Wie man die ersten Sterne am Himmel findet

Die Artikelüberschrift verwirrt ein wenig, hat aber einen speziellen Hintergrund. Ich höre immer mal wieder das sich Sternenliebhaber ein Teleskop kaufen und dann zwar den Mond am Himmel sehr schnell finden, aber andere Objekte Ihnen einfach verwehrt bleiben.

Daher möchte ich Euch heute einen Artikel zur Verfügung stellen, bei dem Ihr einige Tipps bekommt, wie man die ersten Objekte am Himmel findet.


Die Vorbereitung

Wer sich ein neues Teleskop oder Fernglas gekauft hat und das erste mal das Teleskop (egal welcher Größe) in den Himmel richtet, wird erstaunt sein wievielte Sterne man plötzlich durch ein Okular sieht.

Schon die Sternenanzahl im Sucher vervielfacht sich gegenüber dem Auge. Sucht man nun bestimmte Objekte, dann kann sich jeder schnell ausmalen, dass dies kaum zum Erfolg führt, wenn man einfach nur mit dem Teleskop nach oben schaut.

Beim Mond kann dies noch klappen, aber schon wenn man Anfang nach Planeten zu suchen, kann dies sehr schnell zu Frust führen.

Daher gilt es den Beobachtungsabend vorzubereiten. Was sieht man überhaupt gerade und vor allem wo?

Dazu bedienen sich die Hobbyastronomen mehrerer Mittel, die auch schon hier im Blog oft angesprochen wurden.

Die Sternkarte

Ein unerlässliches Mittel zum Auffinden von Objekten am Himmel und auch um zu sehen was gerade zu sehen ist, ist die Sternkarte. Oft aus Plastik hergestellt kann man dieses Instrument mit nach draußen nehmen und sich vor Ort orientieren.

Die Bedienung einer Sternkarte will aber gelernt sein. Es ist nicht kompliziert, aber man muss sich wenigstens einmal damit beschäftigen.

Rechts seht Ihr eine solche Sternkarte. Diese hat sogar einige Beschreibungen im Deckel mit dabei. Damit kann man also gleich Draußen auf dem Feld lernen, wie eine solche Sternkarte funktioniert.

So eine Sternkarte kostet gerade mal 9,90 € (Amazon *)und damit kann nach wenigen Minuten jeder umgehen.

Natürlich findet man auch im Netz Beschreibungen von Sternkarten. Ich finde aber Videos etwas besser.

In dem Video von Oliver könnt Ihr Euch die Handhabung einer Sternkarte anschauen:

So eine Sternkarte kann man übrigens auch selbst basteln. Dazu habe ich vor einigen Jahren hier im Blog mal einen Artikel geschrieben: Eine Sternkarte selber basteln

Himmelsjahrbücher

Es gibt auch sogenannte Himmelsjahrbücher. Auf dem Markt werden verschiedene Bücher angeboten. Diese kann man das ganze Jahr benutzen und findet dort neben den Informationen zur Sichtbarkeit von Objekten auch viele spannende und hilfreiche Tipps zur Himmelsbeobachtung.

Ich beschreibe die Himmelsjahrbücher einmal am Jahresanfang. In dem Artikel Der Himmel 2013 (Buchübersicht) kann man sich also die Tipps zu den einzelnen Jahrbüchern holen.

Software

Natürlich kann man auch auf ein reichhaltiges Softwareangebot zurück greifen. Sowohl für den heimischen PC oder Mac gibt es diverse Astronomiesoftware, als auch für das Handy. Wer sich über entsprechende Software informieren will, der kann das hier tun:

Ich habe hier sogar eine ganze Seite für die Software spendiert und zusammengestellt. Ihr findet diese ganz oben im Kopf oder klickt einfach hier: Software für Hobbyastronomen

Ihr habt nun also 3 Dinge an der Hand um Euch auf einen Beobachtungsabend vorzubereiten und nun will man raus und schauen wie man entsprechende Objekte findet.

Vorbereitung im Feld

Bevor Ihr nun mit dem Teleskopieren beginnt, solltet Ihr Euer Gerät einsatzbereit machen. Eine gewisse Auskühlzeit gehört genauso dazu, wie das Ausrichten der Suchersystem.

Ist logisch. Wenn der Sucher nicht den gleichen Himmelsausschnitt zeigt wie das Teleskop, nutzt das ganze Suchen nichts oder?

Also richtet das Teleskop auf einen hellen Punkt. Das kann eine weit entfernte Laterne sein oder ein Häuserfenster (nicht spannen, sondern nur ausrichten).

Stellt den Lichtpunkt mittig im Teleskop ein und danach richtet Ihr den Sucher mittig auf den Lichtpunkt aus. Ist das erledigt, steht dem Teleskopieren nichts mehr im Weg.

Übrigens wer an den Sucher stößt, fängt von vorn mit dem Ausrichten an!

Himmelsobjekte finden

Bevor man nun aber an das Teleskop springt und fleißig sucht, sollte man sich mit seinem Gerät vertraut machen. So muss man daran denken, dass die Orientierung in einem Teleskop nicht ganz einfach ist.

Wer sich ein Spiegelteleskop gekauft hat, muss daran denken, dass er alles Seitenverkehrt im Teleskop sieht. Auch darauf bin ich hier im Blog schon einmal eingegangen. Wie die Orientierung der Bilder im Teleskop aussehen, könnt Ihr in dem verlinkten Artikel nachlesen.

Ist man nun mit Karte bewaffnet und hat sich auch vorbereitet geht es an das Aufsuchen von Objekten. Wichtig ist, dass man sich in den ersten Schritten an einfachen Objekten orientiert.

Wer sich am Himmel nicht auskennt, wird sogar mit Planeten seine Schwierigkeiten haben. Ich kann Euch aber beruhigen, auch Planeten lassen sich mit dieser Anleitung leicht finden. Mit der Zeit entwickelt man sogar ein Gefühl dafür, welcher Planet das gerade da oben sein muss. Schließlich sind die Planeten die hellsten Lichtpunkte am Himmel, gleich nach Sonne und Mond natürlich.

1. Schritt: Ausgangspunkt identifizieren

imageUm nun Objekte am Himmel zu finden, sollte man sich Objekte wählen, die in bestimmten Sternbildern stehen.

Wir werden jetzt ganz einfach das Objekt M 101 suchen. M 101 ist eine Spiralgalaxie mit dem schönen Namen Feuerrad-Galaxie.

Sie befindet sich in einem Sternbild welches wohl jeder kennt und jeder erkennen kann. Sie gehört nämlich zum Sternbild großer Waagen oder auch großer Bär (Ursa Major).

Das macht es uns am Anfang einfacher. Außerdem ist das Sternbild des großen Waagen zirkumpolar. Das heißt es ist von unserem Standpunkt in D das ganze Jahr über sichtbar.

Wir versuchen also mit der Sternkarte und unserem Wissen und ohne Teleskop erst einmal den großen Waagen zu finden.

Schritt 2: Star-Hoping

imageHat man nun das entsprechende Sternbild mit seinen Hauptsternen identifiziert, geht es an die Sternensuche. Dazu verwenden wir im ersten Schritt die Hauptsterne aus dem Sternbild. In unserem Beispiel sind das die Deichselsterne des Waagens.

Hier sieht man sehr deutlich, dass die beiden Sterne Alioth und Mizar (der kleine Sternenpunkt  bei Mizar heißt Alcor) eine Linie bilden, die ziemlich genau auf M101 (blaues Viereck) zeigen.

Das ist nun unser Ausgangspunkt.

Verwendet man nun an seinem Teleskop keinen Sucher mit Vergrößerung, sondern ein Telrad oder ein Lichtpunktsucher, dann wird man nun wissen, was zu tun ist.

Wer wissen will, welche Suchersysteme an einem Teleskop existieren, kann sich meinen Artikel Der Sucher/Finder am Teleskop durchlesen.

Man stellt nun an seinem Teleskop mittels des Sucher Mizar ein (übrigens ist dies ein Doppelsternsystem – wenn man schon da ist, kann man sich das auch gleich mal anschauen) und folgt nun der gedachten Linie von Alioth über Mizar.

imageDamit man sich aber dabei nicht verläuft, sollte man sich auf dem Weg markante Muster heraussuchen. Diese Muster kann man mittels des Okulars am Hauptteleskop oder mittels des Suchers (mit Linsensystem zur Vergrößerung) identifizieren.

So hilft bei uns zum Beispiel der Weg über die hellen Sterne HIP 66198, HIP 66738, HIP 67231 und HIP 67848. Ich habe die Sterne im Bild rot umrandet und hier im Text sind Sie von oben nach unten angegeben.

Beim Starhoping muss man ein wenig üben. Selbst nach langen Jahren muss ich immer mal 2-3 mal neu starten um da zu landen wo ich hinwill.

Mit der Zeit wird es natürlich leichter, aber es klappt halt nicht immer.

Ist man nun beim letzten der 4 hellen Sternen angekommen, geht es in die nächste Region.  Die markante Sternenlinie im Bild durch das große Oval eingekreist sollte man nun sehen können.

Das kleine Oval weißt uns den Weg zur Galaxie.

image

Jetzt kann man probieren die Galaxie zu entdecken. Vorsicht, aber hier sollte man schon sehr vorsichtig am Himmel navigieren. Je mehr man reinzoomt, desto geringer sind die Bewegungen die man Ausführen muss.

Schritt 3: Vom Sucher ins Okular

Wer sein Ziel erreicht hat, der kann nun vom Sucher ins Okular wechseln. Probiert hier erst einmal die Galaxie (die im Sucher eher ein Fleckchen sein wird) in die Mitte des Suchers einzustellen.

Danach wechselt erst ans Okular und am besten Ihr nehmt ein Okular mit großer Brennweite. Also versucht nicht gleich mit einem 5 oder 10 mm Okular die Galaxie einzufangen, sondern nehmt ein 25 mm oder noch größeres Okular.

Das erlaubt leichte Korrekturen ohne das Ihr Euch verfahrt. Sollte es doch einmal vorkommen und ich verspreche Euch es kommt vor, dann fangt von vorn an. Es übt doch ungemein, wenn man Dinge wiederholen muss.

Lasst Euch beim Suchen also nicht frusten. Ihr glaubt nicht wie toll das Gefühl ist, wenn Ihr bestimmte wirklich schwierige Objekte gefunden habt. Da wisst Ihr dann gleich, dass es in der Astronomie nicht nur um das sehen der Objekte geht, sondern manchmal ist auch der Weg das Ziel. Das Aufsuchen gehört einfach zum Hobby dazu.

Tipps für Sternkarten- oder Himmelsatlasbenutzer

Wer sich besser auf einer Sternkarte und am Himmel orientieren möchte kann folgendes tun.

Nehmt Euch ein Stück Folien (Durchsichtig) und einen wasserfesten Filzstift und malt auf die Folie das wahre Gesichtsfeld als Kreis.

Das wahre Gesichtsfeld berechnet sich indem man das tatsächliche Gesichtsfeld des Okulares durch die Vergrößerung teilt.

Habt Ihr nun das wahre Gesichtsfeld ausgerechnet und einen entsprechenden Kreis auf die Folie gemalt, dann könnt Ihr diese über die Sternkarte halten und seht was sich in dem Kreis befindet. Das hilft dann bei der Orientierung.

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One comment

  1. Wolfgang sagt:

    Hallo Stefan,

    Danke, daß Du auch immer wieder an uns Neulinge und Schnupperer denkst, die erst dabei sind, sich ein Bild von der Astronomie zu machen!

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

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