Warum man mit 300€ nicht in die Astrofotografie einsteigen kann?

Immer wieder erreicht mich die Frage: “Ich möchte mir mein erstes Teleskop kaufen. Was nehme ich den da?”. Bevor ich solche Fragen beantworte, gibt es einige Gegenfragen. Diese sind nötig um die Vorrausetzungen zu klären. Der Teleskopkauf ist nämlich nicht ganz so einfach wie man vielleicht denkt.

10 Gegenfragen hatte ich hier im Blog schon einmal beschrieben. Und auch sonst habe ich hier schon recht viel über das Thema Teleskop kaufen gebloggt.

Oft ist der Teleskopkauf mit einem Kompromiss versehen und ab und an entsteht eine Diskussion zu den eigenen Erwartungen. Dieser Artikel soll die Erwartung Astrofotografie mit dem Teleskop etwas betrachten.



Hinweis: Nach einer intensiven Diskussion zu diesem Artikel auf Facebook, möchte ich jedem Einsteiger gern mitgeben, dass hier ausschließlich die Astrofotografie mit dem Teleskop beschrieben wird. Es gibt in der Astrofotografie wesentlich mehr Disziplinen die beim Einstieg in die Astrofotografie zu betrachten sind. Wer also nicht unbedingt mit einem Teleskopkauf extra für die Astrofotografie beginnen möchte, kann sich hier gern die Artikel zur Himmelsfotografie oder auch zur ISS-Fotografie im Blog anschauen. Es muss also nicht immer ein Teleskop sein.

Wer alle Facetten der Astrofotografie betrachten möchte, sollte sich meinen neuesten Artikel einmal anschauen: Die unterschiedlichen Facetten der Astrofotografie


Der Einstieg

Der Wunsch in das Hobby Astronomie einzusteigen ist oft schnell gefasst. Aber dann geht die Recherche los. Was ist das beste Teleskop? Was will ich ausgeben? Was passiert wenn ich nicht dabei bleibe? Was will ich eigentlich in dem Hobby erreichen?

Das sind oft Zielsetzungen die ein Einsteiger in das Hobby hat und oftmals wird der Einsteiger dann entmutigt/gefrustet/enttäuscht.

Vor allem wenn man sich mit der Materie noch nicht auskennt, kann ein Teleskopkauf zur Gedulds- und Nervenprobe werden.

Es gibt sehr viele Systeme am Markt und viel wird auch von den Hersteller versprochen. Doch nicht immer stimmen die Hobbyastronomen mit den Herstellern überein. Schließlich probiert ein Hersteller seine Produkte zu verkaufen. Da wird schon mal ein schwerer Newton auf eine grenzwertige Montierung gesetzt. Von den ganzen Billigteleskopen mal ganz zu schweigen.

Was aber wenn der Wunsch sich nicht nur um die visuelle Beobachtung dreht?

Eine Beratungsfrage (vor allem von Hobbyastronomen) ist: “Was willst Du den überhaupt tun? Nur beobachten oder auch fotografieren?”

Ich bin ja der Meinung die wenigsten Einsteiger können die Frage mit Sicherheit beantworten. Und was macht man wenn man keine wirkliche Antwort hat? Man sagt, dass man erst einmal alles tun will. Sowohl beobachten aber auch später fotografieren.

Meist geht noch einher, dass das vorhandene Budget recht gering angesetzt wird. Im Titel sprach ich von 300 €. Man kann hier aber auch 200 € oder gar 500 € ansetzten. Beides wird immer noch nicht für die Astrofotografie ausreichen. Warum? Das klären wir nun.

Beobachten oder Fotografieren

Warum gibt es einen so großen Unterscheid zwischen dem Beobachten und dem Fotografieren?

Skywatcher Dobson Teleskop N 200/1200 Skyliner Classic DOBFür die reine Beobachtung des Sternenhimmels braucht man relativ wenig. Die Systeme die für die Beobachtung empfohlen werden sind oftmals Dobson-Systeme.

Die einfache Montierung (Rockerbox) ist sehr günstig und daher wird das Geld im wesentlichen in die Optik investiert. Hier kauft man also viel Optik für relativ geringe Preise. So kostet ein Dobson-System ähnlich dem meinem (Erfahrungsbericht: 8 Zoll Dobson auf Rockerbox) nur 399 € (astroshop.de – Dobson Skywatcher 200/1200*)

Diese Systeme sind sehr gut zur Beobachtung geeignet und man kann sehr lange Spaß damit am Sternenhimmel haben. Leider sind diese System auch nur sehr eingeschränkt für die Astrofotografie geeignet und man braucht schon etwas Erfahrung um damit sehr gute Ergebnisse zu erzielen.

Für die Astrofotografie mit dem Teleskop benötigt man aber andere Systeme. Hier spielt vor allem die Montierung eine große Rolle. Nur mit einer guten äquatorialen Montierung kommt man in den Genuss auch Langzeitbelichtungen tiefer Himmelsobjekte (DeepSky-Objekte) anzufertigen.

Skywatcher Teleskop N 150/750 Explorer BD NEQ-3Leider ist es oftmals so, dass der Preis einer solchen Montierung ein Gesamtpaket mit Teleskop und Montierung sehr stark in die Höhe treibt. Hier können Hersteller nur an zwei Punkten sparen. Die Optik ist für die Astrofotografie nicht unbedingt geeignet, dafür ist die Montierung sehr gut. Dieser Fall wird nicht zu oft angeboten. Der zweite Fall, gute Optik mit unterdimensionierter Montierung, wird wesentlich häufiger Angeboten. So findet man Teleskop wie eine 6-Zoll-Gerät auf einer EQ3-Montierung wieder. Diese kosten dann ähnlich wie der größere Dobsons, nämlich nur 429 € (astroshop.de – Skywatcher 150/750 auf NEQ-3*)

Hier kann man schon einiges mit dem Teleskop anfangen, aber leider ist die Montierung mit dem Teleskop schon gut ausgelastet.

Schraubt man nun noch Zubehör wie Kamera, Adapter, Filterrad etc. auf das Teleskop wird die ganze Sache schon recht wackelig.

Leider war es das aber nicht mit dem obigen Teleskop. Zur Astrofotografie gehört noch ein wenig mehr.

Was kostet aber nun der Einstieg in die Astrofotografie mit dem Teleskop?

Das ist natürlich eine Frage, die nicht eindeutig zu beantworten ist. Ich selbst betriebe Astrofotografie mit einem recht günstigen Gerät und erreiche dadurch für mich akzeptable Ergebnisse.

Teleskop und Montierung (mit Nachführung)

Anhand meiner Ausrüstung kann man aber nun mal eine Aufstellung machen.

Ich besitze zwei Teleskope mit denen ich fotografieren. Einmal habe ich einen Newton 150/750 (6-Zoll-Newton) auf einer EQ-5-Montierung mit Nachführung. Zum anderen besitze ich einen 4-Zoll-Refraktor auf einer Skyview-Montierung auch mit Nachführung.

6 Zoll Newton SkywatcherLink zum Produkt*285 €
Skywatcher NEQ-5Link zum Produkt*299 €
Motorset Nachführung in 2 AchsenLink zum Produkt*125 €
Summe 709 €

Das sind die Preise für den 6 Zöller auf einer EQ-5-Montierung mit Nachführung in 2 Achsen.

4 Zoll Refraktor (102/500)Link zum Produkt*229 €
Skyview Montierung (Skywatcher EQ3-KlasseLink zum Produkt*229 €
Motorset Nachführung in 2 AchsenLink zum Produkt*149 €
Summe 607 €

Bei der zweiten Konfiguration musste ich die Zusammenstellung etwas ändern. Leider gibt es meine Montierung am Markt nicht mehr. Diese wäre auch nur in einer Achse nachgeführt, was oftmals reicht. Daher musste ich die Produkte heraussuchen, die meiner Konfiguration am nächsten kommen.

Man sieht nun schon, dass die Preise weit das Budget der normalen Einsteiger übertrifft. Damit man nun aber auch mit der Astrofotografie anfangen kann, muss man noch einiges dazu kaufen. Sucher, Okulare etc. werde ich hier nicht auflisten. Das sind Gegenstände für die normale Beobachtung.

Kamera, Zubehör etc.

Wer nun direkt mit der Astrofotografie loslegen will, braucht erst einmal eine Kamera. Hier gibt es unterschiede zwischen den Kameras. Viele Einsteiger verwenden Ihre Spiegelreflexkameras. Diese müssen aber an das Teleskop.

Was viele nicht wisse, ist die Tatsache das Planetenfotografie und auch die Mondfotografie mit Webcams oder speziellen CCD-Kameras viel besser funktioniert. Und ein Laptop gehört oft auch noch dazu.

Spiegelreflexkamera Canon 600DLink zum Produkt*ca. 430 €
T2-Adapter-RingLink zum Produkt*19,90 €
T2-SteckhülseLink zum Produkt*18 €
T2-VerlängerungLink zum Produkt*18 €
Summe 485,90 €

Damit hat man nun seine Kamera am Teleskop dran. Hier musste ich eine Verlängerung mit angeben, da bei meinem Refraktor ich sonst nicht in den Fokus komme. Das sollte man unbedingt beachten. Hier wäre man also schon einmal gut mit der Astrofotografie bei.

Möchte man nun aber lieber mit einer CCD-Kamera die Fotografie betreiben, braucht man eben eine CCD-Kamera. Vor allem am Planeten und am Mond macht sich eine CCD-Kamera besser.

CCD-Kamera (ZWO ASI 120 M)Link zum Produkt*299 €
Laptop ca. 300 €
Externe Spannungsversorgung ca. 150 €
Summe 749 €

Hier habe ich nur eine der aktuellen Kameras herausgesucht. Es gibt hier noch wesentlich mehr Produkte in dieser Preisklasse oder auch viel, viel, viel teurer. Beim Laptop und bei der externen Spannungsversorgung habe ich nur ca. Werte angegeben. Da diese Geräte oft auch für andere Dinge verwendet werden. So kann die externe Spannungsversorgung auch übers Auto laufen.

Guiding

Wer nun in der Astrofotografie in die DeepSky-Fotografie einsteigen will, der braucht oben nicht zwischen den Tabellen entscheiden, sondern der braucht beide Tabellen. Hier wird nämlich die DSLR an den Okularauszug gehangen und die CCD an den Sucher oder ein Guiding-Fernrohr (welches ich nicht extra aufführe).

Darüber kann man dann sein System guiden lassen und die Ergebnisse werden noch einmal um einiges besser.

Gesamtpreis

Ohne jetzt noch zusätzliches Zubehör zu betrachten läge der Gesamtpreis für ein solches System nun zwischen 1094,9 € (Refraktor mit DSLR) und 1943,0 € (Reflektor (Newton) auf EQ-5 mit DSLR und Guiding-Cam).

Ihr könnt sicherlich den Laptop abziehen, da hier viele schon einen Laptop besitzen. Trotzdem kann man sich hierbei auf Preise zwischen 1.000 € und 1.500 € einschießen.

Einiges an Zubehör wird sich mit der Zeit auch noch dazu gesellen. So braucht man oft eine Barlow-Linse für Planeten und Mond. Die guten kosten hier auch zwischen 100-200 €. Und ein Filtersystem habe ich auch nicht mit in den Preis aufgenommen.

Fazit

Die Frage oben lässt sich also sehr einfach beantworten. Wer mit einem Budget von 300, 400  oder gar 500 € in die Astronomie einsteigen will, der sollte sich vom Gedanken Astrofotografie mit dem Teleskop lösen und sich erst einmal auf die visuelle Astronomie beschränken. Dann erhält man ein gutes System und lernt erst einmal die Beobachtung am Nachthimmel kennen.

Natürlich kann man auch mit einfacheren Systemen in die Astrofotografie mit dem Teleskop einsteigen. Dort lernt man auch sehr viel und kann auch relativ gute Ergebnisse liefern. Leider braucht man dazu oft einiges an Erfahrung und die Frustrationsschwelle ist auch recht gering.

Ich möchte natürlich niemanden davon abhalten in das Hobby einzusteigen oder sich ein Teleskop zu kaufen. Es sollen nur die Erwartungen etwas an die Realität angepasst werden.

Zusatz:

Ein Astrokollege wies mich auf einen Umstand in dem Artikel hin, dem ich hier Rechnung tragen möchte. Natürlich soll der Artikel ein wenig die Sichtweise der Einsteiger relativieren, gleich mit einem kleinen Budget in die Astrofotografie einzusteigen.

Trotzdem gibt es Möglichkeiten Astrofotografie zu beitreiben ohne das man sich gleich ein Teleskop kaufen muss. Ich habe hier im Blog eine ganze Reihe an Artikel die sich mit der Himmelsfotografie beschäftigen. 

Bei dieser Art der Astrofotografie kann man natürlich ebenso den Himmel fotografieren und das mit seiner eigenen Kamera. Der geneigte Einsteiger soll sich also nicht unbedingt abhalten lassen mit dem Hobby zu starten und auch das Ziel Astrofotografie soll nicht gleich über Bord geworfen werden.

Nehmt Eure Kamera und versucht Euch an der Fotografie. Das bringt Euch viel. Wer ein geeignetes Ziel sucht, kann sich ja zum Beispiel mit der Internationalen Raumstation (ISS) beschäftigen. Eine Anleitung zur Fotografie der ISS findet Ihr hier: Wie Du selbst tolle Fotos der ISS machen kannst (Teil 1/2) & Wie Du selbst tolle Fotos der ISS machen kannst (Teil 2/2)

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  1. Hi,

    ein schöner Beitrag, gefällt mir! Ich fotografiere schon länger amateurmäßig Landschaften, was auch mittlerweile ganz gut funktioniert, denke ich. Nun bin ich gerade dabei, mich in die Astrofotografie einzulesen. Der Beitrag scheint mir ein guter Überblick in den Einstieg – ein paar Dinge fehlen mir aber noch:

    -Du schreibst, eine CCD-Kamera funktioniert “viel besser”. Worauf ist dieses “viel besser” zu beziehen? Ich habe einige (wirklich schöne) Fotos von nicht-mehr-ganz-aktuellen DSLR’s/SLT’s gesehen. Was ich weiß ist, dass die meisten relativ gut funktionierende Filter integriert haben, die Licht außerhalb des Spektrums abschneiden, was wir sehen wollen, vor allem im IR-Bereich. Eine CCD Kamera hat demnach vermutlich keinen IR-Cutoff? Dann würde ich allerdings nicht die Verlinkung einer unveränderten 600D als Fotokamera verstehen. Lichtempfindlichkeit ist meines Wissens auch höher (bei gleicher Pixelzahl/Sensorgröße), aber gleicht sich das nicht aus, wenn ich mit DSLR Serienaufnahmen aufnehme und gegeneinander verrechne (oder auch nur Einzelaufnahmen ein wenig herunter skaliere, um die Rauschpixel zu unterdrücken)? Wo genau liegen die Vorteile? Bei der Auflösung kommt ja keine preislich vergleichbare CCD auch nur annähernd hinterher.

    -Du schreibst da in der Kostenaufstellung etwas von einer externen Stromversorgung. Worauf ist die bezogen? Auf das Gesamtsystem? Also Nachführung, Kamera, Notebook? Oder für eine Einzelkomponente? Frage ich, weil die meisten, mehr oder weniger aktuellen Notebooks ja schon auf eine Akkulaufzeit von mehreren Stunden kommen. (CCD-)Kamera und Nachführung dürften doch auch nicht so viel schlucken, oder irre ich mich da? Mir kommen die 150 Euro da unwahrscheinlich hoch vor.

    -Was muss das Notebook können und wofür braucht man das eigentlich? Irgendwie steht im Beitrag nur, dass man es braucht, ohne weitere Erklärung. Für 300 Euro bekommt man immerhin heutzutage locker ein nagelneues i3, wenn nicht sogar i5 notebook. Nur Wozu? :)

    -Generell (jetzt nicht für mich persönlich) konstruktive Kritiv: Irgendwie fehlt einfach der Bezug von Geld zu Fotoleistung. Also warum welche Kamera (warum 600D, warum CCD). Es gibt halt so viele Kameras. Da stellt sich einem Einsteiger die Frage, tut es ne gebrauchte 550D für aktuelle 120 Euro Sofortkauf gebraucht nicht auch. Ich kann halt nur ganz grob schätzen, weil ich den Hintergrund nicht kenn, aber wenn ich (als Hobbyfotograf und E-Techniker) die 600D und 550D direkt vergleiche, würde ich eher schätzen, die 550D wäre für Astrofotografie sogar besser geeignet (die 600D kann eigentlich nur bei Filmfunktionen und Autofokus spürbar punkten, dürfte dafür nicht relevant sein). Soll jetzt wirklich keine Kritik an der Wahl des Setups sein, nur 1-2 Sätze über den Grund der Auswahl wären toll.

    -Diese 1-2 Sätze wären halt generell für die Nachvollziehbarkeit der genannten Summen wichtig, meiner Meinung nach. Beim Teleskops+Montierung kann ich die Gründe noch nachvollziehen, bei der Digitaltechnik hört es dann leider auf. Nur mal als Beispiel: ohne irgendetwas am Text des Beitrags zu ändern, könnte man da jetzt auch ne EOS 6D für 1400Euro statt dem 600D in die Tabelle setzen, dann noch den Notebookpreis auf 1800Euro für ein MacBook erhöhen und würde auf mehr als das dreifache kommen. Da fehlen halt einfach die 2 Sätze zu dem “wozu eigentlich”. Also ich weiß zwar, was ich brauch, aber nicht, wie gut die sein muss für die Astrofotografie als Einsteiger, und warum :)

    Viele Grüße
    Jan

    • Hallo Jan,
      ich probiere mal auf alle Deine Punkte einzugehen.
      Pkt. 1: Wie ich im Artikel einschränkte, bezog sich meine Aussage zur CCD auf Planeten, Mond und Sonne. Hier haben die gängigen CCD-Planetenkameras einen entscheidenden Vorteil. Große Pixel! In der Astrofotografie wirst du immer Bilder finden, die sowohl mit DSLR als auch mit günstigen Webcams gemacht wurden und super Ergebnisse lieferten. Diese Ergebnisse spiegeln aber oft nicht den Zeitaufwand und das Können der Fotografen wieder und erwecken einen falschen Eindruck.
      Die Planeten-CCD-Kameras haben gerade wegen der geringeren Auflösung und den größeren Pixel den Vorteil das die Bilder nicht flau werden. Natürlich kann ich mit der DSLR auch im Videoformat aufnehmen oder eine Serienaufnahme machen. Letzteres ist aber bei schnell bewegten Objekten sogar ein Nachteil. Bei Jupiter z.B. sollte man nicht länger als 90 Sekunden filmen, da seine Eigenrotation so groß ist, dass man hier Unschärfen reinbekommt. Mein CCD kann bis zu 90 Bilder pro Sekunde schaffen, eine DSLR “nur” 6-7 Bilder pro Sekunde in der Serienaufnahme. Damit schalte ich das Seeing (Luftunruhen) einfach nicht aus.

      Pkt 2: Möchte ich auf dem Feld Astrofotografie betreiben, muss ich meine Geräte mit Strom versorgen. Minimum brauche ich Strom für die Nachführung. Bei der Kameras kann ich auch Akkus verwenden, würde aber selbst mit meinem Doppelpack nicht durch die Nacht kommen. Bei CCD-Aufnahmen benötigt man auch noch dafür Strom und da dort der Laptop als Speichermedium dient braucht dieser auch noch Strom. Die 150 Euro gelten hier für einen Standard-Power-Tank, der z.B. vom Astroshop für 160 € vertrieben wird. Dort kann ich alle Geräte anhängen.

      Pkt 3: Nehme ich mit einer CCD-Kamera auf oder möchte ich meine DSLR extern steuern benötige ich einen Laptop. Auch für das Guiding (Tracken der Nachführung) brauche ich einen Laptop. Hier gibt es zwar mittlerweile gute Lösungen ohne Notebook, aber viele verwenden Ihre Planeten-CCD-Kameras auch als Guiding-Kameras. Dort läuft dann die Tracking-Software drauf oder aber die Software für die Aufnahme von Planeten, Sonne und Mond. Ich verwende hier z.B. FireCapture.

      Pkt 4: Der Artikel sollte kein reiner Empfehlungsartikel sein, sondern eher aufzeigen, dass Astrofotografie nicht mit 300 € zu betreiben ist. Hier geht es also nicht darum das optimale Setup, welches es unter anderen nicht gibt, zu empfehlen sondern den Lesern die Augen zu öffnen und zu zeigen, dass man sich kein Teleskop für 100 € kauft und dann gleich mal eben Astrofotografie betreibt. Dabei greife ich natürlich gern auf meine Ausrüstung zurück und das ist einfach eine 600D. Für die Astrofotografie selbst geht so ziemlich jede DSLR-Kamera. Viele haben aber Vor- und Nachteile. So habe ich meine 600D wegen des Schwenkdisplays ausgewählt. Warum? Ich wollte nicht mehr unter dem Teleskop hängen und durch den Sucher schauen und mir das Kreuz kaputt machen. Ganz einfach oder? Das Schwenkdisplay und das Liveview sind für mich unschlagbare Vorteile bei der Astrofotografie. Schau mal diesen Artikel hier im Blog an: http://www.clearskyblog.de/2012/01/08/neues-ausrstungsteil-spiegelreflexkamera-canon-600d/

      Ich hoffe ich habe alle Punkte angesprochen und es ist einiges klarer geworden. Zum letzten Absatz kann ich mich nur wiederholen. Du wirst sicherlich mit der Maßgabe an den Artikel herangegangen sein um eine Sicherheit beim Einstieg in die Astrofotografie zu haben. Das sollte der Artikel nicht aufzeigen. Hier geht es darum zu zeigen, dass man mit 300 € nicht hinkommt. Natürlich ist es wie in jedem Hobby: “Alles ist nach oben offen”. Ich versuche die Dinge so einfach wie möglich zu halten und z.T. stelle ich mit Absicht meine Ausrüstung so zusammen.
      Vielleicht sollte ich mal einen Artikel zu “Bezug von Geld zu Fotoleistung” schreiben, aber da wird eine 5stellige Summe bei Super-tollen-Astrofotos rauskommen. Angefangen bei Montierungen von 1-2tausend Euro über APO-Refraktoren die allein schon im 4stelligen Bereich liegen bis hin zu speziellen CCD-Kameras mit entsprechenden Filtern.
      Ich würde mich freuen mal von Deinen Einstiegsversuchen in die Astrofotografie zu erfahren. Schau Dich hier mal um. Vor allem könnte Dich die Artikelserie zur Himmelsfotografie interessieren. Hier geht es mit der Astrofotografie los ohne ein Teleskop zu besitzen.
      Viele Grüße
      Stefan