Schüler für einen Tag: Mein Besuch im DLR_School_Lab

DLR School LabsSchülerlabor, der Begriff allein hört sich schon etwas merkwürdig an. Meine Schulzeit ist über 20 Jahre her und wenn ich so zurück denke, dann hat mir meine Schulzeit viel Spaß gemacht. Das lag aber nicht unbedingt am Lernen und an den Lehrern.

Nein eher an meinen Freunden und der vielen Zeit die man hatte. Heute wünsch ich mir das manches mal zurück. Ich würde mich mehr aufs Lernen konzentrieren. Denn das Lernen wirklich Spaß machen kann, zeigt mir mein Besuch im DLR_School_Lab Berlin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ganz deutlich.

Wie es dazu kam und was ich an diesem Tag als Schüler beim DLR im Schülerlabor gelernt und erfahren habe, könnt Ihr nun in diesem Artikel nachlesen.


Alles fängt mit einem Händeschütteln an

Die Stammleser hier im Blog oder auch auf meinen sozialen Kanälen wissen das ich ab und an bestimmten Stammtischen gehe. Einer dieser Stammtische ist der Berliner Stammtisch der Wissenschaftskommunikation 2.0 (siehe hier).

Auf diesem Stammtisch spricht man über diverse Themen und im letzten Monat (August/2014) ging es um Wissenschaftskommunikation in Kitas und Schulen. Dazu wurden drei Experten eingeladen und einer der Experten war Dr. Christoph Pawek, Leiter des DLR_School_Labs in Berlin.

Natürlich kann man an einem solchen Stammtisch-Abend viele Fragen stellen und schnell war im Kopf die Frage gewachsen, ob man sich das wohl mal anschauen könne. Gedacht – Gefragt. Aus einem Gedanken formten sich Wörter und daraus eine Frage und die Antwort war: “Natürlich, da kommst Du bei uns einfach mal vorbei”.

Per E-Mail wurde dann in den Tagen danach ein Termin abgestimmt und am 16. September war es dann soweit. Ich durfte mit einer Schulklasse ins DLR_School_Lab. Das DLR_School_Lab ist ca. 12 km von mir entfernt und befindet sich in dem Wissenschafts- und Technologie-Park Adlershof. Dort haben sich diverse Unternehmen und auch Institute aus der Forschung und der Wissenschaft angesiedelt. Auch das DLR, also das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, hat dort seinen Standort.

Der Besuch

Ich fuhr morgens die 12 Kilometermit dem Fahrrad dort hin und da ich am Fahrrad kein Navi habe, habe ich mich erst einmal prompt in Adlershof verfahren. Daher hatte ich zum Schluss irgendwie 3 Kilometer mehr auf der Uhr. Naja, gut das ich ein Pünktlichkeitsfanatiker bin. Wenn ich sehe das ich irgendwohin eine halbe Stunde brauche, fahre ich 1 Stunde vorher los. Hier war ich noch früher los da für die 12 km ja 40 Minuten fürs Rad veranschlagt wurden.

Ich war also trotz des kleinen Umweges pünktlich und sah auch schon eine Schulklasse vor dem DLR stehen. Die Jugendlichen waren Älter als erwartet, aber gut damit muss ich umgehen. Daran kann ich ja auch nichts ändern. Ich bin also rein und traf Dr. Pawek auch noch vor der eigentlichen Veranstaltung.

Er stellte mich seinen Tutoren und Mitarbeitern vor und dann wurde es auch schon Zeit die Schulklasse rein zu lassen und mit dem Tag zu beginnen.

IMG_9906

Die Schüler und ich wurden in das Labor geführt und erst einmal vor einer Leinwand platziert. Dort begrüßte Herr Dr. Pawek uns und gab uns allen eine erste Einführung. Es wurde ein Video auf die Leinwand projiziert.

Was macht das DLR?

Zum Glück für mich wurde das Video gezeigt. Ich habe später erfahren, dass die Schüler dieser Schulklasse (eine 11. Klasse) mindestens schon 1mal dort waren. Einigen von Ihnen waren sogar schon 2-3 mal dort. Es handelte sich an diesem Tag nämlich um eine Partnerschule des DLR und daher werden die Schüler der Partnerschule sehr intensiv betreut und kommen oft dort hin.

Für mich war es eine ganz neue Erfahrung und ich durfte mich mal wieder wie ein Schüler fühlen. Zumindest war das den größten Teil der Zeit so.

Natürlich möchte ich Euch das Video auch zeigen und habe es mal auf dem DLR-Youtube-Kanal herausgesucht:

 

Es dauert nur 2 Minuten. Anschließend wurde etwas über den Tag berichtet und wie dieser ablaufen wird. Auch an der Nachwuchsförderung wurde gearbeitet und bevor es in das Labor ging, gab es noch ein kleines Rekrutierungsvideo. Leider kann ich das Video im Netz nicht finden.

Die Videos sind ja toll und professionell gemacht. Das muss ich einfach mal zugeben und es wird dem einen oder anderen Jugendlichen einfach im Gedächtnis bleiben. Vielleicht wird dann später dort mal ein berühmter Wissenschaftler draus.

Nachtrag 20.09.2014: Natürlich habe ich diesen Bericht auch an Herrn Dr. Pawek und sein Team geschickt. Herr Pawek schickte mir prompt den Link zum Traumjob-Video zu und daher kann ich Euch das hier nun doch zeigen.

Anschließend wurden die Jugendlichen und ich in verschiedene Gruppen eingeteilt und es ging zu den Experimenten. Insgesamt standen 4 Experimente zur Verfügung, von denen jede Gruppe aber nur 3 Experimente durchführte.

Meine Experimente waren an diesem Tag:

- Triebwerksakustik (DLR Beschreibung)

- Meteorite (DLR Beschreibung)

- Seismologie (DLR Beschreibung)

Das vierte Experiment war Laser. Dieses konnte ich aber nicht mehr Besuchen, da die Klassenstärke sehr hoch war.

Triebwerksakustik

IMG_9908Begonnen haben wir mit der Akustik an einem Propeller. Ein Messaufbau mit einem Doppelpropeller und entsprechenden Mikrofonen, Drehzahlmesser, Frequenzmesser etc. war im Keller des Gebäudes aufgebaut und unsere Gruppe setzte sich um das Experiment herum.

Zusammen mit den letzten beiden Experimenten folgten alle einem gewissen Schema. Es wurde etwas Theorie erklärt und danach durften die Jugendlichen (einschließlich mir) etwas Forschen.

Wir verstellten die Drehzahlen, maßen die Werte für Drehzahl und Frequenz oder Luftdruck hinter der Turbine und erstellten Tabellen. Alles unter Anleitungen der Tutoren, die alle samt Studenten waren. Was mir ab und an auffiel war die leicht Kumpelhafte Art mit den Kindern umzugehen. Dort wurde zwar kurz beschrieben was zu tun sei, aber im wesentlichen wurden die Jugendlichen auf das Experiment so losgelassen.

 Versuchstand zur Triebwerksakustik im DLR_School_Lab Berlin (Credit: DLR). Es war nicht zwingend schwer, aber manche passten nicht auf und wussten erst nicht was zu tun sei. Später merkte ich, dass dies eher nach Methode aussah. Im Schulunterricht wird den Jugendlichen zu oft alles schon fertig durchgekaut vorgesetzt. Hier musst diese dann plötzlich selbst aktiv werden. Nachdenken, ausprobieren und auch mal einen Schulkameraden fragen, was nun zu tun sei.

Es gab zu jedem Experiment einen Fragebogen und auch dort war alles soweit beschrieben, dass man klar kam. Bei unserem Propeller-Experiment mussten wir feststellen, dass ein Doppelpropeller viele Vorteile hat, aber auch sehr laut ist. Außerdem lernten wir, dass eine Akustikoptimierung stattfinden kann.

Ein Mädchen fragte dann warum man den an der Lautstärke arbeitet und nicht nur am Spritverbrauch (Das DLR arbeitet auch am Spritverbrauch). Sehr interessante Frage und diese ließ sich dann auch gut klären. Wisst Ihr die Antwort?

Klassifizieren von Meteoriten

Nach einer kurzen Pause ging es dann zu den Meteoriten. Hier gab es auch eine Einführung und anschließend musste man an einem Polarisationsmikroskop die Art des Meteoriten bestimmen.

Das fand ich natürlich sehr interessant und habe wieder was dazu gelernt. Auch wenn ich die Technik mit polarisiertem Licht zu arbeiten kenne, vor allem aus der 3D-Kinowelt, war mir nicht bewusst das bestimmte Kristalle das polarisierte Licht Filtern oder brechen können und man dadurch auf Ihre Beschaffenheit schließen kann. Das fand ich super.

Nach der Klassifizierung von Meteoriten bestimmten wir noch die Mineralien die einige der Mars- und Mond-Proben enthielten. Auch hier ging es um Farbbestimmung und welche Mineralien in welchen Proben enthalten sind.

Die Mensa

Nach dem zweiten Experiment ging es dann auf in die Mensa. Ich war bestimmt seit 5 Jahren nicht mehr in einer Mensa essen. Ach ich würde fast 10 Jahre schätzen.

Tja, es ist halt eine Mensa. Vielleicht etwas besser als an der Uni, aber mein Vergleich ist heute nicht mehr wirklich richtig, da ich ja mit meinen alten Fachhochschulmensaerfahrungen da ran gehe. Ich durfte natürlich an dem Tisch von den Großen sitzen. Sprich ich war bei Dr. Pawek und seinem Team (Tutoren und Studenten) am Tisch. Tischgespräche finde ich ja toll und es macht viel Spaß in den Alltag der Tutoren hineinzuhorchen.

Anschließend ging es dann zum nächsten Experiment

Seismologie

 Das Seismometer im DLR_School_Lab Berlin (Credit: DLR)Es sollte also Erdbeben geben. Da wir den Vormittag etwas vertrödelt hatten, gab es weniger Zeit am Nachmittag. Und daher mussten wir das Experiment recht schnell durchziehen. Leider war damit auch der theoretische Anteil viel höher. Für die Praxis blieb kaum Zeit.

In der Theorie lernten wir wie die Welle (das Seismogramm) eines Erdbebens aussah und konnte auch dessen P-Welle (Primär), S-Welle (Sekundär) und die Oberflächenwelle ausmessen.

Wir lernten ein wenig über der Verhalten der P- und S-Wellen und konnten zum Schluss sogar den Ursprung eines Erdbebens bestimmen. Es ist zwar sehr logisch, aber ich bin nicht gleich drauf gekommen, dass hier mit einem einfachen Triangulationsverfahren gearbeitet wird.

Mit einer Messstation kann ich keine Zentrumsbestimmung des Bebens durchführen. Auch bei zwei Standorten bekomme ich immer noch 2 mögliche Epizentren heraus. Erst mit dem dritten Standort und der Wellenausbreitungsgeschwindigkeit kann ich das Zentrum eines Bebens bestimmen.

Wir hatten zum Beispiel echte Daten des Bebens aus dem August. Dieses wurde durch Vulkanausbruch des Vulkans Bardarbunga auf Island ausgelöst und in Berlin und an anderen Standorten gemessen.

Natürlich besitzt das DLR auch ein Seismometer im Keller und wir könnten es uns noch einmal kur anschauen, aber nicht wirklich mit arbeiten. Wer übrigens genau hinschaut kann in meinem oberen Bild zur Triebwerksakustik auch das Seismometer entdecken. Es steht im Hintergrund und erstaunlicher Weise misst es oft die Vibrationen des Akustikexperimentes.

Der Abschluss

Damit war der Tag fast vorbei. Sehr toll fand ich hier das eine Abschlussbesprechung gemacht wird. Das kenne ich aus den Vereinen, Planetarien oder Sternwarten so nicht. Vielleicht habe ich es auch noch nicht mitbekommen. Dr. Pawek fragte hier die Jugendlichen direkt was Ihnen gefallen hat und was Ihnen nicht so sehr gefallen hat.

Diese Abfrage führt meist erst einmal dazu drei Antworten zu bekommen, die sagen das alles toll war. Aber dann kommt doch immer mal ein Schüler oder eine Schülerin und meint, dass man etwas besser machen könne. So wurde hier der Wunsch laut, doch alle vier Experimente sehen zu wollen oder auch mehr Praxis und weniger Theorie. Das fand ich super und zeigte das Interesse der Schüler an diesem Tag.

Allgemein muss ich sagen, habe die Jugendlichen super mitgearbeitet. Die Tutoren sind sehr geübt und auch wenn es mal lauter wird, verlieren die Tutoren nicht gleich den Kopf.

Fazit

Für mich war es ein toller Tag und ich habe auch wieder die Begeisterung des Lehrers mitbekommen. Als ich mit Ihm sprach und ich Ihm berichtete das ich solche Projekttage auch in Schulen anbiete, war er erstaunt. Gut es gibt nicht viele die Mint direkt in den Schulen anbieten. Das machen halt im wesentlichen die Institute oder auch z.B. das Haus der Astronomie. Aber kaum Selbstständige.

DLR School Labs in DeutschlandIch habe aber auch wieder viel über die Jugendlichen und deren Begeisterungsfähigkeit gelernt. Es ist halt mal ein anderer Tag und macht Ihnen sichtlich Spaß auch mal außerhalb des Klassenzimmers zu sitzen. Ich fühlte mich wirklich wie ein Schüler und wurde nur ab und an durch ein “Wollen Sie auch mal schauen” wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Der Tag war super und ich kann es allen Schulen in diesem Land nur empfehlen.

Schauen Sie ob es ein Schülerlabor des DLR bei Ihnen in der Nähe gibt und dann melden Sie doch eine Klasse einfach mal an.  Rechts im Bild sehen Sie die Standorte.

Die Anmeldung für einen Besuch einer Schulklasse findet man hier: DLR School Lab Anmeldung und auf dem Webseiten des DLR School Labs findet man noch viele weitere Informationen.

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