Gastbeitrag: Alexander Kerste erzählt über die Erstellung seines Buches „Astronomie mit Fernglas und Richfield-Teleskopen“

Es freut mich sehr das ich den Autor des Buches „Astronomie mit Fernglas und Richfield-Teleskopen“ mit einem Gastbeitrag in meinem Blog begrüßen darf.

Alexander Kerste hat einen sehr schönen und anschaulichen Artikel geschrieben, wie man auch in heutigen Tagen ohne einen großen Verlag dahinter ein tolles Buch schreiben und an den Mann bringen kann.

Alexander Kerste ist Jahrgang ‘75 und kommt eigentlich nicht aus der Astronomie, sondern war in der Biologie zu Hause. Zumindest bis zum Ende seines Studiums. Anschließend hat er, mangels entsprechender Berufsaussichten, sein Hobby zum Beruf gemacht und ist in die Astronomie gewechselt. Seit 4 Jahren ist er auf der Heilbronner Sternwarte 2. Vorsitzender und seit 2010 betreut er auf der bekannten Plattform Astronomie.de die Einsteigerkurse.

Wer mehr über Ihn erfahren möchte, kann sich seine Vita gern anschauen.

Nach dieser kleinen Einführung möchte ich Euch aber nicht weiter auf die Folter spannen. Hier nun der Gastartikel von Alexander:

Büchern, die im Selbstverlag veröffentlicht werden, haftet immer noch ein gewisses Schmuddel-Image an: Kein echter Verlag hat sich dazu bereit erklärt, es zu veröffentlichen, also wird es jetzt einfach so auf den Markt geworfen. Aber es kann noch mehr Gründe geben, diesen Weg zu gehen, und „Astronomie mit Fernglas und Richfield-Teleskopen“ ist so ein Fall.

Von der Idee zum eigenen Buch

Cover.jpgAstronomie kann entweder ein sehr billiges Hobby sein, oder sehr teuer. Wer keine Lust hat, tausende Euro in eigene Teleskope zu investieren, kann einer Sternwarte beitreten, um deren Instrumente mit zu nutzen, mit bloßem Auge den Himmel erkunden oder zum Fernglas greifen (die Möglichkeiten schließen einander nicht aus). Allerdings gibt es relativ wenig deutschsprachige Literatur zu diesem Thema, und als ich Anfang der 1990er in die Astronomie einstieg, war es noch weniger. Aber es gab damals schon die Astro-Messe ATT in Essen, und zu meiner Ausbeute der ersten Jahre gehörten ein 12×50-Fernglas und Philip S. Harringtons Buch „Touring the Universe through Binoculars“. Das Buch ist eine wahre Fundgrube an Informationen für Fernglasbeobachter und beschreibt eine Vielzahl von Zielen, die sich mit dem Feldstecher beobachten lassen.

Vor allem dieses Buch war für mich Anlass, etwa Mitte der 90er mit dem Schreiben eines eigenen Buchs zum Thema zu beginnen. Das Ziel war nicht unbedingt, es zu veröffentlichen, sondern vielmehr, für mich alle Infos zusammenzutragen, die ich am Nachthimmel benötige. Wie so üblich, fangen die Dinge klein und harmlos an… Mit der Zeit erweiterte ich es um alle Infos, die ich finden konnte: Sternsagen und historische Infos ebenso wie ein kleiner Mondatlas (die Gelegenheit, einmal jeden Mondphase von kurz nach Neumond bis zum Vollmond fotografisch festzuhalten). Dazu kam die Idee, mich nie wieder auf eine Führung auf der örtlichen Sternwarte vorbereiten zu müssen (und wenn doch, dann nur in einem Buch nachschlagen zu müssen), also kamen noch Texte zur Himmelsmechanik sowie den Planeten und Deep-Sky-Objekten dazu. Was als kleiner, handlicher Begleiter für den Nachthimmel begonnen hatten, wuchs letztlich auf rund 300 DIN-A4-Seiten heran, mit Karten und Beschreibung für jedes Sternbild.

2004 war es dann soweit: Ich hielt das erste Exemplar in der Hand – Hardcover-gebunden, und frisch aus dem Copyshop. Stellte sich natürlich die Frage, was ich nun mit dem Manuskript anfangen sollte – also bot ich es einem Verlag an. Es passte zwar nicht in das Verlagskonzept (viel zu umfangreich, zu kleiner Markt), öffnete mir aber Türen: 2005 erschien dann im Kosmos-Verlag ein Set mit 12 Monatssternkarten, meine erste richtige Veröffentlichung. Am Fernglasbuch bestand dennoch Interesse, sodass ich recht bald eine Version fertig hatte, die in Umfang und Niveau eher den typischen Einsteigerbüchern entsprach: Astronomie mit dem Fernglas. Es enthält ebenfalls eine Einführung in die Astronomie, die Ziele sind aber nach Jahreszeiten sortiert und beschränken sich vor allem auf Einsteigerobjekte für das Fernglas. Allerdings war in dem Jahr keine Budget für eine Veröffentlichung da, und wenig später kam ich als ständiger Freier Mitarbeit in die Redaktion von Astronomie Heute, sodass das Projekt in der Schublade verschwand.

Die Zeit verging, und ein paar Jahre später kam ich mit einem anderen Verleger ins Gespräch (diesmal ein deutlich kleinerer Verlag), der Interesse an der ursprünglichen, großen Version hatte. Da Astronomie Heute mittlerweile eingestellt worden war, hatte ich Zeit und erweiterte das Buch auch um Ziele für Richfield-Teleskope: Sowohl große, kurzbrennweitige achromatische Teleskope als auch der „Volks-Apo“ ED80/600 waren etwa seit der Jahrtausendwende bezahlbar und recht weit verbreitet, und schließlich hatte ich mittlerweile ebenfalls einen ED80 zugelegt.

Daher erweiterte ich das Buch auf seinen heutigen Umfang, nur um wieder eine Absage zu bekommen: Es war wiederum kein Budget mehr da, um das finanzielle Risiko dieses Buchs zu stemmen. Und mittlerweile gibt es auch deutschsprachige Literatur zum Thema.

Erneut verschwand mein Werk somit in der Schublade bzw. in meinem Teleskopkoffer, aber die Idee, es selbst zu veröffentlichen, war immer reizvoller – vor allem, weil ich mittlerweile im Besitz eines EBook-Readers war. Ein schönes druckfähiges PDF hatte ich ja schon, und das war eine gute Gelegenheit, mich in das Thema einzuarbeiten.

Also nutzte ich die Gelegenheit, um beide Versionen noch einmal gründlich zu redigieren und auf den aktuellen Stand zu bringen. Leider ist der EBook-Export von InDesign CS4 grottenschlecht, sodass mehr Zeit und Arbeit nötig waren, als gedacht.

Aber das hatte auch seine Vorteile: Amazon war in der Zwischenzeit auf die Idee gekommen, selber Bücher zu drucken. Cool! Nur dummerweise durfte ich daher das Layout noch einmal komplett umgestalten, da in erster Linie US-Papierformate zur Verfügung stehen. Ende Oktober 2012 war ich daher soweit, das kleine Buch als EBook und Druckversion bei Amazon einzustellen und das große als reine Druckversion. Die EBook-Konvertierung des großen Buchs konnte ich erst Ende Februar fertigstellen, fast vier Monate später. Soviel zu dem Irrglauben, dass sich ein gedrucktes Buch problemlos in ein EBook konvertieren lässt…

Vor- und Nachteile des Self-Publishing

Und jetzt, Ruhm und Reichtum? Naja… Da ich an dem Werk auch etwas verdienen will, kann ich es leider nicht ganz so günstig anbieten wie ich gerne würde – Farbdruck ist teuer. Um das große Buch mit 300 Seiten im annähernd DIN-A4-Format farbig drucken und versenden zu lassen, musste ich den Preis auf fast 50 Euro festsetzen; das kleinere Buch liegt bei 23,98 Euro. Schwarzweiß wäre deutlich günstiger, hier konnte ich auf 25,48 bzw. 12,95 Euro herunter gehen. Also, was tun? Ganz klar: Beides anbieten. Da keine Lagerhaltung notwendig ist, ist es kein Problem, beide Bücher jeweils in Schwarz-Weiß und in Farbe anzubieten. Der Inhalt ist bei beiden Versionen gleich, und es kostet nur etwas Zeit, die Titel anzulegen. Letztlich muss ich auch sagen, dass es gerade für den Einsatz am Teleskop eigentlich egal ist, welche Version man nimmt – aber die Schwarzweiß-Version ausreicht.

Die EBooks bieten die Möglichkeit, die Bücher zu einem sehr günstigen Preis anzubieten (5,- bzw. 9,90 Euro). Auch wenn der EBook-Markt in Deutschland noch sehr jung ist, war ich überrascht, wie gut sie trotz des geringen Marketings laufen.

Marketing ist der Bereich, an dem ein Verlag klare Stärken gegenüber einem Selbstverleger hat. Ich kann zwar problemlos einen Lektor engagieren, der ein Buch gegenliest, aber ich kann es nicht in jede Buchhandlung bringen oder Anzeigen schalten. Also was tun, um im Internetzeitalter bekannt zu werden? Ich entschied mich zu einem Experiment. Die EBooks biete ich ohnehin ohne DRM an, da ich der Meinung bin, dass ehrliche Leser kein Problem damit haben, für Qualität zu bezahlen, wenn man es ihnen leicht genug macht – und dass DRM niemanden niemanden am Kopieren hindert, während es ehrliche Käufer nur behindert. So kann jeder mein EBook bei Amazon kaufen und für den EBook-Reader seiner Wahl konvertieren.

Cover.jpgUnd wenn ich mir schon keine Sorgen über Raubkopien mache, kann ich das Buch eigentlich auch komplett online stellen… Mit dem kleinen Buch habe ich es auch getan: Es ist fast vollständig unter http://freebook.fernglasastronomie.de zu finden, nur das Beobachtungsbuch für eigene Notizen fehlt – letzteres wäre auf einer Webseite aber auch reichlich sinnlos. Damit das EBook oder die gedruckte Version doch noch Vorteile bietet, hat auf der Webseite jedes Unterkapitel seine eigene Seite erhalten. Der Zugriff geht mit der Kaufversion also schneller. Natürlich: Wer will, kann sich das EBook aus der Webseite selber zusammenbasteln. Damit sich das lohnt, sollte er aber schnell arbeiten, um mit den 5 Euro für das EBook konkurrenzfähig zu bleiben.

Soziale Netzwerke und Blogs wie Twitter und Tumblr sind zwei weitere Möglichkeiten, um bekannt zu werden, erfordern aber auch viel Zeit. Generell gilt für das Selbst-Publishing: Es ist zwar eine einfache Möglichkeit, um ein Buch auf den Markt zu werfen, aber es ist keine einfache Möglichkeit, um ein gutes Buch herzustellen und zu vermarkten. Sturgeons Gesetz (90 Percent of everything is crap) gilt hier noch mehr, und damit das eigene Werk nicht zu den 90% Müll gehört, muss es ordentlich redigiert und lektoriert werden (macht normalerweise der Lektor im Verlag), es muss gesetzt werden (das ist bei Romanen kein zu großer Aufwand, aber sobald Bilder oder Grafiken dazu kommen, kann es aufwendig werden – auch mit professioneller Software. Dafür haben Verlage eine Bildredaktion und Layouter) und es muss auf den Markt gebracht werden (den Vertrieb macht Amazon, aber die Werbung muss man selbst machen). So reizvoll die potentiell höheren Gewinnspannen auch erscheinen: Letztlich muss man die Arbeit von drei bis fünf Leuten übernehmen oder als Auftrag vergeben. Wer damit nur Geld verdienen will, ist besser beraten, den klassischen Weg zu nehmen und erst mit dem Schreiben anzufangen, wenn er den Vertrag in der Tasche hat.

Andererseits ist man im Selbstverlag wirklich selbständig, behält (zumindest bei Amazon, andere Print-on-demand-Dienste sind da rabiater) alle Rechte am Buch und hat alle künstlerischen Freiheiten, trägt aber auch das volle Risiko, falls das Projekt floppt. Auch wenn keine Druckkosten entstehen: Der gesamte Zeitaufwand für die Produktion muss vorfinanziert werden. Aber gerade Bücher, die eher als Nischenprodukt anzusehen sind, haben so die Chance auf den Markt gebracht zu werden. Außerdem verschwinden sie nicht innerhalb von vielleicht fünf Jahren vom Markt, wenn die erste Auflage abverkauft ist und keine zweite gedruckt wird, weil es eben doch kein Bestseller war.

Wenn Ihr Interesse geweckt ist: Das kleinere der beiden Bücher gibt es wie gesagt vollständig unter freebook.fernglasastronomie.de, und die Print-Version bei Amazon. Wenn es Ihnen gefällt: Eine gute Rezension bei Amazon wäre nett:-)

Alexander Kerste

Alexander, an dieser Stelle möchte ich Dir noch einmal herzlich Danken. Der Artikel ist wirklich toll und ich hoffe das meinen Lesern dieser Gastartikel genauso gefällt wie mir.

 


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4 comments

  1. Wolfgang sagt:

    Danke für den sehr interessanten Artikel!

    Ich habe vor ca 1,5 Jahren an einem der erwähnten Online-Einsteigerkurse von Alexander teilgenommen. Es war eine interessante Erfahrung, leider konnte ich mein Interesse an der Astronomie danach nicht weiterpflegen. Was mir aber im Gedächtnis geblieben ist, war die tolle Gemeinschaft zwischen den “Studenten” – alle sehr nett. Wir waren durch eine Mailingliste verbunden, und konnten hier gut unsere Erfahrungen und Fragen austauschen, auch abseits des Lerhplanes. Mir hat´s gut gefallen.

    Und nachdem ich mir jetzt doch ein 10×50 Porro von Celestron gekauft habe, kommt mir das Buch “Astronomie mit dem Fernglas” sehr gelegen :-)

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

    • Hallo Wolfgang,

      das Netz ist klein:-) Freut mich, wenn der Kurs gefallen hat, und ich hoffe, dass Buch oder Webseite dir trotzdem noch was Neues bringen.

      Beste Grüße und klaren Himmel,
      Alex

  2. Wolfgang sagt:

    Buch ist schon bestellt, ich freu mich darauf. Keine Sorge, Feedback folgt :-)

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

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