Zeitschrift interstellarum kämpft und die neue Sternstunde ist Online

imageVor kurzem habe ich darüber berichtet, dass die bekannte Zeitschrift interstellarum Ihren Dienst einstellt und es keine neue Zeitschrift mehr geben wird.

Die Resonanz auf diesen Artikel und die nachfolgenden Diskussionen in Astro-Foren oder in den FB-Gruppen war sehr hoch. Es kamen viele Fragen auf und viele Gerüchte wurden gestreut.

Wie man in den Kommentaren zum Artikel und auch zu den Diskussionen sehen kann, sind nicht alle traurig darüber. Viele andere bedauern es sehr wenn die Zeitschrift Ihre Tätigkeit einstellen würde.

Aber nicht nur die Zeitschrift selbst ist von den Problemen betroffen. Auch der ganze Occulum-Verlag oder der interstellarum-Newsletter wird seinen Dienst einstellen, falls es keine Rettung mehr geben sollte. Auch die Videoproduktion interstellarum Sternstunde kennt man im Zusammenhang mit der Zeitschrift.

Wie nun die Rettung aussehen soll, was aus den anderen Geschäftsbereichen wird und vor allem ob es die Zeitschrift überhaupt schaffen kann, möchte ich in diesem Artikel betrachten.


Die interstellarum hat Probleme

In meinem Artikel Die Zeitschrift interstellarum wird eingestellt! berichtete ich über die schlechten Nachrichten und über die Einstellung der Zeitschrift interstellarum.

Es scheint hier einige Finanzierungsprobleme zu geben und die Leser des Blogs oder auch die bisherigen Leser der Zeitschrift stellten berechtigterweise die Frage: Warum?

Woher kommen die Probleme? Was steckt dahinter und vor allem warum Finanzierungsprobleme?

Laut den Aussagen und diverser Berichte, auch auf Astronomie.de, wird hier ganz klar das Abo-Verhalten der Leser als Hauptgrund der Probleme genannt.

Es heißt das man bei einem Zeitschriftenverkauf am Kiosk nur sehr wenig Einnahme übrig behält und mit diesen Einnahmen sogar noch die nicht verkauften Exemplare finanzieren muss.

Das letzte sehe ich ein, dass erste kann ich leider nicht Nachprüfen. Viele Leser und Hobbyastronomen fragten sich aber nun warum ein Verlag oder eine Zeitschrift finanziell in Schieflage gerät? Liegt es an den Lesern? An der Anzahl der Leser? Vielleicht an den Werbeeinnahmen?

Laut dem Chefredakteur liegt es nicht an der Leseranzahl:

1. Ist die Lage so ernst weil die Leser weniger werden?
Nein, ganz im Gegenteil. interstellarum hat heute so viele Leser wie noch nie. Die Zeitschrift hat in den letzten Jahren kontinuierlich an Lesern gewonnen. interstellarum ist deshalb nicht das Problem, sondern die Lösung, gerade weil es viele Leser hat. (Ronald Stoyan auf Startnext)

Es scheint also sehr viele Leser zu geben. Aber Warum dann Geldprobleme?

2. Was ist denn dann das Problem?
Problem ist, dass die regulären Hefte von interstellarum allein nicht ausreichen um das Team aus sieben Personen dauerhaft zu finanzieren. Es sind weitere regelmäßige Einnahmen nötig. Die Hinzunahme der Themenhefte war ein wichtiger Schritt, reichte aber nicht aus. Auch die Bücher, die einen immer schwereren Stand haben, können diese Lücke nicht schließen. Diese Problematik ist uns seit über 10 Jahren bewusst und seit vier Jahren haben wir verstärkt mit hohen Investitionen dagegen angekämpft. Fernrohrfinder.de, die interstellarum-App, die Sternstunde, neue Atlanten und Aktionen sollten das Blatt wenden. Das Ergebnis war jedoch, dass das bestehende Team den immer weiter steigenden Arbeitsanfall nicht mehr bewältigen konnte. Die Einnahmen reichten jedoch nicht für Neuanstellungen, da nicht wesentlich mehr Geld generiert werden konnte. (Ronald Stoyan auf Startnext)

Wie oben schon erwähnt ist der Kioskvertrieb wohl nicht rentable und daher wurde eine Rettungsaktion für die Zeitschrift gestartet.

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Rettung für die interstellarum?

Auf der Crowdfundingplattform startnext.de hat das Team der interstellarum ein Projekt gestartet (zum Projekt). Damit die Zeitschrift sich weiter tragen kann, muss der Kioskvertrieb reduziert werden und es müssen mehr Abonnenten her. Das ist so ungefähr die Quintessenz aus den bisherigen Nachrichten.

Daher wurde das Crowdfunding-Projekt auch so strukturiert, dass man mit einem Abo das weiterbestehen der Zeitschrift sichern kann. Bei Crowdfunding-Projekten ist ja ein ROI (Return of Invest) sehr wichtig für den Erfolg der Projekte. Hier bekommt man also ein Abonnement für die Zeitschrift.

Schaut man sich die Struktur der Unterstützungen an, dann findet man zwar das Dankeschön bei dem man einfach einen Betrag X “spenden” kann und damit die Zeitschrift unterstützt, aber alle anderen Unterstützungen sind auf das Abo ausgelegt oder richten sich eher an Institutionen.

Retten Sie interstellarum!

Die Rettung nimmt wieder fahrt auf

Nachdem ich mir dieses Crowdfunding-Projekt angeschaut habe und die Zahlen eher andeuteten, dass hier das Projekt Rettung interstellarum scheitern wird, kamen zwei Astronomie-Firmen auf die Idee die interstellarum stark zu unterstützen.

Das heißt hier wurden zwei Händler-Pakte á 5.000 € gebucht. Damit sprang das Projekt sehr schnell mal eben auf über 61.000 €.

Trotzdem fehlen hier noch 39.000 € an Unterstützung und mit den verbleibenden 18 Tage dafür dürfte dies recht eng werden. Hier müssten also pro Tag noch 2.166 € an Unterstützungen in das Projekt fließen. Das wären ca. 31 Standard-Abo’s pro Tag.

Mein Kollege vom Blog AstroFan80’s hat vor einiger Zeit dazu auch schon etwas geschrieben. Den Artikel findet Ihr hier: Interstellarum – Ein Abgesang zum Ersten… 
Mit seinem Artikel und den heutigen Zahlen kann man sich gut vorstellen, dass es sehr schwer wird die letzten 39.000 € einzuziehen.

Neues Sternwarten- und Vereinspaket

Das hier nicht passiert kann man den Machern der interstellarum nicht vorwerfen. So gibt es nun auch ein neues Sternwartenpaket (klein und groß). Hier gibt es die Möglichkeit als Sternwarte oder Astro-Verein das Projekt zu unterstützen und dabei eine Reihe an Zeitschriften, Links im Heft oder auch einem Blog auf der neuen Plattform “interstellarum.de” abzugreifen.

Das ist sicherlich für Sternwarten und Astro-Vereine ein lohnendes Paket. Auch um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. Trotzdem muss man hier etwas aufpassen. Auch diese Unterstützung ist ein Abonnement. Das muss man also jedes Jahr in seine Berechnung der Finanzen einfließen lassen.

Newsletter, Occulum-Verlag und Sternstunde

Einige der Unterstützer und der anderen Sternefreunde fragen natürlich zurecht was wohl aus dem Newsletter und dem Occulum-Verlag wird.

Hier ist die klare Aussage des interstellarum-Team, dass beim scheitern des Crowdfunding-Projektes diese beiden Bereich auch wegfallen werden.

Bei der Sternstunde sieht das schon anders aus. Da die Produktion zwar mit der interstellarum erfolgte, aber nicht von dieser Abhängig war, konnte der Bereich der Sternstunde sehr schnell ausgelagert werden. Mittlerweile ist auch das erste Video entstanden und die Sternstunde ist damit wieder Online.

Die erste Folge könnt Ihr Euch hier anschauen.

Fazit

Man hört sehr viele kritische Stimmen zum Abgesang der interstellarum und natürlich hört man auch viele Stimmen die sagen, dass die interstellarum weitergehen muss.

Ich bin hier noch sehr in einem Zwiespalt gefangen. Ich möchte natürlich gern das die interstellrum lebt. Als Astronomiezeitschrift wird etwas am Markt fehlen und ich bin mir sicher, dass viele in das Hobby auch über diese Zeitschrift eingestiegen sind.

Es gibt ja nur sehr wenige Astro-Zeitschriften am Markt. Trotzdem gibt es auch hier ein ABER.

Die internen Probleme können meiner Meinung nach nicht nur am ABO-Modell und den wenigen Abonnenten liegen. Auch ist es sehr fraglich ob die massive Unterstützung von einem Zehntel der Gesamtsumme durch die Händler nächstes Jahr wieder aufgebracht werden.

Ich möchte trotzdem jeden Sternenfreund gern aufrufen die interstellarum zu unterstützen. Schließt ein ABO ab und zeigt damit der Zeitschrift das diese wichtig am Markt ist.

Schaut Euch einfach die interstellarum-Kampagne auf startnext an.

Ich schaue mir weiter die Kampagne an und werde schauen wie sich das über die nächsten 2,5 Wochen entwickelt.

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5 comments

  1. Florian sagt:

    Einige Zeitschriften haben bereits ein Online-only Modell für sich entdeckt. Sehr erfolgreich sogar. Viele der User sind nämlich durchaus bereit für qualitativ hochwertigen, multimedial aufbereiteten und immer abrufbaren Content in die Tasche zu greifen. Aber das ist ggfs. noch zu modern. :)

    • Stefan Gotthold sagt:

      Leider kann man in den Verlag nicht hineinschauen. Das ist sicher auch nicht gewollt. Aber manches was man von Außen sieht, zeigt das hier nicht immer gut gehandelt wurde. Trotzdem zählt die Zeitschrift mit zu den besten am Markt (nicht nur am deutschen Markt). Ich bin gespannt wie es wohl ausgeht. Jetzt sind es ja schon 4 Händlerpakete a 5.000 Euro. Das sehe ich sehr skeptisch, da die Händler sicher nicht auf dauer die Zeitschrift mit 5.000 Euro/Jahr unterstützen werden. Und was macht interstellarum wenn das Geld wieder wegfällt? Nochmal Crowdfunding?

  2. Ich stehe den Händlerpakete sehr sehr skeptisch gegenüber. Dadurch verliert IS ein Teil ihrer Unabhängigkeit denn durch die…

    - Einrichtung einer News-Kolumne in jedem regulären Heft für Neuheiten, Ankündigungen und Veranstaltungen Ihrer Firma in Text und Bild

    …verkommt die IS langsam aber sicher zur Werbeplattform für Händler. Was das mit den immer hochgepriesenen “unabhängigen” Tests passieren wird, kann sicher jeder an seinen 10 Fingern abzählen.

    Beim 7.500 € Händlerpaket siehts noch übler aus:

    - Einrichtung einer News-Kolumne in jedem regulären Heft für Neuheiten, Ankündigungen und Veranstaltungen Ihrer Firma in Text und Bild
    - mindestens 1 Testbericht pro Jahr eines aktuellen Produkts + PDF + 300 Exemplare des Hefts, in dem der Bericht erscheint
    - ausführliche Auswertung unserer jährlichen Leserumfrage zu Teleskopen, Ferngläsern und (Astro)Kameras

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Andreas,

      es hat ein wenig mit der Antwort gedauert. Ich habe aber Deinen Kommentar sehr aufmerksam gelesen und haben ähnliche bedenken. Mittlerweile ist durch die Händler ein Betrag von 25.000 € zusammen gekommen. Kann man hier noch von einer Rettung durch die Abonnenten sprechen?
      Nicht nur das die Händler bestimmen können was nun in der interstellarum erscheint, nein man kann nun auch drohen. Schließlich würde diese Summe wieder in der Kasse fehlen sollten die Händler Ihre Unterstützung im nächsten Jahr einstellen oder es äußern.

      Ich glaube das hier der Rettungsversuch eher in der Abhängigkeit endet. Schwierig wird es natürlich auch so. Denn ich schrieb schon einmal das die Händler die nun 5.000 € in die Hand genommen haben, ja nicht mehr die Werbung schalten, die Sie vorher geschaltet haben. Das Werbebudget der Händler wurde ja nicht mal eben aufgestockt. Nein, die 5.000 € werden auf Dauer auch wieder fehlen und müssen woanders wieder hereingeholt werden.

      Momentan sieht es wohl nach Rettung aus und ich bin der letzte der diese Zeitschrift tot sehen will.
      Ich lese die interstellarum sehr gern und möchte das auch weiterhin tun. Nur das Vorgehen stelle ich hier infrage. Sollten die restlichen 4.800 € noch zusammen kommen, schauen wir erst einmal positiv in die Zukunft. Alles andere wird man spätestens in einem Jahr wieder sehen.

  3. […] immer von Sachkenntnis geprägter – Online-Diskussion: Fundstücke aller Art z.B. hier, hier, hier (früher), hier (früher), hier und hier, die man nun mit anderen Augen sehen mag … [0:05 […]

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