Gastartikel: Die langen Nacht der Sternschnuppen in Nebra – Jürgen Stolze

ScheibeDie Himmelsscheibe von Nebra ist sicherlich jedem ein Begriff und das an diesem besonderen Fundort die Astronomie Live erlebbar ist, ist meiner Meinung nach nur natürlich. Jürgen Stolze, ein Vereinskollege der Wilhelm-Foerster-Sternwarte und Sternenfreund, hat sich auf den Weg nach Nebra gemacht. Er nahm an der jährlichen Langen Nacht der Sternschnuppen dort teil und berichtet nun von seinem Besuch in diesem Gastartikel.

Dabei schildert er nicht nur seine Erlebnisse aus der Ausstellung, sondern auch von der Sternschnuppen-Beobachtung die der Astroverein Halle wohl sehr gut leitete. Ob nun Sternschnuppen gesichtet wurden und was Jürgen so alles erlebte, kann man hier im folgenden Gastartikel nachlesen.


Die lange Nacht der Sternschnuppen in Nebra

Autor: Jürgen Stolze

Nebra HimmnelsscheibeDie Lange Nacht der Sternschnuppen in Nebra hat bereits seit einigen Jahren Tradition. Zunächst wird in der "Arche Nebra" [Himmelscheibe erleben] spannendes und wissenschaftliches über die Himmelsscheibe berichtet. Die Himmelsscheibe hat mich schon lange interessiert. Also: kurz entschlossen nach Nebra. Himmelsscheibe und Sternschnuppen sind doch ein toller Mix. Der Ausflug in die Frühgeschichte der Astronomie ist für jeden verständlich aufbereitet und wird mit viel Liebe und Engagement vorgetragen. Großes Lob an die Macher der "Arche Nebra" und an die Gästeführer.

Wie alt die Himmelsscheibe ist, ist nicht wirklich bekannt. Durch die zusammen mit der Scheibe gefundenen Gegenstände kann man nur mit Sicherheit sagen: sie ist älter als 3600 Jahre. Man kann vermuten, dass die Himmelsscheibe bereits 200 Jahre vorher hergestellt wurde. Sie zeigt Einteilungen für die Tage eines Monats und zur Orientierung, wann ein Schaltjahr ist, die Plejaden und die Mondsichel. Wenn alle 3 Jahre die Mondsichel größer war als vorher und in der Nähe der Plejaden steht, dann ist es Zeit einen sog. Schaltmonat einzufügen, damit die (damalige) Zeitrechnung wieder stimmt. Damals hatte jeder Monat 29 Tage. Das haben die damaligen Menschen schon sehr gut hinbekommen. Altersmäßig spielt die Himmelsscheibe ganz locker in der Liga von Stonehenge und den Funden in Irland mit. Älter ist eigentlich nur noch das "Sonnenobservatorium" in Goseck, dass ebenfalls in der Nähe von Nebra liegt. Die Geschichte der Himmelsscheibe wird eindrucksvoll im Museum mit verschiedenen Gegenständen und auch einer Imitation der Scheibe zum anfassen dargestellt. Die echte Scheibe ist im Museum in Halle zu bewundern. Höhepunkt ist eine Fulldome Planetariumspräsentation über die Himmelsscheibe.

Wie ist sie aufgebaut und was bedeutet sie im astronomischen Sinne. Es wird gezeigt, wie unser Sonnensystem aufgebaut ist und warum man manche Planeten mal sehen kann und mal nicht. Sehr eindrucksvoll und auch für Kinder gut verständlich und interessant.

Nach dem Planetarium ging es dann auf den Mittelberg zur Beobachtung von Sternschnuppen. Dort hatten bereits der "Astroverein Halle" verschiedene Teleskope aufgebaut. Die Erwartungen waren genauso groß wie die Hoffnung auf klaren Himmel. Die Zeit bis zur Dunkelheit wurde mit der Erläuterung der Teleskope, einer Einführung in die Radioastronomie und einem sehr interessanten Vortrag über Himmelsbeobachtungen überbrückt.

Astroverein Halle

Es wurden sogar Bilder und Filme von Beobachtungen der ISS und den Planeten gezeigt. Schön, dass man auf den Aussichtsturm der auf dem Mittelberg steht, Bilder projizieren kann. Den Vortrag hielt der Vereinsvorsitzende Herr Lorenz unterstützt von Herrn Hörig. Ein großes Lob an die Sternfreunde aus Halle. Mit viel Fachkompetenz und Charme kam man schnell mit der Besuchergruppe ins Gespräch. Für die Jüngsten waren sogar Luftballons vorbereitet. Das Thema fesselt die Menschen einfach. Die "Gesellschaft für astronomische Bildung e.V." in Halle, die sich selber aber auch kurz "Astroverein Halle" nennt, wie man auf den T-Shirts und Jacken lesen kann, ist ein junger Verein. Man beschäftigt sich auch mit Radioastronomie. Das wurde auch eindrucksvoll von M. Reuter vorgeführt.

Astroverein HalleEin weiterer Schwerpunkt des Vereins liegt bei der Arbeit mit Kindern – den ASTROlinos (Blog der ASTROlinos). Find ich super. Der Weg ist genau richtig. Die Zeit bis zur Dunkelheit verging so kurzweilig und angefüllt mit spannenden Informationen. Es wurde leider nicht nur wegen der untergehenden Sonne dunkel, sondern auch wegen der immer dichter werdenden Wolken. Um nicht noch in einen Platzregen zu kommen, musste doch früher als geplant aufgebrochen werden. Auch das vorsorglich aufgestellte Regenzelt hätte nichts an der ausgestreckten Wolkenfront geändert. Schade, keine Sternschnuppen. Die Zeit in Nebra war dennoch sehr schön und informativ. Nicht zuletzt wegen der angenehmen Begegnung mit den Mitgliedern des Astrovereins Halle. Danke für dieses Erlebnis.

 

SonnenobservatoriumDie Heimfahrt nach Berlin am nächsten Tag habe ich dann noch für einen Abstecher ins Sonnenobservatorium nach Goseck genutzt. Praktisch dem sächsischen Stonehenge. Bereits 4000 v. Chr. wurde die Anlage gebaut. Sie stellt einen riesigen Kalender dar, der den Frühling, die Sommersonnenwende und den Winterbeginn markiert. Wahrscheinlich wurden hier auch Kultrituale abgehalten. Ich war erstaunt, dass man das nicht touristischer vermarktet. Ist eher unbekannt.

Es war ein sehr schöner Ausflug in die Frühzeit der Astronomie. Die Veranstaltung findet jedes Jahr in Nebra statt und kann nur empfohlen werden. Die Sternenfreunde aus Halle haben geschworen, dass man vom Mittelberg in Nebra aus die Milchstraße bereits mit bloßem Auge in einer klaren Nacht erkennen kann. Und die Nächte Anfang August sind dort zumeist Sternenklar

Sonnenobservatorium Gosek

Sonnenobservatorium Gosek

Meine nächste kleine "Astroreise" wird mich im Oktober nach Gülpe in den Sternenpark Havelland führen. Sicherlich wird dann hier im Clear Sky-Blog wieder ein Gastartikel von mir erscheinen. Also: bis dann und clear sky – Jürgen Stolze


Vielen lieben Dank Jürgen für diesen spannenden Gastartikel und die tollen Fotos. Es freut mich immer wieder wenn Hobbyastronomen und Sternenfreunden von Ihren astronomischen Erlebnissen berichten. Deshalb biete ich auch diesen Blog als Plattform für jeden Hobbyastronomen oder für jeden Sternenfreund an, der auch mal seine Geschichte von einem spannenden Besuch oder seine Erfahrungen aus diesem tollen Hobby teilen möchte.

Für alle interessierten Leser habe ich hier noch einmal die Links herausgesucht:

Astroverein Halle

Arche Nebra – Himmelsscheibe erleben

Blog der Astrolinos

Hinweis: Alle im Artikel befindlichen Bilder und deren Rechte sind Eigentum von J. Stolze und wurden nur für diesen Artikel freigegeben. Möchten Sie diese Bilder verwenden, dann richten Sie bitte Ihre Anfrage an info[ät]clearskyblog.de

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5 comments

  1. Steffen sagt:

    Lieber Jürgen,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich freue mich sehr, dass Dir der Beitrag des Astrovereins Halle zur “Langen Nacht der Sternschnuppen” in Wangen gefallen hat. Da wir nicht zum ersten Mal gemeinsam mit den Besuchern bei schlechtem Wetter auf Sternschnuppen warteten, haben wir immer die Schlechtwettervariante mit im Gepäck. (Kleine Präsentation und kurzer Vortrag) Und diese Wand vom Aussichtsturm lässt sich wirklich gut nutzen.

    Leider ist unsere Internetseite zur Zeit nicht erreichbar, wir arbeiten aber mit Hochdruck an der Reparatur.

    Viele Grüße
    Steffen Peter (Gesellschaft für astronomische Bildung e.V.)

    • Jürgen Stolze sagt:

      Hallo Steffen, Dank an Dich und Deine Sternenfreunde zurück. Viel Erfolg für die Zukunft – vielleicht sieht man sich mal wieder oder wir machen was zusammen (also mit der Wilhelm-Foerster-Sternwarte)
      beste Grüße an alle
      Jürgen

    • Jürgen Stolze sagt:

      … ich bins nochmal, Steffen. Stefan Gotthold und ich stehen auf facebook mit vielen Astrofreunden in Kontakt. Das geht sehr gut – auch wenn facebook natürlich bekannte Nachteile hat. Dort kommunizieren Einzelpersonen, Sternwarten und Vereine miteinaner. Solltet Ihr euch mal ansehen. Evtl. sehen wir uns dort wieder. Also : clear sky und bis dann. Viele Grüße Jürgen

  2. Steffen sagt:

    Wir sind wieder online!

    Viel Spaß beim Schmökern.

    Viele Grüße und clear sky für alle
    Steffen

    • Stefan Gotthold sagt:

      Das ist sehr toll. Wollte Euch schon per Mail kontaktieren ob ich vielleicht helfen kann.
      Solltet Ihr mal in die Social-Media-Geschichten ala FB, Twitter & Co. gehen und Ihr vielleicht nen Rat brauchen, dann meldet Euch gern bei mir.

      Viele Grüße und vielleicht sieht man sich ja mal.
      Stefan

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