Schritt für Schritt zum eigenen Sternspurvideo (Teil 2/2)

Startrails_20121207Im ersten Artikel dieser 2teiligen Serie habe ich Euch ja beschrieben, wie Ihr Eure eigenen Langzeitaufnahmen mit der Kamera erstellen könnt.

Dabei habt Ihr ein wenig die Aufnahmetechnik kennen gelernt und was man an Ausrüstung dafür benötigt.

In dem zweiten Teil geht es nun darum, die Aufnahmen zu verarbeiten. Welche Software man dafür einsetzen kann und wie man schlussendlich ein Video daraus erstellen kann.

Also kommt mit und seht, was man mit einfachen Mitteln am Himmel alles aufnehmen und zeigen kann.

Wer jetzt erst eingestiegen ist, dem sei hier noch einmal der erste Artikel der Serie nahe gelegt.

Schritt für Schritt zum eigenen Sternspurvideo (Teil 1/2)

In diesem Teil wird es um die Softwarebearbeitung der Bilder gehen.

Vorbereitung

Hab Ihr nun eine Reihe von Bildern aufgenommen, dann gilt es diese zu Verarbeiten. Im wesentlichen verwende ich für die Bearbeitung zwei Programme.

Kopiert also Eure Bilder auf eine Festplatte des Rechners oder wie in meinem Fall auf eine externe Festplatte. Der Datenzugriff bei mehreren hundert Bildern ist dadurch wesentlich schneller.

Wenn Ihr fertig seit damit kann es ja losgehen.

StartTrails (Freeware)

Über die Software StartTrails könnte Ihr in meinem Blog schon mehrere Artikel finden.

Startrails (Freeware) (Version 2.1)

Astronomiesoftware: Startrails (Freeware) (Version 1.1)

Die Software StarTrails erhaltet Ihr übrigens auf der Homepage: www.startrails.de

Diese Software ist genau das was der Hobbyastronom benötigt um Sternspuraufnahmen zu machen.

Der erste Artikel über StarTrails ist im Januar 2012 hier im Blog erschienen. Dort hatte die Software noch einige Mankos, die aber mittlerweile behoben wurden und daher gab es von mir gleich einen zweiten Artikel.

Wie funktioniert StarTrails?

Die Schwierigkeiten bei der Erstellung von Strichspuraufnahmen sind wohl jedem bekannt. Nimmt man zwei oder mehr Bilder und Überlagert diese muss man selbst dafür Sorgen, dass die Bilder nicht nur Addiert werden. Das würde nach einigen Bildern zu einer Überbelichtung führen. Man muss hier mit Mittelwerten arbeiten und das nimmt uns zum Glück StarTrails komplett ab.

Hat man sich nun StarTrails auf den Rechner geladen und gestartet, dann kommt dieses unscheinbare Programmchen mit einer einfachen Oberfläche daher.

Über den Punkt “Datei öffnen” kann man nun seine Aufnahmen öffnen. Ich selektiere meistens schon vor und schaue mir das Ende und den Anfang der Aufnahmeserie an, damit ich keine Überraschung erlebe.

Nun kann man die Bilder einzeln im Viewer von StarTrails betrachten.

image

Um das Rauschen in solchen Bildern zu reduzieren, nehmen die Astronomen häufig noch sogenannte Dunkelbilder auf. Dabei wird bei gleicher Einstellung der Objektivdeckel an der Kamera aufgesetzt und es werden Bilder erstellt, die halt Dunkel sind.

Der Hintergrund solcher Dunkelbilder ist recht einfach. Jeder fotosensitive Chip erzeugt Rauschen auf den Bildern. Dieses Rauschen entsteht unter anderem wenn die Fotozellen meinen Licht gesehen zu haben. Das sind also Pixel die nicht von der Umgebung kommen, sondern Fehlersignale auf dem Chip selbst.

Dieses Rauschen kann mittels der Software zu einem Teil rausgerechnet werden und genau dafür benötigt man die Dunkelbilder. Ich nehme die Bilder momentan nicht für eine Experimente. Aber ich werde mal die Ergebnisse mit und ohne Dunkelbilder vergleichen.

Wir haben also jetzt unsere Bilder und ggf. unsere Dunkelbilder ausgewählt und können schon loslegen.

Um das Ergebnis noch besser zu machen, kann man den Vordergrund mitteln lassen. Dieser wird dann in die Strichspuraufnahme eingerechnet und verbessert dadurch auch noch einmal das Rauschverhalten.

image

Jetzt kann man auf das Strichspur-Icon klicken und aus allen Bildern eine Strichspuraufnahme erstellen lassen.

Dabei gibt es zwei Vorgehensweisen.

Aufhellen

Das Aufhellen nimmt das Bild 1:1 und überlagert diese mit den Mittelungsverfahren. Dies geht schneller, da hier keine Mittelung der Spur selbst erzeugt wird. Es entspricht im Endeffekt mehr der Realität.

Lighten-Screen-Blend

Bei der zweiten Methode, LBS, werde die Strichspuraufnahmen vervollständigt. Mit diesem Verfahren erhält man schönere Bilder, da die Spuren durchgehen.

Für reine Bilder verwende ich immer das zweite Verfahren, da hier wirklich klarere Bilder herauskommen.

Klickt Ihr auf OK geht die Berechnung los und diese kann schon mal mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Ich hab das letzte mal 4 Stunden auf das Ergebnis gewartet.

Der weitere Weg zum Video

Mein Hauptziel ist es aber aus den Strichspuraufnahmen ein Video zu erstellen.

Damit nun auch ein Video mit wachsenden Strichspuraufnahmen möglich ist, nutze ich die Aufhellen-Methode beim erstellen der Strichspuraufnahmen. Dort habe ich nämlich im unteren Bereich des Fensters die Möglichkeit Zwischenergebnisse zu speichern.

Wozu brauche ich Zwischenergebnisse?

Diese Zwischenergebnisse benötige ich um die Strichspuren wachsen zu lassen.

Stellt Euch folgendes vor. Für ein Video hänge ich ja die einzelnen Bilder hintereinander. Tue ich dies mit den Rohdaten, dann erhalte ich ein Video auf dem ich die Sterne sehen kann, wie Sie sich bewegen.

Ich möchte aber, dass die sich bewegenden Sterne Spuren ziehen.

Dazu muss ich aber folgendes tun:

Ich nehme mit Bild 1 und Bild 2 und Überlager diese beiden. Dadurch erhalte ich eine kleine Strichspur. Nun soll diese wachsen. Ich muss also das Ergebnisbild mit Bild 3 überlagern. Hier mal die Überlagerung die ich früher übrigens per Hand durchgeführt habe.

Bild 1 + Bild 2 = Ergebnis 1
Ergebnis 1 + Bild 3 = Ergebnis 2
Ergebnis 2 + Bild 4 = Ergebnis 3
Ergebnis 3 + Bild 5 = Ergebnis 4

Hänge ich nun in dem Video nicht mehr die originalen Bilder aneinander sondern die Ergebnisse, dann erhalte ich ein Video für wachsenden Strichspuraufnahmen.

Wie gesagt, früher habe ich so etwas für mehrere hundert Bilder per Hand getan. Für Euch und für mich ist es aber nun einfacher geworden.

image

Ihr könnt jetzt nämlich in den Einstellungen die Einzelbildausgabe aktivieren und dann macht das Programm automatisch genau das was ich oben beschrieben habe.

Es speichert nun die Ergebnisdateien in einem eigenen Ordner. Passt dabei aber auf, dass der Ordner leer ist und Ihr genügen Speicher auf der Platte habt.

Das Video erstellen

Nun haben wir also unsere Ergebnisse erstellt. Wer nur ein Strichspur-Bild haben möchte ist hier fertig und braucht nicht weiter zu lesen.

Für alle, die nun auch ein Video erstellen wollen, geht es hier weiter.

StarTrails hat zwar auch eine Möglichkeit Videos zu erstellen, aber diese war in der ersten Version recht instabil und außerdem kann ich damit keine HD-Fähigen Videos produzieren. Daher verwende ich für die Videoerstellung die Software Corel Video Studio Pro X4.

Ich habe mir das Paket damals für ca. 100 € gekauft und dabei auch PaintShop-Pro und weitere Bearbeitungssoftware erhalten. Es sollte hier auch Möglich sein jedes beliebige Videoprogramm zu verwenden, welches mit Einzelbildern und Zeitlinien arbeiten kann.

Die Erstellung gestaltet sich jetzt recht einfach.

Als erstes lege ich ein neues Projekt an und ziehe alle Ergebnisdateien in das Programm.

image

Oben rechts habe ich also alle Dateien nun zur Verfügung. Achtet darauf das die Dateien fortlaufend nummeriert sind. Ich lasse die Dateiennamen dann durch einen Klick auf die Spalte “Name” sortieren. Danach kann ich alle Dateien auf die Timeline ziehen.

Hier hat Corel eine Voreinstellung, die jede Einzeldatei mit ca. 2 Sekunden Abspielzeit belegt. Das ist mir natürlich zu lang.

Jetzt gilt es die richtigen Einstellungen zu finden. Ich rechne mir hier die Abspielzeit aus. Wenn man weiß das bei ca. 24 Bilder pro Sekunde das menschliche Auge die Bewegung als flüssig ansieht, dann kann man die Zeit also nun runterreduzieren.

Das heißt ich muss 1/24 Sekunde pro Bild einstellen, damit ich ein flüssiges Video erhalte. Das sind also 0,04 Sekunden pro Bild.

Hier müsst Ihr ein wenig ausprobieren. Wenn ich in meiner Timeline nun alle Bilder markiere, dann kann ich mit der rechten Maustaste im Contextmenü die Dauer aller Bilder ändern.

Ich stelle hier also den Wert so ein, dass ich hier ein flüssiges Abspielen des Video erhalte. Natürlich kann man nun noch den Vor- und Abspann einbauen und auch die Vertonung mit dem Videoprogramm durchführen. Aber das überlasse ich gern Euch.

Ich exportiere nun meine Video noch als MPEG-4 HD File und habe damit mein Strichspurvideo fertig gestellt.

Das Ergebnis des ganzen kennt Ihr ja schon.

So, damit bin ich fertig. Ihr könnt Euer Video jetzt auf die bekannten Videoplattformen uploaden und allen Menschen auf der Welt zeigen, wie toll unser Sternenhimmel aussieht.

Übrigens, nur als kleiner Hinweis, mit StarTrails lassen sich nicht nur Sternenspuraufnahmen erstellen. Man kann hier so ziemlich alles Überlagern.

Einige Benutzer haben z.B. Gewitterwolken überlagert und dadurch mehrere Blitze auf ein Bild bekommen. Auch das ist möglich.

Probiert es einfach mal aus und lasst mich Eure Ergebnisse sehen. Ich schaue mir so etwas gern an.

Falls Ihr Fragen oder Anregungen zu der Serie habt, dann schreibt ein Kommentar. Ich werde versuchen alles zu7 beantworten. Und nun bleibt mir nur noch Euch viel Spaß und viel Erfolg zu wünschen.

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2 comments

  1. Chris sagt:

    Wenn man einfach nur Bilder hintereinander als Video haben mag, tut es auch die kostenlose Software Virtualdub. Dafür müssen die Aufnahmen fortlaufend aufsteigend benamt sein, dann läd man das erste Bild der Sequenz. Die Framerate kann man frei einstellen und dann das ganze abspeichern (auch testweise ablaufen lassen).

    • Stefan Gotthold sagt:

      Stimmt VirtualDub kann das auch. Naja, ich hatte es ja beschrieben, StarTrails hat auch eine Videofunktion. Ich nehme diese nur nicht, da ich alle meine Videos (TimeLapse etc.) mit CorelVS mache.
      Aber Danke für den Hinweis. Kann der ein oder andere sicherlich gebrauchen.
      Viele Grüße und CS
      Stefan

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