Die unterschiedlichen Facetten der Astrofotografie

Nachdem mein gestriger Artikel zum Teil herbe Kritik erfahren hat, habe ich mich entschieden gleich einen weiteren Artikel zur Astrofotografie zu schreiben. Die Hauptkritik an dem Artikel war dem Umstand geschuldet, dass jemand der meinen Blog nicht kennt, denken kann das man Astrofotografie nur mit dem Teleskop betreiben kann.

Und ja, wenn man sich den Artikel herauspickt und ganz eigenständig liest, kann dieser Eindruck unter Umständen entstehen. Das der Eindruck aber falsch ist und die Astrofotografie ein großes Feld ist, sollte zumindest jeder regelmäßige Blogleser hier kennen.

Ich möchte hier einfach nochmal die Facetten der Astrofotografie darstellen. Was kann man tun und mit welchen Mitteln kann man schon Astrofotografie betreiben.


Definition von Astrofotografie

Die Definition von Astrofotografie ist recht schnell gefunden. Laut der Onlineenzyklopädie ist die Astrofotografie folgendes:

Die Astrofotografie umfasst jene Methoden der Fotografie, mit denen Sterne und andere Himmelskörper im sichtbaren Licht abgebildet und dauerhaft auf verschiedenen Medien (fotografisch oder elektronisch) gespeichert werden. [wikipedia]

Wobei ich persönlich nicht nur die Astrofotografie als Aufnahme von Himmelskörpern spannend finde, sondern die Himmelfotografie ebenso. Auch Wetterphänomene wie Regen, Blitze, Regenbögen oder auch Polarlichter, Milchstraße, Zodiakallichter oder andere Erscheinungen gehören für mich in die Astrofotografie oder Himmelfotografie.

Im folgenden möchte ich hier einige Techniken ansprechen. Sollte ich bestimmte Techniken der Astro- und Himmelsfotografie vergessen, dann schreibt mir das bitte im Kommentarbereich. Ich erweitere dann gern diesen Artikel.

Dosenfilm/Lochkamera

Eine der einfachsten Astrofotografischen Experimente stammt auch der Zeit in der man noch mit Filmen und Fotopapier gearbeitet hat.

Meist wird die Lochkamera verwendet um die Sonnenbahn aufzunehmen. Dabei wird ein Behälter (Dose) mit einem sehr kleinen und feinen Loch versehen und ein Fotopapier (Lichtempfindlich) wird in der Lochkamera platziert.

Die Aufnahme wird nun über mehrere Wochen oder Monate durchgeführt und das Fotopapier damit belichtet. Die Belichtungszeiten sind also extrem hoch.

Im Video sieht man die Erstellung einer Lochkamera und auch die Ergebnisse die produziert werden.

Im Artikel 5 Astronomie-Projekte die man mit der Sonne machen kann (Teil 2: Sonnenbahnen aufzeichnen) gibt es ebenfalls eine Bauanleitung für eine solche Dosenkamera.

Spiegelreflex- oder Bridgekameras

Auch die Verwendung von einer vorhandenen Spiegelreflexkamera kann genutzt werden um mit der Astrofotografie anzufangen.

Hierbei benötigt man neben der entsprechenden Kamera (mit manuellem Programm) auch ein Stativ und ein Fernauslöser. Als Objektiv kann meist das mitgelieferte Kit-Objektiv verwendet werden. Eine Erweiterung auf ein Zoomobjektiv z.B. 250 mm oder auch eines Festbrennweitenobjektives muss nicht sein, kann aber den Spielraum der Aufnahmen erweitern.

Möglich sind dann folgende Aufnahmen.

Strichspurfotografie / Regenbogen / Blitze

Eine einfache Möglichkeit ist das Aufstellen der Kamera und das Langzeitbelichten (meist um 30 Sekunden) eines Himmelsausschnittes. Dabei kommt uns die Erdrotation zu Hilfe und verzieht die Sterne auf dem Bild.

Diese Bilder kann man dann mit einer entsprechenden Software zusammen setzen. In meiner Artikelserie zur Himmelfotografie findet sich eine Anleitung dazu: Himmelsfotografie für Jedermann: Strichspuraufnahmen oder Mehr aus Strichspuraufnahmen machen

Natürlich kann man mit der Konfiguration auch Regenbögen, Blitze, Zentralzenitalbögen und andere Himmelserscheinungen fotografieren. Auch Polarlichter sind damit gut zu fotografieren.

Sternbilder und Konstellationen

Aber auch Sternbilder und Konstellationen kann man mit einer einfachen Fotoausrüstung ablichten. So gab es vor kurzem die Mars, Venus und Mond-Konstellation am Himmel zu bestaunen.

Den Beobachtungsbericht findet Ihr hier im Blog: Mars, Venus, Mond und ISS an einem Abend und auf einem Bild

Auch Sternbilder lassen sich gut mit einfachen Mitteln ablichten. So konnte ich letztens einen ISS-Durchflug durch das Sternbild Orion aufnehmen.

Daran sieht man wie Groß die Sternbilder eigentlich sind.

ISS / Satelliten / Sternschnuppen

Oben sieht man schon die Aufnahmen mit der ISS. Auch dazu findet Ihr hier im Blog eine Anleitung: Wie Du selbst tolle Fotos der ISS machen kannst (Teil 1/2)

Aber auch Satelliten lassen sich so aufnehmen und sogar Sternschnuppen.

Im Beobachtungsbericht dazu kann man hier mehr lesen: Beobachtungsbericht 12.8.2014/13.08.2014: Vom Mond, Sternschnuppen und Strichspuraufnahmen

Kombiniert man nun die Strichspuraufnahmen auch noch mit den Sternschnuppen, bekommt man tolle Ergebnisse:

Diese Aufnahmen entstanden mit einem sogenannten FishEye-Objektiv. Damit erhält man ein sehr großes Gesichtsfeld und kann sehr viel Himmel ablichten.

Kometen

Kometen können natürlich genauso mit einer Spiegelreflexkamera aufgenommen werden. Besser wäre natürlich eine Nachführung auf dem Kometen, aber auch ohne kann man bestimmte Kometen aufnehmen.

Ich habe mir letztens erst Lovejoy (C/2014 Q2) vorgenommen und das aus der Großstadt Berlin heraus.

Der Artikel ist hier zu finden: Start der Kometenjagd: 2x Lovejoy (C/2014 Q2) aus Berlin heraus

Mond und Planeten

Sogar Mond und Planeten bedürfen keiner ausgefeilten Ausrüstung. Auch hier langt ein Spiegelreflexkamera.

So kann man mit einem Zoomobjektiv erstaunlich viel aus dem Mond oder aus Planeten herausholen.

Oder diese Mondbilder:

Den Beobachtungsbericht dazu findet Ihr hier: Beobachtungsbericht (07.09.-19.09.): 7 Tage Mond, 2 mal ISS und ein Stern-Selfie

Diese Aufnahme entstand nur mit einem Zoomobjektiv und der Spiegelreflexkamera auf Stativ.

Aber auch Planeten kann man mit der Kamera aufnehmen. Als erstes Experiment in einer Schönwetterphase empfehle ich immer die Bewegung der Planeten einfach mal sichtbar zu machen.

Hier sieht man ein Komposite aus 3 Bildern an 3 Tagen. Der Jupiter befindet sich Links oberhalb des Mondes und man sieht das er 3mal da ist. Der Bericht dazu ist hier zu finden: Fotoexperiment: Bewegung des Wandelstern Jupiters sichtbar gemacht

Aber auch Detailaufnahmen des Jupiters gelingen mit einer Spiegelreflexkamera. So kann man z.B. auch die Monde von Jupiter ablichten und wenn man etwas Glück hat, kommt die ISS dem Planeten sehr nah.

Milchstraße

Aber auch sehr großflächige Aufnahmen von der Milchstraße gehen mit einer DSLR sehr gut. So konnte ich auf dem HTT (Herzberger Teleskoptreffen unter einem dunklen Himmel tolle Aufnahmen unserer Galaxie erstellen.

Viele der Bilder und ein Bericht ist hier zu finden: Rückblick auf das 15. HTT (Herzberger Teleskop Treffen)

Sonne

Auch die Sonne kann man mit einer entsprechenden Kamera und einem Filter (!) ablichten. Ich habe das mit meiner DSLR noch nicht versucht. Aber es sollte Möglich sein Sonnenflecken damit aufzunehmen.

Man kann sich also mit einer DSLR einem Stativ und einer Fernbedienung am Himmel austoben.

Skywatcher Montierung Star Adventurer, SetWer noch weiter gehen möchte, kann sich eine Reisemontierung ähnlich dem Skywatcher Star Aventurer kaufen und kann dann auch nachgeführte Aufnahmen nur mit der Spiegelreflexkamera machen. Da ich zwar einen Skywatcher Star Adventurer besitze, aber noch nicht testen konnte, gibt es hier im Blog noch keine Erfahrungswerte dazu.

Der Skywatcher Star Adventurer mit Zubehör kostet im Handel 369 €. (Skywatcher Star Adventurer beim Astroshop.de*).

Handy-, Digital-, Spiegelreflex- oder CCD-Kamera am Teleskop

Natürlich kommt man mit einer Kamera am Teleskop noch etwas tiefer in den Weltraum und kann damit wirklich erstaunliche Ergebnisse erreichen.

So habe ich einige Aufnahmen mit der Spiegelreflexkamera am Teleskop erstellt. Im Artikel Was sieht man auf dem Mond oder wie ich den Mond entdeckte? beschreibe ich mein vorgehen bei der Fotografie mit dem Teleskop.

Hierbei kann man schon zu einer sehr detaillierte Darstellung des Mondes kommen. Aber auch andere Astrofotografen haben mit Digiknipse oder sogar dem Handy am Okularauszug erstaunliche Bilder produziert. Wie man sich seine Kamera ans Teleskop schraubt, findet man wieder hier im Blog: Wie bekomme ich meine Kamera an mein Teleskop? (Astrofotografie)

Wer dann noch den Mond oder die Planeten mit einer CCD-Kamera, in meinem Fall eine QHYCCD-5L-II-L aufnimmt, kann noch etwas an Schärfe dazugewinnen.

Bei Jupiter selbst bin ich noch am Üben um bessere Ergebnisse zu erhalten. Aber die ersten Bilder lassen mich hoffen.

Und mit einer Vergrößerung auf Brennweite 1000 mm.

Den Bericht zu diesen Fotos findet Ihr hier im Blog: Beobachtungsbericht: 18.02.2015–3 Planeten, ein ISS-Trail durch Orion und viele Jupiter-Fotoversuche

Wer noch tiefer in den Weltraum vorstoßen möchte, sollte sich mal meinen aktuellen Fotowettbewerb 2015 anschauen oder sieht sich die Bilder aus dem letzten Fotowettbewerb 2014 an.

Dort findet man dann Deep-Sky-Aufnahmen von Nebeln oder Sternhaufen. Die meisten der Bilder sind dann aber doch mit Teleskop, Kamera und oft auch mit Guiding aufgenommen. (Guiding = computergesteuerte Nachführung um bessere Ergebnisse zu erhalten. Meist über eine extra Kamera und Laptop oder mit Guiding-Systemen wie dem Lacerta MGEN).

Aber auch die Sonne kann man mit einem Teleskop und entsprechenden Filter fotografieren. Ich habe hier die Solarfilterfolie von Baader und darüber kann ich die Sonne im Weißlicht ablichten.

Vor allem die großen Sonnenflecken sind für die Astronomen sehr interessant. Zum dem entsprechenden Artikel kommt Ihr hier: Ein Sonnenfleck begeistert die Astronomie-Szene (AR12192). Mit einem H-Alpha-Teleskop lassen sich dann wesentlich mehr Details und auch Protuberanzen an der Sonnenoberfläche aufs Bild bannen. Hier sucht aber mal nach solchen Sonnenfotos.

Da ein H-Alpha-Gerät doch recht teuer ist und es ausschließlich für die Sonnenbeobachtung geeignet ist, habe ich noch nicht den Schritt gewagt mir eines anzuschaffen. Vielleicht kommt das in Zukunft noch.

Man kann natürlich auch die Kamera als sogenanntes PiggyBack auf die Montierung und das Teleskop setzen und erhält dann, wie beim Star Adventurer (siehe oben), ein nachgeführtes Bild. Man knipst dabei aber nicht durch den Okularauszug, sondern nimmt wieder die Kameraobjektive.

Fazit

Ich hoffe ich konnte Euch die Facetten der Astrofotografie näher bringen. Es gibt sicherlich die ein oder andere Disziplin, die ich hier nicht aufgegriffen habe. Spektralanalysen zum Beispiel. Dafür braucht man oft einen erweiterten Erfahrungsschatz und viel Geduld. Ich gehe nicht in diese Richtung der Astrofotografie und daher kommt hier auch wenig über solche Disziplinen.

Alle Bilder (bis auf das Video) sind in diesem Artikel von mir persönlich erstellt worden und die Ausrüstungen sieht man in den verlinkten Artikeln hier im Blog.

Ihr seht also hier gibt es schon sehr viele Beispiele für die Astrofotografie oder Himmelsfotografie. Alle Links zeigen auf Artikel, die hier im Blog erschienen sind. Ich wünsche Euch viel Spaß beim stöbern.

Anmerkung: Eine Anmerkung muss ich hier noch einbringen. Bis auf die HTT-Bilder sind alle Fotos aus der Großstadt Berlin heraus entstanden. Die Großstadt ist eigentlich kein gutes Gebiet für die Sternenjagd (-fotografie). Trotzdem sieht man, was alles möglich ist.

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