Wie Du selbst tolle Fotos der ISS machen kannst (Teil 2/2)

Im Teil 1 dieser kleinen Serie habe ich ja beschrieben, was für Ausrüstung man für ISS-Fotos benötigt. Dort könnt Ihr unter dem Artikel Wie Du selbst tolle Fotos der ISS machen kannst (Teil 1/2) also nachlesen, was man alles braucht um ein Bild der ISS zu machen. Natürlich findet Ihr dort auch die Beschreibung der unterschiedlichen Bilder die man von der ISS machen kann. Dabei geht es um Trails (Spuren der ISS) bis hin zu Bedeckungen von Himmelskörper durch die ISS.

In diesem Teil der ISS-Fotografie geht es um die Aufnahmen selbst. Ich werde zeigen mit welchen Einstellungen man diese Aufnahmen machen kann und vor allem was man beachten muss.


Wie macht man nun Fotos der ISS?

Auch hier möchte ich wieder unterscheiden, zwischen Fotos die man rein mit der Kameraausrüstung und ohne Teleskop machen kann und den Verfolgungs- und Bedeckungsfotos.

Strichspur-Fotos erstellen

Im Blog findet man einige Beiträge zu Strichspuraufnahmen. Und nichts anderes ist die Aufzeichnung der ISS. Bei den sogenannten StarTrails ist es eher Zufall, dass mal ein Satellit durchs Bild rauscht. Bei der ISS ist es halt gewollt. Der einzige Unterschied von den Star-Trails-Aufnahmen ist, dass sich hier nur ein Objekt über den Himmel bewegt und oft in ständig wechselnden Richtungen.

Wie man Strichspuraufnahmen erstellt, hatte ich zum Beispiel in der Reiher der Himmelsfotografie hier im Blog beschrieben.

Hier findet Ihr den Artikel aus der Serie: Himmelsfotografie für Jedermann: Strichspuraufnahmen

Der Unterschied zu den eigentlichen StarTrails ist, dass eine ISS-Strichspur, also ein Trail der ISS, nicht mehr als 2-5 Minuten dauert. Den länger braucht die ISS nicht um über den Himmel zu ziehen und wie oben schon gesagt, ist die Richtung des Überfluges unterschiedlich.

Hat man die Strichspuraufnahmen eines ISS-Trails erstellt und bekommt das mit den Einstellungen usw. gut hin, dann kann man seiner Fantasie freien Raum lassen. Ich habe letztens zum Beispiel zwei Trails in ein Bild gebastelt. Dabei habe ich die Kamera einfach stehen lassen und die Aufnahme beim zweiten Überflug wieder gestartet.

Hierbei habe ich mit StarTrails (Astronomiesoftware) erst den ersten Überflug und dann den zweiten als Einzelspur verarbeitet und dann beide Ergebnisse überlagert.

Aufnahme-Daten von Strichspuraufnahmen

Bei den ISS-Trail-Aufnahmen kommt es immer auch auf das Ziel der Aufnahme an. Hierbei unterscheide ich immer ganz stark zwischen einer Aufnahme aus der ein Video entstehen soll oder eine Aufnahme aus der eine Strichspur werden soll. Beide müssen mit unterschiedlichen Einstellungen aufgenommen werden.

Für anschließende Timelapsevideos

Gerne mach ich aus den Strichspuraufnahmen sogenannte TimeLapse-Videos. Damit eine nahezu vollständige Bewegung, also ein Flug über den Himmel per TimeLapse aufgezeigt werden kann, müsste man so viele Bilder machen wie möglich. Also man muss kleine Belichtungszeiten wählen. Damit man aber auch noch Sterne und andere Objekte sehen kann, muss man länger belichten.

Hier muss man also einen Kompromiss schließen. Im oberen Bild (mit den 2 Trails) habe ich die Belichtungszeit von genau 1/2 Sekunde gewählt. Das liegt daran, dass ich genau aufzeigen wollte, wie schnell die ISS über den Himmel wandert.

Hier im Video kann man das Nachvollziehen. An diesem ersten Video sieht man auch sehr deutlich warum es ein Problem zwischen kurzen und langen Belichtungszeiten gibt. Die längeren Belichtungszeiten sorgen oft für hellere Aufnahmen. Damit sieht man mehr Details.

Das lässt sich natürlich noch mit der Empfindlichkeit und den Blendeneinstellungen steuern.

Hat man dann ein solchen Trail aufgenommen, kann man diesen entweder wie oben zusammen setzen und dem Objekt folgen oder man kann mittels der Software StarTrails auch wachsende Spuren erzeugen.

Nun kann man die Zeit der Bilder noch schneller einstellen und hat ein TimeLapse erzeugt, welches zeugt, wie die ISS schnell über den Himmel zieht. Das finde ich schon toll.

Mehr Spannung kommt aber in die Aufnahme, wenn man die ISS als reine Trail-Aufnahme aufnimmt und etwas Stimmung in das Bild bringt.

Für ISS-Spuren am Himmel

Dafür belichte ich wesentlich länger. Zum Teil bis zu 30 Sekunden. Das Bild kennt Ihr ja schon. Hier ist das Bild am Ufer des Rummelsburger Sees, Berlin entstanden. Es sind dabei 6 Einzelaufnahmen gemacht worden, die anschließend überlagert wurden.

Die Belichtungszeit betrug hierbei 20 Sekunden bei einem relativen geringen ISO-Wert von 200 und einer Blende von 5,6 mit dem Walimex FishEye 8mm Objektiv (bei Amazon*).

Startrails_ISS_Passover1_20140615_1

Was übrigens sehr wichtig ist, ist das Ausprobieren der Einstellungen am Aufnahmeort. Vor allem mit dem Wissen, dass Aufnahmen im Netz immer Dunkler erscheinen, als auf dem Monitor oder dem Kameradisplay. Lieber eine Blende weiter aufmachen, als später die Bilder wegwerfen, weil man kaum etwas drauf sieht.

Verfolgungs- und Bedeckungsfotos.

Nun kommen wir zu den Verfolgungsaufnahmen und auch zu den Bedeckungsaufnahmen.

Bei dieser Art der Aufnahmen kommt es auf das Timing drauf an. Während man bei den Verfolgungsaufnahmen schnell sein muss, sobald die ISS entdeckt wurde, muss man bei den Bedeckungsaufnahmen, schnell sein wenn die ISS das Objekt verdeckt.

Verfolgen der ISS

Das Verfolgen der ISS ist eigentlich nicht schwer. Wichtig ist hier das der Sucher gut eingestellt ist. Schließlich hat man die Kamera am OAZ zu hängen und folgt der ISS durch den Sucher.

Daher ist es ratsam, den Sucher genau auszurichten. Das sollte so genau wie möglich gemacht werden.

Weiterhin hat die ISS eine wirklich hohe Geschwindigkeit. Ich empfehle daher auch Sucher zu verwenden, bei denen man den Sternhimmel sehen kann. Lichtpunktsucher oder ein Telrad sind hier sehr gut geeignet. Wer sich über Sucher/Finder am Teleskop informieren will, kann das natürlich hier im Blog tun:  Der Sucher/Finder am Teleskop.

Der nächste Tipp ist das Teleskop auf einer Montierung zu verwenden und alle Klemmungen zu lösen. Da die ISS ja nicht der Bewegung des Sternenhimmels folgt, muss man die Montierung nicht Einnorden. Man muss aber nach Möglichkeit der ISS folgen können. Bei äquatorialen Montierungen sollte man auch darauf achten, dass die Montierung nicht umklappt. Es also keinen Wechsel gibt von einer auf die andere Seite. Das kostet nur unnötig Zeit. Also vorher die Bahndaten der ISS raussuchen und anschauen.

Ansonsten heißt es Feuer frei. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Man benutzt hier eine sehr kleine Belichtungszeit. Zwischen einem Wert von 1/500 und 1/1000 Sekunde werden hier verwendet. Ansonsten steht die Kamera auf Dauerfeuer (Serienaufnahme) und dann wird bei Sichtung geschossen was das Zeug hält.

Bei den folgenden Aufnahmen habe ich ca. 300 Bilder gemacht und davon waren vielleicht 20 verwendbar.

Übrigens ist es hierbei noch wichtiger, dass die Kamera und das Teleskop ordentlich fokussiert sind. Ich hatte sowohl den Belichtungszeitenfehler als auch den Fokussierfehler begangen. Beides führte zu den folgenden Fehlschlägen.

Hier wurde viel zu lange belichtet. Ich verwendete hierbei eine Aufnahmezeit von 1/2 Sekunde. Was natürlich bei der Geschwindigkeit völliger Unsinn war.

Bei der nächsten Aufnahme war ich schon schlauer.

Hier verwendete ich zwar schon eine Belichtungszeit von 1/30 Sekunden. Aber vergaß den Fokus ordentlich einzustellen.

Bei diesen Aufnahmen hat man ja wenigstens die Chance die Aufnahmen nach kurzer Zeit noch einmal zu machen. Die ISS kommt ja häufiger über den Himmel gejagt und dadurch kann man sehr gut üben.

Bedeckungen

Bei den Bedeckungen sieht es nun wieder anders aus. Zum einen sollte man dem Himmelsobjekt folgen, welches bedeckt wird.

Hier kann man eine Goto-Montierung verwenden oder mindestens eine Motor-Nachführung. Damit bleibt das Objekt im Sucher.

Der wichtigste Punkt ist hier der Standort. Hier kann eine Transitlinie wirklich sehr knapp sein und auf mehrere 100 Meter genau verlaufen. Man sollte sich also die Zeit nehmen und z.B. mit calsky.com die  Sichtbarkeitslinie genau prüfen. Der Streifen ist nur etwas 4,5 km oder etwas Breiter. Je nachdem wo die Sonne steht und wie nah die ISS gerade der Erde ist.

Die Durchflugzeiten liegen bei wenigen Sekunden bis zu wenigen Millisekunden. So kann ein Transit auch mal nur 0,5-0,8 Sekunden dauern.

Bei der Fotografie muss man vor allem die Überblendung vermeiden. Hier sollte man vorsichtig sein und schauen, dass man einige Testbilder aufnimmt.


ACHTUNG: Auch hier gilt natürlich SONNENFILTER-PFLICHT!. Ohne geht gar nicht. Das macht die Augen oder die Kamera kaputt.

Ich selbst konnte bis heute leider noch keine Bedeckung aufnehmen. Bin aber dabei und da die ISS nun wieder Tagsüber über den Himmel jagt, sollte die Wahrscheinlichkeit hoch sein, bald ein Bild von der ISS vor der Sonne zu erwischen.

Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig die Fotografie der ISS näher bringen.

Solltet Ihr Fragen haben oder sollte hier irgendwas im Artikel unklar sein, dann schreibt es mir einfach.

Ich würde mich natürlich auch über Rückmeldungen freuen. Wenn Ihr Bilder der ISS habt oder eine Bedeckung aufnehmen konntet, dann könnt Ihr das hier veröffentlichen.

Zum ersten Teil der Serie kommt Ihr hier: Wie Du selbst tolle Fotos der ISS machen kannst (Teil 1/2) 

Quelle: NASA/APOD && Eigene Fotos

Ähnliche Artikel:

Wie Du selbst tolle Fotos der ISS machen kannst (Teil 2/2), 5.0 out of 5 based on 3 ratings
Teleskop bei Astroshop
Werbung

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *