Der Sucher/Finder am Teleskop

Jeder der ein Teleskop besitzt kennt diesen kleinen Helferlein und jeder der in das Hobby einsteigt sollte sich mit dem Sucher vertraut machen.

Nicht jeder kennt die unterschiedlichen Sucher an einem Teleskop und daher möchte ich heute die beiden gebräuchlichsten Suchersysteme an einem Teleskop beschreiben.

Anfangen werde ich natürlich wieder mit einer kurzen Einführung zum Sucher. Mir passt der Begriff nicht ganz, da ein ordentlicher Sucher eher als Finder bezeichnet werden müsste. Aber gut, so heißt der kleine Helfer halt.

Was die Vor- aber auch die Nachteile der Suchersysteme sind, möchte ich in diesem Artikel beschreiben.


Was ist ein Sucher am Teleskop und was hat er da zu suchen?

Vorweg will ich kurz erklären was ein Sucher ist und was er an einem Teleskop zu suchen hat. Schönes Wortspiel oder?

Jeder der ein Teleskop besitzt kennt das Phänomen, dass man das Teleskop scheinbar auf ein Objekt am Himmel ausrichtet und wenn man dann durchs Okular schaut, dann sieht man erst einmal nicht das gesuchte Objekt und zweitens unheimlich viel mehr.

Ich möchte den Effekt der Vergrößerung an zwei Bildern verdeutlichen.

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Schaue ich mit dem bloßem Auge in den Himmel, dann sehe ich eine Vielzahl von Sternen.

In dem obigen Bild kann man deutlich den Planeten Jupiter und das Sternbild Orion mit seinen hellen Sternen erkennen. Nun nehme ich mir einmal ein ganz normalen Feldstecher. Hier in dem Fall ein Celestron Skymaster 15×70 und halte diesen in den Himmel.

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Das zweite Bild zeigt mir jetzt also im Feldstecher einen Ausschnitt des Himmels. Ist der helle Punkt in der Mitte wirklich Jupiter?

Ich denke Ihr kennt die Antwort. Nein, ist er nicht! Es ist ein Stern und zwar Aldebaran.

Wer optische Hilfsmittel verwendet um in den Himmel zu schauen hat nämlich genau das Problem. Wie finde ich das Objekt meiner Begierde?

Je weiter ich in den Himmel zoome, also ein Teleskop oder ein Fernglas verwende, desto mehr Objekte sehe ich. Das Fernglas oder Teleskop vergrößert nicht nur den Himmelsausschnitt, sondern durch die Optik fangen wir auch noch mehr Licht ein.

Das heißt wir sehen plötzlich Sterne die man vorher nicht mit dem Auge gesehen hat und das macht die Orientierung am Himmel auch noch schwer. Dazu kommt noch, dass wer ein Spiegelteleskop verwendet, den Himmel auch noch Spiegelverkehrt sieht. Das macht das Finden von Objekten zusätzlich schwer und manche Menschen haben Ihre rechte not das zu lernen.

Was ist also ein Sucher?

Der Sucher ist ein Hilfsmittel um sich am Himmel zurechtzufinden und schneller, einfacher und auch komfortabler die Objekte zu finden, die man sich gern anschauen möchte.

Er hilft uns also dabei den Himmel nicht mehr zu doll zu vergrößern oder auch gar nicht zu vergrößern und trotzdem das zu finden, was man sucht.

Daher würde ich gern die besseren Sucher auch als Finder bezeichnen.

Was gibt es für Suchersysteme?

Im wesentlichen haben sich zwei Suchersysteme an Teleskopen durchgesetzt und ich setze sogar beide parallel ein.

Die beiden Systeme benennen sich wie folgt. Es gibt den sogenannten Peilsucher und das Suchfernrohr.

Beide haben Ihre Vor- und Nachteile, die ich im folgenden betrachten möchte.

Das Suchfernrohr

Ich habe ja oben schon beschrieben, dass man Probleme bekommt, wenn man zu stark vergrößert und dann durch Teleskop schaut. Daher verwendet man Suchfernrohre. Also eigentlich kleine Teleskope, die auf das große Teleskop aufgesetzt werden.

Diese Suchfernrohre zeichnen sich durch eine kleine Vergrößerung mit einem möglichste großen Gesichtsfeld aus. Er ist Aufgebaut wie ein Linsenteleskop und zeigt daher den Himmel richtig herum an.

Die meisten Suchfernrohre werden mit den Zahlen 6×30 oder 5×24 bezeichnet. Dabei gibt die erste Zahl die Vergrößerung an, also das 6fache und die zweite Zahl die Öffnung des Suchers. Ihr seht, der Himmel wird also auch durch einen Sucher vergrößert.

Meistens befinden sich sogenannte Teilkreise in der Optik des Suchers, so das man sich hier an den Kreisen orientieren kann und das Objekt in den innersten Kreis bewegen kann.

Die kleinen Suchfernrohre werden auf dem Teleskop befestigt und haben an der Halterung Stellschrauben. Das ist wichtig damit man den Sucher mit dem Teleskop ausrichten kann.

Kein Sucher nützt etwas, wenn er nicht das gleiche Bild zeigt wie das Teleskop. Ansonsten finden man im Sucher zwar das Objekt, aber im Teleskop nicht.

Für den besseren Einblick in den Sucher gibt es die Winkelsucher. Diese sind hinten noch mit einem Prisma versehen und knicken dadurch um 90° oder 45° ab. Damit wird ein besserer Einblick in das Suchfernrohr ermöglicht.

Ich habe Euch einmal zwei Sucher herausgesucht:

1. Orion 6×30 Achromatisches Sucherfernrohr – astroshop.de *

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2. Skywatcher 6×30 Winkeleinblick Sucherfernrohr – astroshop.de *

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Der erste ohne Winkel, der zweite mit Winkel. Beide haben die gleiche Vergrößerung und die gleiche Öffnung.

Wer sich einen solchen Sucher kaufen möchte muss um die 50 € für den Preis rechnen. Unter 6×30 sollte man hier aber nicht verwenden.

Vorteile

Die Vorteile eines solchen Suchers sind ziemlich klar. Ich habe ein großes Gesichtsfeld mit relativ großer Öffnung und einer leichten Vergrößerung des Himmels.

Dies erlaubt mit auch lichtschwächere Objekte im Sucher zu finden. Durch die Teilkreise, kann ich bestimmte Regionen auch im Sucher einstellen ohne das Objekt dort zu sehen und gehe dann mit einer kleinen Vergrößerung ans Okular und justiere nach.

Nachteil

Auch der Sucher vergrößert schon den Himmel. Wer hier einen Sucher von 9×50 oder größer verwendet hat häufig schon das Problem wieder die Orientierung am Himmel zu verlieren.

Man sieht einfach zu viele Sterne und kann dann bei sehr lichtschwachen Objekten durcheinander kommen mit der Position.

Peilsucher

Eigentlich sind auch die Suchfernrohre Peilsuchersysteme. Schließlich peilt man einen bestimmten Punkt am Himmel an. Hier werden aber die nicht-optischen Systeme als Peilsucher genannt.

Nicht optische Peilsucher sind Systeme, die mir über eine Teilkreis oder einen Lichtsucherpunkt die Stelle am Himmel zeigen, die ich aufsuchen will ohne das diese Stelle vergrößert wird.

Hier betrachte ich also den Himmel genau so wie ich diesen mit dem bloßem Auge sehe. Um natürlich nun auch zu wissen, wo ich hin peile benötige ich Hilfe.

Ihr könnt Euch das wie Kimme und Korn bei einem Luftgewehr vorstellen, nur das man hier keine Kimme und kein Korn verwendet, sondern beleuchtete Teilkreise oder Punkte (Pointer).

Diese werden meist auf eine Scheibe projiziert, durch die man dann den Himmel betrachtet.

Ich habe Euch hier einmal zwei Systeme herausgesucht:

1. Telrad Projektionssucher mit Basis – astroshop.de *

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Bei dem Telrad, werden 3 Teilkreise auf die Scheibe projiziert. Diese Scheibe seht Ihr auf der linken Seite. Schaut man nun von hinten (links) durch den Telrad, sieht man die 3 Teilkreise und den Himmel hinter der Scheibe. Jetzt kann man das Teleskop auf die Region ausrichten, die man beobachten möchte.

2. Celestron Rotpunkt-Visiersucher Starpointer – astroshop.de *

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Der Rotpunkt-Sucher funktioniert genau wie der Telrad. Dieser hat eben nur einen roten Punkt statt der Teilkreise.

Einen Rotpunkt-Visiersucher bekommt man schon für 20-30 € während ein Telrad dann schon mal um die 50 € kostet.

Vorteile

Die Peilsucher haben den ganz klaren Vorteil, dass man den Himmel unvergrößert sieht. Dies erleichtert das Auffinden von Objekten ungemein.

Schaut Euch oben die Bilder an. Was meint Ihr mit welchem Sucher hättet Ihr den Jupiter besser gefunden? Ich denke auch, mit den Peilsuchern.

Nachteil

Die Peilsucher zeigen mir nur das was ich mit dem bloßem Auge auch sehen kann. Möchte ich also ein lichtschwaches Objekt entdecken, dann habe ich ein Problem. Natürlich kann ich mit dem Peilsucher in die Region zielen, in dem das Objekt liegt, aber der Wechsel zum Teleskop hilft dann meist nicht, da man ein zu enges Gesichtsfeld hat und wenige Millimeter Abweichung schon bedeuten, dass das Objekt nicht im Okular zu finden ist.

Mein Tipp

Verwendet beide Systeme an Eurem Teleskop. So habe ich zum Beispiel für meinen Telrad mehrere Basiseinheiten gekauft und verwende damit das Gerät an allen Teleskopen. Ich brauche also nicht ein Telrad für jedes meiner Teleskope, sondern nur die Basis.

Mit den Sucherfernrohren mache ich es zum Teil ähnlich. Hier kann man sich gleich ein Sucherfernrohr mit einer Prisma-Basis bestellen und mehrere Basiseinheiten.

Nimmt man beide Systeme, dann hat man eine sehr einfache Möglichkeit auch sehr lichtschwache Objekt zu finden.

Mit meinem Telrad stelle ich die Himmelsregion ein. Mit dem Sucherfernrohr suche ich das Objekt oder sehr nahe stehende Sterne und mit dem Teleskop beobachtete ich dann das gefundene Objekt. Das geht wirklich leicht.

Das Bild meines kleinen Newton (Bresser Pluto/S) zeigt, wie das dann aussehen kann. Im Hintergrund sieht man den Telrad und davor den Sucher.

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Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig zeigen, wie ein solcher Sucher funktioniert und welche Vorteile oder Nachteile es gibt.

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2 comments

  1. Michael sagt:

    Danke für den Artikel. Ich wohne auf Mallorca und will mit dem Sterne schauen anfangen. Mein Teleskop habe ich und nun werde ich mich hier mal auf sternen jagd begeben. Danke euch Hilft mir echt schon mal viel Weiter um Sterne zu finden.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Michael,
      Du lebst also dort wo andere Urlaub machen.
      Was hast Du denn für ein Teleskop? Ich glaube das Du auf der Insel sehr gute Möglichkeiten zum Beobachten hast. Über Wetterbedingungen kann ich halt wenig sagen. Auf einen Bericht wäre ich aber schon gespannt.
      Und falls Du irgendwann mal die Idee hast Astrourlaub anzubieten, lass es mich wissen. Ich schreib dann drüber im Blog.
      Viele Grüße
      Stefan

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