Wie sieht ein Redaktionsplan für Sternwarten/Planetarien und Astronomie-Vereine aus? (Social-Media in der Astronomie)

Social Media MännchenVor kurzer Zeit habe ich eine Artikel hier im Blog veröffentlicht, der sich mit dem Thema Social-Media in der Astronomie beschäftigte. Dabei ging es im wesentlichen um die Tatsache das Verein / Planetarien oder Sternwarten sich den neuen Kommunikationswegen nicht verschließen dürfen.

Viele der zukünftigen Vereinsmitglieder oder auch Besucher der Sternwarten und Planetarien werden über die neuen Netzwerke kommen. Eine der Schlussfolgerungen aus diesem Artikel war, dass sich diese Organisationen entweder gar nicht mit den Netzwerken auseinandersetzen oder aber in einer Art und Weise die nicht immer Zielführend ist. Ein Redaktionsplan muss her. Aber was ist das?

Da es mir am Herzen liegt die Astronomie-Landschaft hier etwas zu verbessern, möchte ich heute in dem Artikel auf den Redaktionsplan eingehen und ein Beispiel für einen solchen Plan geben.


Die Voraussetzungen

Sollten hier nun Sternwarten / Planetarien oder Vereine mitlesen, die noch kein Profil bei den Netzwerken besitzen, dann sollte sich erst einmal ein solches Profil erstellt werden.

Dieser Artikel kann die Ecken und Kanten bei der Profilerstellung leider nicht auch noch beleuchten. Das wäre sonst zu viel. Sollten Sie Hilfe brauchen  bei der Profilerstellung, dürfen Sie sich gern bei mir melden.

Das Beispiel werde ich anhand eines fiktiven Facebook-Profils und eines Twitter-Profils aufbauen. Wer auch Google+ oder andere Netzwerke verwenden will, kann das gern tun.

Die Zielsetzung

Das gehört eigentlich nicht zur Erstellung eines Redaktionsplanes, aber trotzdem möchte ich es anschreiben. Ich habe im Laufe der Zeit verschiedenste Zielsetzungen einer Facebook-Seite oder eines Twitter-Profils gehört.

Oftmals wurde sich gar nicht Gedanken gemacht, was man mit der Seite erreichen will. Hier wird oft nur ein Profil erstellt, weil man denkt das man muss. Und wenn sich dann doch Gedanken gemacht wurden, kommen ziemlich komische Sachen heraus.

Ich werde diese Aussagen nicht weiter kommentieren oder aufzeigen warum hier falsche Zielsetzungen vorliegen. Das überlasse ich gern Ihnen.

1. “Ich möchte meine Gruppe informieren”

Hier wurde eine neue Facebook-Seite eingerichtet um eine Gruppe aus einem Verein zu informieren, die z.T. gar nicht bei Facebook ist. Dazu würde für die Astronomie-Gruppe eine Facebook-Seite erstellt um die Gruppe zusammen zu halten und über Änderungen zu informieren.

2. “Um News aus Astronomie und Raumfahrt zu teilen”

Das war die Begründung zu einer Facebook-Seite eines Planetariums. “Die Leute würden das erwarten”.

3. “Einfach so”

Das war die Aussage einer Sternwarte. Ich erhielt dann ein Schulterzucken als ich fragte: Und nun?

4. “Was ist eine Zielgruppe?”

Das war eher eine Antwort auf meine Frage, wer denn mit der FB-Seite angesprochen werden soll.

Zielgruppen

Ich glaube das reicht vorerst oder? Um einen Redaktionsplan erfolgreich umzusetzen, muss der “Redaktion” also dem Ersteller (der Erstellerin) klar sein, welche Zielgruppen angesprochen werden sollen.

Ich kann hier mal die Zielgruppen ganz kurz definieren. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne weiter darauf einzugehen, da auch eine Zielgruppendefinition ein eigener Artikel wäre.

Zielgruppe Sternwarten / Planetarien: Potentielle Besucher aus der näheren Umgebung und Besucher der weiteren Umgebung (Touristen)

Zielgruppe Astronomieverein: Potentielle Mitglieder und Menschen die sich für die Arbeit des Vereins interessieren (Mitglieder und Nichtmitglieder).

Das ist natürlich nur eine sehr Oberflächliche Darstellung der Zielgruppendefinition. Hier muss einiges hinterfragt werden und natürlich auch definiert werden. Worüber werden z.B. Mitglieder informiert? Passt das hier rein oder wäre eine geschlossene Gruppe besser?

Gut also man sollte sich über die Zielgruppen im klaren sein.

Redaktionsplan erstellen

Ein Redaktionsplan ist ein Plan wie jeder andere. Man kennt die schönen Sprüche das ein Plan ja niemals erfüllt werden kann oder der erste Plan immer zum scheitern verurteilt ist.

Der Redaktionsplan dient der Nachvollziehbarkeit und soll eine Richtlinie sein die Standardprobleme verhindern soll. Ein Redaktionsplan ist hierbei nichts andere wie ein Kalender in den man einfach einträgt, wann was passieren soll.

Er soll also verhindern, dass zum Beispiel sehr lange Pausen entstehen oder man einfach mal drauflos postet und sich wundert das Leute abspringen.

Um einen Redaktionsplan zu erstellen muss man einige Fragen im Vorfeld klären:

1. Wie oft wird gepostet

Die Frequenz des erstellen von Postings ist zum einen von der eigenen Zeit abhängig und von dem Netzwerk. Bei Facebook gilt zum Beispiel nicht mehr als 2-3mal täglich mit der Seite Beiträge zu posten und diese sollten auch immer wieder zur selben (ähnlichen Zeit) erfolgen. Bei Twitter gilt ein anderes Konzept. Dort können es über den Tag schon mal 10-20 Tweets werden. Je nachdem wie man den Kanal definiert.

2 . Über welche Themen wird gepostet

Hier gilt es die Zielgruppe zu treffen. Es macht keinen Sinn mit seiner Vereinsseite alle News aus der Szene weiter zu teilen. Schließlich kommen die News aus der Szene und doppeln sich damit nur. Außerdem möchte man ja nicht ALLE informieren, sondern seine Zielgruppe.

3. Wie sieht es mit Text-, Link- oder Bildpostings aus?

Gibt es solche Inhalte? Kann man auch mal kurze Beiträge und Bilder posten? Ist manchmal ein lange Beitrag besser zur Erklärung? Es gibt Regeln welche Beiträge am besten in den Netzwerken ankommen. Bei Facebook ist es Video vor Bild vor Link vor Text. Lange Texte werden eher selten angenommen. Bilder und Videos werden viel schneller geteilt.

4. Wie sieht es mit Fremdcontent aus?

Fremdcontent gehört in den Redaktionsplan. Er sollte aber niemals die Oberhand gewinnen. Verhältnisse von 70 / 30 oder 80 / 20 (Pareto) haben sich bewährt. Schwingt das Verhältnis in die andere Richtung geht der Eigencontent unter.

5. Fragen der User / Besucherinteraktion / Kritik?

Das muss zwingend  besprochen werden. Fragen gehören beantwortet und auch die Besucherinteraktion steht im Vordergrund. Aber auch Kritik muss angenommen werden und es muss drauf reagiert werden. Am besten sofort. Es gibt einige Eskalationsbeispiele (Telekom, DB) die aufzeigen wie schlimm ein Shit-Storm ausfallen kann, wenn man nur schweigt.

Auch der Umgang mit den Benutzern und Usern muss besprochen werden. Reicht es bei einer E-Mailanfrage aus auch mal 1-2 Tage mit der Antwort zu warten, muss es bei Facebook innerhalb von Stunden sein. Bei Twitter zum Teil noch schneller. Bei Twitter ist es auch sinnvoll Guten Morgen und Auf Wiedersehen zu sagen. Das verhindert das jemand böse wird, wenn man mal nicht reagiert. Am nächsten Tag sollte wieder reagiert werden.

Nachdem diese Fragen beantwortet sind und diskutiert wurden kann man nun ein Redaktionsplan aufstellen.

Diese sieht im ersten Schritt recht einfach aus.

Welche Veranstaltungen sind wann? Welche Infos gibt es? Was sind wiederkehrende Themen? Wie geht man mit kurzfristigen Themen um?

All das wird nun in einen Redaktionsplan implementiert und an diesen hat man sich im ersten Schritt zu halten.

Erstellung des Redaktionsplan

Nun kann man sich mit seinem Team oder auch allein hinsetzen und erstellt den Redaktionsplan. Folgendes Muster hat sich dabei bewährt:

1. Vorbereitung

Die Vorbereitung haben wir oben schon im wesentlichen besprochen. Für welche Kanäle sollen welche Themen gepostet werden. Wie oft und wann? Aber auch Dinge wie, wie ist die Ansprache? Du oder Sie?

Das sollte im Redaktionsplan eingetragen werden. Schließlich kommt mal ein Stellvertreter und der muss das sehen können.

2. Tipps zur Recherche

Das gilt vor allem für den Fremdcontent. Wo bekommt man diesen her? Welches sind die besten Kanäle oder Presseverteiler?

3. Erstellung

Die Erstellung der Posts ist wichtig. Kurz und knackig sollten diese sein. Das hat sich bewährt in den sozialen Netzen. Aber es muss auch Inhalt übertragen werden.

Ansonsten muss aber auch festgelegt werden, wer hier die Verantwortung hat. Darf der Verwalter der Kanäle die Post schreiben und veröffentlichen oder muss dort eine Abteilung noch einmal drüber schauen? Schreibt vielleicht die Abteilung sogar die Posts?

Wer macht die Zuarbeit? Wem muss Bescheid gegeben werden das bestimmte Infos auch an der Social Media Beauftragten gehen? Wer muss Informiert werden das es dort plötzlich einen Social Media Manager gibt, der auch mal Nachfragen darf?

4. Umsetzung

Wann darf vom Plan abgewichen werden? Gibt es Ereignisse die das Abweichen rechtfertigen? Abhaken und Kontrollieren der regelmäßigen Postings.

Muss ein Budget festgelegt werden um zum Beispiel Ads (Werbung) zu schalten? Wie hoch darf diese Budget sein?

5. Auswertung und Optimierung

Natürlich müssen die Aktivitäten auch untersucht, ausgewertet und optimiert werden. Hier beginnt die eigentliche Arbeit. Alles davor lässt sich einfach in den Griff bekommen.

Welche Postings sind erfolgreich? Welche nicht? Was wird geteilt und was nicht? Vermerkt man sich solche Optimierungen und bespricht den Redaktionsplan regelmäßig, dann ist man auf dem besten Wege Erfolg in den Netzwerken zu haben.

Redaktionsplan: Ein Beispiel

Natürlich bin ich nicht der Einzige der bisher Redaktionspläne erstellt hat und auf vielen Seiten findet man gute Informationen dazu.

Zum Beispiel der Blog der Seite Projecter ist geeignet. Dort liegt auch ein Beispielredaktionsplan in Excelformat herum.

Download: Das Beispiel

Auch der Redaktionsplan von Inha.lt ist ein Anfang. Auch dort bekommt man eine Vorlage für Excel.

Download: Das Beispiel von Inha.lt

Der Blogartikel ist auch sehr lesenswert.

Ich bin zwar kein Freund davon ein ganzes Jahr in ein Tabellenblatt zu stopfen, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Hier kann sich jeder sein Excel erstellen wie er möchte. Ich möchte immer ausdruckbare Pläne haben. Sowas hängt man sich an das schwarze Brett oder an die Notizwand im Büro und sieht immer wann man etwas tut.

Offene Punkte

Wer diesen Artikel liest, wird feststellen, dass ich sowohl am Anfang viele Dinge nicht bespreche und am Ende auch viele Sachen offen lasse.

Ein Redaktionsplan für Planetarien / Sternwarten oder Astronomievereine ist nur ein Baustein einer gesamten Social Media Strategie.

Diese Strategie fängt bei dem Aufbau der Profile an und hört mit der ständigen Optimierung auf. Dazwischen kommt einiges an Arbeit auf die Institutionen zu, aber das ist lösbar.

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