Was sieht man auf dem Mond oder wie ich den Mond entdeckte?

Wie ich es einmal in einer der führenden Berliner Tageszeitungen gesagt habe: Man könnte sich sein Leben lang den Mond anschauen. [Link zum Tagesspiegel]

Damit ist unter anderem gemeint, dass eine Mondbeobachtung nicht nur mit dem sehen endet. Das Beschäftigen mit dem Mond lohnt sich einfach und man wird schnell feststellen, dass der Mond doch immer wieder neues bietet.

Wer der Meinung ist man sehe ja jeden Monat den Mond im selben Kleid, der täuscht sich hier gewaltig. Der Mond ändert sich monatlich und führt zum Teil Eigenebewegungen aus die uns Gebiete sehen lassen, die nur Zeitweise sichtbar sind.

Dazu kommt natürlich noch das Wetter. Dadurch verzögern sich Beobachtungen sehr stark und man wartet zum Teil Wochen oder Monate um den Mond mal wieder ins Visier nehmen zu können.

Ich hatte gestern Abend Glück im Unglück.


Wie das Foto entstand

Leider ist Deutschland gerade von einer Schlechtwetterphase gebeutelt. Damit meine ich nicht unbedingt Regen oder Schnee, sondern für uns Hobbyastronomen reichen schon Wolken. Oft sieht der Himmel so aus wie auf dem unteren Bild.

Dieses entstand gestern ganz spontan und verdeutlicht die Situation. Natürlich zeigt dieses Bild auch gleich wie der Himmel war, wenn sich die Wolken dann mal kurzzeitig Auflösten. Nämlich schlecht. Es gab eine hohe Luftunruhe.

Hier sieht man also den wolkenverhangenen Mond und unten Links schaute Jupiter mal vorbei.

Mond Jupiter

Nach diesem Bild folgte dann mal wieder eine kurze Wolkenlücke und anschließen ist es wieder dicht gewesen. Dieses hin und her geht mir persönlich immer etwas auf den Zeiger. Soll man Aufbauen oder lieber doch nicht? Gestern z.B. baute ich nicht auf und kurz nach diesem Foto gab es eine Wolkenlücke. Also hatte ich wieder ein schlechtes Gewissen. Eine Stunde später war es wieder zu.

Ihr seht es ist im Moment nicht so leicht an ein gutes Bild zu kommen.

Der Mond am 09.12.2014

Kommen wir also zum Mond. So sah es also am 09.12.2014 aus und ich kann gleich vorwegnehmen, es zog kurz nach diesem Bild wieder zu.

Das Teleskop war aufgebaut und ausgekühlt (!) und ich war bereit. Leider der Himmel dann nicht mehr lange. Der Mond musste noch hinter dem Baum hervorkommen und dann konnte ich doch noch 1-2 Bilder schießen.

Das Ergebnis sieht man hier:

Mond ohne alles

Würde ich einen reinen Astrofotografie-Artikel schreiben, wäre ich nun fertig. Aber das tue ich nicht. Dieser Artikel soll ja zeigen, was man so auf dem Mond alles entdecken kann.

Also setzte ich mich hin und schaut mir an, was ich da eigentlich fotografiert hatte. Es ist erstaunlich wieviel man hier entdeckt.

Die Entdeckung des Mondes (gesamt)

Als erste habe ich mal die groben Gebiete auf dem Mond bezeichnet. Ich habe mir also meinen Mondatlas genommen und mittels eines Fotoprogramms einfach alle Gebiete eingetragen. Die Details habe ich dabei Außen vor gelassen, da die ja später kommen.

Übersicht1

Schaut man sich diese Gebiete nun an, dann sieht man toll die großen Krater wie Tycho oder Copernicus. Plato entdeckt man auch schnell. Aber auch Kepler ist zu sehen. Das sind natürlich die großen Krater vom Mond. Aber auch verschiedene Maria kann man leicht identifizieren.

Das sind alles Gebiete die relativ Groß sind und damit auch in einem kleinen Gerät sehr leicht gefunden werden können.

Nun wollte ich aber in die Details gehen und daher habe ich den Mond in 4 Bereiche eingeteilt. Diese 4 Bereiche laufen am Terminator, also der Tag-Nacht-Grenzen auf dem Mond, entlang.

Parts

Diese 4 Bereiche habe ich nun in einem eigenen Dokument beschrieben.

Mondausschnitt A

Im Mondausschnitt A gibt es schon eine Reihe an Kratern zu entdecken.

Mondausschnitt A

Schaut man sich das Bild genauer an, wird man noch viele Strukturen finden. Ich finde aber da das Bild dann doch unübersichtlich wird.

Ich habe bei den Kratern auch immer den Durchmesser hinter dem Namen eingetragen. Damit kann man sich die Größen besser vorstellen.

Im Abschnitt A fand ich zum Beispiel die beiden Doppel-Strukturen der Krater Aristoteles und Eudoxus und die beiden Krater Atlas und Hercules recht auffällig. Diese Krater werden mir sicher im Gedächtnis bleiben.

Mondausschnitt B

Im Mondabschnitt B wird es dann schon etwas mehr und man kann hier gut die Tag-Nachgrenze sehen. Auch sieht man deutlich, dass Krater an dieser Grenze besser zu sehen sind.

Mondausschnitt B

Ein toller Krater ist hierbei Daniell. Er ist nicht wie viele andere Krater rund. Er bildet ein Oval und wenn man gut hinschaut kann man das sogar erkennen.

Auch interessant ist der Randbereich des Mare Crisium. Und der Krater Grove mit seinen 28 km Durchmesser. Hier kommt man langsam an die Grenzen des Bildes.

Mondausschnitt C

Ab dem Mondabschnitt C wurde es dann langsam viel. Da hier immer mehr die Tag-Nacht-Grenze zum tragen kommt und man sehr viele Strukturen sehen kann. Eine der spannendsten Strukturen gab es dann auch auf dem Bild.

 

Mondausschnitt C

Vallis Rheita ist ein Tal mit 500 km länge und ca. 30 km breite. Jeweils am Ende befinden sich zwei Krater . Rheita selbst mit 70 km Durchmesser und Young mit 72 km Durchmesser. Young liegt dabei knapp and er Schattengrenze.

Ansonsten findet man hier Doppelkrater wie Colombo und Colombo A. Dabei ist Colombo A jünger und nach dem Hauptkrater entstanden.

Mondausschnitt D

Im Mondausschnitt D findet man nun die meisten Strukturen. Ich habe mich eher auf die Schattengrenze konzentriert.

Mondausschnitt D

Sehr interessant sind hier die beiden Krater Steinheil und Watt.

Bei Vlacq sieht man knapp den Zentralberg in der Mitte des Kraters. Schaut man sich den Durchmesser an und vergleicht diesen mit Tycho (unten rechts) sieht man wieviel Einfluss die Perspektive hat.

Ihr seht, man kann sich doch ein wenig mehr mit dem Mond beschäftigen.

Wie macht man solche Bilder?

Ich verwende hier meinen Mac und erstelle die Bilder mit dem Fotobearbeitungsprogramm Pixelmator. Das hier gezeigt Foto wurde nur unwesentlich mit einigen Funktionen bearbeitet und leicht nachgeschärft.

Anschließend ist es eine reine Fleißarbeit. Man nimmt sich einen Ausschnitt und vergrößert diesen leicht. Dann geht es ans eintragen.

Ich verwende hier einen Mondatlas von A. Rückl. Der leistet mir gute Dienste. Meine Ausgabe von 1999 gibt es leider nicht mehr. Aber es gibt wohl eine neue Auflage von 2013.

Diese beinhaltet sogar noch mehr Informationen.

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Fazit

Nun wird sicher der ein oder andere sagen: “mein Gott wozu ein Mondatlas und dann soviel Arbeit?”. Ja, es steht ja alles im Internet oder in Programm oder App’s. Man sollte aber folgendes bedenken.

Es geht hier nicht zwingend um die Information selbst. Diese findet man sicherlich überall. Es geht darum auch eine Orientierung zu entwickeln und sich Dinge einzuprägen.

Was ist wenn Ihr in einer Gruppe von Menschen steht und der Mond steht am Himmel. Ihr sollt nun erklären wie die dunkeln Flecken auf dem Mond heißen. Zum Teil sieht man auch die großen Krater wie Tycho mit bloßen Augen. Wäre doch peinlich als Astronom das dann nicht zu wissen oder?

Es geht also eher darum sich auch mit dem Gesehene und dem Aufgenommenem zu beschäftigen. Das lehrt eine ganze Menge.

Mir hat es Spaß gemacht und Ihr habt nun ein paar Infos zum Mond. Viel Spaß beim anschauen und bis zum nächsten Mondbild.

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3 comments

  1. Steffen sagt:

    Ich finde es richtig supergut, dass Du auch auswertest, was auf den Bildern zu sehen ist. Damit gibst Du den Bildern ein Gesicht und sie sind nicht nur reinweg zum Selbstzweck gemacht.

    Danke! und viele Grüße
    Steffen

  2. Jan sagt:

    Hey nochmal,

    Ich hoff, ich nerv nicht schon ;)
    Super Beitrag! Fand ich wesentlich besser aufgearbeitet, als den “300 Euro” Beitrag. Wenn da jetzt noch die aktuelle Brennweite vom EFS 50-250mm dabei stehen würde und Modell des Teleskops, an dem die Cam hing, wärs top :)

    Grüße Jan

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Jan,
      Fragen zu Artikeln oder Kommentare nerven nicht, sondern eher im Gegenteil. Dazu ist ein Blog schließlich da. Du hast natürlich recht, ich habe in dem Artikel weder das Teleskop bezeichnet, noch die Brennweite genant.
      Die Brennweite der Überblicksbilder ist hier 50mm.
      Beim Teleskop gehe ich meist davon aus, dass die Leser des Blogs meine Teleskope genauso kennen wie ich, was natürlich völlig falsch ist. Das Mondbild ist mit meinem Skywatcher Refraktor 4Zoll/500mm Brennweite aufgenommen. Diesen Refraktor findest Du auf der folgenden Seite: “Firstlight und Erfahrungsbericht zu meinem Skywatcher Refraktor 102/500″ – http://www.clearskyblog.de/2013/01/20/firstlight-und-erfahrungsbericht-zu-meinem-skywatcher-refraktor-102500/
      Ich hoffe das beantwortet Deine Fragen.
      Viele Grüße
      Stefan

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