Grundbegriffe aus der Astrofotografie & Bildbearbeitung von Astrofotos

Es ist immer wieder erstaunlich das sich Menschen überhaupt verständigen können. Letzten Sprach mich ein Hobbyastronom über Facebook an, ob ich Ihm nicht erklären könne, was Stacken wäre.

Natürlich konnte ich Ihm das erklären, aber bei diesem Gespräch kamen immer mehr Begriffe zusammen. Ich nutzte diese Begriffe ganz natürlich und kam irgendwann mal wieder zu dem Schluss, dass es sich hier lohnen könnte mal wieder einen Artikel über Grundbegriffe zu schreiben.

Der letzte Artikel zu den Grundbegriffen zum Teleskopkauf ist ja schon eine Weile her. Daher findet Ihr nun hier einige (nicht alle) Grundbegriffe aus der Astrofotografie und der Bildbearbeitung.

Ziel dieses Artikel ist es dem Leser ein Glossar, also eine Begriffsübersicht und –erklärung, zu geben welches man immer wieder mal zu Rate ziehen kann.

Dabei gehe ich nicht zwingend Alphabetisch vor, sondern ehr nach der Reihenfolge der Begriffe wie mir diese Sinnvoll erscheint. Dabei werde ich zwei Bereiche betrachten.

Der erste Bereich wird die Begriffe aus der Astrofotografie beschreiben. Der zweite Bereich wird die Begriffe aus der Bildverarbeitung benennen.

Astrofotografie

Die Begriffe der Astrofotografie unterscheiden sich nicht wirklich von den Grundbegriffen der Fotografie. Man sollte damit umgehen können und Wissen was damit gemeint ist. Ich nehme mir die wichtigsten einfach mal heraus. Außerdem möchte ich noch Begriffe aus der Astrofotografie beschreiben, die auch in der visuellen Beobachtung Ihre Berechtigung haben, von vielen Einsteigern aber nicht verstanden werden.

Belichtungszeit [Sekunden]

Die Belichtungszeit in Sekunden gibt an wie lange Licht auf den Kamerasensor fallen kann. Bei sehr dunklen Objekten probiert man so lange wie Möglich zu belichten. Die meisten DSLR-Kameras und auch einige Bridge- oder Systemkameras erlauben das Einstellen der Belichtungszeit von meist wenigen tausendstel Sekunden bis 30 Sekunden Belichtung. Hat man dann noch ein “Bulb” als letzte Einstellung, kann man die Belichtungszeit selbst steuern und dabei so lange belichten wie man will.

ISO 

Als es noch die alten Filme in den Kameras gab, gab die ISO die Filmempfindlichkeit an. Heute ist es die Lichtempfindlichkeit, da wir ja oft mit digitalen Kameras knipsen und es keine Filme mehr in dem Sinne gibt.

Hierzu muss man sich einfach zwei Dinge merken. Je größer die ISO-Zahl ist desto kürzer kann man belichten. Aber es gilt auch: Je Größer die ISO-Zahl ist desto mehr rauscht das Bild. Man muss hier also einen Kompromiss finden.

Blende

Beim Fotografieren mit einem Objektiv kann man die Blende noch einstellen. Das heißt, dass man hier das Strahlenbündel reduzieren kann. Man verringert quasi den Querschnitt des Objektiv.

Seeing

Das Seeing beschriebt die Himmelsunruhe oder Himmelsgüte. Bei der visuellen Beobachtung stört das Seeing nicht immer, es sei denn es tritt so extrem auf, dass man auch visuell nichts sieht. Bei der Astrofotografie ist es anders. Obwohl der Himmel klar ist, kann ein schlechtes Seeing den Astrofotografie wirklich auf die Palme bringen. Man bekommt durch die Luftunruhen kaum ein Bild zustande.

Das Seeing wird im Normalfall in 10 Klassen eingeteilt. 1 ist schlecht und 10 ist fantastisch. Nun gibt es zwar Skalen nach denen diese Werte bestimmt werden, aber zum einen ist es stark vom Gerät abhängig und ich habe bemerkt, auch vom Beobachter. Daher wird das Seeing oft nach Erfahrung bewertet.

Bildbearbeitung

Bei der Bildbearbeitung kommen doch noch einige Begriffe mehr zusammen.

EBV

Elektronische Bildverarbeitung – also immer wenn jemand Software in die Hand nimmt um das das Bild zu bearbeiten, ist er mit EBV beschäftigt.

DSLR

Digital Single Lens Reflex – Die Spiegelreflexkameras werden als DSLR bezeichnet.

CMOS (Complementary Metal-Oxide Semikonductor) & CCD (Charge coupled device)

Das sind die Bildsensoren. Beide Sensoren müssten gekühlt werden um längere Belichtungszeiten zu vertragen. CCD-Sensoren werden oft in den teureren und gekühlten Astrokameras verbaut, währen die CMOS-Sensoren oft in Digitalkameras (auch DSLR’s) vorkommen.

PS

Adobe Photoshop – eine Bildbearbeitungssoftware – diese Abkürzung kommt oft vor, da viele Photoshop verwenden. Oft wird aber vergessen, dass viele Leser nicht aus diesem Bereich kommen und nicht wissen was PS ist.

Stacken

Das Stacken (Stapeln) von Bildern bezeichnet die Möglichkeit der Überlagerung zu nutzen um mehr Bildinformationen aus dem Rohrmaterial zu ziehen. Dabei werden sehr viele Bilder des Objektes gemacht und später werden ausgesuchte Bilder überlagert. Das verbessert die Qualität um viele Stufen.

Lights oder Lightframes

Die Rohbilder einer Astroaufnahme werden oft als Lights oder Lightframes bezeichnet. Das sind also die eigentlichen Aufnahmen die man vom Nachthimmel macht. Meistens liegen diese Lights im RAW-Format vor.

Darks oder Darksframes

Die Empfindlichkeit des Kamerasensors ist sehr Temperaturabhängig. Dadurch besitzt die Kamera immer ein ganz spezifisches Grundrauschen. Nimmt man nun eine gewisse Anzahl an Bildern mit Deckel vor dem Objektiv auf, dann hat man das Grundrauschen plötzlich gespeichert. In der EBV kann man dann dieses Grundrauschen rausrechnen lassen und erhöht damit wiederum die Qualität des Bildes.

Flats oder Flatframes

Mit den Flatframes kann man Vignetierungen der Optik, aber auch Schmutz und Staubteilchen des optischen Systems erfassen.

Dazu nimmt man kurz vor oder kurz nach den Lights ein Flat auf. Dieses macht man zum Beispiel mit einem T-Shirt (weiß) und einer Lichtquelle oder mit gekauften Flatfield-Box oder Leucht-Folien. Wichtig ist dabei das die Kamera und der Fokus nicht verändert werden, damit die Staub- und Schmutzteilchen an der selben Position wie auf den Light-Aufnahmen sind.

Bias oder Biasframes

Bei den Bias geht es darum das Ausleserauschen vom Sensorchip zu erfassen und rauszurechnen. Um Biasaufnahmen zu erstellen wählt man an der Kamera einfach die kürzeste Belichtungszeit aus die die Kamera aufzuweisen hat. Man nimmt dazu einfach 10-20 solcher Aufnahmen auf. Wichtig ist dabei aber auch, dass man den ISO-Wert nicht verändert.

DSS

DeepSkyStacker – eine Software zum stacken von Astrobildern. Häufig aber nur für Deep-Sky-Aufnahmen verwendet. Für Mond oder Planeten wird eher Autostakkert benutzt.


Kennt Ihr Begriffe die Euch noch unklar sind und hier nicht stehen oder hattet Ihr in Eurer Anfangsphase mit Begriffen zu tun, die Euch nicht gleich klar waren? Dann schreibt mir diese Begriffe entweder per Mail oder hier ins Kommentarfeld. Ich werde diese dann natürlich in den Artikel einpflegen.

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