Gastartikel: Reiseführer, Reiseatlas und Beobachteratlas im Vergleich

IMG_9995Der letzte Gastbeitrag hier im Blog liegt nun doch schon eine ganze Weile zurück und von daher freut es mich umso mehr, dass ich auf Facebook Ute Niemann getroffen habe.

Ute fing schon sehr früh, mit 2 Jahren und dem Mond, mit der Astronomie an. Mit 10 Jahren mopste Sie Papas Fernglas und versuchte sich mit einer selbstfinanzierten Sternkarte am Himmel. Das hielt bis zum 25. Lebensjahr und endete in einer 15 jährigen Pause. Mit 40 kam das Hobby wie ein Bumerang zurück und heute 15 Jahre später beobachtet Sie immer wenn es der Himmel an der Küste zulässt. Mittlerweile aber nicht mehr mit gemopsten Geräten, sondern mit einem ETX70, einen 8” Newton und einem 12” Dobson. Quasi Standardausrüstung.

Ich fand Ute auf Facebook und natürlich tauscht man sich immer mal wieder aus und kommt dabei auch auf Vorlieben und Abneigungen. Bei uns war es dieses mal das Thema Sternenatlanten. Hier im wesentlichen 3 Stück und Ute sagte zu, diese drei Sternenführer einfach mal zu Vergleichen.

Natürlich kann ein solcher Vergleich nur Subjektiv stattfinden und basiert auch nur auf den Auflagen die einem zur Verfügung stehen. Trotzdem finde ich genau diese subjektiven Meinungen immer sehr interessant. Wenn diese auch noch von Menschen kommen, mit denen ich auf einer Wellenlänge liege, kann ich mir sicher sein das ich viele Dinge ähnlich sehe.

Daher freut es mich nun diesen Gastartikeln den Leserinnen und Lesern hier im Blog anbieten zu können. Viel Spaß damit.

Reiseführer, Reiseatlas und Beobachteratlas im Vergleich

(von Ute Niemann)

Nachdem Stefan und ich uns über unsere Lieblings-Sternatlanten ausgetauscht haben, hat er mich gebeten einmal die fraglichen Bücher miteinander zu vergleichen.
Ich möchte gleich voraus schicken, das ist eine rein subjektive Darstellung. Jeder hat da seine Vorlieben und es sind noch viel mehr Sternatlanten auf dem Markt, die hier keine Berücksichtigung finden werden.

Es geht um den „Deep Sky Reiseführer“ von Ronald Stoyan, den „Deep Sky Reiseatlas“ von Michael Feiler und Philip Noack sowie den „Deep Sky Beobachteratlas“ von Gerhard Stropek. Reiseführer und Reiseatlas, die ich vor mir liegen habe, sind nicht die aktuellen Auflagen sondern schon 9 – 10 Jahre alt. Der Deep Sky Reiseführer ist aus der 3. Auflage von 2004 und die erste Auflage des Deep Sky Reiseatlas ist von 2005, beide sind im Oculum-Verlag erschienen.
Der „Deep Sky Beobachteratlas“ ist von 2010 und meines Wissens noch nicht neu aufgelegt worden, erhältlich direkt über den Autoren Gerhard Stropek (http://beobachteratlas.webs.com/) .

Nun aber näher zu den einzelnen Büchern.

Deep Sky Reiseführer

Der Deep Sky Reiseführer ist kein reiner Sternatlas, er ist fast schon ein astronomischer Schmöker: jedes Sternbild wird mit einem schwarz/weiß-Foto gezeigt, einer kurzen Einführung folgt eine Liste von Deep Sky Objekten, die in diesem Bereich liegen. Hier kann man sich schon ein Bild machen, ob das Objekt für einen selber überhaupt zu sehen ist, denn auch die benötigte Instrumentierung (bloßes Auge, Fernglas, Teleskopöffnung) wird mit angegeben. Die schönsten und auffälligsten werden anschließend mit ausführlichen Beschreibungen, Zeichnungen oder Aufsuchkarten genauer vorgestellt.

Besondere Pluspunkte:
Für Starhopper ist eine Aufsuchbeschreibung dabei.
Ein großer Vorteil des Reiseführers sind die enthaltenen Zeichnungen der Deep Sky Objekte, die die Ansicht im Okular wieder geben. Schöne farbige Fotos à la Hubble findet man nur auf den Einleitungsseiten. So etwas kann man im Okular nicht sehen und viele Einsteiger sind enttäuscht, wenn sie den ersten Blick durch ein Teleskop werfen.

Mit vielen Tipps und Tricks sowie Beobachtungsanleitungen für Deep Sky Beobachter (und für die, die es werden wollen) und Kartenmaterial, das den gesamten Himmel abdeckt, ist der Reiseführer nicht so sehr für den Beobachtungseinsatz sondern viel mehr zur Vor- und Nachbereitung geeignet. Und … es ist wunderbar, bei schlechtem Wetter in den vielen Beschreibungen zu schmökern und von einem klaren Sternenhimmel zu träumen. ;-)
(Aktuelle 5. Auflage 29,90 € – Amazon*)

Deep Sky Reiseatlas

Der Deep Sky Reiseatlas ist ein reines Kartenwerk, perfekt auf den Reiseführer abgestimmt und soll die darin enthaltenen Übersichts- und Aufsuchkarten ergänzen. Er ist aufgebaut wie ein Autoatlas, man findet sich also fast intuitiv zurecht. Er ist im Querformat gedruckt und jeder Kartenseite steht eine Datenseite gegenüber, auf der die verzeichneten Objekte nach Objektgruppen sortiert aufgeführt sind. Zu jedem Objekt gibt es ein paar Daten wie z.B. Helligkeit, Größe, bei Veränderlichen die Periode und die Seite auf der es im Reiseführer zu finden ist. Die Objekte sind auf den Karten mit Telradkreisen markiert, die die Suche erleichtern. Es sind fast alle Objekte aus dem Reiseführer im Reiseatlas enthalten; er deckt, wie auch der Reiseführer, den gesamten Himmel ab mit einer Grenzgröße von 7,5m.

Besondere Pluspunkte:
Der Reiseatlas ist laminiert, was ihn unempfindlich gegen starke Luftfeuchtigkeit macht und er ist mit einer praktischen Ringbindung versehen.
Die Objekte auf den Karten sind mit Telradkreisen markiert, was die Suche weiter erleichtert. (Aktuelle 4. Auflage 29,90 € – Amazon*)

Deep Sky Beobachteratlas

Der Deep Sky Beobachteratlas schließlich bildet den nördlichen Sternenhimmel bis zu -35° Deklination auf 97 Karten ab. Der Maßstab ist 1,2° pro cm. Die Grenzgröße beträgt durchschnittlich 9m (je nach Sterndichte von 9,3m bis 8,3m). Die Karten orientieren sich an den Sternbildern und sind alphabetisch sortiert. Je nach Sternbild können auch mal 2 Karten pro Sternbild notwendig sein, es gibt großzügige Überschneidungen aber es ist alles so geordnet, dass es möglichst passend fürs Starhopping ist. Zu jeder Karte gehören weitere Seiten mit einer Übersichtskarte, einem Sichtbarkeitsdiagramm sowie einer Liste der in dem Bereich sichtbaren Deep Sky Objekten mit näheren Angaben sowie einer kurzen Beschreibung. Zu einigen speziellen und schwächeren Objekten finden sich inverse Schwarz/Weiß-Fotos (DSS) um die Identität sicher zu klären.

Die Karten im Beobachteratlas sind ebenfalls im Querformat gedruckt und auch dieser Atlas ist als Ringbuch gebunden, aber so, dass einzelne Seiten entnommen werden können. Als Buch ist er auch sehr schwer und unhandlich, kein Wunder bei 97 Karten mit Anhang. Er ist nicht laminiert, aber auf recht festem Papier gedruckt. Es steht aber auch eine wasserfeste Version zur Verfügung, die allerdings deutlich teurer ist.

Besondere Pluspunkte:
Auch dieser Atlas ist als Ringbuch gebunden aber so, dass man einzelne Seiten entnehmen kann. Die Grenzgröße liegt höher als beim Reiseatlas, es sind mehr und schwächere Objekte enthalten und fast alle mit einer kurzen, stichwortartigen Beschreibung versehen.
(Normale Version 49,90 €, wasserfest 89,90 € – Beobachteratlas)

Fazit

Es ist wie mit Teleskopen, jedes hat seinen Himmel ;-) Genauso sind alle drei Bücher, alle sind gut, und für jeden ist etwas dabei. Es kommt auf die eigenen Vorlieben an und natürlich auch auf den Himmel. Es macht keinen Sinn in einer lichtverseuchten Gegend mit dem Beobachteratlas zu spechteln, da ist der Reiseatlas sinnvoller.

Der Reiseführer und der Reiseatlas ergänzen sich optimal und bieten für viele Jahre interessante Beobachtungsziele. Trotzdem ist es nicht notwendig, unbedingt beide zu haben. Im Reiseführer sind auch viele Karten enthalten, mit denen man sich seine Ziele suchen kann nur möchte ich ein Buch nicht unbedingt nachts draußen aufgeschlagen liegen haben wollen. Aber ich bin auch etwas „pingelig“ mit meinen Büchern ;-) . Ebenso kann man auch nur mit dem Reiseatlas auf die Sternenpirsch gehen. Wer auf die südliche Hemisphäre in Urlaub fährt wird es begrüßen, dass beide auch die südlichen Breiten abdecken.

Der Beobachteratlas enthält mehr und auch schwächere Objekte, die vielleicht erst von erfahreneren Beobachtern gesucht und evtl. auch erst mit größerer Öffnung gefunden werden. Dafür sind die südlichen Sternbilder nicht enthalten.
Die ersten Beiden haben mich jahrelang begleitet, erst als ich auf einer ATT den Beobachteratlas entdeckte, musste der Reiseatlas in die zweite Reihe zurück treten. Im Beobachteratlas sind auch etwas exotischere Objekte enthalten, an denen ich mir gerne mal die Zähne ausbeiße.

Ich habe es nur bereut, nicht die wasserfeste Version gekauft zu haben, im Nachhinein habe ich mir alle Seiten einzeln laminiert und in 2 großen Ordnern abgeheftet. Dadurch ist er noch schwerer geworden, als er sowieso schon war. Dafür nehme ich mir immer nur die Seiten raus, die ich tatsächlich brauche und kann auch mal etwas markieren und hinterher wieder weg wischen.

Meine Empfehlung ist es, sich wenn möglich die Bücher im Original anzusehen was vielleicht bei einem Sternfreund oder auf einem Teleskoptreffen möglich ist.
Das Kartenmaterial aller drei Bücher ist auch gut unter Rotlicht zu erkennen, was ja auch nicht unwesentlich ist. Eine farbige Darstellung wäre zum Anschauen zwar hübsch, zum Spechteln aber kontraproduktiv.
Das waren meine 2-cents :-) Viel Spaß beim Schmökern.

Vielen lieben Dank Ute. Das ist wirklich ein toller Artikel geworden. Ich bin begeistert und hätte ich die Bücher nicht schon bei mir im Regal zu stehen, wüsste ich zumindest nun welche ich mir kaufen müsste.

Anmerkung: Bild und Amazon-Partnernlinks sind vom Blog-Besitzer eingefügt worden und entsprechen nicht dem Originalartikel.

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