Wie bekomme ich meine Kamera an mein Teleskop? (Astrofotografie)

Wer sich in der Astronomie-Szene bewegt, sei es nun auf Facebook oder in den einschlägigen Foren, entdeckt immer mal wieder die Frage: “Wie bekomme ich meine Kamera ans Teleskop?”.

Diese Frage ist meiner Meinung nach eine ganz natürlich Nachfolgereaktion auf die Frage “Welches Teleskop soll ich mir kaufen?” (Teleskop kaufen). Da aber auch bei dieser Frage natürlich viele Fallen lauern, möchte ich versuchen diese Frage zu beantworten.

Dieser Artikel dreht sich also um die Anfänge der Astrofotografie und die Möglichkeiten mit dem eigenen Teleskop und der eigenen Kamera Astrofotos machen zu können.

Bevor an nun aber in die Beantwortung der Frage geht, möchte ich eine Empfehlung an alle zukünftigen Frager ausgeben. Damit man Euch, liebe Fragesteller, eine kompetente Antwort geben kann, benötigen wir, die Hobbyastronomen, immer wieder einige Informationen.

Die Frage oben lässt nämlich einfach zu viel offen. Daher kommt hier eine Gegenfrage:

Welches Teleskop und welche Kamera besitzt Du?

Solltet Ihr nun eine der beiden Dinge (Teleskop oder Kamera) mit gar keine beantworten, braucht Ihr hier nicht mehr weiter lesen. Oder vielleicht doch. Der Artikel wird die Möglichkeiten betrachten, mit welchen Techniken man bestimmte Kameras ans Teleskop bekommt. Daher könnte es eine Entscheidungshilfe sein, welche Kamera Ihr kaufen wollt.

Beim Teleskop solltet Ihr Euch einig sein oder Ihr besucht meine Infoseite zum Teleskop kaufen und kauft Euch dann erst einmal ein Teleskop.

Das mit dem Teleskop ist relativ wichtig, da wir Wissen müssen, welche Öffnungen und Brennweiten vorliegen, aber auch welche Anschlussmöglichkeiten Dein Teleskop besitzt. Es gibt zum Beispiel immer noch relativ alte Teleskope mit 1 Zoll Okularanschluss. Da lohnt sich kein teures Astro-Equipment. Aber vielleicht ein einfacher Kamerahalter zur Okularprojektion. Aber auch Montierung oder eine vorhandene Motorisierung ist wichtig als Information.

Bei der Kamera ist es wichtig um zu schauen welche Art Kamera Ihr überhaupt besitzt und wie diese Möglicherweise ans Teleskop kommen kann.

Also schreibt uns folgende Punkte aus:

  • Teleskop-Typ mit Öffnung und Brennweite
  • Montierung
  • Motorisierung (falls vorhanden)
  • Kamera Typbezeichnung

Aus diesen Informationen kann man schon eine Menge ableiten und wir, die Hobbyastronomen, müssen nicht alles erfragen um eine Empfehlung zu gebe.

Ich werde im folgenden von einigen Vorrausetzungen ausgehen, da ich hier in dem Artikel nicht individuell auf alles eingehen kann. Sollte ich aber bestimmte Kombinationen vergessen, die sehr wichtig für den einen oder anderen sind, dann schreibt das in die Kommentarfelder und ich werde das dann berücksichtigen.

Kamera an der Montierung oder auf dem Teleskop

Natürlich kann man die Teleskopmontierung auch wie ein Stativ für die Kamera verwenden. Das ist die einfachste Möglichkeit um Bilder mit dem Teleskop zu machen.

Gut, eigentlich spielt das Teleskop hier keine Rolle, aber es ist eine Art um mit der Kamera und der vorhandenen Ausrüstung tolle Astrofotos zu schießen.

Um die Kamera am Teleskop zu befestigen gibt es mehrere Möglichkeiten.

Klemmstativ

Das Klemmstativ kann mittels einer Klemmung an unterschiedlichen Stellen angeklemmt werden. Vorzugsweise wird hier natürlich die Gegengewichtstange des Teleskops verwendet.

Der große Vorteil dieser Art der Verbindung mit dem Teleskop ist, dass man diese Klemme auch an anderen Stellen verwenden kann. Zum Beispiel auf einem Fahrrad oder auch mal an einem Geländer.

Damit kauft man also kein spezialisiertes Zubehör, welches nur an den vorhandenen Geräten angeschlossen werden kann.

So eine Klemme kostet im Einzelhandel um die 30 Euro (Cullmann Klemmstativ 35,98 € bei Amazon*)

Nachteil der Klemmen

Leider wird bei diesen Klemmen oft die Tragkraft nicht angegeben. Hier muss man vielleicht die ein oder andere Klemme ausprobieren. Ich gehe davon aus, dass Klemmen unter 20 € kaum noch gute DSLR-Kameras halten und nichts ist schlimmer, als die Kamera auf den Boden fliegen zu sehen.

Vorteil der Klemmen

Wer ein Teleskop mit Motoren besitzt, der kann diese Klemmen auch verwenden um mit der Kamera einfach Langzeitbelichtungen zu machen. Die Gegengewichtstange dreht sich ja genauso wie das Teleskop mit dem Sternenhimmel. Außerdem kann man die Klemme auch verwenden um die Kamera an beliebigen Orten zu befestigen.

Das Aufsatteln der Kamera auf die Rohrschellen des Teleskopes habe ich nun nicht im Detail beschrieben. Diese Technik nennt man Piggyback (Huckepack) und bedeutet, dass die Kamera auf das Teleskop geschnallt wird. Die Ergebnisse sind dann die gleichen, wie mit der Stativ-Klemme, nur das man diese halt nicht braucht.

Sucht doch einfach mal bei Google nach “Piggyback Astronomie” und Ihr werde eine Reihe an Beispielen erhalten, wie das aussehen mag.

Kamera (Digi-Knipse oder Handy) an den Okularauszug

Nun ändern wir die Definition ein wenig. Der Astrofotografieeinsteiger besitzt ein Teleskop und kann damit auch umgehen. Nun möchte man die Bilder die man durch das Okular sieht auch aufnehmen.

Vor allem wenn es sich um Mond oder die Planeten handelt. Bei Deep-Sky-Aufnahmen funktioniert diese Technik nicht so richtig. Man versucht am Anfang frei Hand mit dem Handy oder der Digi-Knipse (keine DSLR) Aufnahmen durch das Okular zu machen und hat wenig Erfolg. Das Handy fokussiert, die Hand fackelt und eigentlich muss man am Teleskop auch scharf stellen oder mal wieder nachdrehen, weil die Erde einfach nicht anhält.

Schlaue Menschen haben nun dieses Problem erkannt und eine Klemmvorrichtung erfunden. Ein Digital-Kameraadapter oder auch Digiklemme genannte.

Diese Klemmadapter gibt es in mehreren Ausführungen und alle unterscheiden sich nur in der Tragkraft. Der abgebildete Adapter (Baader Microstage II – ca. 36 € bei Amazon*) ist einer der Stabilsten den ich kenne auf dem Markt.

Der gesamte Aufbau hinter einem Teleskop sieht dann so aus.

Nachteil des Adapters

Der Adapter hat keine hohe Tragkraft und kann daher nur Handys oder kleinere Kameras halten. Weiterhin muss man schon ein wenig Übung haben um damit wirklich gute Bilder machen zu können. Da aber die Handies und die Kleinkameras auch immer mehr Mega-Pixel auf den Chip bekommen, lassen sich manchmal sehr gute Aufnahmen erstellen.

Er ist aber für die meisten Deep-Sky-Objekte nicht geeignet.

Vorteil des Adapters

Auch dieser Adapter ist sehr leicht und kann ebenfalls an jedes Teleskop angeflanscht werden. Damit lassen sich sehr kostengünstig erste Astrofotos erstellen. Auch bei Teleskopen der älteren Bauarten kann man diese Adapter noch sehr gut einsetzen.

Kamera (DSLR) an den Okularauszug

Nun kommen wir zur eigentlichen Astrofotografie und hier lässt sich natürlich wieder sehr viel Geld versenken.

Der erste Schritt um eine DSLR-Kamera an eine Teleskop zu bekommen, ist die Standardvariante über einen sogenannten T2-Adapter.

Diese T2-Ringe kosten im Handel um die 20 € und verbinden die Kamera direkt mit dem Okularauszug. Dazwischen gibt es keinerlei Okular. Wenn man die seinen DSLR-Body (ohne Objektiv) mittels T2-Ring an das Teleskop bringt, dann dient das Teleskop als Tele-Objektiv.

Auf dem rechten Bild sieht man, wo dieser T2-Ring angebracht wird.

(T2- Ring von Bresser für Canon-EOS-Kameras 18,88 € bei Amazon*)

Damit hat man also das Teleskop zum Objektiv gemacht und die Brennweite wird als Objektivbrennweite übernommen. Mein Skywatcher 102/500er würde dann also ein 500mm–Teleobjektiv.

Damit kann man auf einem Teleskop mit Motornachführung oder auch ohne schon sehr beachtliche Fotos schießen. Den Mond konnte ich so schon super ablichten.

Nachteile des T2-Rings

Der T2-Ring muss leider Kameraspezifisch gekauft werden. Das ist aber schon der einzige Nachteil. Schließlich hat jede Kamera einen eigenen Anschluss der Objektive. Auf der anderen Seite besitzt der T2-Ring ein M42-Gewinde und passt damit an all gängigen Okularauszüge oder andere Adapter.

Vorteil des T2-Ring

Er definiert quasi einen Standard. Danach wird das Zubehör für die Astrofotografie mit entsprechenden Adaptern an diesen Ring befestigt werden. So das man sein Zubehör auch über den T2-Ring weiter verwenden kann. Die meisten Barlow-Linsen zum Beispiel können dann verwendet werden um die Brennweite zu verlängern.

Hier geht die Technik dann noch weiter. So lassen sich Barlow-Linsen an den T2-Adapter schrauben oder man hat Adapter für Okularprojektionen. Es gibt Korrektoren die die Feldwölbung der Linsen ausgleichen und Filterräder die den Einsatz von verschiedensten Filtern erlauben.

Bei dieser Art der Fotografie gibt es keinerlei Ende. Wer dann wirklich die absoluten Top-Aufnahmen machen will, braucht auch ein Leitfernrohr (das kann ein größerer Sucher sein) an dem dann eine Guiding-Kamera angebracht ist.

Diese Guiding-Kamera steuert dann über einen Laptop das Teleskop an und minimiert damit den Aufnahmefehler, den jede Motornachführung besitzt. Naja und wenn man das alles besitzt, dann hängt man auch keine DSLR mehr ans Teleskop sondern eine gekühlte CCD-Kamera.

Damit wäre man aber nun schon in einem Profibereich unterwegs, der noch vor 10-15 Jahren den Sternwarten vorbehalten war.

Ihr seht ein T2-Ring für gerade mal 20 € wird eine Menge nach sich ziehen. Also seid Vorsichtig mit dem was Ihr Euch wünscht.

Fazit

Ich habe Euch nun drei Wege gezeigt, wie Ihr Eure Kamera an das Teleskop bekommt. Natürlich müsst Ihr dann noch fotografieren und das wird schon schwer genug. Glaubt es mir. Aber ich denke Ihr habt nun einen guten Überblick über die Vor- und Nachteile dieser Technik.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Fotografieren.

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12 comments

  1. AstroZwerg sagt:

    Hallo Stefan,

    schöne kurze Zusammenfassung. Leider habe ich es immer noch nicht geschafft, meine Canon an den Ocularauszug meines Newton zu bekommen. Die Fokusebene (?) ist zu weit im Auszug. :-( In den Foren hab ich dan gelesen, dass das nicht ungewöhnlich ist. Also, rechtzeitig rumhören, ob das Teleskop geeignet ist und vorher testen.

    Also muss es weiterhin ohne gehen.

    Viele Grüße

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hi,
      ja das kann wirklich passieren. Hier gibt es nur 4 Möglichkeiten.
      1. Probiere mal eine Barlow-Linse an den T2-Ring zu schrauben. Durch die Bauweise ragt diese oft in den OAZ (Okularauszug) hinein und verlängert dadurch den Fokus. Aber leider auch die Brennweite.
      2. CCD in 1 1/4 Zoll-Bauweise. Ich habe hier eine QHYCCD-Kamera. Diese kann in den OAZ geschoben werden. Ich komme also besser in die Fokusebene ohne die Brennweite zu verlängern.
      3. Hauptspiegel versetzen – man kann den Hauptspiegel etwas weiter in den Tubus (von hinten gesehen) versetzen. Dadurch schiebt sich der Fokuspunkt weiter nach außen. Wird von mir nicht unbedngt empfohlen, da man auf sehr viele Dinge achten muss. Z.B. reicht der Fangspiegel dann noch, dass nun größere Bild zu flächig zu projizieren? Kommt der OAZ damit klar oder müsste ich den spiegel soweit versetzen, dass eine beobachten mit dem Okular+Auge nicht mehr geht?
      4. Okularauszug austauschen gegen einen kürzeren.
      5. Teleskop austauschen und vorher beraten lassen ob es für die Astrofotografie geeignet ist.

      Upppsss auf den 5. Weg kam ich erst zum Schluss.
      Viele Grüße
      Stefan

      P.S. Und Achtung. Man kann sehr leicht Fokus zu weit drin mit Fokus zu weit draußen verwechseln. War bei meinem Skywatcher so. Nachdem ich eine Verlängerungshülse verwendete ging es nämlich.

  2. Hans sagt:

    Moin, ich habe auch eine Frage: kann man mit passenden 1,25″ auf T2 und T2 auf Sony Alpha-Mount Adaptern eine Kamera am Bresser Pluto/S Anschließen und Fotos machen? Oder wird das absolut bescheiden aussehen?
    Ich habe das Teleskop noch nicht, habe es aber vor als Einsteigergerät anzuschaffen. Als Kamera habe ich die Sony A58 und kann damit gut umgehen.
    Danke schon mal. :)

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Hans,
      ich muss ehrlich sagen das ich meine DSLR (Canon 600D) noch gar nicht an meinem Bresser Pluto/S hatte. Ich kann also nicht mal sagen ob man mit einer DSLR am Bresser Pluto/S in den Fokus kommt. Das ist oft das größte Problem. Kommt man in den Fokus, dann sollten auch mit diesem Gerät Fotos möglich sein.

      Übrigens wer in die Astronomie einsteigen will und noch kein Teleskop besitzt, dem würde ich nicht zu einem Bresser Pluto/S raten. Zum einen sind die Montierung zu dem Teleskop absolut NICHT fotogeeignet.
      Hier liegt der größte Knackpunkt. Man kann viel lernen am Pluto/S, aber es kommt immer wieder sehr auf die Ausrichtung an und die eigenen Präferenzen an. Wer gleich mit Fotografie einsteigen möchte, sollte mehr auf die Montierung achten. Das Gerät selbst kann später immer noch aufgerüstet werden.
      Ich hoffe das verunsichert Dich jetzt nicht. Suche hier im Blog nach Artikeln zum “Teleskop kaufen”. Ich habe hierzu schon sehr viel gebloggt.
      Viele Grüße
      Stefan

  3. Hans sagt:

    Hallo Stephan,

    vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Dann werde ich mal zu dem Thema weiter lesen. ;)
    Meine Präferenz wären halt studentisches Budget, erster Astronomiekontakt und Foto-Spielereien. Teleskope, die nativ ein T2-Gewinde haben sind sicher nicht billig. Eine Googlesuche “teleskop mit t2″ ist ziemlich unbrauchbar, da gibts immer nur Adapter.

    Danke für den super Blog, btw!

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Hans,
      natürlich gibt es Teleskope, die sogar Native ein T2-Gewinde haben. Mein Refraktor von Skywatcher hat so etwas. Diesen kann ich wie ein Teleobjektiv an der Kamera verwenden. Mittlerweile gibt es das auch bei Newtons. Der Skywatcher wäre sogar in einem Studentenbudget drin. Schau Dir das Gerät hier einfach mal an:
      Ansonsten fotografiere ich ganz viel mit Zoom-Objektiv (250er) und meiner DSLR ohne Teleskop. Bis man das ausreizt braucht man auch schon einiges an Zeit. Schon mal versucht?
      Viele Grüße
      Stefan

  4. Christoph sagt:

    Hallo,

    habe ein Celestron 127slt mak und wollte fragen ob ich mit mit einer Einsteiger Spiegelreflex wie etwa der Sony A58 und dem besagten T2 Adapter bei der Mond und Plantenfotographie einen einigermaßen guten Start hinlegen kann oder ist das zu hoch gegriffen mit diesem Teleskop und Verbindung mit der Sony A58?

    Viele Grüße
    Christoph

  5. Andreas sagt:

    Hallo Stefan,

    ich kann ein Seben Big Boss mein eigen nennen, möchte aber mit meiner Sony Alpha-Kamera ein paar Bilder knipsen. Leider konnte ich bisher nur recht kryptische Adapter für den 1,25 Zoll Okularauszug finden. Gibt es evtl. einen Adapter, der sowohl Fokalfotographie als auch Okularprojektion erlaubt?

    Viele Grüße,
    Andreas

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Andreas,
      ich verwende hauptsächlich eine Kombination aus Barlow-Linse und T2-Adapter an meinem Teleskop. Meine Barlowlinse hat den Vorteil, dass ich vorn die Linse abschrauben kann und dadurch Adaptiere ich recht einfach die Kamera mit 2 Brennweiten am Teleskop. Mein Adapter zur Okularprojektion kommt recht selten zum Einsatz. Ein Adapter für beides wird es kaum geben, da der Fokuspunkt für Fokalprojektion wesentlich weiter innen liegt, als bei der Okularprojektion. Daher wird man immer 2 Adapter benötigen.

      Ich hoffe das hilft Dir etwas weiter.

      Viele Grüße
      Stefan

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