Astrofotografie mal einfach: FirstScope und QHYCCD (Erfahrungsbericht)

IMG_3221Ist Astrofotografie kompliziert und teuer? Die Antwort auf die Frage ist nicht ganz so einfach zu geben. Tolle Astro-Fotos von Nebeln oder weit entfernten Sternenhaufen ist nicht einfach mal so eben zu machen. Man benötigt Nachführungen die möglichst genau arbeiten und auch mit der Kameratechnik sollte man sich auskennen. Wer in diese Bereiche vorstoßen will, braucht schon ein gewisses Equipment und natürlich auch das entsprechende Kleingeld.

Es muss aber nicht immer kompliziert sein und auch nicht unbedingt teuer. So habe ich einmal versucht herauszufinden wo die Grenzen eines sehr einfachen Systems liegen. Für mich persönlich habe ich die Grenzen gefunden und Euch möchte ich diese Erfahrungen mit diesem Artikel näher bringen.

Das Equipment

Ich sehe mich als Experimentator. Also jemand der gern viel Ausprobiert und darüber schreibt. Natürlich könnte ich mein 4”, 6” oder auch den 8” Zöller verwenden und natürlich könnte ich auch mit Nachführungen arbeiten. Aber mein Ziel ist es immer wieder auszutesten ob man nicht auch mit einfachen Mitteln sehr weit kommt.

So fotografiere ich den Sternhimmel oftmals nur mit der Spiegelreflexkamera und komme dabei schon sehr tief in den Himmel.

Erst letzten konnte ich so die beiden Sternhaufen M44 und M67 entdecken:  M44 und M67 aus der Großstadt Berlin nur mit DSLR fotografieren

Dieses mal begann mein Test mit der Idee, was wohl alles mit einem kleinen “Billig”-Newton (Minidobson) möglich ist. Aus Faulheit wollte ich nicht meinen 4 Zöller aufbauen und daher musste mein kleines FirstScope dran glauben.

Mit der QHYCCD-Kamera am Newton ging also alles los und führte zu diesem Artikel.

Das Equipment ist sehr einfach gehalten:

FirstScope 76/300 (76 mm Spiegeldurchmesser und 300 mm Brennweite) (Preis: 66 € bei Amazon*)

QHYCCD 5-II-L (monochrom) – Eine USB-Kamera mit CMOS-Chip extra für Planeten, Mond, Sonne und zum Guiding gut geeignet.

Preis: ca. 245 € (Stand 04/2015)

Laptop – einfacher Win XP Laptop mit FireCapture als Software zum aufzeichnen der AVI’s.

Schaut man sich die Preise für die Komponenten an, dann bleiben die Aussagen aus mein Artikel:   Warum man mit 300€ nicht in die Astrofotografie einsteigen kann? erhalten.

Aber man muss auch keine 2.500 € investieren um erste Schritte in die Astrofotografie zu unternehmen.

Der Mond

Der erste Versuch mit diesem Aufbau war der Mond am 30. März 2015. Der Aufbau mit Laptop und Mond in FireCapture sieht wie folgt aus.

Aufnahme Mond mit dem FirstScope Teleskop

Man sieht sehr deutlich auf dem Monitor, dass der Mond gerade so in das Bild passt. Hier ist also das große Gesichtsfeld der Kamera gerade so ausreichend.

Ich habe mehrere AVI’s erstellen lassen und konnte einige davon anschließend mit der Software Registax bearbeiten.

Eines der Ergebnisse kann man nun hier sehen.

Mond mit FirstScope-Teleskop

Damit ist wohl erst einmal der Beweis erbracht, dass auch der Mond mit einer solchen Konfiguration sehr gut abzulichten ist. Mit ein wenig Geschick kann man hier sicherlich noch etwas mehr aus dem Mond herausholen.

Schwierigkeiten

Auffinden des Mondes und auch die Nachführung auf den Mond ist nicht ganz einfach. Kleine Veränderungen oder ein starkes Wackeln am Tisch führten dazu, dass man wieder alles neu Einstellen musste. Auch das Fokussieren des Mondes ist so nicht ganz einfach, da die ganze Sache doch sehr wackelig ist.

Die Sonne

Den gleichen Test konnte ich am 04.04.2015 mit der Sonne durchführen. Der Aufbau bleibt dabei der gleiche.

IMG_3224

Bei diesem Aufbau kommt natürlich noch ein Sonnenfilter (Bauanleitung: Sonnenfilter für das Teleskop mit Folie selber bauen (mit Fotos)) hinzu. Mit einem kleinen Trick hatte ich dann auch schnell einen Sonnenfinder installiert. Ein Schaschlik-Spieß reichte dafür aus.

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Sobald der Schatten nicht mehr zu sehen war, zeigte das Teleskop auf die Sonne. Damit konnte man bei Wolken auch mal 5 Minuten warten und stellte das Teleskop dann nach.

Da ich noch keine richtige Aufnahmesoftware für die Sonne habe, ist leider mein erster Versuch mit FireCapture in einer Überbelichtung gemündet. Das es funktioniert, kann man aber auch an diesem Video sehen:

Da an diesem Tag aber eh keine Sonnenflecken auf der Sonne waren, spielt das für den Test keine so große Rolle. Mit den richtigen Einstellungen für die Belichtung sollte das mit der Sonne also auch klappen.

Schwierigkeiten

Auch hier gab es wieder die Schwierigkeiten der Wackelei. Das ist leider mit dieser Konfiguration nicht in den Griff zu bekommen. Für die schnelle Beobachtung ist das Gerät wirklich toll, aber mit der Astrofotografie wird es unangenehm. Das führte vor allem beim Jupiter zu Schwierigkeiten.

Der Jupiter

Natürlich wollte ich neben Mond und Sonne auch auf die Planeten gehen. Dabei habe ich mir gestern Abend Jupiter rausgesucht.

Hier kann ich aber leider kein Ergebnis präsentieren.

Der Versuch den Jupiter ruhig in das Teleskop zu bekommen scheiterte an der Wackelei. Es ist sicherlich Möglich den Jupiter zu erwischen, aber dazu benötigt man eine wirklich ruhige Hand und auch ein wenig Glück. Sobald man diesen drin hat, muss man noch fokussieren und ein entsprechendes Video machen.

Ich habe es eine Stunde lang probiert und ab und zu konnte ich Jupiter auf dem Laptopmonitor am Rand sehen. Das nachstellen mit dem Teleskop führte aber immer wieder dazu, dass er komplett verschwunden war und ich erst wieder mit Okularen suchen musste.

Allein der Wechsel zwischen Okular und Kamera führte oft dazu das der Jupiter wieder aus dem Gesichtsfeld der Kamera lief. Damit war dann auch der Test mit dieser Konfiguration für mich beendet.

Fazit

Ja, Astrofotografie geht auch sehr einfach. Man kann mit einfachen Mitteln auch wirklich tolle Ergebnisse erzielen und erlernt dabei eine ganze Menge an Fertigkeiten. Umgang mit Software und Hardware eingeschlossen.

Dieser Test hier basiert natürlich auf der Astrofotografie. Das FirstScope selbst ist zum Beobachten von Mond, Sonne (nur mit Filter) und auch von Planeten ist gut geeignet. Hier kann man für sehr wenig Geld schon eine ganze Menge an Himmelsobjekten aufsuchen.

Die 4 Monde des Jupiters waren zum Beispiel an dem Testabend kein Problem und auch kurzzeitig auf dem Monitor zu sehen. Trotzdem würde ich hier eine EQ-Montierung empfehlen da der Umgang und das wiederfinden der Objekte doch um einiges einfacher ist, als mit der kleinen Dobson-Plattform.

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One comment

  1. Jürgen Stolze sagt:

    Hallo Stefan, Danke für den aufschlussreichen Artikel. Kann das alles nur bestätigen. War grade für 2 Wochen an der Istsee und wollte meine neue ASI 120 MC ausprobieren. Hatte mein Reiseteleskop, einen Skywatcher 100/400 Newton auf Fotostativ, dabei. Ich bin ohne Barlowlinse kaum in den Dokus gekommen. Hab zwar einige Aufnahmen und Erfahrungen machen können, aber nichts wirklich gutes. Für den Baby-Newton ist das iPhone am Okular aus meiner Sicht die beste Wahl. Die ASI braucht mehr Brennweite. Das wird bei Deiner USB-Cam sicher ähnlich sein.

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