Wie kann man die Sonnenfinsternis am 20.3.2015 fotografieren?

Eine Sonnenfinsternis an sich ist schon ein Ereignis und selbst wenn diese nur partieller Natur ist. Der Mond schiebt sich ja nicht ganz vor die Sonne. Zumindest nicht am Himmel über Deutschland. Und da eine Sonnenfinsternis nun ein so spannendes und auch seltenes Ereignis tauchen in meinem E-Mailpostfach immer häufiger die Fragen zum Fotografieren der SoFi2015 auf.

Daher möchte ich in diesem Artikel der Frage nachgehen: Wie kann man die Sonnenfinsternis am 20.3.2015 fotografieren? und gebe einige Tipps und Tricks zum fotografieren. Aber auch was nicht geht möchte ich ansprechen.


Vorbereitung zum Fotografieren einer Sonnenfinsternis

Ich glaube Ihr könnt es schon nicht mehr hören. Schaut bitte NIEMALS ohne Schutz in die Sonne!

Das gilt auch für Kameras etc. Hier kann nicht nur die Kamera selbst Schaden davon tragen, was doch wirklich unnötig ist, sondern auch Eure Augen können Verbrennungen erleiden.

Daher sollte man sich für seine Kamera einen Filter für die Sonnenfinsternis aus Folie bauen. Der Handel ist mittlerweile schon gut leergekauft was die Sonnenfinsternisbrillen betrifft. Kaum ein Astrohändler oder Optiker hat noch Sonnenfinsternisbrillen zur Verfügung.

Etwas anders sieht es bei den Sonnenfinsternis-Folien im A4-Format aus. Dort scheint es noch Vorrat zu geben. Dieser Schrumpft aber auch sehr schnell und daher sollte man sich nun mit den Bestellungen beeilen und am besten noch heute Ordern.

So bekommt man beim Astroshop noch die Baader Solar Sonnenfilterfolie für 25 € (Link zum Shop*) oder aber auch bei Amazon für 24,30 € (Link zu Amazon*).

Mit ein wenig geschickt lässt sich daraus auch eine Sonnenfinsternisbrille basteln. Hier soll es aber um Filter für die Kamera gehen.

Wer nun einen Filter für seine Kamera basteln will, kann diese Anleitung zum Filterbau verwenden. Hierbei geht es zwar um ein Teleskop, aber das Prinzip ist komplett das gleich.

Der Artikel beschreibt mit Bilder wie es geht: Bauanleitung: Sonnenfilter für das Teleskop mit Folie selber bauen (mit Fotos)

Eine Infografik gibt es dazu auch.

So baue ich meine Filter. Auch für die Kamera. Nur hier sin die Durchmesser der Objektive etwas kleiner.

Große der Sonne auf dem Chip

Wer nun die SoFi fotografieren will, sollte sich erst einmal die Frage stellen: Wie?

Es gibt hier mehrere Ansätze um die Sonnenfinsternis zu fotografieren.

Verlauf der SoFi

Ein sehr interessanter Ansatz ist es den Verlauf der SoFi zu fotografieren. Dabei wird in bestimmten Abständen der Himmel fotografiert, während die Sonne darüber läuft. Gut, eigentlich dreht sich die Erde, aber das tut nun nichts zur Sache.

In dem Bild von Stefan Seip (NASA/APOD 2006) sieht man was hier gemeint ist.

Hier bei wird mit relativ wenig Brennweite gearbeitet um viel von der Umgebung mit auf das Bild zu bekommen.

Bei einer Sonnenfinsternis (solange keine Totalität eingetreten ist) kann man sich an folgenden Werten orientieren:

Tipps:

  • ISO 100-200
  • Brennweiten zwischen 55 mm und 300 mm
  • Blende: Blende zumachen und möglichst 8 oder höher verwenden.
  • Programmierbare Fernbedienung und alle 4-5 Minuten 1 Bild machen. Geht auch mehr und kann später aussortiert werden.
  • Überlagern der Bilder mit StarTrails oder anderen Programmen
  • Fester Standort der Kamera, keine Nachführung, keine Bewegung

SoFi im Detail mit Zoomobjektiv

Mit dem Zoomobjektiv gelten die gleichen Tipps wie bei der Übersicht. Da wir mit dem Zoom nur näher dran sind und sicherlich ab und an nachführen müssen, bleiben trotzdem die Einstellungen gleich.

Tipps:

  • ISO 100-200
  • Brennweiten zwischen 55 mm und 300 mm
  • Blende: Blende zumachen und möglichst 8 oder höher verwenden.
  • Programmierbare Fernbedienung und alle 4-5 Minuten 1 Bild machen. Geht auch mehr und kann später aussortiert werden.
  • Überlagern der Bilder mit StarTrails oder anderen Programmen
  • Fester Standort der Kamera, keine Nachführung, keine Bewegung

Mit Zoomobjektiv kann man dann auch mal solche Bilder hinbekommen:

The sun with a small area darkened by the moon’s shadow

Credit: NASA

SoFi mit dem Handy fotografieren

Wer sich fragt: Wie man die SoFi mit dem Handy oder eine Digiknipse fotografieren kann? dem sei gleich gesagt: Ohne Teleskop geht hier nichts.

Selbst wenn man eine Folie verwendet wäre bei den kleinen Brennweiten nichts weiter zu sehen. Schaut Euch mal unten das Bild mit 55 mm Sonne an. Ein iPhone 5 besitzt ungefähr eine Brennweite wie ein 33mm Objektiv. Das heißt die Sonne wird nochmals kleiner als auf dem Bild unten. Da sieht man von der Abschattung nichts mehr.

SoFi mit dem Teleskop fotografieren

imageWer das Glück hat und ein Teleskop mit Sonnenfilter besitzt, kann auch damit die Sonne fotografieren.

Um das Teleskop aber hier auf die Sonne auszurichten, nutzt man die Schattenwurfmethode. Dabei stellt man den Schatten, den das Teleskop durch die Sonne wirft, so ein das der kleinste Schatten zu sehen ist. Das hört sich vielleicht schwer an, ist es aber nicht.

An dem Rotpunktsucher-Schatten hinten an der Wand auf dem Bild kann man das recht gut sehen. Sobald der Ring ganz klein wird, habe ich die Sonne im Fokus.

Bei meinen 500 mm Brennweite ist die Sonne schon gut zu sehen und man kann auch Sonnenflecken etc. fotografieren.

Hierbei sind die Sonnenabbildungen mit Teleskop natürlich am Größten und am Besten. Mit einer 1000er Brennweite bekommt man schon eine 9mm-Sonne auf den Chip und da sieht man dann deutliche Details der Sonne und des Mondes.

Brennweiten für die Fotografie

Bei den Brennweiten muss man natürlich schauen wie Groß die Sonne auf dem Chip wird. Für APS-C-Sensoren (z.B. Canon EOS 40D, 450D oder 600D) gilt die Faustformel: Brennweite durch 110 = Sonnendurchmesse in Millimeter.

Je Größer die Sonne ist, desto mehr Details wird man auch erkennen. Ich habe mal mit einigen Brennweiten die Größe ausgerechnet:

image

Da die Sonne ja ebenso wie der Mond einen scheinbaren Durchmesser von 0,5° am Himmel besitzt, kann man mit Mondfotos sehr gut die Größe abschätzen. Auf meiner Canon EOS 600D sieht der Mond dann so aus:

image

Tipp: Ausprobieren

Vor allem wenn man die Sonne noch nie fotografiert hat, sollte man die Einstellungen der Kamera testen. Man hat nur wenige Chancen die Sonne in einer Finsternis zu fotografieren und auch wenn das Spektakle 2 Stunden dauert, kann das sehr schnell vorbei gehen.

Eigentlich gelten die Grundregeln:

  • ISO runter um das Rauschen zu minimieren
  • Blende zu um weniger Licht ins Objektiv zu bekommen
  • Belichtungszeiten austesten

Und niemals ohne Filter!

Persönliches vorgehen:

Ich persönlich werde eine Kamera am Zeiss Großplanetarium platzieren und dort erst einmal alle Objektive von 18mm – 250 mm mitnehmen. Ich möchte eine Serie erstellen und werde den Ausschnitt erst kurz vorher festlegen. Anschließend kommt eine programmierbare Fernbedienung ran und dann lass ich alles laufen.

Nun bleibt mir nur wieder zu Wünschen, dass BITTE alle klaren Himmel über Deutschland haben. Ich drücke für uns alle die Daumen.

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One comment

  1. Jana sagt:

    Puh, ich hätte wohl das große Objektiv aufgeschraubt, wenn das Wetter entsprechend gewesen wäre. Wir hatten aber leider Wolken. Zum Glück, sonst hätte ich mir sicherlich die Kamera geschrottet.

    Nur für den Fall der Fälle, ich hab für meine Kamera auch so Filter zum verdunkeln, um zum Beispiel Langzeitbelichtungen am Meer zu machen. Wäre das auch gegangen? Oder hätte es wirklich eine Sonnenschutzfolie sein müssen?

    Grüße
    Jana

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