Interview mit dem Astrofotografen Gerrit-Philippe (Lichtfreunde)

Heute kann ich Euch ein ganz besonderes Interview mit einem angehenden Astrofotografen hier im Blog vorstellen. Gerrit habe ich über Facebook kennen gelernt und nachdem ich seine Bilder und Fotos gesehen hatte, war ich begeistert.

Jedem dem ich diese Bilder zeigte, antwortete mit einem Wow oder Boah.

Als er dann auch noch in der Astronomie-Gruppe auf Facebook einen fantastischen Orion-Nebel präsentierte und sagte es wäre sein erster, war mir klar, dass wir ein Bloginterview zusammen machen musste.

Ein kurzer Austausch auf Facebook und die Sache war klar. Nun habe ich das Interview für meinen Blog und Gerrit hat mir fleißig Fragen beantwortet. Lest aber hier selbst.

Hallo Gerrit,

als erstes möchte ich Dir danken, dass Du Dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten. Stelle Dich doch bitte den Leserinnen und Lesern hier auf Blog kurz vor.

Hallo Stefan, hallo liebe ClearSky-Blog- Leser,

ich heiße Gerrit-Philippe, bin 24 Jahre alt und komme aus dem, durch Licht verseuchten Ruhrgebiet. Glücklicherweise lebe ich in einer kleinen beschaulichen Stadt, in der es eine wunderbare Altstadt gibt, was die Wohnlage Ruhrgebiet etwas ansprechender macht. Meine Sonntags- Brötchen erarbeite ich mir als Kaufmann.

Mich interessiert ja immer eines, wenn ich auf Hobbyastronomen treffe. Wie bist du zur Astronomie gekommen?

20130520_img_3365_passig_gemachtZur Astronomie kam ich im August 2012, als meine Freundin und ich Urlaub in Berchtesgaden machten. Am Tag fuhren wir zur Rossfeldstraße hoch, es war faszinierend, das erste Mal durch die Wolken zu fahren… dieses nasse und kalte Gefühl auf der Haut zu spüren spektakulär (vor allem im Cabrio.)!

Ich dachte mir schon, dass wir mit ein bisschen Glück nachts sogar die Milchstraße sehen können und die Entscheidung stand schnell: Hier müssen wir in der Nacht nochmal hin. Gesagt getan.

Um 23.00 Uhr waren wir auf dem Gipfel, der höchsten deutschen Alpenstraße.

Die Kulisse war phänomenal, ein klarer Himmel, kaum Menschen, Gipfel und Berge.

Wenige Meter neben uns parkte ein kleines Fahrzeug, ein Mann baute irgendwas großes auf. meine Neugier packte mich und ich erfragte, was genau er tue und was er dort aufbaue. Der Mann erwiderte, dass es sich um ein Newton- Teleskop mit automatischer Nachführung handle. Er hatte sich zum Ziel gemacht, ein Paar Nebel zu fotografieren.

Nachdem meine Neugier, für wenige Minuten gestillt war, sah ich mit 23 Jahren, dass erste Mal die Milchstraße – ein Anblick den ich nie wieder vergessen werde!

Ich nahm meine ersten Milchstraßen- Bilder mit Landschaft auf.

Nach einiger Zeit und einem angeregten Gespräch, bot mir der Mann sogar an, dass ich meine Kamera mal an sein Teleskop anbauen könne. Ich konnte dieses Angebot natürlich nicht ausschlagen. Wenige Minuten später folgte das erste Ergebnis. Der Ringnebel – mit 2 Minuten Belichtung ;-).

Mein Herz pochte und ich konnte meine Augen nicht mehr vom Himmel nehmen. Binnen weniger Minuten wusste ich, dass ich Hobby- Astronom werden möchte.

Wieder zu Hause, saugte ich alles an Informationen in mich auf, die ich finden konnte. Wie funktioniert eine Nachführung, was muss ich bei einem Teleskop beachten, wie Belichte ich korrekt und und und und…

Ich war infiziert.

Nun hatte ich ein weiteres Hobby – in der Nacht zu fotografieren.

Klasse. So hat jeder seinen ganz eigenen Einstieg in dieses Hobby. Was mich noch interessiert ist, wieso gerade Astrofotografie? Was fasziniert Dich so daran?

Startrails - LichtfreundeWieso Astrofotografie? Eine wirklich gute Frage, Stefan. Nun, lass es mich so erklären, durch das Okular zu blicken und nur eine neblige Struktur, in den Farben Schwarz und Weiß zu sehen, ist nicht meine Welt.

Die Bilder die im Netz kursieren, faszinierten mich dann doch wesentlich mehr, als nur ein kleiner Blick, den ich mit niemandem teilen kann. Krasse Farben, die mit Strukturen gepaart sind, die ich eher einer abstrakten Kunst zu ordnen würde – die aber doch real und vorhanden sind. Anfangs stellte ich mir das wirklich unvorstellbar vor. Diese riesigen Distanzen, die unvorstellbar erscheinen, Hitze und Kälte, Größe und Miniatur, von Supernovaen bis hin zu Kometen. Einfach alles ist so unvorstellbar und für mich unheimlich interessant.

In der Schule lernte ich die Xte- Ableitung, wie ich nähen kann und im Abitur, sowie in der Lehre, Dinge, die ich für meinen Beruf bzw. mein Leben brauchen werde. Doch nie wirklich etwas über die Entstehung des Kosmos, der Nebel und die Astronomie allgemein.

Ich möchte später mal, wenn ich Kinder habe, diesen den Vorteil ermöglichen können, sich am Nachthimmel zurecht zu finden, nicht mit 23 Jahren das erste Mal die Milchstraße zu sehen und zu wissen, wie schön das Universum ist und was es alles wundervolles außerhalb unseren Lebensraumes zu sehen gibt!

Als ich das erste mal Deine Astrobilder gesehen habe, dachte ich das sitzt ein Profi. Eine Bilder sind wirklich Fantastisch. Welche Ausrüstung verwendest Du?

Da ich noch nicht sonderlich lange dabei bin, ist meine Ausrüstung überschaubar.

Für meine Landschaftsaufnahmen mit Sternen nutze ich meine Canon EOS 5DMkII mit den Objektiven 17-40 F4 L bzw. das 70-200 F4 L.

Für die Astroaufnahmen nutze ich eine Canon EOS 400Da, die ich glücklicherweise durch einen Zufall günstig bei Facebook schießen konnte.

Des Weiteren konnte ich von einem Mitglied unserer Volkssternwarte (Volkssternwarte-Hattingen.de) eine HEQ5 mit einem 8 Newton- Teleskop, ebenfalls günstig, kaufen und nutze es seitdem.

Was hast du in Dein Ausrüstung investiert?

Geld ist das Eine, die Eindrücke und Bilder, die mir Niemand nehmen kann, das Andere.

Ich möchte, wie mein Opa schon, später meinen Kindern oder Enkeln zeigen können, wie schön die Welt ist – und nun auch noch der Kosmos.

Viele Freunde und Bekannte, fahren dicke Autos, wir haben einen Kleinwagen, fahren dafür aber lieber in den Urlaub, um die Welt ins rechte Licht zu rücken. Leider ist es oftmals als frisch Ausgelernter und bald Student nicht einfach.

Es stecken schon ein Paar Monatsgehälter in der Ausrüstung, die ich mir aber nach und nach zulegte.

Einiges kann ich auch von den Vereinskollegen mit benutzen, wie das HA- Sonnenteleskop.unbenanntes_panorama1_passig_gemacht(1)

Wie ich oben schon erwähnt hatte, finde ich Du bist schon auf dem besten Weg Profi zu werden. Ist es denn sehr kompliziert oder schwer solche Bilder zu machen?

Am Anfang der Fotografie wurde ich immer darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, auf das richtige Licht zu warten. Ich dachte mir immer: Jaja, ist klar, Photoshop richtet es schon.

Nein, eben nicht, bei den Landschaftsaufnahmen plane ich im voraus. Entdecke ich durch Zufall eine neue Location gucke ich, ob es eher ein Sonnenauf- oder Untergangsspot ist. Will ich ein Startrail machen, ob es gen Norden geht.

Bei den reinen Astroaufnahmen, habe ich oft mit einem lichtverschmutzten Himmel zu kämpfen. Ja, so ist das Ruhrgebiet.

Sagen wir so, es ist nicht einfach, gerade nicht am Anfang, aber mit genügend Elan und Übung gelingt es.

Wichtig ist wirklich nur, dass die Nachführung gut läuft und am Besten geguidet wird.

An sich kann ich sagen, ich mache meine Bilder nicht mal eben. Es hängt schon noch etwas mehr daran, als nur den Auslöser zu drücken und zu warten. Ich muss, vor allem bei den Astroaufnahmen viel planen, wie zum Beispiel, wann welches Objekt in einem guten Winkel steht, um es zu fotografieren, warten, darauf das die Belichtungen fertig sind und auch noch einmal viel Zeit in das Zusammensetzten und in das leichte Bearbeiten der Bilder investieren.

Deine Bilder sind ja schon super aber mich interessiert natürlich sehr wo Du noch hin willst in der Astrofotografie.

Danke, Stefan!

Ich möchte einfach gute Bilder machen die mir und anderen gefallen. Bilder, die zeigen, wie schön die Welt und der Kosmos sind.

Vielleicht folgen ja auch noch ein paar Veröffentlichungen.

Aus unseren Gesprächen weiß ich das Du recht kritisch mit Dir selbst bist. Was kritisierst du am meisten an Dir selbst wenn du Astrofotos machst?

Oftmals zweifle ich meine Fähigkeiten an, wenn ich mir manch andere Bilder so anschaue und mit meinen vergleiche. Oftmals stelle ich dann meine Fähigkeiten in Frage.

Da ich aber nicht ständig draußen sein kann, um zu Belichten oder gar dauerhaft auf Reise gehen kann, schiebe ich es dann darauf, dass ich eben nicht in so kurzer Zeit soviel Erfahrungen sammeln kann.

Was ich wirklich schade finde ist, dass die Leute bei Facebook z.B. oftmals denken, dass das alles Photoshop ist – sei es bei meinen Landschaftsbildern oder bei den Astroaufnahmen.

Dann wird die Arbeit hinter einem Bild kaum gebührt, sondern einfach übergangen.

Ich bin jemand der ganz genaue Vorstellungen von dem Ergebnis hat, bevor ich überhaupt angefangen habe. So kommt es manchmal vor, dass mir ein fertiges Bild nicht so gut gefällt, wie es Anderen gefällt. Ich bin da Perfektionist und wenn mein Bild in meinen Augen nicht perfekt ist, bin ich nicht hundertprozentig zufrieden. Das erleichtert mir mein Leben als Fotograf nicht immer ;-).

Auf Facebook bist du ja mit der Seite Lichtfreunde. Dort kann man Deine Bilder ja sehen. Wo treibst Du Dich noch so rum im Internet?

Am aktivsten bin ich bei Facebook, mit meiner eigenen, von Dir schon erwähnten Seite ´Lichtfreunde´ ( http://www.facebook.com/lichtfreunde ). Da die Seite noch sehr neu ist (ca. 3 Wochen), ist sie noch ausbaufähig und ich denke da werden noch einige Bilder dazu kommen.

Außerdem habe ich noch einen 500px- Account ( http://www.500px.com/iphil ) und in bin der Fotocommunity ( http://www.fotocommunity.de/fotograf/lichtfreunde/1629362 ) aktiv.

Über Zuneigungen (Anm.d.R.: Gefällt mir-Angaben) bei Facebook freue ich mich aber am meisten, da ich dort direkt mit den Menschen in Kontakt treten kann und durch so ein Paar gefällt mir- Angaben können wir alle etwas Gutes für die Seele des Fotografen tun.

Zum Abschluss habe ich immer eine Frage sehr gern. Hast du einige Tipps und Tricks die Du gern Astronomie-Einsteigern oder Astrofoto-Anfängern mit auf den Weg geben willst?

Ich kann jedem nur den Tipp geben, sich kleine Ziele zu stecken, nie nie nie direkt Alles zu wollen. Dazu muss ich eine kleine Anekdote aus meiner Kindheit erzählen, mit 10 Jahren, als das Skateboarden cool wurde, fuhr ich schon neben den Großen und setzte mir immer zu hohe Ziele, welches Rückschläge mit sich brachte.

So bin ich noch heute. Ich will immer direkt alles und so habe ich manchmal mit Rückschlägen zu kämpfen. Leider.

Schaut euch nach Sternwarten, in eurer Nähe, um und seid dankbar für jegliche Informationen, die ihr bekommen könnt.

Übt. Nutzt freies Material und sprecht mit Gleichgesinnten. Gerne dürft ihr auch mich kontaktieren! Es gibt meiner Meinung nach nichts, was besser ist um zu lernen, als sich mit anderen, erfahreneren Astrofotografen auszutauschen! Stellt alle Fragen, die ihr habt, denn es gibt keine doofen Fragen und jede neue Antwort wird euch etwas näher ans Ziel bringen.

Vielen Dank an dieser Stelle an Dich Gerrit. Willst Du noch was zum Abschluss sagen?

Ich danke Dir, Stefan! Ein Klasse Interview. Ich hoffe, dass ich alle Fragen beantworten konnte.

Ja gern würde ich noch was zum Abschluss sagen.

Rausgehen und Aufnehmen, Aufnehmen und nochmals Aufnehmen- die Welt ist wunderschön und wer weiß, wie lange wir noch einen Sternenhimmel haben.

Vor 200 Jahren konnte man noch, fast, überall die Milchstraße sehen..

Wenn ich darf möchte ich gern noch einige Leuten danken:

Aber gern doch.

Der meiste Dank gebührt meiner Freundin, die mich dabei aushalten muss, wenn ich gerade wieder verzweifle oder wir 4 Stunden bei 0°C rumstehen, da die Kamera belichtet.

Fabio Crudele von https://www.facebook.com/astrophotography.ch gebührt ebenso mein Dank, er hat mir wirklich viel erklärt und ist mittlerweile zu einem guten Kumpel geworden, den ich im Sommer, in der Schweiz, besuchen werde.

Ebenso Nelson und Isabell von https://www.facebook.com/nelundizzy . Im April fahren meine Freundin und ich zu Ihnen, in die Schweiz, und er sucht schon fleißig nächtliche Locations für uns, wirklich ein klasse Typ!

Das Interview mit Gerrit hat mir wirklich viel Spaß gemacht. Es ist ein sehr ausführliches Gespräch geworden und es freut mich das ich einige seiner Bilder hier präsentieren darf. Ich hoffe es hat Eich genauso gefallen wie mir.

Ich finde es immer wieder spannend in das Leben der Hobby-Astronomen zu schauen und zu erfahren, wie das so bei denen lief.

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