Ein Sonnenfleck begeistert die Astronomie-Szene (AR12192)

Sonne über Berlin Lichtenberg 27.8.2014Es ist schon recht erstaunlich wie einfach eine ganze Astronomie-Szene und Astronomen zu begeistern sind. Da gibt es einen Sonnenfleck und alle sind ganz aufgeregt. Die einen Weil Sie den Sonnenfleck gesehen haben und die anderen weil Sie den Sonnenfleck wetterbedingt nicht sehen konnten.

Die Normalbevölkerung reagiert eher verhalten auf dieses Schauspiel. Meine Frau sagte beim Blick durchs Teleskop “Und? Was ist da nun? Ein Sonnenfleck!”. Verständlich. Das AHA-Erlebnis kam erst nach der Beschreibung, warum dieser Sonnenfleck so interessant ist.


Sonnenflecken

Sonnen flecken sind schon was tolles. Vor allem wenn man mit dem Teleskop in einem Pulk aus Menschen steht und man Ihnen erklärt, dass die schwarzen Dinger im Teleskop keine Flecken auf der Optik sind, sondern Flecken auf der Sonne.

So war es zum Beispiel auf unserem Straßen-Astronomie-Event im August. Kinder sind da wesentlich einfacher im Umgang. Die Fragen gleich wer die Flecken auf die Sonne gemacht hat. Bei Ihnen ist es Eindeutig. Das sind Flecken auf der Sonne und nicht auf der Optik des Teleskops.

Dann geht aber die Beschreibung los und da wird es für Erwachsene wieder einfacher. Die Flecken auf der Sonne sind Gebiete die kühler sind als andere Bereiche auf der Sonnenoberfläche. Dadurch erscheinen diese dunkler. Der Temperaturunterschied liegt bei ca. 1.500 °C. Der Fleck hat dabei aber immer noch ca. 4.500°C und der Rest der Sonnenoberfläche besitzt eine Temperatur von ca. 6.000° C.

Das ist die einfache Antwort der ganzen Geschichte. Natürlich gibt es auch eine komplizierte Antwort. Diese sparen ich mir aber für einen anderen, späteren Artikel auf.

Warum ist also der aktuelle Fleck auf der Sonne aber so interessant? Es ist ja nicht das erste mal, dass die Sonne Flecken hat.

Die Fleckengruppe AR12192

Die Fleckengruppe AR12192 ist aus mehreren Gründen interessant. So kann man die Fleckengruppe auf verschiedenen Arten und Weisen beobachten.

1. Mit dem bloßem Auge sichtbar

Diese Fleckengruppe war mit dem bloßem Auge sichtbar. Natürlich schaut man nicht einfach so in die Sonne, sondern immer mit einem Sonnenfilter.

Wer aber noch eine Sonnenfinsternis-Brille besessen hat, der konnte diese benutzen um den Fleck zu beobachten.


HINWEIS: Man schaut niemals mit bloßem Auge und erst recht nicht mit Hilfsmittel wie Teleskop oder Fernglas in die Sonne. Das Auge muss immer geschützt werden. Dazu gibt es spezielle Filterfolie die man dazu verwenden kann.


Kleiner Tipp noch am Rande. Sollte Ihr keine solche SoFi-Brille mehr haben, dann kauft Euch eine. Am März 2015 gibt es eine partielle Sonnenfinsternis und diese wollt Ihr doch nicht verpassen oder? Die gibt es bei Amazon schon für 3,95 € (Baader Planetarium AstroSolar Sonnenfinsternis Beobachtungsbrille* )

Nun konnte man also diese Fleckengruppe mit bloßem Auge sehen und damit könnte man sich schon einmal vorstellen wie groß diese Fleckengruppe war.

2. Mit dem Teleskop

Damit man aber die Fleckengruppe richtig gut sehen konnte, brauchte man ein Teleskop. Entweder ein ganz normales Teleskop mit einer Sonnenfilterfolie (siehe hier eine Bastelanleitung zum Sonnenfilterbau) oder aber ein spezielles Teleskop mit einem H-Alpha-Filter drauf.

Damit kann man dann die Sonne viel, viel, viel näher betrachten und den Fleck im Detail beobachten. Wenn denn das liebe Wetter mitspielt.

Nun schaut man sich ja nicht nur einmal die Sonne an. Es gibt ganze Projekte die die Sonnenflecken zählen und in sogenannte Aktivitätstabellen einzeichnen. Dabei werden bestimmte Kennzahlen (Relativzahlen) von mehreren Beobachtern weltweit ermittelt und dann über alle Beobachter noch einmal gemittelt und gesammelt. Damit lässt sich zum Beispiel der der 11jährige Aktivitätszyklus der Sonne ermitteln.

3. Fotografieren

Nun kann und möchte man eine solche große Fleckengruppe auch fotografisch erfassen. Leider gab es über Deutschland eine Phase mit reichlich Bewölkung. In manchen Teilen Deutschlands konnte man in den letzten 4 Tagen nicht einmal die Sonne sehen.

Ich, in Berlin, hatte gestern am 27.10.2014 das Glück und die Sonne schien klar und hell am Morgenhimmel. Als erstes holte ich mit meinen Sonnenfilter und meine Frau und ich schauten uns den Fleck an. Wie oben schon mal angesprochen ist die erste Reaktion von Nicht-Astronomen meist die, dass man gefragt wird:

“Und? Was ist da nun? Ein Sonnenfleck!”

Hier muss man nun den Menschen (und der eigenen Frau) erklären, was so besonderen an dieser Fleckengruppe ist.

1. Größte Gruppe seit 24 Jahren

Als erstes ist diese Fleckengruppe die größte Fleckengruppe seit 24 Jahren. Schon allein deshalb ist jeder Hobbyastronom hinter der Sichtung oder der Möglichkeit ein Foto zu machen her.

2. Die Fleckengruppe ist größer wie Jupiter

Die Größe dieser Fleckengruppe ist so beachtlich das der Planet Jupiter dort hineinpassen würde. So gibt es einige Bilder im Netz, die das veranschaulichen.

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Quelle: The Sun Today – Link

Hier sieht man sehr deutlich die Größe des Spots. Führt man sich das nun vor Augen, kann man erahnen was da wirklich auf der Sonne los ist.

Mein Glück war nun, dass ich am 27.10.2014 mein Teleskop auf den Balkon schaffte und den Sonnenfleck nicht nur beobachten sondern auch Fotografieren konnte.

Das ist natürlich für einen Astrofotografen sehr befriedigend.

Ein Einzelbild-Ergebnis sieht man hier:

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Die Ausrüstung

Natürlich kann ich hier auch noch einmal kurz meine Ausrüstung ansprechen.

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Benutzt habe ich für die Sonnenfotos meinen Skywatcher 102/500 auf einer SkyView-Montierung (EQ3-Klasse). Anhängend ist dort meine Canon 600D direkt am OAZ angebracht. Ein Sonnenfilter-Selbstbau verhindert das Augen und Kamera schaden nehmen.

Was ich als sehr gut empfand ist der neue Fokusiermotor. Das hat das Scharfstellen doch sehr vereinfacht.

Nachtrag:

Mittlerweile ist sogar ein Video des Spots aufgetaucht. Dort sieht man die Veränderungen im Sonnenfleck selbst.

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