich werde das kleine natürlich am Sternhimmel testen und auch ausprobieren, was so fotografisch damit geht. Die Praxistestest kommen also ein wenig später.

Die Berechnungen werde ich am Himmel ausprobieren und berichten, ob die Zahlen standhalten. Ich glaube es nicht ganz, aber gut, man muss es halt testen.


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