Riesiger Komet schlägt in Jupiter ein – ein Rückblick

So oder so ähnlich lauteten vor nun 20 Jahren die Titelstories der Zeitschrift. Wer sich erinnert wird schnell Wissen wovon ich schreibe. Der Komet Schoemaker-Levy 9 zerbricht und in dem Zeitraum vom 16. Juli bis zum 22. Juli schlagen die Bruchstücke in den Planeten Jupiter ein.

Dieses Ereignis wurde z.Teil gefeiert, zeigte aber auch wie verletzlich die Erde ist und wie viel Glück wir haben, dass es die großen Gasplaneten gibt, die mit Ihrer Masse viele solcher Objekte abfangen.

Hier möchte ich einen kleinen Rückblick aufzeigen.


Entdeckung von Shoemaker-Levy 9

Schon am 24. März 1993 wurde der Komet erstmals auf einem Foto nachgewiesen. Carolyn und Eugene Shoemaker entdeckten diesen Kometen zusammen mit David H. Levy und er erhielt den Namen Shoemaker-Levy 9.

Die 9 erhielt er, da er der neunte Komet war den diese 3 entdeckten.

Kurz nach seiner Entdeckung fingen die Wissenschaftler an seine Bahn zu ermitteln. Der Japaner Shuichi Nakano sagte dabei als erster den Zusammenstoß mit dem Planeten voraus. Später wurde diese Voraussage durch andere Astronomen bestätigt.

Der Komet der hier entdeckt wurde war aber anders. Er war in mehrere Fragmente zerbrochen. Man vermutet das der Komet Ursprünglich 4 km Groß war und 1992 dem Jupiter auf seiner Bahn zu nahe kam und durch die Gezeitenkräfte zerrissen wurde.

21 Fragmente (siehe Bild: NASA/APOD) zählten nun die Astronomen und die Kette dieser 500-1000 Meter großen Brocken war mehrere Millionen Kilometer lang.

Das Bombardement

Am 16. Juli 1994 begann dann ein Spektakel, welches die Astronomen vorher noch nicht erlebten. Und durch einen Zufall konnten wir das Spektakel sogar direkt beobachten.

Ich schrieb ja oben schon, dass die Kometen stücken auf der uns abgewandten Seite in den Jupiter einschlugen. Doch unsere Raumsonde Galileo konnte damals die Einschläge aus einer Entfernung von 1,6 AE (239.356.593 km). Dummer Weise war die Parabolantenne der Sonde beschädigt und daher konnten nicht alle Messwerte übertragen werden.

Von der Erde aus kann man den Einschlag des ersten Fragmentes noch über den Rand hinaus sehen.

Wer die Größenverhältnisse der Planeten etwas kennt, kann sich sicherlich sehr gut Vorstellen was dort los war.

Die Detonationskraft der Stücke schätzt man auf 650 Gigatonnen TNT oder 50 Millionen Hiroshima-Bomben. Die Erde würde es wohl nicht mehr geben.

Aber nicht nur die Größe der Explosion und das wir so etwas beobachten konnten war ein Highlight. Man konnte natürlich die Spektren untersuchen und kam dabei zu neuen Erkenntnissen.

Die Explosionen waren so heftig, dass man auch durch kleinere Amateurteleskope von der Erde aus die Einschlagskrater im Gas sehen konnte. Diese sogenannten Plums wurden untersucht und brachten molekularen Schwefel und Kohlenstoffdisulfids ans Tageslicht. Sogar soviel das es nicht mit dem Einschlag selbst erklärbar war. Man vermutet, dass diese Stoffe aus tieferen gebieten der Atmosphäre nach oben geschleudert wurden.

Was Interessant ist ist die Menge des Wassers welches man Nachgewiesen hat. Hier hat man doch viel weniger gefunden als man vermutete.

Das Ereignis wurde aber nicht nur von den Wissenschaftlern, Astrophysikern, Astronomen und auch allen Hobbyastronomen verfolgt, sondern auch die Medien fanden dieses Ereignis damals sehr berichtenswert.

Ich habe sogar noch ein Video gefunden. Natürlich mit dem entsprechenden Angstmacherargumenten. Aber die Animationen und die Berichterstattung ist wirklich toll.

Ich kenne ja noch die Zeit. Da war ich gerade mal 17 Jahre alt, aber ich kann mich erinnern. Das Ereignis war toll zu dieser Zeit startete meine Astronomiekarriere gerade durch. Es war zwar nicht der Auslöser, aber es war ein Ereignis welches meine Begeisterung steigerte.

Hammer. Ich bin echt froh, dass ich durch einen kleinen Zufall heute drauf gestoßen bin und ich diesen Beitrag schreiben durfte. 20 Jahre ist schon beachtlich und viele jüngere Hobbyastronomen haben das einfach nicht mehr erleben dürfen.

Vielleicht sprecht Ihr es einfach mal beim nächsten Vereinstreffen an. Sicherlich werden viele darüber berichten können. Vielleicht hat der ein oder andere es sogar gesehen.

Bildquellen: NASA/JPL/APOD

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5 comments

  1. Ich war damals “live dabei”, auf einer chilenischen Sternwarte und in völlig anderer Mission, aber ‘unser’ Cerro Tololo entwickelte sich plötzlich zu einem der Haupt-Beobachtungsplätze. Meine umfangreichen Berichte von damals habe ich gerade noch rechtzeitig in einer Datei wieder gefunden und nun erstmals für’s Web aufbereitet: reiner Text ohne Umlaute (waren halt amerikanische Tastaturen schon damals veralteter Computer …), aber dafür um so authentischer …

  2. […] ESO-Material von damals, ein paar FAQs zu den Impakten von 1996 und aktuelle Erinnerungsartikel hier und hier. Und ebenfalls aktuell die Rückkehr von Komet Jacques an den Nachthimmel (nach ersten […]

  3. Bitte auch nicht Ranga Yogeshwars genial schief gelaufenen Live Sondersendung (“ARD-Brennpunkt”) zum Shoemaker-Levy 9 Impact vergessen… :D Habe sie noch auf Video (irgendwo auf meinem Dachboden). Vielleicht finde ich mal Gelegenheit, sie zu digitalisieren. Im Web (Datenautobahn – deutscher 1994-Jargon für WWW) habe ich nix darüber gefunden.

  4. Die Sendung muss einige Tage nach dem 16. Juli 1994 (20. Juli?) gesendet worden sein. Jedenfalls gab es keine neuen Bilder (wg. technische Probleme) vom Einschlag des größten Bruchstücks auf Jupiter.

  5. Ui, SL9. Da werden Erinnerungen wach, wahrscheinlich bei vielen Hobbyastronomen. Einige meiner Erinnerungen habe ich eben hier gepostet. In meinem Bücherregal steht auch noch ein Buch von Daniel Fischer zu dem Thema :-)

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