Der Weg von einem 2D-Powerpoint-Vortrag zur 360°-FullDome-Präsentation (Planetarium-Programm mal anders)

In meinem Leben habe ich nun schon sehr viele Vorträge gehalten und seit ca. 1 1/2 Jahren tue ich dies auch in Planetarien. Natürlich bereite ich mich mit Vortragssoftware wie Microsoft Powerpoint (Windows) oder Keynote (Mac) darauf vor.

Eine Sache ärgert mich dabei seit meinem ersten Vortrag im Planetarium. Man hat so “unendlich” viel Platz im Planetarium und nutzt trotzdem nur eine relativ kleine 2D-Fläche. Auch die Technik mit Folien finde ich nicht berauschend und natürlich kommen Filme oder Filmausschnitte dabei auch nicht so gut rüber.

Daher habe ich eine ganze Weile nach einem Weg gesucht alles anders zu machen. Das Ergebnis kann man am 8.4.2015 im Planetarium am Insulaner in Berlin bewundern und hier den Weg zur Erstellung nachlesen.

Von einer 2D-Powerpoint-Vortrag zur 360°-FullDome-Präsentation!


Ziel und aktueller Stand im Planetarium

Das Ziel meiner ganzen Anstrengung habe ich oben schon dargestellt. Ich finde die Shows in Planetarien sehr faszinierend. Man hat eine sehr große Fläche (Kuppel) zur Verfügung und kann diese für entsprechende Inhalte nutzen.

Natürlich braucht man dazu ein entsprechendes System. Dieses nennt sich FullDome und projiziert mittels einer gewissen Anzahl an Beamer das 360°-Bild oder –Video auf die Kuppeloberfläche.

Die Erstellung einer solchen Show ist nicht ganz einfach und es bedarf doch einer gewissen Leistungsstarken Hardware um solch Shows/Filme zu produzieren.

Mein persönliches Ziel ist es aber nicht Shows für Planetarien zu produzieren, sondern die Vortragserstellung so zu ändern, dass die Möglichkeiten eines Planetariums mit FullDome-Technik ausgenutzt werden.

Stand der Technik in Planetarien

Im Gegensatz zu Planetariumsshows, die oft mit visuellen Eindrücken versuchen ein spezifisches Thema den Menschen näher zu bringen, ist ein Vortrag im Planetariums meist ein inhaltliche Darstellung des Wissensstandes des Vortragenden. Ohne diesen Vortragenden würden nur sehr wenige Vorträge dem Planetariumsbesucher etwas bringen.

Vergleichbar ist ein Vortrag also nicht mit einer Planetariumsshow, sondern eher mit den Veranstaltungen bei denen die Planetarier den Sternenprojektor verwenden und den Menschen erläutern, was am Sternenhimmel zu sehen ist.

Halte ich nun einen Vortrag im Planetarium, z.B. über die ISS – siehe auch Mein erstes mal … in einem Planetarium (Ein Vortrag über die ISS), dann Versuche ich den Inhalt meines Vortrages zu transportieren und nutze dabei für mich bekannte Medien. Vornehmlich ist das für mich Powerpoint oder Keynote.

Damit kann ich zwar im Planetarium einen Vortrag abhalten, aber ich nutze bei weitem nicht das Potential eines Planetariums. Schließlich kann ich den Vortrag auch 1-zu-1 an anderen Orten mit Leinwand und Beamer halten. Das ist nicht schlecht, da ich auch von Sternwarten oder anderen Häusern gebucht werden und dort meine Vorträge halten kann.

Sobald ich aber ins Planetarium komme und dort meinen Vortrag halte, empfinde ich das ganze als Platz- und Potentialverschwendung. In den letzten 2 Monaten war ich also auf der Suche nach Möglichkeiten um diesen Umstand zu ändern.

Aus reinen Vorträgen werden Präsentationen

Mein Ziel war es also den Inhalt von Folien mit den Möglichkeiten im Planetarium zu koppeln und die gesamte Fläche zu nutzen.

Durch einen Tipp von einem Kollegen habe ich nun eine gute Möglichkeit gefunden genau dieses Ziel zu erfüllen. Und das auch noch kostenlos.

Die Lösung heißt: Amateras Dome Player

Mit dem Amateras-Player kann man nun seine eigene FullDome-Show anschauen und auch erstellen. Die freie Version ist zwar eingeschränkt, aber für meine Ziele reicht es alle male aus.

Erstellung einer Präsentation

Um nun eine Präsentation im Stile eines PPTZ-Vortrages zu machen, fehlte mir noch ein Hinweis und dieser kam natürlich von meinem Kollegen prompt.

Slides heißt hier die Lösung. Neben den Möglichkeiten hier Bilder im Full-Dome-Format einzufügen, kann man nun die Slides verwenden um seine Folien einzubauen.

Dazu reichte es aus die Folien z.B. mit Keynote (Mac) zu erstellen und diese als Bilder zu exportieren. Nun konnte ich also Full-Dome-Inhalte und Vortrags-Inhalte koppeln. Nach dem Exportieren erhält man ein Bild welches in einem Planetarium dargestellt werden kann.

Das Ergebnis dieser Kopplung sieht dann so aus:

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Nun braucht man nur noch genügend Bilder zu erstellen und hat eine Präsentation für die Kuppel erstellt.

Natürlich wären solche Präsentationen ohne Video ja doch wieder unspannend. Also musste noch ein wenig was visuelles her und da hilft die NASA/ESA. Die Organisationen sind ja daran interessiert die Inhalte Ihrer Bilder auch ins Planetarium zu bekommen.

Unter der ESA-Hubble Webseite Spacetelescope.org findet man unter Videos –> Dome Masters eine ganze Reihe an Sequenzen die für ein Planetarium schon aufbereitet sind.

So kann man sich diverse Bilder von Hubble anschauen und diese Sequenzen herunter laden.

 

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Endschritt

Natürlich muss das ganze nun noch in die Kuppel. Hier gibt es unterschiedliche Systeme, die ich auch noch nicht alle kenne. Bei manchen Planetarien kann man eine JPEG-Folge einfach Live im Planetarium abspielen. Bei anderen muss man vorher die ganzen Sachen dekodieren und in eine entsprechende Timeline implementieren.

Hier solltet Ihr mit den Planetarien sprechen und das möglichst frühzeitig.

Bei uns im Planetarium am Insulaner ist die Timeline-Variante bevorzugt. Da ich zum Glück einen leichten Zugang zum Planetarium habe, konnte ich den Vortrag vorher testen und diesen auch selbstständig am Produktionsrechner zusammen stellen.

So werde ich am 8.4. (Mittwoch) meinen Vortrag zu 25 Jahre Hubble Weltraumteleskop als 360° Full-Dome-Präsentation halten.

Die Veranstaltungsankündigung kann man dann auch hier finden: 25 Jahre Hubble-Weltraumteleskop

Ausblick und Grenzen

Der Amateras-Player hat seine Grenzen. Vorgestellt habe ich mir einen Foliensatz wo ich in der Mitte eine Hauptfolie habe und rechts und links jeweils eine eigene mit Inhalt. Leider scheint das nicht zu gehen und daher musste ich die Strategie etwas ändern.

Nun habe ich eine Hauptfolie in der Mitte und sowohl rechts als auch links das gleiche zu stehen.

Man sieht das auf dem eingefügten Bild oben. Weiterhin kann ich mir zwar meine persönliche Playliste erstellen, aber exportieren kann ich immer nur ein Einzelbild. Ich muss also jedes gezeigte Bild einzeln aus der Software speichern.

Das macht einen gewissen Aufwand bei der Erstellung und eigenen Animationen kann ich darüber auch nicht erstellen.

Ein Ziel von mir wird noch sein bestimmte Videosequenzen mit Musik zu untermalen. Diese Musik kann dann in die Timeline des Planetariumsprogramm eingebaut werden und untermalt die Videosequenzen, die ich von Extern bekommen habe.

Für mich heißt es nun die Vorträge aus meinem Portfolio in 360°-FullDome-Präsentationen umzubauen. Das ist natürlich ein gewisser Aufwand. Dieser lohnt sich aber meiner Meinung nach nicht nur für mich, sondern auch für mein Publikum.

Ich werde hier im Blog auf jeden Fall über die Erfahrungen meiner ersten Planetariumsshow in 360° berichten.

Danksagung

Natürlich muss ich mich bei zwei Personen bedanken. Zum einen ist das Sascha Kriegel (vom Planetarium Hamburg) der mir die vielen unprofessionell gestellten Fragen geduldig beantwortet hat und mir den Ansatz zur Technik zeigte. Damit ist ein Wunsch in Erfüllung gegangen.

Und natürlich auch Monika Staesche (Leiterin des Planetariums am Insulaner), die mir den Zugang zum Planetarium ermöglicht und zeigte wie ich meine Präsentation erstellen kann.

Beiden sage ich: Vielen lieben Dank für Eure Unterstützung.

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3 comments

  1. Michelle sagt:

    Sehr interessanter Ansatz, eine Präsentation im Planetarium zu halten. Wie ist hier das Prozedere, wenn man nicht direkt Zugang und Kontakte hat? Ist es möglich, ein Planetarium für einen Vortrag zu mieten?

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Michelle,
      es gibt auch Möglichkeiten eine solche Präsentation ohne Planetarium zu erstellen. Da habe ich bei meiner Erstellung gelernt und werde weitere 360°-FullDome-Präsentationen nun gesamt an meinem Rechner erstellen. Dazu werde ich auch noch etwas bloggen.

      Und natürlich kann man Planetarien auch für Vorträge und andere Veranstaltungen mieten. Mein erklärtes Ziel ist es ja auch mal andere Formate oder Themen in einem Planetarium zu sehen. Schließlich ist es kein MUSS einen Präsentationsinhalt über Sterne, Weltraum oder Raumfahrt zu erstellen.
      die Großplanetarien haben ca. 300 Plätze zur Verfügung und da lassen sich schon schöne Veranstaltungen organisieren. Ist für die Teilnehmer sicher auch spannend und meistens eine Kindheitserinnerung. Falls du da Interesse hast komm doch einfach mal auf mich zu.
      Viele Grüße
      Stefan

      P.S. Interessante Webseite hast Du da verlinkt! :-)

  2. Michelle sagt:

    Super, vielen Dank für die Antwort, ist wirklich eine sehr interessante Idee und ich werde mal überlegen, wie ich so was angehen kann.

    Glückwunsch auch zu deiner so gut gelungen Präsentation am letzten Mittwoch und zu dem guten Teilnehmer-Feedback. Ich habe deinen Folgeartikel auch mit viel Interesse gelesen.

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