M44 und M67 aus der Großstadt Berlin nur mit DSLR fotografieren

Eigentlich war der Abend ganz anders geplant als gedacht. Ich wollte das Einscheiner (Nord-Ausrichtung der Montierung) mit meiner mobilen Ausrüstung üben. Da ich den Polarstern nicht von meinem Stadtstandort aus sehe, wollte ich das mit dieser Methode versuchen.

Auch wenn ich einige Schwierigkeiten hatte und ich Schlussendlich nicht ganz ans Ziel gelangte, war dieser kleine fotografische Abend mit der Spiegelreflexkamera ein voller Erfolg. Schließlich konnte ich zwei Messier-Objekte entdecken und nur mit einem Zoomobjektiv festhalten.

Die Ergebnisse könnt Ihr nun in diesem Artikel nachlesen.


Die Ausrüstung

20150311_154031Meine mobile Astro-Ausrüstung ist sehr einfach aufgebaut. Aufgezählt sieht diese wie folgt aus:

  • DSLR-Kamera Canon 600D
  • 18-55mm und 70-250 mm Objektiv (Canon EFS)
  • Kabelfernbedienung
  • Stativ (8kg Tragkraft)
  • Kugelkopf
  • StarAdventurer in der Version Advanced
  • Blei-Akku für den Strom des StarAdventurers

Das alles passt noch gut in meinen Fotorucksack und ist daher auch sehr gut transportierbar. Über den Gesamtpreis möchte ich in diesem Artikel nicht sprechen.

Mittels dieser Ausrüstung habe ich mich also wieder mal auf den Balkon begeben und wollte die Scheinermethode nur mit Kamera ausprobieren. Eine gute Anleitung habe ich bei Baader gefunden: Das "Einscheinern" von parallaktischen Montierungen nach der klassischen Methode

Da ich aber an der Ausrüstung kein Fadenkreuz-Okular befestigen kann, dachte ich mir das die Gitterlinien der Kamera auch ausreichen. Leider war das ein kleiner Trugschluss und nach längerem Rumprobieren verlor ich die Lust.

Jupiter stand hell und schön am Osthimmel und mir kam recht schnell die Frage in den Sinn, was sich wohl in der Nähe des Planeten befinden würde. Stellarium (hier im Blog schon oft beschrieben) zeigte mir sehr schnell das zwei offene Sternhaufen ganz in der Nähe des Jupiters waren.

Zum einen ist dort M44  (der Bienenstock, die Krippe oder auch Praesepe genannt) zu finden und zum anderen M67. Zwei Objekte die man sehr leicht findet. Aber konnte ich die beiden auch Ablichten und das ohne Teleskop und nur mit meinem Zoomobjektiv?

Ich wollte es gern versuchen und machte mich an die fotografische Arbeit. Schnell wurde eines recht deutlich klar: Ja, es ging!

Fotografieren von M44 und M67

Bevor ich die Objekte fotografiert habe, habe ich mich erst einmal in meinem Karkoschka-Katalog schlau gemacht. Dieser Sternenkatalog zeigt leichte bis schwere Objekte in den Sternkarten und sollte für jeden Sternenfreund ein muss sein.

M44

Offener Sternhaufen auch Praesepe, Bienenstock oder Krippe genannt. Mit freiem Auge leicht am dunklen Himmel zu finden und gut aufgelöst im Fernglas oder Teleskop, bei schwacher Vergrößerung.

580 Lichtjahre von uns entfernt. Größe ca. 80 Bogensekunden. Helligkeit 3,5-13 mag. Im Sternbild Krebs zu finden.

M67

Offener Sternhaufen. Ebenfalls zum Sternbild Krebs gehörend. 2.500 Lichtjahre von uns entfernt. Größe ca. 20 Bogensekunden. Helligkeit 7-13 mag. Im Fernglas ist M67 nur ein Nebelfleck, im Teleskop hingegen schön aufgelöst.

Nun aber zu meinen Fotoversuchen.

Ein Übersichtsbild mit 18 mm Brennweite, einer Blende von 5,6 und einer Belichtungszeit von 1 Minute zeigte M44 sehr deutlich und M67 konnte man erahnen. Ich musste also näher heran.

Übersichtsbild

Bilder mit 55 Millimeter und ca. 30 Sekunden Belichtungszeit zeigten nun langsam mehr Details.

Übersicht_55mm

Trotzdem war schnell klar das ich das 250iger Zoom aufsatteln musste und los ging es mit mehr Brennweite. Da ich an der Kamera keinen Sucher habe, mussten einige Testbilder herhalten, bis M44 oder später auch M67 in der Bildmitte waren und ich trotzdem noch Sterne zum fokussieren sah.

Mit dem Zoomobjektiv und immer Jupiter als Orientierung und Fokussierhilfe im Blick konnte ich sehr leicht M44 ablichten. M67 entzog sich bei den ersten Bildern noch, aber mit ein wenig mehr Zoom ging auch dieser offene Sternhaufen mit ins Netz.

Als erstes lichtete ich M44 und M67 mit einer Brennweite von 109 mm und einer Belichtungszeit von 15 Sekunden ab. M44 kam dabei sehr schön heraus und M67 wurde auch langsam sichtbarer.

M44_15Sekunden

M67_15Sekunden

M67 entzieht sich hier immer noch und daher wollte ich es nun wissen. Trotz der schlechten Ausrichtung meiner Ausrüstung ging ich aufs volle. 250 mm Brennweite bei 15 Sekunden Belichtungszeit und siehe da, M67 wird sichtbar. In der Vergrößerung sieht man nun aber auch schon die Strichspuren des offenen Sternhaufens.

M67_Maximum_Text

Für mich ist das aber nicht so schlimm, da ich hier nun mal ohne Teleskop gearbeitet habe und alle nur mit der DSLR aufgenommen wurde.

Fazit

Ob man die Ausrüstung noch einfach nennen darf ist fraglich. Man sieht aber das man auch für entsprechende DeepSky-Objekte nicht unbedingt einen hohen Aufwand treiben muss und selbst aus einer Großstadt heraus diese beiden Messierobjekte sichtbar und fotografierbar sind.

Ich werde gleich mal beide Objekte zu meiner persönlichen Messierliste hinzufügen.

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6 comments

  1. Gunnar sagt:

    Hast du mal die Kochab-Methode zum Ausrichten probiert?
    Gunnar

    • Stefan Gotthold sagt:

      Gehört habe ich von der Methode schon, aber noch nicht angewandt. Demnächst mal. Und die Bilder sind leider in JPEG, da ich ja fotografisch die Scheinermethode verwenden wollte. Hatte vergessen dann wieder zurück zu switchen.
      Auch das gibt es dann beim nächsten mal. :-)
      LG und CS
      Stefan

  2. Gunnar sagt:

    Du kannst aus den Bildern auch noch mit einem Raw-Konverter einiges rausholen.

  3. Gunnar sagt:

    Das Einscheinern klingt immer recht aufwändig für mich. Ich hab mal mit EQAlign ausprobiert. Aber Balkon, Webcam, Laptop und Teleskop wollten nicht zusammen.

    Ich bin gespannt auf die nächsten Bilder. Die Skywatcher Adventurer finde ich ziemlich interessant. Mal schauen, was du da rausholst.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Gunnar,
      zum Star Adventurer werde ich noch einiges hier schreiben. Ist eine sehr tolle Reiseausrüstung, aber nicht unbedingt günstig. Werde mal einen Ausrüstungsartikel mit den echten Kosten für die ganze Ausrüstung aufstellen. Damit man sich auch eine Vorstellung der Bestandteile machen kann. Was praktisch so geht werde ich in den nächsten Monaten ausprobieren und natürlich berichten.
      LG
      Stefan

  4. Gunnar sagt:

    Raw-Konverter geht natürlich auch mit .jpg.

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