Teleskop kaufen – Eine Betrachtung von zwei Seiten (Teil 1/2)

In letzter Zeit werde ich häufiger gefragt, ob ich nicht einen Tipp zum Teleskopkauf hat. Interessant dabei ist aber nicht, dass es Menschen gibt die nach Tipps zum Teleskopkauf suchen, sondern wie diese Menschen an einen Teleskopkauf herangehen.

Bei meinen Beschreibungen und Beratungen (wenn man diese denn so nennen darf) kristallisieren sich hier einige Sachen heraus.

Daher möchte ich den Teleskopkauf dieses mal von zwei Seiten betrachten und beschreibe das vorgehen hier mal in einem Artikel. Sicherlich hilft es dem ein oder anderen bei der Entscheidungsfindung.

Über den Kauf eines oder besser meiner Teleskope habe ich hier schon öfters berichtet. So finden sich hier im Blog Artikel wie dieser: 5 Dinge die man vor Teleskop kaufen beachten sollte

Hier im Artikel möchte ich auf zwei Seiten des Teleskopkaufs eingehen. Einmal die technische Seite und zum anderen von den Randbedingungen her. Beide Seiten sollten betrachtet werden und daher will ich auch beide Seiten hier besprechen.

Die technische Seite des Teleskopkaufs

Sehr häufig stelle ich fest, dass beim Teleskopkauf mit der Frage gestartet wird: Ich Suche ein Teleskop und habe X Euro zur Verfügung.

Toller Ansatz, aber beim Teleskopkauf nicht wirklich hilfreich. Natürlich spielt das Budget eine große Rolle beim Teleskopkauf und wie bei jedem Hobby ist es so, dass mehr Geld auch meist bessere Ausstattung bedeutet. Aber welche Fragen sollte man wirklich stellen?

Man sollte sich darüber im klaren sein, wo man in der Astronomie hin will.

Was will ich beobachten und wie?

Diese Frage passt hier besser rein. Gehen wir doch einmal los und probieren diese Frage mit Beispielen zu hinterlegen.

Wäre die Antwort auf die Frage folgende: Ich möchte ausschließlich den Mond und Planeten beobachten und das visuell, dann würde ich folgendes Empfehlen.

Für den Mond benötigt man nicht unbedingt eine große Teleskopöffnung.  Hier spielt die Optik eine größere Rolle und man möchte möglichst hoch vergrößern.

Bei den Planeten sieht es ähnlich aus. Da Mond und Planeten eine große Helligkeit besitzen, ist es nicht maßgeblich wie groß die Öffnung ist, sondern wie hoch man mit einem Gerät vergrößern kann.

Die maximale Vergrößerung eines Teleskop berechnet sich zwar nach der Faustformel

max. Vergrößerung = 2 * Öffnung (Teleskop)

Aber es gilt hier noch etwas zu beachten. Die Faustformel kann natürlich dazu verleiten, dann man möglichst viel Öffnung für viel Vergrößerung benötigt und ja, dem ist auch so. Wer aber bei der Betrachtung die Brennweite des Teleskops außen vor lässt, wird mit viel Öffnung und wenig Brennweite keinen Spaß an der Planetenbeobachtung haben.

Mit der Brennweite und der min. Austrittspupille (also dem Öffnungswert des Auges, bei dem man noch etwas sieht, dann bekommt man einen Wert für die Okulare.

Das Optimum bei der Beobachtung ist es also ein Okular zu finden, welches eine möglichst große Brennweite bei möglichst hoher Vergrößerung besitzt.

Bei einer min. Austrittspupille von 0,5 mm und einer Brennweite am Teleskop von 900 mm bekomme ich eine Okularbrennweite von 4mm. Wer mal durch ein solches Okular geschaut hat, wird feststellen, wie schwer es ist mit solche kleinen Okularen zu beobachten.

Bei einem Reflektor mit 150 mm und 750iger Brennweite bekomme ich bei der Berechnung eine Brennweite von 2,5 mm am Okular bei 300facher Vergrößerung.

Das heißt jemand der nur visuell Planeten und Mond beobachten will, sollte eine möglichst hohe Brennweite verwenden. 1000 – 1200 mm sind hier gute Brennweiten für die Planetenbeobachtung.

Wer sich die Antwort oben anschaut, wird den Zusatz gesehen haben, bezüglich und das visuell. Dieser Zusatz spielt eine große Rolle. Denn er definiert, wodrauf das Teleskop betrieben werden soll.

Wer rein visuell beobachten will, dem Empfehle ich bei einem schmalen Budget ein Dobson-Teleskop. Dieses ist kostengünstig und leicht transportable. Also schnell aufgebaut.

Empfehlungen:

Skywatcher Dobson Teleskop N 150/1200 Skyliner Classic DOB*21351_1*

Im Astroshop.de für 279 €       

Skywatcher Dobson Teleskop N 150/1200 Skyliner Classic DOB

(Link*)

Im Astroshop für 259 €

Bresser Teleskop N 150/1400 Pollux EQ-2

(Link*)

Wer sich für die Astrofotografie entscheidet, der wird mit einem Dobson (ohne Nachführsteuerung) Probleme bekommen. Planeten und Mond lassen sich zwar auch im Dobson fotografieren, aber hier muss man schon abstriche machen.

Wer natürlich jetzt sagt: Ich möchte neben Planeten auch DeepSky-Beobachtungen durchführen (Nebel & Galaxien) und diese auch fotografieren, der ist gleich mal in einer anderen Teleskopklasse unterwegs.

Natürlich kann man mit den oberen Geräten auch Nebel und Galaxien beobachten, wird aber hier durch die lange Brennweite Probleme mit dem Licht bekommen.

Für den DeepSky-Bereich und vor allem für den Überblick von DeepSky-Objekten am Himmel, sollte hier eine leicht andere Strategie fahren.

Hier zählt die Öffnung wesentlich mehr als die Brennweite. Wer also direkt in diese Region vordringen will, der benötigt als kurz-brennweitige Teleskop.

Hier möchte man also sehr viel Licht im Auge haben. Kommt nun noch der Zusatz dazu, dass man gern Fotografieren möchte, dann muss man bedenken, dass bei langen Belichtungszeiten, dass Teleskop nachgeführt werden muss.

Hier benötigt man also eine stabile Montierung, die neben dem Teleskop selbst auch noch Zubehör tragen muss.

Empfehlungen für solche Teleskopmontierungen gehen häufig in die Richtungen EQ5, EQ6. Diese Montierungen haben aber Ihren Preis.

Allein die Montierung EQ5 mit und ohne Motoren kostet mal eben >300 €.

Wer schon einen Tubus besitzt, zum Beispiel ein Bresser Pluto/S hat beim kauf meist eine EQ1 oder EQ2-Montierung dazu bekommen. Der unterschied zur EQ5 ist hier wie Tag und Nacht. Da kann man fast am Teleskop rütteln ohne das was passiert.

Empfehlungen:

16081_0*1496_0*
Im Astroshop für 307 €

Skywatcher Montierung NEQ-5

(Link*)

Im Astroshop für 602 €

Skywatcher Montierung HEQ-5

(Link*)

Dies sind nun aber nur die Montierungen. Ihr könnt Euch also vorstellen, was gleich kommt.

Wer sich ein Teleskop gleich in der Konfiguration zur Himmelsfotografie anschaffen möchte, ist mal eben schnell bei 1000 € für ein Gerät.

Gut, diese Geräte hat man dann auch 10-20 Jahre oder länger. Aber für den Augenblick ist der Invest schon recht hoch. Natürlich kommt noch das ganze Zubehör dazu, aber darüber werde ich mal einen gesonderten Artikel schreiben.

Empfehlungen:

7853_1*14208_1
Im Astroshop für 809 €

Celestron Teleskop N 150/750 Advanced C6 AS-GT GoTo

(Link*)

Im Astroshop für 989 €

Bresser Teleskop AC 127/635 Messier EXOS 2 GoTo

(Link*)

Fazit

Dies waren mal einige wenige Aspekte zum Teleskopkauf. Wer sich beim Teleskopkauf fragen stellt, sollte die richtigen Fragen stellen.

Ich habe hier einmal zwei Mögliche Antworten gegeben und probiert diese zu beantworten.

Geht also nicht los und Fragt, was bekomme ich für mein Geld, sondern fragt als erstes was Ihr überhaupt wollt. Nur wenn Ihr diese Fragen beantworten könnt, könnt Ihr entsprechende Kompromisse zwischen Budget und dem gewollten eingehen und erhaltet ein Gerät, welches Eurem Geldbeutel und Euren Wünschen entsprechend.

Gut manchmal übertreffen die Wünsche das Budget, aber man kann sich ja weiterentwickeln.

Ausblick

Da dieser Artikel schon recht lang ist, werde ich den zweiten Aspekt beim Teleskopkauf in einen weiteren Artikel verschieben.

Hier werden ich weitere Fragen stellen und probieren diese zu beantworten. Nur mit beiden Artikeln zusammen wird es Euch gelingen das richtige Gerät auszuwählen und Euren Teleskopkauf nicht zum Flop werden zu lassen.

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3 comments

  1. Gunnar sagt:

    Toller Bericht mit den Links zu den entsprechenden Teleskopen. Ich finde eine EQ-2 Montierung lohnt sich nur, wenn man wirklich genau auf das Geld schaut. Der Frustfaktor durch eine wackelige Montierung ist gerade für Anfänger recht hoch. Eine brauchbare Montierung kostet leider soviel wie ein (Einsteiger)Teleskop, aber sie ist es auch wirklich wert. Daran sollte man – wenn man es sich leisten kann – wirklich nicht sparen.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Gunnar, das ist das größte Problem bei den Einsteigern. Viele sind halt schnell vom Gerät frustriert und hören wieder auf. Einen gute Ausrüstung kann diesen Frust minimieren und die Freude am Sternenhimmel maximieren. Nichts ist schlimmer als ein Teleskop welches nicht verwendet wird.
      Gruß
      Stefan

  2. Marcel R. sagt:

    Tolle Tips. Super geschrieben. 1000 Dank .

    Nach Jahren mit dem Bresser 500/1400 auf EQ2 und viel (etwas wackeligem) Spaß soll es jetzt zur Fotografie gehen….. Mal sehen wo wir enden :-)

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