Für 65 € ins All – Gastbeitrag von Christian Lang

Seit langer Zeit darf ich Euch mal wieder einen Gastbeitrag bei mir im Blog präsentieren. Dieses mal kommt der Gastbeitrag von Christian Lang. Kennen gelernt habe ich Ihn in unserer Google+ Community für Hobbyastronomen. Er ist 28 Jahre und mittlerweile besitzt er sein erstes Teleskop. Aus München heraus, wo er wohnt, zu beobachten ist ähnlich schwer wie aus Berlin heraus.

Er beschreibt hier wie er mit 65 € die Schönheit des Weltalls erkundet und ich muss sagen, dass mich sein Bericht stark an meine ersten Schritte erinnert. Ich wünsche Euch viel Spaß beim lesen.

Für 65 € ins All (von Christian Lang)

Ich beschäftige mich schon sehr lange mit dem Weltall. Anfangs war es nur eine generelle Faszination für Raumschiffe und Raketen. Durch Menschen wie Harald Lesch begann ich später auch, mich genauer damit auseinander zu setzen, was da oben so vor sich geht.  Aber irgendwas fehlte immer. Genau; Das selbst Erfahren. Nur hochgucken reichte mir irgendwann einfach nicht mehr. So begann ich, ein passendes erstes Teleskop für mich zu suchen.

Sky-Watcher Heritage 76 ((CC)BY-NC-SA )Der limitierende Faktor bei solch einem Unterfangen ist, wie so oft, das Geld. Zusätzlich bin ich eher der Typ, der schnell mal ein neues Hobby beginnt, dann aber schnell feststellt dass das wohl doch nichts für mich ist. Entsprechend nahm ich mir vor, mit den Gesamtkosten unter 100€ zu bleiben. So ist nicht viel verloren wenn das Teil nach einer Woche in die Ecke fliegt. Auf meiner Reise durch Astroforen, Bewertungen, Beispielbilder und Blogs bin ich dann immer wieder auf das Celestron Firstscope gestoßen. Meins wurde es als „ideales Einsteigerteleskop für Leute, die nicht gleich mehrere Hundert € ausgeben wollen“ beschrieben. Ich fühlte mich angesprochen. Ich lernte dann schnell dass es praktisch das gleiche Grundgerät von verschiedenen Herstellern mit unterschiedlicher Ausstattung gibt. Das u.a. über Hama vertrieben Firstscope sowie das etwas größere NatGeo 76/350 von Bresser konnte ich live in Geschäften begutachten, war jedoch nicht wirklich begeistert. Beim Bresser war es die generelle Qualität und die Menge der wirklich weichen Plastikteile, beim Firstscope waren es die in meinen Augen recht zweifelhaften Okulare. Schließlich stieß ich auf die Ausführung von Sky-Watcher. Namentlich das Sky-Watcher Heritage 76.

Bei dem für schlappe 65€ erstandenen 3“ Dobson sind zwei drei-linsige RK Okulare mit 25mm und 10mm und 50° scheinbarem Gesichtsfeld mit dabei. Außerdem ein 5×24 Plastiksucher mit Plastiklinsen. Zusätzlich habe ich mir noch ein 4mm Huygens und eine 2x Barlow verschafft, hauptsächlich zum Experimentieren und um ein besseres Gefühl für die Materie zu bekommen. Meine Sternwarte befindet sich auf meinem Balkon, der nach Süden zeigt, und besteht aus einem klapperigen Tischchen, das am Balkongeländer befestigt ist. Weiter erschwert wird das vernünftige Beobachten durch die Tatsache, dass ich in Sichtweite des Münchner Flughafens wohne. Ideale  Voraussetzungen also.

Ausgepackt und aufgebaut war mein neuer Grund, das Haus zu verlassen, denkbar schnell. Das Teleskop ist in seinem Pappkarton bereits fertig montiert und, soweit ich das beurteilen kann, auch justiert. Lediglich der Sucher muss noch mittels zwei Rändelschrauben am Tubus angebracht werden, was aber nicht der Rede wert ist, wie ich finde.
Nun findet man ja im Netz verschiedene Faustformeln, die einem helfen sollen, die Anzahl der zu erwartenden bewölkten Nächte zu errechnen, je nach Art/Größe/Preis des gerade neu angeschafften Teleskopes. Kurz: Bei mir waren es DREI WOCHEN.
Doch bereits der erste zaghafte Versuch, das Heritage gen Himmel zu richten, das Ziel für “First Light” war der hoffentlich einfach zu findende Erdenmond, war begeisternd.

Mond im Skywatcher Heritage 76 ((CC)BY-NC-SA )An besungenem Abend war es eigentlich recht bewölkt. Zusätzlich hatten wir Gäste. Der sich bei einem kurzen Blick aus dem Fenster zeigende Mond war jedoch unwiderstehlich.
Und tatsächlich war der Mond leicht zu finden. Durch die Bewölkung musste ich nur mit dem 25mm grob in die Richtung gucken, die um den Mond aufgehellten Wolken wiesen mir den weg. Und er sah toll aus. Trotz oder vielleicht gerade durch die Dämpfung durch die Wolken. Ich wechselte natürlich auch gleich zum 10mm, also 30 fache Vergrößerung, und das gefiel mir gleich noch besser. Das fokussieren klappte wie geschmiert. Der Okularauszug arbeitet dabei zuverlässig und hält dank geringem Spiel und dickflüssiger Schmierung der Zahnstange stabil die Position.

Der zweite Versuch war noch gewinnbringender. Klarer Himmel, mehr Zeit. Der Mond strahlte sehr hell, war aber trotzdem durch das 10mm sehr gut zu beobachten. Nun richtete ich das Teleskop auch auf Jupiter, was erstaunlich schnell gelang. Der wahrscheinlich zufällig recht ordentlich justierte Sucher half dabei ungemein. An dem Planeten habe ich das kleine Rohr dann noch etwas genauer Justiert. Ein Gegentest mit zwei zufälligen Objekten zeigte dass man den Sucher tatsächlich gebrauchen kann.
Aber natürlich habe ich nicht nur durch den Sucher auf Jupiter geblickt. Schon im 25mm konnte ich einen deutlichen unterschied zu Sternen erkennen. Doch was sind das für Pünktchen? Schnell das 10mm geladen. Tatsächlich: Viel klitze kleine Monde. Zwei links, zwei rechts neben ihrem Planeten. Recht schnell waren auch die gut fokussiert und scharf zu sehen. Jupiter selbst zeigte sich nun schon als deutliche Scheibe, nicht mehr bloß als Leuchtpunkt. Hier fiel mir jedoch auf dass, wenn er sich am Rand des Sichtfeldes befand, eine leichte Verzerrung in Richtung Rand zu erkennen war. Hielt ich ihn jedoch mittig war alles gut. Im Internet lernet ich später dass das wohl „Koma“ heißt und unter anderem dem Kugelspiegel (anstatt Parabolspiegel) angelastet werden kann.
Auch den Orionnebel nahm ich an diesem Abend ins Visier. Vorher informiert war im 25mm der Gürtel des entsprechenden Sternbildes schnell gefunden, dann ein wenig nach unten. Zack, gefunden. Wobei der Nebel in 10 fach eher aussieht wie ein einzelner Stern außerhalb des Fokus. 30 fach konnte man schon mehr erkennen. Je länger man so darauf blickt, umso klarer erkennt man was man da tatsächlich sieht. Nur eben sehr klein.

Wie oben schon erwähnt besorgte ich mir jüngst dann noch ein sehr günstiges 4mm Huygens nebst ähnlich günstiger 2x Barlow Linse.  Dadurch lassen sich zusätzlich zu den Vergrößerungen von 10 und 30 auch noch z.B. 60, 75 oder sogar 150 erreichen.
Gesagt, geschaut hieß es seit dieser Erweiterung nun schon zwei mal und der Kauf hat sich definitiv gelohnt. Mit 2x 10mm wird Jupiter schon so groß, dass sich leicht seine Farbe erkennen lässt. Auch der Orionnebel gewinnt so deutlich an Detail. Vernünftiges Fokussieren ist auch noch möglich. Auf dem Weg zu 2x 4mm wird dieses jedoch zunehmend schwieriger.
Das 4mm selbst erfordert es zudem, den OAZ ganz hinein zu drehen um scharf zu stellen, wodurch dann natürlich kein Spielraum zum Justieren mehr bleibt.  4mm x1,4 oder x2 verlagert den Fokus hingegen wieder in den justierbaren Bereich. Mein Lieblingsnebel verliert in diesen Regionen zudem zusehends an Leuchtkraft, bleibt aber noch erkennbar. Fehlende Schärfe fällt da auch nicht so ins Gewicht, weshalb auch ein Blick mit 150facher Vergrößerung noch nicht abschreckend ist. Und selbst der dann wirklich unscharfe Jupiter offenbart bei dieser maximalen Vergrößerung erstaunliche Farben, weshalb sich der Blick auf jeden Fall lohnt.

Fazit

Der verbreiteten Meinung, Ausführungen des Firstscope seien ideale Einsteigergeräte, kann ich als ausgewiesener Anfänger nur bestätigen. Der günstige Preis senkt die Hemmschwelle, es mal zu versuchen, extrem. Die Qualität der Erfahrungen, die ich mit dem Heritage 76 schon mit minimaler Vorbereitung machen konnte, macht definitiv Lust auf mehr. Die zu hörenden Warnungen, ein so billiges Gerät würde durch mangelhafte Optik und Qualität eher abschrecken als Freude zu bereiten haben sich als unbegründet erwiesen. Für schlappe 65€ bekommt man auf diese Weise sehr unkompliziert eine ersten Eindruck von dem, was so viele begeisterte Hobbyastronomen jede klare Nacht nach draußen zieht.

(Die eingefügten Bilder stehen unter der Lizenz: (CC)BY-NC-SA )

 

Vielen Dank Christian für Deine tollen Ausführungen. Wir bleiben sicherlich in Kontakt und es würde mich freuen Dich dann auch mal persönlich zu treffen. Bin ja oft in Deiner Gegend. Bleib dran und veröffentliche weiter Deine tollen Berichte in unserer Community.

Wer übrigens auch mal einen Gastbeitrag hier schreiben möchte, kann sich gern an mich wenden. Thema und eine kurze Beschreibung des Inhaltes reichen aus. Alles weitere wird man dann besprechen können.


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