Den Sucher am Teleskop einrichten

imageLetztens habe ich wieder mal mit einer Astronomie-Einsteigerin telefoniert und musste selber feststellen, dass gewisse Dinge für Einsteiger nicht selbstverständlich sind. So werden Okulare schnell als Linse bezeichnet und der Okularauszug ist ein Dingsda!

Auch mit dem Sucher tat Sie sich sehr schwer und wusste gar nicht so recht was damit anzufangen. Jetzt kommt noch dazu, dass man den Sucher am Teleskop einrichten muss und dies ist nicht mehr ganz so schnell am Telefon erklärt.

Daher gibt es hier wieder einen praktischen Artikel für Teleskop-Anfänger.


Was ist der Sucher und wozu ist er da?

Für langjährige Hobbyastronomen ist dies eine etwas zu einfache Frage. Aber genau diese Frage wurde mir nun nicht zum ersten Mal gestellt.

Wie der Name schon sagt, ist der Sucher ein Hilfsmittel um Objekte am Himmel zu suchen. Probiert man das nämlich mit dem Teleskop selbst, wird man oft nicht fündig. Während helle Objekte wie Mond und Planeten mit einiger Übung auch ohne Sucher zu finden sind, kann man das bei Nebeln, Galaxien oder Kugelsternhaufen schon fast vergessen.

Telrad Projektionssucher mit BasisEinen Sucher gibt es in mehreren Varianten. Bei vielen Teleskopen ist der Sucher selbst ein kleines Fernrohr, welches aber nur schwach Vergrößern soll.

Mittlerweile setzen sich auch Rot-Punktsucher oder Telrad-Sucher durch. Bei dieser Art der Sucher sieht man den Himmel so wie mit dem bloßem Auge und hat einen roten Punkt oder rote beleuchtete Kreise, die den Zielbereich markieren.

Am Beispiel des Orion-Nebels zeige ich nun die Unterschiede zwischen einem Leuchtpunktsucher (Telrad) und einem optischen Sucher.

Telrad oder Rotpunktsucher

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Beim Telradsucher sieht man den Sternenhimmel genauso wie mit dem bloßem Auge. Die roten Zielkreise am Telrad sind von der Helligkeit her einstellbar und man kann sehr leicht Objekte finden, die man so auch mit dem Auge sehen kann.

Bei einem Rot-Punkt-Sucher gibt es statt der Zielkreise einen roten Punkt.

Wer sich so etwas zulegen möchte, kann das tun. Die Sucher gibt es auch im Einzelhandel als Zubehör. Achtet aber darauf, dass der Sucher auch ans Teleskop muss.

Die Preise für solche Telrad-Sucher liegen beim Telrad bei ca. 50 € (Telrad-Sucher bei Amazon* – Stand: 04/2015: 69 €).

Mittlerweile gibt es auch diverses Zubehör wie eine Taukappe* oder sogar eine Heizung* für das Telrad. Wer mehrere Teleskop besitzt kann sich auch eine zweite Basis* (Halter für das Telrad) für ca. 15 € kaufen.

Einen Rotpunktsucher gibt es hingegen schon für 25 € (von Celestron mit Adapterplatte*). Beide Arten der direkten Sucher sind für Einsteiger besonders geeignet, da hier keine optischen Vergrößerungen zum Einsatz kommen.

Wer also einen optischen Sucher besitzt und damit nicht klar kommt, der kann sich diese Erweiterungen fürs Teleskop zulegen und wird es sicherlich nicht bereuen.

Optische Sucher

Bei optischen Suchern sieht es schon etwas anders aus. Diese stellen vor allem für Anfänger ein Hindernis dar. Nicht nur das optische Sucher den Himmel vergrößern sondern Sie zeigen auch viel mehr Sterne. Außerdem kommt dazu, dass in einem optischen Sucher das Bild gedreht wird.

Hier sieht man einmal beide Ansichten mit einem 6×30 und einem 8×50 Sucher. ACHTUNG: Das Bild steht im Sucher sowohl Kopf als auch gespiegelt.

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Auf der linken Seite sieht man nun im grünen Kreis das Bild welches man durch einen 6×30 Sucher sieht und auf der rechten Seite das Bild durch einen 8×50 Sucher. Jedes mal ist der Orionneble in der Mitte des Suchers und man kann sehen wie stark hier der Himmel schon vergrößert wird.

TS Optics Sucherfernrohr 8x50 mit Halter, geradsichtig, schwarz, TSSU850GSOptische Sucher gibt es zum Teil sehr günstig. Worauf man beim Kauf achten sollte ist vor allem die Verarbeitung. Wer für 11 Euro oder weniger sich einen Sucher kauft, darf nicht von einer guten Qualität ausgehen. So sind diese Sucher oft nur aus Plastik.

Ein guter 8×50 Sucher kostet schon um die 50 € oder mehr (8×50 Sucher bei Amazon* für 56 €).

Wie oben schon einmal erwähnt kann die Kombination von optischen Sucher und Leuchtpunktsucher zum besten Ergebnis führen. Nämlich schnell und effizient das Objekt am Sternenhimmel zu finden.

Der Sucher muss eingerichtet werden

Was sehr viele Einsteiger nicht wissen, ist die Tatsache das der Sucher eingerichtet werden muss. Schließlich zeigt der Sucher nicht immer auf den Himmelsausschnitt auf den das Teleskop auch zeigt.

Je besser der Sucher eingerichtet ist, desto schneller wird man das Himmelsobjekt auch im Teleskop sehen können.

Das Einrichten des Suchers MUSS jedes mal vor der Beobachtung durchgeführt werden. Zumindest muss kontrolliert werden ob Teleskop und Sucher noch auf das gleiche Ziel zielen.

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Schon sehr kleine Fehler zwischen Sucher und Teleskop können zu sehr großen Distanzen führen. Das kann man sich auch leicht ausrechnen.

Haben die beiden optischen Achsen von Sucher und Fernrohr nur 0,1° Unterschied zeigt sich am Himmel ein komplett anderes Bild. Der Mond z.B. hat eine Ausdehnung von 0,5° am Himmel.

Um den Sucher und das Fernrohr nun auf den gleichen Punkt zu richten, reicht eine entfernte Straßenlaterne oder wie im obigen Fall eine Kirchturmspitze.

Hat man ein solches Objekt in der Umgebung gefunden, kann man nun folgende Schritte anwenden:

  1. Ein langbrennweitiges Okular (ca. 20 mm) oder ein Fadenkreuzokular in den Okularauszug stecken.
  2. Das Objekt (Kirchturm oder Laterne) im Teleskop zentrieren.
  3. imageDen Sucher mit den Stellschauben auf das Objekt ausrichten. Dabei nicht die Montierung verwenden, sondern nur die Stellschrauben am Sucher.
  4. Hat man das Gefühl mit dem langbrennweitigen Okular und dem Sucher noch nicht genau in der Mitte zu sein, kann man nach der ersten Einstellung auch ein kürzeres (10mm oder 5mm) Okular verwenden.

Fertig! Ein Kontrollblick durchs Teleskop kann natürlich nicht schaden. Sollte das Objekt nun im Sucher und im Teleskop genau in der Mitte sein, ist man fertig. Wenn nicht fängt man noch einmal von vorne an.

Auch die Rotpunktsucher oder das Telrad haben diese Stellschrauben. Dieses Vorgehen muss man immer wieder durchführen. Wie gesagt, ich mache das vor jeder Beobachtung.

Nun kann man mit dem Sucher nach den Himmelsobjekten suchen und hat dieses Objekt anschließend im Teleskop.

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2 comments

  1. Lothar Flörke sagt:

    Sehr gut und wohl für jedem verständlich erklärt. (y)

  2. Maurizio Scogna sagt:

    Obwohl diese Aufgabe bereits in meinen Anfangsjahren als Sternenfreund ziemlich gut beherrschte, habe ich mit den neuen Sucher Typen noch nie geteste. Also, super Bericht!

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