Gastartikel: Praxisbericht Skywatcher Maksutov 127/1500 Skymax BD AZ-S GoTo

Maksutov 127/1500 - Jürgen Stolze

Ist man nicht gerade ein Astro-Händler der ständig Teleskope bei sich durchschleust und dann auch noch die Zeit hat diese Teleskope zu testen, hat man kaum eine Chance mehrere Teleskope einmal dem Leser hier im Blog vorzustellen.

In der Rubrik Teleskop kaufen findet man ja nun alle Teleskope die mir persönlich gehören oder gehörten und die ich auch selbst testen konnte. Leider ist das ja nur ein Bruchteil der Teleskop die es am Markt so gibt und daher freue ich mich heute sehr, dass ein Sternenfreund ein Testbericht oder Praxisbericht zu seinem Teleskop erstellt hat.

Es ist ein recht kurzbauender Maksutov mit einer GoTo-Montierung. Da Jürgen selbst auch in Berlin beheimatet ist und von dort beobachtet, hat er ähnliche Verhältnisse wie es mein Standort aufweist.

Daher freue ich mich sehr das ich Euch nun diesen Praxisbericht hier im Blog vorstellen darf.

Praxisbericht Skywatcher Maksutov 127/1500 Skymax BD AZ-S GoTo

von Jürgen Stolze

Technische Detail des Maksutov:

TypReflektor (Spiegel) in Maksutov bauweise
Öffnung127 mm
Brennweite1500 mm
Öffnungsverhältnisf/11,8
Auflösungsvermögen0,91 Bogensekunden
Grenzgröße12,3 mag
Lichtsammelvermögen329
Max. Vergrößerung254
Tubusgewicht3,4 kg
Okularanschluß1,25"

Aufbau des Teleskops

2014-09-09 13.59.40Das Teleskop ist wegen der geringen Tubuslänge und des geringen Gewichts sehr gut zu transportieren. Es ist schnell aufgebaut. Dreibein-Stativ aufstellen, Ablageschale im Stativ zur besseren Steifigkeit einklinken, Motorarm aufschrauben und Teleskop befestigen. Dann den Sucher aufstecken. Die Handsteuerung und Strom anschließen. Fertig aufgebaut.

Die Motorsteuerung benötigt 12 Volt. Man kann entweder mit normalen Batterien arbeiten oder natürlich auch mit einem Netzadapter. Die Lebensdauer der Batterien ist davon abhängig, wie oft man die Motorsteuerung arbeiten lässt. Zwei bis drei Beobachtungsabende sind mit einer Batterieladung (8 x 1,5 Volt AA LR6) machbar. Die Teleskop-Hersteller bieten auch sog. Powertanks an. Diese sind m.E. jedoch nur unnötig teuer. Man kommt auch mit anderen Energiestationen aus dem Autobereich für weniger Geld gut zurecht. Die Anschlüsse sind ja normiert. Normale Batterien (so ökologisch zweifelhaft diese auch sind) haben sich bei mir im Outdoor-Einsatz bisher als ausreichend gezeigt.

Ganz fertig aufgebaut ist das in Fachkreisen liebevoll "Russentonne" genannte Fernrohr sobald man den Zenitspiegel eingesteckt und mit einem Okular bestückt hat. Der Zenitspiegel lenkt den Einblick um 90 Grad. Das macht die Beobachtung angenehmer. Das Teleskop ist ja meist nach oben gerichtet und man will ja nicht in der Hocke verharren. Der beigefügte Zenitspiegel vergrößert zusätzlich um 50 %. Über die Qualität dieses Teils kann ich noch keine vergleichende Bewertung abgeben. Zenitspiegel bekommt man im Handel zu sehr unterschiedlichen Preisen. Der von Skywatcher beigelegte wird nicht zu den hochpreisigen Spiegeln gehören.

Will man Fotografieren, so kann man den Apparat entweder direkt über einen sog. T2-Ring an den Tubus schrauben, oder über Adapter durch das Okular Fotos schießen. Der Tubus ist mit einem 1/4" – Fotostativ Gewindeanschluss ausgerüstet. Natürlich geht auch die Kombination Zenitspiegel, Barlowlinse und T2-Ring. Die beiliegende Barlowlinse mit doppelter Vergrößerung verfügt auch über die genormte T2-Schraubung.

In dieser Hinsicht ist man also schon mal recht vielseitig ausgestattet.

Nach dem Aufbau

2014-09-09 14.01.13Ist das Teleskop aufgebaut, sollte man zunächst das Sucherrohr einrichten. Also auf den Punkt bringen, den auch das Teleskop anzeigt. Dazu sind zwei kleine Schräubchen vorgesehen. Mit einiger Übung bekommt man das schnell hin.

Die Handsteuerung will immer erst einige Informationen haben, bevor man das Teleskop bewegen kann. So sind die Koordinaten, Uhrzeit und evtl. Sommerzeit einzugeben. Die Eingabe in den "Bordcomputer" erfolgt über die Zahlentasten der Steuerung bzw. über Pfeiltasten. Die Steuerung merkt sich die letzten Koordinaten auch im ausgeschalteten Zustand. Sobald die Steuerung darüber informiert ist, wo man sich befindet, wird gefragt ob man ein "Alignment" vornehmen möchte. Also das Teleskop genau auf Sterne ausrichten. Das kann man tun oder an dieser Stelle abbrechen und einfach per Hand auf die Himmelsobjekte ausrichten. Dank des großen Gesichtsfeldes des Sucherfernrohrs (6×30) kann man den Mond und die Planeten auch relativ einfach finden und per Hand ansteuern. Der große Vorteil der Motorsteuerung ist die automatische Nachführung, wenn man ein Objekt per Computer (GoTo-Steuerung) anvisiert. Nachführung bedeutet : das Teleskop bleibt automatisch auf das Objekt gerichtet und gleicht die Erdumdrehung selber aus. Dies bedingt allerdings die eingangs erwähnte Einrichtung, das Alignement. Hierzu ist immer ein heller Stern aus einer vorgegebenen Liste der Handsteuerung manuell anzufahren und dann noch ein zweiter. Diesen fährt die Steuerung selber an und man muss noch die Feinjustierung vornehmen. Bestätigen und fertig. Die Nachführgeschwindigkeit kann in drei Stufen eingestellt werden. Das sind :

1. sideral (Sterne)

2. lunar (Mond)

3. solar (Sonne)

Es handelt sich natürlich immer um ein Dual-Achsen-Traking, da die Montierung eben nicht parallaktisch sondern azimutal ist. Parallaktische Montierungen sind an der Erdachse orientiert, also leicht gekippt. Die beim Skywatcher beigefügte Einarm-GoTo-Montierung ist azimutal. Also zur Erde waagerecht.

Bei der praktischen Beobachtung ist die automatische Nachführung ein guter Komfort. Sie ist nicht notwendig, nur ein Komfortplus. Erst wenn man mit dem Teleskop ferne Objekte beobachtet, kriegt man mit, wie schnell wir uns drehen. Die Nachführung erledigen die Motoren ruhig und ohne Erschütterungen. Da sind wir auch schon beim Minuspunkt. Die Einarmmontierung stößt bereits mit dem geringen Gewicht des Tubus an seine Leistungsgrenze. Jedes justieren der Schärfe, jede Berührung des Stativs oder auch schon mal ein kräftiger Windstoß machen sich mit heftigem zittern bemerkbar. Ein echter Wackelpudding. Für Fotos, die eine längere Belichtungszeit benötigen also nicht geeignet. Bei der Beobachtung ist das zwar störend, da die Ausschwingzeiten jedoch nur im Sekundenbereich liegen, hinnehmbar.

Ein justieren der Spiegel ist bei der Maksutov-Bauart (/1/) nicht nötig. Bei Teleskopen der Newton-Bauart ist ein justieren ab und zu erforderlich. Der Mak ist dadurch sehr wartungsfreundlich. Das gilt auch für Staub und Pollen, die sich im Outdooreinsatz gerne auf den optischen Teilen absetzen. Newtons sind vorne offen und die Teilchen setzen sich direkt auf dem Hauptspiegel ab. Experten raten dazu, nur bei starken Verunreinigungen etwas dagegen zu unternehmen. Die Gefahr, den empfindlichen Hauptspiegel zu zerkratzen ist größer, als der Lichtverlust durch Staubpartikel. Der Mak weist ein geschlossenes System auf. Ist also vorne geschlossen. Schmutz kann so nicht in den Tubus eindringen. Die vordere Scheibe kann man leicht mal abpusten und damit von den Partikeln befreien.

Nun, wo Licht ist gibt es bekanntermaßen auch Schatten. Durch das geschlossene Maksutov-System dauert die Temperaturanpassung länger. Deshalb sollte der Tubus vor Beobachtungs-Sessions immer schon mindestens eine besser zwei Stunden vorher nach draußen gebracht werden. Das kann man natürlich leicht hinkriegen. Der Vorteil der vorderen Scheibe liegt auch darin, dass der vordere Fangspiegel auf die Abdeckscheibe aufgedampft ist. Im Gegensatz zum Newton hat man also keine Haltestreben im Blickfeld. Unter Newton-Besitzern als Spinnenbeine bekannt.

Der Maksutov bildet den Mond und die Planeten sehr scharf und ohne Farbfehler ab. Das ist sein Spezialgebiet, hier ist er Spitze. Im Deep-Sky-Bereich ist Öffnung gefragt. Je mehr, je besser. Der Mak hat durch seine spezielle Bauart eine sog. Obstruktion (also Abschattung durch den Fangspiegel) von 30 %. Das ist angesichts der nur 127 mm Öffnung dann doch schon sehr viel. Da bleibt relativ wenig zum lichtsammeln übrig und dem Gerät geht schnell das Licht aus. Deep-Sky-Objekte sind natürlich beobachtbar, machen jedoch wegen des geringen Gesichtsfeldes bei ausgedehnten Galaxien oder Nebeln nicht ganz soviel Freude, wie bei einem Newton.

Zur Grundausstattung des von mir gekauften Teleskops, gehörten ein 10mm und ein 25mm Okular von Skywatcher. Das sind sehr einfache Okulare. Es gibt bestimmt bessere. Wir sind oben beim Thema "Zenitspiegel" ja schon auf die enormen Preisspannen eingegangen. Das gilt für Okulare um so mehr. Ob es stimmt, das der Mak bei den Okularen anspruchslos ist, konnte ich noch nicht überprüfen. Jedenfalls habe ich ein preiswertes Super Weitwinkel Okular nachgekauft und bin sehr zufrieden damit. Guter Einblick, scharfe Darstellung. Optimal.

Fazit

Der Mak nimmt wenig Platz weg und ist gut zu transportieren. Die GoTo-Steuerung ist nicht unbedingt notwendig. Die Montierung könnte mehr Festigkeit aufweisen. Das Teleskop liefert sehr gute Ergebnisse an den Planeten und dem Mond. Helle Deep-Sky-Objekte sind möglich.

Der Skywatcher ist sauber und wertig verarbeitet. Kann ich empfehlen. Wichtig für den Kauf eines Teleskops ist es, vorher festzustellen, was man will und kann. Beim können ist der hauptsächliche Beobachtungsplatz ein wichtiger Faktor. Hier im Clear Sky Blog gibt es zu diesem Thema bereits Artikel. Unbedingt auch lesen !

Bis zum nächsten Mal,

clear sky und beste Grüße

Jürgen Stolze


Skywatcher Maksutov Teleskop MC 127/1500 SkyMax BD AZ-S GoToIch möchte natürlich auf diesem Wege wieder Jürgen für seinen tollen Artikel danken. Ich glaube das Ihr hier einen guten Erfahrungsbericht bekommt, der Euch die Grenzen aber auch die Chancen dieses Gerätes aufzeigt.

Da Jürgen nicht vom Preis erwähnt hat, möchte ich das hier natürlich nachholen.

Einen Skywatcher Mak auf dieser Goto-Montierung bekommt man im Einzel- oder Fachhandel für ca. 500 €.

Amazon.de

Skywatcher Maksutov Teleskop MC 127/1500 SkyMax BD AZ-S GoTo* für 586,90 €. 

Astroshop.de

Skywatcher Maksutov Teleskop MC 127/1500 SkyMax BD AZ-S GoTo* für 503,00 €.

Ich hoffe Ihr habt einen  tollen Beitrag zu dem Gerät erhalten und falls Ihr Fragen habt, stellt diese hier einfach mit der Kommentarfunktion. Jürgen oder ich werden dann probieren alle Eure Fragen zu klären.

Anmerkung der Redaktion

/1/ Maksutov-Bauart:

 

Strahlengang eines Maksutov-Cassegrain-Teleskops (Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Wikipedia: Maksutov-Teleskop


HINWEIS: Zwei Jahre später hat nun Jürgen Stolze einen weiteren Erfahrungsbericht geschrieben und hier im Clear Sky-Blog veröffentlicht. Wer also diesen Artikel gelesen hat und Interesse an dem Teleskop hat, sollte sich den zweiten Bericht nicht entgehen lassen: Gastartikel: 100.000 KM-Test Skywatcher Maksutov 127/1500


Alle Rechte der Bilder unterliegen dem Copyright und sind nur mit Genehmigung des Autos des Artikel verwendbar.

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4 comments

  1. Gunnar sagt:

    Ich kenne die Montierung nicht, aber der MAK wird ja auch oft mit einer EQ-2 verkauft. Die Stabilität wird ähnlich sein und zwar anstrengend. Für das Fokussieren ist schon Geduld nötig. Das wird mit der Zeit und Erfahrung einfacher, aber schafft schon Frust am Anfang. Ich hab den MAK jetzt auf einer EQ-5, selbst mit einer 2x Barlow lässt er sich jetzt ohne Gewackel scharf stellen. Ich kann jedem (besonders Anfängern) nur eine gute, stabile Montierung empfehlen.

    Gunnar

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Gunnar,
      genau das was Du mit der Montierung ansprichst, ist einer der Hauptprobleme beim Teleskopkauf im Gesamtpaket. Irgendwo müssen die Hersteller und Händler ja sparen. Ich habe meine Mak damals auch auf einer EQ5 betrieben und da war er bombig fest. Auf meiner SkyView (EQ3-Klasse) eben nicht mehr.
      Ich unterstreiche Deine Empfehlung für die Anfänger und Einsteiger komplett.
      LG Stefan

  2. Die mangelnde Öffnung ist nicht so schlimm. Nur das Verhältnis von Öffnung und Brennweite ist sehr hoch mit f11. Das kann man sich vorstellen als ob man beim Fotoapparat auf Blende 11 abblendent da kommt nur noch wenig Licht durch.

    Goto finde ich grad in der Stadt gut. Durch die Lichtverschmutzung kann man sonst ja kaum was finden schon gar nicht als Anfänger.

    Carsten mit celstron nexstar slt 127

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Carsten,
      ja der Mak ist sehr Lichtschwach. Daher ja auch die Aussagen von Jürgen zur Planeten- Mondbeobachtung. Beziehungweise auch für die Sonnenfleckenbeobachtung und -fotografie habe ich meinen Mak gern eingesetzt.
      Die Transportabilität spielt eine recht große Rolle. Ansonsten ist GoTo eine Ansichtssache. Ich mag keine GoTo-Montierungen, da viele Einsteiger und Anfänger dadurch einfach die Orientierung am Himmel nicht lernen. Auch in der Stadt kann man das üben und auch wenn es am Anfang schwierig erscheint, wird es mit der Zeit immer einfacher.
      LG
      Stefan

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