Eine Reise zum Mond (Artikelserie: Teil 3)

Foto: Mond18.70.2014 - mit Canon 600D und EFS 55-250In diesem dritten Teil möchte ich mit Euch nun den Mond erkunden. Im ersten Teil der Artikelserie gab es allgemeine Informationen zum Mond und dessen wahrscheinliche Entstehung. Im zweiten Teil haben wir uns mit Literatur und anderen Dingen eingedeckt um den Mond zu erkunden und im jetzigen Teil geht es um die Beobachtung und was es dort Spannendes zu sehen gibt.

Wer meint das der Mond doch nach kurzer Zeit langweilig wird, dem muss ich wiedersprechen.

Mit dem Mond kann man sich über Jahre hinaus beschäftigen. Das liegt aber nicht nur daran, dass das Wetter in unseren Breiten nicht immer zum Beobachten einlädt.

Es gibt einfach unheimlich viel zu sehen und einen kleinen Einblick darüber möchte ich Euch hier nun aufzeigen.


Beginn der Mondbeobachtung

Der Mond ist am schönsten wenn er voll ist. Dieser Satz gilt nur für Mondbeobachter die sich dem Mond mit dem bloßem Auge nähern und keinerlei Gerätschaften verwenden.

Da ist es natürlich verständlich das man sich den Mond anschaut, wenn er gerade Voll ist. Am besten ist noch ein Supermond. Das heißt der Mond hat seinen Erdnächsten Punkt erreicht und es ist gerade Vollmond. Dann ist er nicht nur Voll, sondern auch schön groß.

Beobachtung mit dem Auge

In meinen monatlichen Berichten und auch in meinem E-Mail-Newsletter bringe ich immer wieder die Ereignisse am Nachthimmel. Unter anderem finden sich dort in den Tabellen auch immer wieder die Angaben zu Neumond, erstes Viertel, Vollmond, letztes Viertel, Neumond.

Das hat den Grund das man zu jeder Stellung und Phase des Mondes andere Dinge erkennen kann. So kann man auch schon mit dem Auge unterschiede auf der Mondoberfläche erkennen und wer diese kennt, kann zu jeder Zeit seine Mitmenschen beeindrucken.

Schauen wir uns den Vollmond mal mit dem Auge an.

Der Mond ist voll beleuchtet und die Sonne scheint direkt auf den Mond. Man wird mit Teleskopen und Ferngläser nur sehr wenige Strukturen erkennen, da diese nun von oben angestrahlt werden und damit keinen Schatten werfen.

Wer genau hinschaut erkennt auf jeden Fall dunklere und hellere Gebiete auf dem Mond. Bei klarer Sicht kann man sogar Einschlagkrater erkenne.

Nimmt man sich nun seinen Mondführer zur Hand, kann man diverse Gebiete identifizieren. Merk man sich die wichtigsten, dann kann man auch seine Mitmenschen begeistern.

Auf dem Bild rechts sieht man sehr viele Gebiete auf dem Mond und auch viele Details. Das ist schon heftig. Aber die markantesten kann man benennen.

Der größte Krater (links unten) ist Tycho. Er ist ein recht junger Krater und das tolle ist, dass man seinen Strahlenkranz erkennen kann. Das ist Auswurfmaterial, welches sich über den halben Mond erstreckt.

Geht man von Tycho gerade nach oben, erkennt man zwei weitere Krater. Copernicus und Kepler. Copernicus ist etwas größer als Kepler. Das sind also drei Krater die man auf der Oberfläche des Mondes sehen kann.

Ansonsten sieht man die Meere (Mare) auf dem Mond. Das Meer, also die dunkle große Fläche ganz recht und mittig ist das Meer der Gefahren. Links daneben kommen drei Meere die zusammen hängen. Das untere der drei heißt Meer der Fruchtbarkeit, das in der Mitte ist das Meer der Ruhe und darüber kommt das Meer der Heiterkeit.

Wer sich übrigens fragt, was diese Meere oder dunklen Flecken auf dem Mond sind, der liest sich meinen Artikel dazu durch: Was sind das für Flecken auf dem Mond?

Folgt man diesen dreien weiter nach oben findet man dort eines der größeren Meere auf dem Mond. Das Regenmeer.

Um den Krater Kepler liegt dann das Meer der Erkenntnis und am linken Rand kommt dann der Ozean der Stürme.

Das Meer welches auf den größten Krater des Mondes, Tycho, zuläuft heißt dann Wolkenmeer. 

Das sind dann im wesentlichen die Strukturen die man mit dem Auge sehen kann. Das gilt auch für die Mondphasen. Da der Mond uns immer die gleiche Seite zudreht (siehe auch Dreht sich der Mond auch?), braucht man die Rückseite des Mondes nicht lernen.

Richtig spannend wird er aber, wenn der Mond seine Phasen zeigt.

Beobachtung mit dem Fernglas und dem Teleskop

Der Mond wird erst richtig spannend, wenn man Ihn mit dem Fernglas oder dem Teleskop erkundet und wenn man dann an seiner Tag-Schatten-Grenze entlang geht.

Foto: Mond18.70.2014 - mit Canon 600D und EFS 55-250Ich konnte zum Beispiel am 18.7.2014 in den Morgenstunden den Mond mit meiner Kamera fotografieren und da sieht man plötzlich an der Grenze lauter Krater auftauchen.

Um unteren Bereich kann man das sehr deutlich sehen.

Nun kann man sich seine Mondkarte oder seinen Mondatlas nehmen und schauen, was man dort alles entdeckt hat.

Ich habe so eine Entdeckungsreise mal in ein Video gepackt und gezeigt was man schon mit einfachen mitteln sieht.

Das ist natürlich sehr spannend und sehr leerreich und wenn man sich die Daten der einzelnen Entdeckungen noch raussucht, dann bekommt man auch langsam ein Gefühl für die Größenstrukturen und andere Effekte.

Auf dieser Aufnahme habe ich mal den Mond betrachtet und nicht nur die Meere, sondern noch einige Krater eingezeichnet.

Auf die Größen der Krater sieht man hier recht schon. Solche Identifizierungen machen Spaß und können das eigen Wissen voran bringen.

So kann man also den Mond beobachten und im Nachgang schauen was man dort gesehen hat. Das geht natürlich auch direkt bei dem Beobachten. Ich erinnere mich noch gut, wie meine Frau und ich mit zwei Teleskopen über den Mond gewandert sind und uns mitteilten wo wir gerade uns befinden. Die Mondkarte war auf dem Boden ausgebreitet und damit konnte man wunderschön den Mond betrachten.

Nun habe ich Euch gezeigt wie man sich die Objekte auf dem Mond identifizieren kann. Im Video seht Ihr es ja und ich glaube das Beschreibung auch ausreichen ist oder?

Man kann aber bei der Beobachtung auch anders vorgehen. Es gibt einige Highlights auf dem Mond und diese gibt es nur zu ganz bestimmten Zeiten.

Highlights auf dem Mond

Damit man die Highlights sehen kann, muss man natürlich wissen welche das sind und wann man diese sieht. Diese Strukturen werden nur zu ganz bestimmten Zeiten sichtbar und sind dann auch nur an diesem Abend oder gar in der Stunde zu beobachten.

Manche dieser Strukturen habe selbst ich noch nicht gesehen, da es natürlich immer Wetterabhängig ist und man dann wieder 1 Monat warten darf. Dadurch kann man manche Strukturen erst nach Jahren entdecken oder fotografieren.

Goldener Henkel

Eine der berühmtesten Strukturen ist der Goldene Henkel.

2 Tage nach dem ersten Viertel (also im zunehmenden Mond) ragen die Spitzen des Ringgebirges in die aufgehende Sonne. Dabei liegt der untere Bereich des Gebirges noch in der Nachthälfte, während die Spitzen schon beleuchtet werden.

In meinem Astrofotowettbewerb 2014 gibt es ein tolles Bild vom Mond mit dem Goldenen Henkel. 

Das Bild kommt von Daniel Bockshecker und zeigt den Mond über Unkel.

Ganz oben kann man nun den Goldenen Henkel sehen. Der Henkel ist in einer Zeitspanne von ca. 6 Stunden sichtbar. Danach ist die Sonne auf dem Mond weiter aufgegangen und beleuchtet das Gebirge. Der Effekt des Henkels geht dann verloren.

Das X im Mond

Erreicht der Mond ein Alter von genau 7,3 Tagen, dann kann man sich das X im Mond anschauen.

Dazu benötigt man auf jeden Fall ein Teleskop und etwas Geduld. Auf dem APOD-Bild vom 11. März 2011 kann man es deutlich sehen.

image

Trotzdem das Mond-X relativ leicht zu sehen ist, gibt es nicht viele Menschen die es bisher entdeckt haben. Das Mond-X ist nur ca. 4 Stunden direkt vor der ersten Viertelphase sichtbar und damit nicht leicht einzufangen.

Das Aussehen dieser X-Struktur wird gebildet durch die Krater Blanchinus, La Caille und Purbach. Damit könnt Ihr Euch orientieren und in Eurem Mondatlas einmal die Stelle heraussuchen.

Hesiodus-Strahl

Der Hesiodus-Strahl ist ein Sonnenstrahl der durch einen offenen Kraterrand im Krater Hesiodus entsteht.

Dieses Mondphänomen ist eine Herausforderung und ich kennen nur wenige Menschen die dieses Ereignis bisher gesehen haben. Um den Hesiodus-Strahl zu beobachten muss man schon ein größeres Gerät verwenden. Ab 4 Zoll sollte es möglich sein. 6 oder 8 Zoll-Geräte sind hier schon besser geeignet.

Zum anderen ist dieser Effekt nicht jeden Monat gleichgut beobachtbar, da der Mond ja einer Liberation unterliegt. Allein diese kleine Bewegung des Mondes reicht aus um den Hesiodus-Strahl zu schwächen.

Die beiden Krater Hesiodus und Pitatus bilden hierbei eine Einheit. Beide Krater teilen sich einen Ringwall, also den Kraterrand. Da nun genau in diesem Ringwall eine Lücke klafft, kann bei Sonnenaufgang ein Lichtstrahl durch den Krater Pitatus und durch die Lücke fallen und das noch bevor Hesiodus ins Licht kommt. Dadurch wird der Krater Hesiodus geteilt und dieser Strahl ist dann der Hesiodus-Strahl.

Sehr tolle Bilder davon gibt es hier: Hesiodus-Strahl 22.2.2011 (astrode.de)

Im Forum Astrotreff-Deep-Sky.de findet man eine Tabelle mit den Daten zu 2014.

Mondbedeckungen

Wer sich mit dem Mond beschäftigt, muss aber nicht nur den Mond beobachten. So gibt es natürlich auch eine ganze Reihe an Mondbedeckungen.

Im Jahr 2014 war es der Saturn der vom Mond bedeckt wurde. Das geschah am 7. auf den 8. Juli 2014 und war im südlichen Südamerika aus sichtbar.

Jan Hattenbach hat das dokumentiert und man findet dort Bilder.

Saturnbedeckung am 7./8. Juli von Jan Hattenbach

So eine Bedeckung ist natürlich sehr spannend und vor allem wenn die dunkle Seite zuerst über das Objekt zieht.

Am 25.10.2014 wird es dann eine Saturnbedeckung durch Mond gebe, die auch von unseren Breitengraden aus zu sehen ist. Leider ist diese auch sehr Anspruchsvoll. Mehr Informationen gibt es hier: Saturnbedeckung am 25.10.2014

Ausblick

Natürlich gibt es noch viele weitere Informationen zum Mond. Es gibt einige Ereignisse mehr auf dem Mond und auch die Mond- und Sonnenfinsternissen habe ich hier weggelassen.

Im nächsten und letzten Teil dieser Artikelserie wird es dann um die Fotografie gehen. Wie sieht die Ausrüstung aus und was gilt es zu beachten.

Ihr könnt Euch solange ja noch einmal den Teil 1 und Teil 2 anschauen und übt ein wenig an dem Mond und der Beobachtung.

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2 comments

  1. Chris sagt:

    Sehr interessante Serie. Da muss ich bei Gelegenheit mal wieder das Fernglas auspacken.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Ja, das solltest Du tun. Auch wenn der Mond gerade zu ungünstigen Zeiten am Himmel steht. Aber da man bei der Hitze eh nicht schlafen kann, geht das ja wohl.

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