Grundbegriffe die man vor dem Kauf eines Teleskops kennen sollte

Viele Einsteiger und Beginner kommen an den Punkt, dass diese sich ein Teleskop anschaffen möchte. Das finde ich Grundsätzlich sehr gut. Nun kommt immer wieder die altbekannte Einsteigerfrage: Welches Teleskop soll ich kaufen. Und die Experten und ambitionierten Sternenfreunde sind nur all zu bereit auf diese Frage zu antworten.

Ich stelle aber immer wieder fest, dass dann oft sogar die Grundbegriffe an dem Gerät nicht klar sind und dann Ufern die Diskussion und das Nachfragen aus.

Daher möchte ich hier die wichtigsten Grundbegriffe an einem Teleskop erklären, damit der Einsteiger vor dem Teleskop-Kauf sich informieren kann.

Ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit, bin aber bei Hinweisen gern bereit diesen Artikel entsprechend zu erweitern. Daher schreibt einfach Eure Fragen oder Anmerkungen unten in die Kommentarfelder. Das hilft mir und auch den Anfänger die Begriffe besser zu verstehen und sich vor dem Kauf eines Teleskops besser zu informieren.

Alle Fett-Markierten Begriffe werden später noch in eigenen Bereichen erklärt.

Öffnung

Mit der Öffnung wird die Größe der Primäroptik eines Teleskop bezeichnet. Bei Linsenteleskopen ist dies die Objektivlinse und bei Spiegelteleskopen der Primärspiegel. Die Öffnung eines Teleskops wird meist in Zoll angegeben und bezeichnet den Durchmesser der Linse oder des Spiegels.

Brennweite

Als Brennweite wird bei einem Teleskop der Abstand zwischen der Primäroptik und dem Brennpunkt bezeichnet. Der Brennpunkt ist der Punkt an dem sich alle Lichtstrahlen vereinigen. Ihr kennt das von einer Lupe und dem Spiel mit der Sonne. Genau dieser eine Hitzepunkt ist auch am Teleskop der Brennpunkt.

Bei der Fotografie spielt die Brennweite eine große Rolle. Manchmal erhält man beim Teleskopkauf die Angaben: 150/1000 oder 114/500. Hierbei gibt die erste Zahl die Öffnung, dieses mal in mm, an und die zweite Zahl die Brennweite des Teleskops.

Öffnungsverhältnis

Sehr viel häufiger findet man aber die Angaben der Öffnung in Zoll im Zusammenhang mit dem Öffnungsverhältnis. Hobbyastronomen verwenden diese Angaben sehr gern, da Sie dran gewöhnt sind. Das sind dann Teleskopbeschreibungen wie 6” f/4 oder 8” f/6.

Hierbei bezeichnet die erste Zahl wieder die Öffnung. Dieses mal aber in Zoll. Und die zweite Angabe ist das Öffnungsverhältnis. f/4 bedeutet hier also das die Öffnung zur Brennweite ein Verhältnis von 4 bilden. Bei einem 6 Zoll Teleskop mit dem Öffnungsverhältnis wäre das also eine Brennweite von 6” = 150 mm *4 = 600 mm.

Warum tun Astronomen so etwas kompliziertes? Das Verhältnis von Öffnung zur Brennweite entspricht in der Fotografie der Blende. Wer hier ein wenig Erfahrung hat, wird jetzt einen Aha-Effekt haben.

Geräte mit einem großen Öffnungsverhältnis von f/5 bis f/7 werden als “schnell” bezeichnet und eignen sich eher für die Deep-Sky-Beobachtung und die Sternfeldbeobachtung. Geräte mit einem Öffnungsverhältnis f/9 bis f/15 sind dahingehen “langsam” und eigenen sich besser für die Planeten und Mondbeobachtung.

Natürlich kann man auch mit “schnellen” Geräten den Mond beobachten und mit “langsamen” Geräten in die tiefen des Weltalls vorstoßen. Kein Problem. Wer aber das optimale Ergebnis aus seinem Gerät herausholen will benötigt diese Angaben und achtet darauf.

Refraktor vs. Reflektor

Als Refraktor wird ein Linsenteleskop bezeichnet. Als Reflektor ein Spiegelteleskop. Wer sich das schwer merken kann, der verwendet folgendes. Ein Spiegel reflektiert das Licht, ist also ein Reflektor. Das andere, also ein Linsenteleskop, ist dann der Refraktor.

Zoll vs. mm

Daran muss man sich als Anfänger leider gewöhnen. Es hat sich eingebürgert für die Öffnung eines Teleskops das amerikanische Einheitensystem in Zoll zu verwenden.

Man trifft also sehr häufig auf die Begriffe wie zum Beispiel 6 Zoll, 4 Zoll oder 10 Zoll. Mit ein wenig Übung und ein wenig Kopfrechnen kann man diese Zoll-Angabe aber sehr schnell in bekannte Einheiten umrechnen.

Die Umrechnung von Zoll in mm beträgt genau: 1 Zoll = 25,4 mm

Nimmt man nun also die  Zoll-Angabe eines 4 Zoll-Refraktors, weiß man das die Linse einen Durchmesser von ca. 100 mm hat. Ein 6 Zoll Reflektor hat also einen 150 mm-Spiegel.

Okular

Wer sich ein Teleskop kauft und dieses Teleskop kommt eher aus dem günstigeren Sektor, hört oft, dass er die Okulare ersetzen sollte.

Das Okular ist eine Zusammensetzung von verschiedenen Linsen mit dem das Fernrohrbild im Brennpunkt vergrößert wird. Bei den Okularen gibt es als erstes die Unterscheidung in Ihrer Größe. 1 1/4 Zoll-Okulare sind die gängigsten Okulare. 2 Zoll-Okulare werden immer mehr zum Standard, werden aber typischer Weise nicht bei einem Teleskopkauf dazu geliefert.

Beim Kauf eines Teleskops sollte man darauf achten, ob das Teleskop schon einen 2 Zoll-Okularauszug besitzt. Dieser lässt sich einfach mit einem Adapter auf 1 1/4 Zoll herunterreduzieren. Aufbohren hingegen geht leider nicht.

Ansonsten werden die Brennweiten der Okulare mit angegeben und das Gesichtsfeld. Mittels der Brennweite des Okulars und der Brennweite des Teleskops lässt sich die Vergrößerung angeben.

Besitzt das Teleskop eine Brennweite von 2000 mm und das Okular eine Brennweite von 20 mm, dann lautet die Formel: Brennweite Teleskop / Brennweite Okular = Vergrößerung. In unserem Beispiel haben wir also eine Vergrößerung von 100x mit dieser Teleskop/Okular-Kombination. Dabei spielt die Öffnung keine Rolle für die Vergrößerung.

Dobson oder Montierung

Was nun auch sehr häufig zu Sprache kommt und ebenfalls entscheiden für den Preis des neuen Teleskops ist, ist die Montierungsart. Sprich das Gerät auf dem das Teleskop befestigt werden soll.

Hierbei gibt es im wesentlichen 3 unterschiedliche Montierungen im Handel.

Dobson-Montierung (Rockerbox)

Die Dobson-Montierung ist eine einfache Montierung und wird auch als Rockerbox bezeichnet. Sie ist meist aus Pressspan gefertigt und dadurch extrem günstig und robust. Nachteilig ist, dass Sie der scheinbaren Bahn der Sterne nicht direkt folgen kann, sondern immer in zwei Achsen nachgeführt werden muss.

Dies macht die Fotografie auf dieser Montierungsart etwas schwieriger. Einen Artikel zu dieser Montierung findet Ihr hier: Montierungen (Teil 3) – Die Dobson Rockerbox

Dadurch das diese Montierung aber sehr günstig und auch sehr transportable ist, ist diese Bauart sehr beliebt. Man kann sein Geld hier also in das Teleskop stecken und nicht in die Montierung.

Azimutale Montierung

Die azimutale Montierung wird sehr häufig im Billigsektor der Teleskope angeboten. Sie ist sehr gut geeignet, wenn man mit einem kleinen Teleskop die Natur auf der Erde beobachten möchte.

Leider ist diese Montierungsart nicht wirklich geeignet, wenn man den Sternenhimmel beobachten möchte. Ist die Montierung nicht gerade eine Goto-Montierung (automatisch mit Motorsteuerung und Regelelektronik) würde ich jedem Anfänger davon abraten.

Einen Artikel zu dieser Montierungsart findet Ihr hier: Montierungen (Teil 1) – Die azimutale Montierung

Parallaktische Montierung (Bezeichnungen: EQ5, NEQ3, HEQ5 …)

Die parallaktische Montierung ist neben der Dobson-Montierung die am häufigsten verwendete Montierung. Sie kann direkt auf den Himmelpol ausgerichtet werden und dreht dann mit einer Motorsteuerung das Teleskop immer mit den Sternen.

Dadurch lassen sich am besten Astrofotos schießen. Diese Montierung kostet aber auch entsprechend viel Geld und kann bei größeren Teleskopen sehr schwer und untransportabel werden. Durch die komplexe Bauweise ist diese Montierung auch nicht gerade billig.

Wer sich ein Teleskop kauft, sollte auf die Montierung achten. Vor allem im Billigsektor wird zwar oft eine EQ-Montierung, also eine parallaktische Montierung, angeboten, aber meist ist diese zu schwach für das Gerät. Wer später auch noch Fotografieren will sollte dran denken, dass auch noch Kamera und Zubehör getragen werden muss.

Auch zu dieser Montierungsart habe ich schon einen Artikel geschrieben: Montierungen (Teil 2) – Die parallaktische Montierung 

Das sollte es nun zu den wichtigsten Begrifflichkeiten alles gewesen sein. Wie schon oben beschrieben. Sollte ich etwas vergessen haben oder Ihr noch Anmerkungen zu meinen Beschreibungen haben, tut Euch keinen Zwang an. Es gibt sicherlich das ein oder andere was dem Anfänger den Teleskopkauf noch erleichtern würde.

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One comment

  1. Kitty sagt:

    Hallo,
    Danke für die guten Artikel !
    Ich habe mir in den Kopf gesetzt ein Fernrohr zu bauen, um den Polarstern zu sehen, meinen Sie das ist möglich ? Kennen sie jemand der mir helfen könnte ? Gibt es spezielle Literatur oder einen Link um über den Polarstern zu lesen ?
    Ich wäre sehr dankbar für eine kleine Hilfe. Vielen Dank Kitty

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