Bauanleitung: Sonnenfilter für das Teleskop mit Folie selber bauen (mit Fotos)

Ich habe zwar die ganze Geschichte zum bauen eines Sonnenfilters fürs Teleskop schon mal hier im Blog geschrieben, aber das ist zum einen schon sehr lange her und zum anderen, habe ich damals versäumt Fotos zu machen.

Es gibt zwar eine einfache Grafik zum Bau des Sonnenfilters, aber auch diese gefällt mir nicht mehr so. Daher möchte ich heute den Bau eines Sonnenfilters beschreiben und das auch mit den entsprechenden Bildern dokumentieren.

Zum Schluss werde ich eine neue einfach Infografik einfügen. Diese erklärt dann genau, was wann zu tun ist.



!!!ACHTUNG!!!

Auch ich muss nochmal und mit Nachdruck darauf Hinweisen, dass man niemals, und ich sage NIEMALS, auch nicht manchmal oder einmal, sondern niemals mit dem Teleskop ohne Sonnenfilter in die Sonne schaut. Auch nicht mit dem Fernglas. Es können massive Augenschäden entstehen und bis zur völligen Erblindung führen. Also NIEMALS mit dem Teleskop in die Sonne schauen ohne ausreichender Vorbereitung und entsprechenden Filtern. Ihr wollt doch schließlich das Hobby der visuellen Astronomie betreiben oder nicht?


Das Ziel

Ziel ist es natürlich wieder einen Sonnenfilter für das Teleskop zu bauen. Ich hatte aber nun noch ein zweites Ziel. Da die Sonnenfilterfolie immer nur in einem A4-Blatt kommt (man kann sie auch Größer bestellen, aber das ist auch teurer), war es das Ziel so wenig Folie wie möglich zu verbrauchen und den Filter so zu bauen, dass er auf ein 4 Zoll Refraktor (Firstlight und Erfahrungsbericht zu meinem Skywatcher Refraktor 102/500) und auf einen 4,5 Zoll Reflektor (Erfahrungsbericht: Celestron Cometron 114az (Teil 1/2)) passt.

Beide Teleskope sind nämlich hier in Berlin und sollen auch aktiv eingesetzt werden.

Vorbereitung

IMG_9815Natürlich muss man sich auf einen Bastelabend ein wenig Vorbereiten. Als erstes habe ich mir ein großes Stück Pappe besorgt. Davon gibt es hier bei uns in der Papiertonne genug. Mein Auge fiel dabei auf eine Weinkiste. Diese war Außen bedruckt und da die Flaschen nicht kaputt gehen dürfen und die Kiste ein gewisses Gewicht tragen muss, ist der Karton echt stabil.

Ansonsten braucht man ja nicht viel um sich seinen Sonnenfilter zu bauen.

Hier die Liste aller Dinge die man braucht:

  1. Sonnenfilterfolie ND5 (für 25 € pro A4-Blatt bei Astroshop.de*)
  2. Die Pappe für den Filter
  3. Schere
  4. Klebeband (normales Tesa zum fixieren)
  5. Paket- oder Panzerband (lichtdicht sollte es sein)
  6. Doppelseitiges Klebeband
  7. Stift

Eigentlich hatte ich noch die Teleskopdurchmesser gemessen, aber beim basteln musste ich feststellen, dass ich das hätte nicht machen müssen.

Anzeichnen & Ausschneiden

Für die Durchmesser benötige ich ja nur die Staubschutzdeckel der Teleskop. Da ich ja nun einen Filter für zwei Teleskope baue, wusste ich das der Filterbereich nicht Größer werden durfte als das kleinere Teleskop an Durchmesser besitzt. Naja und der Filter sollte auf das größere Teleskop raufpassen.

Also nimmt man sich einfach die Staubschutzdeckel und zeichnet sich zwei Kreise auf die Pappe. Einen Äußeren und einen Inneren.

Äußerer Ring

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Innerer Ring

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Wir brauchen übrigens zwei von diesen Ringen. Schließlich wollen wir die Folie darin einklemmen. Nun schneidet man sich die Ringe aus. Bei wirklich steifer Pappe braucht man eine gute Schere.

IMG_9841

Bekleben, Zuschnitt & Festkleben

Um den Sockel kümmern wir uns später. Jetzt geht es ans bekleben. Wir nehmen uns das doppelseitige Klebeband und kleben passende, kleine, Stücke auf beide Ringe. Hier nur jeweils auf einer Seite. Ich habe so ein Faserklebeband, welches eigentlich für Teppiche gedacht ist. Aber was einen Teppich am Boden hält, hält auch eine Folie an Ort und Stelle.

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Bevor ich aber nun das Klebeband von der Schutzschicht befreie schneide ich noch die Sonnenfilterfolie grob zurecht. Damit ich nicht zu viel verschwende nutze ich einen Ring um auf dem Schutzpapier der Folie anzuzeichnen.

Achtung, hier bitte keinen harten Stift nehmen oder direkt auf der Folie zeichnen. Zum einen geht das nicht und zum anderen besteht die Gefahr die Folie zu zerschneiden.

Ich packe die Folie hier auch nicht aus, sondern lasse die Schutzfolie und das Schutzpapier dran. Das vereinfacht das Schneiden. Die Folie selbst kann man nur sehr bescheiden zerschneiden.

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Jetzt ziehe ich die Schutzfolie von dem Klebeband und bereite den

Aufsetzen der Folie

Nun folgt das Aufsetzen der Folien. Als erstes lege ich die Folie auf einen der beiden Ringe glatt auf. Ich achte darauf, dass es keine Spannungen in der Folie gibt, aber auch keine Faltengeschlagen werden.

Dann kommt der zweite Ring Kopf über auf die Folie. Hierbei ist es nun ein wenig problematisch, da man ja den unteren Ring nicht sieht. Ich löse das mit den Händen wie folgt.

Ich halte den Ring über die Folie und lasse die beiden Zeigefinger gegenüberliegend etwas überstehen. Damit kann ich nach dem unteren Ring durch die Folie fühlen. Damit ich nicht zur Seite wegrutsche, mache ich das mit einem Daumen auch noch.

Damit fühle ich den unteren Ring an drei Punkten. Ist wie eine Aufsatzhilfe, nur halt mit Finger. Bin ich mir sicher, dass die Ringe übereinander liegen, lasse ich den oberen Ring einfach los und drücke Ihn dann anschließend leicht fest.

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Damit habe ich nun die Folienhalterung fertig. Die überstehende Folie muss noch abgeschnitten werden. Da die Folie sich allein sehr schlecht schneiden lässt, nehme ich das Schutzpapier der Folie zu Hilfe. Beides zusammen lässt sich gut schneiden.

Sockel bauen

Ich nenne das Teil nun einfach mal Sockel, da mir kein anderer Name dafür einfällt. Ich möchte also nun aus einem Pappstreifen den Sockel zum Überstülpen am Teleskop bauen. Da mein Außenring nun schon den richtigen Durchmesser hat, brauche ich hier auch nicht mehr messen, sondern kann alles anhalten.

Durch die innere Wabenstruktur kann man den Ring in eine Richtung gut rundknicken. Achtet darauf, bevor Ihr den Streifen ausschneidet. Ihr seht das gut auf dem Bild. Quer dazu könnte man das nicht so schön knicken.

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Der Streifen sollte natürlich länger sein als der Durchmesser. Das kann man sich auch gut ausrechnen.

Mein Teleskop hat einen Durchmesser von 114 mm. Mein Außenring ist ca. 115 cm im Durchmesser. Multipliziert mit 3,14 ergibt das ca. 345 mm und ein paar zerquetschte. Wenn Euer Streifen also 350 mm lang ist, dann reicht das.

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Nun klebt man den Streifen zu einem Ring. Ich hab den Streifen um den Filter gelegt. Man kann den Ring auch um das Teleskop legen.

Danach muss man diesen an den Filter kleben. Ich habe den Filter erst mit normalen Klebeband fixiert und dann das Paketklebeband verwendet um den Filter einzukleben. Wichtig ist, dass nun Lücken geschlossen werden und zwar so, dass bitte keine Sonne durch den Rand des Filters dringt. Sonst besteht Blendungsgefahr.

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IMG_9853

Damit sind alle die nur einen Filter für ein Teleskop brauchen fertig. Geschafft.

Nebenziel auch noch erreichen

Ich mach es ab hier kurz. Ich habe mir einen Adapter aus Pappe gebastelt, der den Innendurchmessers des 4 Zöllers hat und außen den Durchmessers des Filters hat. Mit einem Konus aus Klebeband und Pappe lässt sich nun alles gut ineinanderschieben.

Das Produkt sieht dann so aus.

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Natürlich zeige ich Euch auch noch, wie das ganze auf dem Teleskop aussieht.

Sonnenfilter auf dem 4,5 Zöller Celestron Cometron AZ.

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Sonnenfilter auf dem Skywatcher 102/500 mit Pappadapter.

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Damit sind wir soweit fertig. Nun wollte ich noch eine kleine Infografik mit Schritt-für-Schritt-Anleitung anfertigen.

Infografik

Der Artikel ist seit ca. 4 Stunden fertig und nun habe ich auch endlich die Infografik dazu fertig. Gibt schon die Version 1.2. Ein Hobbyastronom hat sich als Versuchskaninchen zur Verfügung gestellt und mit mir einige Dinge ausgebessert. Was sagt Ihr dazu?

Infografik Sonnenfilterbau v1.2

Hier kann man sich die Infografik auch als PDF herunterladen: Sonnenfilterbau v1.2

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6 comments

  1. David Günzel-Steinhoff sagt:

    Ich habe außen zwei Pappringe gebastelt (für meinen 10″). Folie über den ersten Ring gelegt und festgeklebt. Dann habe ich darüber einen zweiten Pappring gelegt. Hat den Vorteil, dass es von außen nicht so geklebt aussieht, weil man das Packband nicht sieht. ;-)
    Dafür habe ich allerdings die Pappe von Blöcken verwendet, weil die sich leichter biegen lässt. Und dort einfach immer mehrere Schichten (jeweils 3 AFAIK) übereinandergelegt. http://blog.hellstorm.de/wp-content/uploads/sofifo2.jpg – sieht etwas knitterig aus, ist es aber nicht, bzw. macht sich im Bild nicht bemerktbar.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo David, danke für Deine Anleitung. Darauf bin ich zum Beispiel noch gar nicht gekommen. Da ich ja noch Restfolie habe, werde ich das so mal für meinen kleinen Dobson (FirstScope) ausprobieren. Da lohnt sich das mit meinen doppelten Ringen nicht.

  2. […] Planetarium beschrieben, einen Filterhalter aus Karton zu basteln. Eine Anleitung findet sich auch hier.     selbst gebauter Filter und Filterhalter: […]

  3. Fabian sagt:

    Ich danke Ihnen für diese tolle Anleitung. Ein Teleskop selber zu bauen kann super viel Spaß machen und man lernt eine Menge dabei. Handwerkliches Geschick wird gefördert und es ist auch eine super Sache für den Schulunterricht.

  4. Guido sagt:

    Hallo Stefan,
    vielen Dank für die Anleitung!
    Ich habe ein paar kleine, praktische Abweichungen durchgeführt:
    1) den 1. Ring auf die flach ausgelegte Folie geklebt
    2) die Folie am Ring entlang ausgeschnitten
    3) den 2. Ring problemlos deckungsgleich aufgeklebt.
    Außerdem nutze ich die ausgeschnittene Innenscheibe des Außenrings als Folienschutzabdeckung.

    clear skies, Guido

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Guido,
      danke für Deinen Kommentar und die Verbesserungsvorschläge. Das hilft den Lesern hier sicherlich sehr gut!
      LG und CS
      Stefan

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