Crowdfunding für Astronomie-Projekte: Zukunft oder Luftnummer?

Erst vor kurzer Zeit habe ich hier im Blog über ein Crowdfunding-Projekt berichtet und in Zusammenhang mit anderen Projekte beobachte ich die Entwicklung dieser Finanzierungsmöglichkeit schon eine ganze Weile.

Daher möchte ich hier gern die Diskussion mit Euch, liebe Leser, starten und ganz klar Fragen: Haben Crowdfunding-Projekte in der Astronomie eine Zukunft oder ist das eher eine Luftnummer?

Damit Ihr Euch ein Bild machen könnt, habe ich hier noch einmal beschrieben, was Crowdfunding ist und bringe einige Beispiele aus der Astronomie.


Was ist Crowdfunding eigentlich?

Crowdfunding wird auch als Schwarmfinanzierung bezeichnet. Der Begriff Crowdfunding existiert zwar schon eine Weile, bekommt aber erst in den letzten Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit.

Crowdfunding ist eine Methode um bestimmte Projekte von der Allgemeinheit, also von jedem, finanzieren zu lassen.

Dabei stellt der Erfinder, CEO oder Ideengeber (kann auch ein Selbstständiger) sein Projekt auf einer Crowdfunding-Plattform vor und beschreibt dieses Projekt dort.

Bekannte Crowdfunding-Plattformen sind hier Kickstarter, StartNext oder Indiegogo.

Da es sich aber nicht um Spenden oder ähnliches handelt, sondern hier ein Gegenwert geboten werden soll, kann sich nun der Ersteller ausdenken, was er für bestimmte Beträge dem Finanzier zurückgibt.

Das geht dann häufig mit einem 1€-Dankeschön los und endet bei sehr speziellen Produkten oder gar dem Produktprototypen oder ähnliches.

Dazwischen liegt dann meist das Produkt oder die Dienstleistung selbst. Es ist hier also wirklich ein Invest in die Zukunft und sollte nicht mit Spenden oder Betteln verwechselt werden. Jeder kann entscheiden ob er in dieses Produkt investieren möchte oder halt nicht.

Wer sich hier in das Crowdfunding einlesen möchte, kann das hier bei Wikipedia tun: Crowdfunding bei Wikipedia

Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Idee vom Crowdfunding persönlich sehr interessant finde. Ob diese aber wirklich etwas bringt bzw. die Möglichkeiten der Finanzierung eines Projektes erweitern wird weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Crowdfunding in der Astronomie oder auch nicht

Crowdfunding ist in der Astronomie auch angekommen und das finde ich ehrlich gesagt sehr gut.

Es gibt zwar nur sehr wenige Projekte auf den bekannten Crowdfunding-Plattformen, aber es gibt wenigstens welche.

Sucht man auf den obigen drei Plattformen einfach mal nach dem Begriff Astronomie findet man bei Kickstarter 4 Projekte, bei Indiegogo gibt es 3 Kampagnen und auf StartNext findet sich zu dem Suchwort Astronomie leider keine einzige Kampagne.

Was sind das für Kampagnen?

imageBei Kickstarter gab es die Kampagne: Portable Planetary

Hierbei hat Lauran aus Tucson, USA die Idee ein aufblasbares Planetarium zu produzieren und damit die Astronomie für Alle zur Verfügung zu stellen.

Sie wollte 5000 $ dafür haben und hat die Kampagne mit 5631 $ abgeschlossen. Damit hat Sie 125% der Finanzierung bekommen.

Bei Kickstarter sind die 4 gefundenen Kampagnen übrigens aus USA (3) und England (1). Keine aus Deutschland.

Meine Lieblingskampagne von indiegogo habe ich gestern schon in diesem Artikel Der Blick zu den Sternen (universe2go) vorgestellt.

Universe2go ist eine neue Technologie, die entwickelt wurde von einem deutschen Hobbyastronomen und Erfinder.

Hierbei geht es darum ein System zu produzieren, bei dem man auf den realen Sternhimmel per Handy Informationen projiziert. 

Dabei hält man sich den “Stargazer” (blaues Gerät auf dem Bild) an die Augen und kann auf den Sternhimmel schauen. Je nachdem welchen Stern oder Planeten oder Mond man nun betrachtet, projiziert das oben eingelegte Smartphone die Informationen auf den realen Sternhimmel.

Der Erfinder, Martin Neumann, benötigt für den Erfolg der Kampagne und um das Gerät produzieren zu lassen 40.000 $, dass sind ca. 29.400 €.

Jeder der nun für die Kampagne 39 $ also ca. 30 € gibt, erhält nach erfolgreicher Produktion einen Stargazer und einen Adapter für sein Smartphone. Damit kann man dann jedes Smartphone dort einlegen.

Hier kommt Ihr zur Kampagne:  universe2go bei indiegogo

Das waren nun mal zwei Beispiele aus Crowdfunding-Kampagnen mit dem Thema Astronomie.

Warum ich bei Crowdfunding skeptisch bin!

Nun aber zu dem Punkt ob sich Crowdfunding für Astronomie-Produkte oder –Projekte lohnt.

Crowdfunding hat einige Vor- aber auch einige Nachteile.

Vorteile von Crowdfunding:

  • keine Bankfinanzierung
  • keine Abhängigkeit vor Produktentwicklung
  • durch die Masse (den Schwarm) kann man viel Geld in kurzer Zeit sammeln
  • Produktvermarktung läuft schon vor der Produktion an
  • Kein Risiko bei der Finanzierung

Nachteil von Crowdfunding:

  • viele Finanziers heißt viel Kommunizieren
  • Marketing heißt Arbeit
  • zu wenig Kommunikation kann zum Scheitern führen
  • falsche oder fehlende Darstellung kann zum Scheitern führen

Beim Crowdfunding gibt es einige Faktoren, die schnell zum Erfolg führen oder aber auch das Projekt scheitern lassen können.

Wichtig sind hier Faktoren wie Sprache, Verständnis, entsprechende Videos, Webseiten, Soziale Kanäle aber auch Katalysatoren nutzen.

Wer eine tolle Idee hat, diese aber Falsch darstellt oder halt nur auf einer Crowdfunding-Plattform erklärt, aber nirgends sonst, dem wird das Projekt sterben.

Beim Crowdfunding reicht es halt einfach nicht nur eine tolle Idee zu haben. Diese muss begeistern und am besten einfach nur die richtigen Katalysatoren.

Außerdem ist es eine Vertrauensfrage wem man sein Geld gibt. Vor allem in Deutschland ist das so und hier kommt noch dazu, dass das Model der Finanzierung einfach zu unbekannt ist.

Crowdfunding basiert ja darauf bestimmte Grenzen zu erreichen. Im Fall von universe2go ist es die 40.000 $-Grenze. Sollte diese Grenze nicht erreicht werden, bekommt jeder sein Geld zurück. Es ist ja nicht so, dass dann der Erfinder sich die Kohle in die Tasche steckt und gut ists.

Nein, auch der Erfinder und Projekt-Manager geht hier eine Verpflichtung ein. Nämlich das Projekt und die dazugehörigen Versprechen zu erfüllen.

Wie seht Ihr das? Hat Crowdfunding in Deutschland eine Zukunft? Sollten mehrere Astronomie-Projekte über Crowdfunding realisiert werden?

Eure Meinung dazu interessiert mich und viele andere auch. Für die Blogger unter Euch, erstellt doch dazu mal einen eigenen Artikel. Für die Leser, schreibt doch einfach mal Eure Kommentare in diesen Blog.

Was haltet Ihr von Crowdfunding?

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2 comments

  1. Wolfgang sagt:

    Hallo Stefan,
    Du hast dieses Thema sehr ausführlich beschrieben, danke dafür. Ein paar Gedanken kann ich noch beisteuern.

    Ich kenne Crowdfunding bisher hauptsächlich im Zusammenhang mit der Entwicklung von Computerspielen. Hier gibt es einige prominente Beispiele, beide denen es geklappt hat. Für Kenner: Star Citizen, Wasteland 2, Elite Dangerous, Broken Age, Shroud of the Avatar etc. Ihnen gemein ist, daß bekannte Köpfe (um nicht zu sagen Legenden) wie Chris Roberts, Brian Fargo,Richard Garriot, David Braben und Tim Schaefer dahinterstehen, wo allein die Nennung des Namens ausreicht, um einige Börsen zu öffnen. Angesprochen wird die alte Garde der Spieler, die in den 80ern oder 90ern mit Spielen wie Elite und Ultima groß geworden sind – Spiele, die heutige Publisher offenbar nicht mehr finanzieren würden. Private Investoren (auch “Backer” genannt) sind in diesem Bereich mehr von Emotion und Erinnerungen geprägt, als von Profitdenken.

    Was ich damit sagen will: Nicht so bekannte Entwickler haben es imho wesentlich schwerer und müssen versuchen, potentielle “Backer” anders zu überzeugen: aussagekräftige Demos, visuelle Beschreibungen, evtl ein prominenter Unterstützer…

    Ein Problem, das sich bei dem einem oder anderen Spiel ergeben hat: Das Finanzierungsziel wurde erreicht, das Spiel verzögert sich aber, zum Leidwesen der privaten Investoren. Wenn kein Publisher dahintersteht, der immer Druck ausübt, ist Zeit natürlich ein bisschen dehnbarer. Oder es kommt viel mehr Geld als vorgesehen hinein – dann wird das Spiel entsprechend aufwändiger, was aber natürlich ebenfalls Zeit kostet.

    Was hat das nun mit Astronomie zu tun? Naja, es wird eine grossen Unterschied machen, ob Florian Freistetter oder ich ein astronomisches Projekt auf Kickstarter etc anbieten. Im Vergleich zu Games verfügt die Astronomie vielleicht doch eher über eine kleinere Zielgruppe – umso entscheidender ist die Publicity während des Projektes und das gezielte Platzieren der Information “Hey, ich habe da etwas auf Kickstarter gestellt!”.

    Grundsätzlich bietet Crowdfunding aber den grossen Vorteil, daß jeder auch kleinere Projekte vorstellen kann. Projekte, die es sonst vielleicht gar nicht geben würde. Und vielleicht bringt auch ein nicht zustandsgekommenes Projekt jemand Anderen auf eine gute Idee.

    Die Entwicklung bleibt sicher spannend, zumal – wie Du richtig schreibst – Crowdfunding in Mitteleuropa noch nicht sooooo bekannt ist. Aber was nicht ist, kann ja noch werden!

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Wolfgang,
      vielen Dank für Deine Gedanken zu dem Thema Crowdfunding.
      Es ist wirklich sehr spannend hier mit zubeobachte, wie sich ganze Finazierungszweige generieren und wie eine Idee zu einer Möglichkeit für kleinere Entwickler/Erfinder werden kann.
      Aber wie Du auch richtig schreibst birgt es einfach eine hohe Gefahr n sich, dass Projekte wieder scheitern.
      Was mir dabei aufgefallen ist, ist ja nicht das man nun sagen kann, mehr Projekte würden scheitern. Sondern hier erleben wir nur ganz aktiv, dass bestimmte Idee nicht für den Markt geeignet sind. Das hat man früher nicht getan. Vieles aus der Schublade ist wieder dort gelandet, weil sich keine Bank drauf eingelassen hat.
      Und manchmal ist es halt einfach so das Ideen aus Ideen entstehen. Ich glaube das Crowdfunding uns gesamt nur weiter bringen kann, auch wenn nicht alles funktioniert.
      VG,
      Stefan

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