Rückblick: Meine 360°-FullDome-Präsentation im Planetarium am Insulaner (Berlin)

testfolie3Letzte Woche Mittwoch (am 8.4.2015) hielt ich nun meine erste 360°-FullDome-Präsentation im Planetarium. Für mich persönlich war dies eine Weltpremiere und ich kann schon vorwegnehmen, den Besuchern hat es gefallen.

Gelerntes, Erfahrungen und auch meine Fragebogenbewertung möchte ich hier in diesem Artikel niederschreiben. Zum einen damit ich das gelernte auch nicht vergesse und zum anderen um Euch vielleicht zu animieren auch mal eine solche Art der Präsentation zu erstellen. Es ist nicht ganz so schwer wie man vielleicht denkt.

 

 


Idee und Inhalt

Erst kam die Vortragsanfrage, dann kam die Idee. Das Thema zu welchem ich vortragen durfte war der Anlass das Hubble – das Weltraumteleskop 25 Jahre alt wird. In allen mir bekannten Planetarien und Sternwarten gibt es zu diesem Anlass Vorträge und mehr.

Die Idee bei einem solchen Vortrag nun endlich auch die gesamte Kuppel eines Planetariums zu nutzen, geistert mir im Kopf herum, seit dem ich meine ersten Vorträge in Planetarien gehalten habe.

Ich finde die Verwendung von Powerpoint oder anderen Präsentationstools toll, aber im Planetarium stehen einem so viel Platz zur Verfügung, dass ein PPT-Vortrag reine Verschwendung von Platz ist.

Wie ich meinen Vortrag umbaute kann man übrigens in diesem Artikel schon mal nachlesen: Der Weg von einem 2D-Powerpoint-Vortrag zur 360°-FullDome-Präsentation (Planetarium-Programm mal anders)

Der Inhalt war also schon mal durch das Thema vorgeben: 25 Jahre Hubble Weltraumteleskop. Wie nun aber diesen Inhalt auf 360° FullDome bekommen.

Lösung und Umbau der Präsentation (Schritt 1)

Die größte Hürde hierbei war erst einmal zu verstehen, wie ein Planetarium FullDome einsetzt und welche Voraussetzungen es gibt.

Der beste Tipp kam von Sascha Kriegel (Planetarium Hamburg). Er zeigte mir eine Möglichkeit meine bisherigen Folien mit 360° Inhalten zu kombinieren und damit das Format zu ändern.

Mittels dieses Amateras FullDome Players kann ich die Folien auf die Kuppel projizieren und für ein FullDome-System exportieren. Kombiniert man nun diese Möglichkeiten mit 360° Hintergrundbildern, hat man schon mal die Präsentationsform geändert.

004

Die Inhalte in den sogenannten Slides (Folienbereich) sind einfache Folien in einem Präsentationsprogramm. Auf meinem Mac erstelle ich diese in Keynote (PPT-Ersatz für Mac) und kann diese Folien als JPG exportieren.

Diese Bilder-Folien kann ich dann im Amateras Dome Player einbinden und die verzerrte Darstellung nun wiederrum exportieren. Nach kurzer Eingewöhnungszeit geht die Erstellung dieser DOME-Bilder sehr schnell.

Das Hintergrundbild stammt übrigens aus einem sogenannten FullDome-Master von Hubble. Diese JPG-Sequenzen kann man sich von der Webseite Spacetelescope.org herunterladen und nach dem entpacken der ZIP-Archive gibt es dort JPG-Sequenzen. Ich habe mich für dieses Bild entschieden, da es weniger ablenkt.

Damit konnte ich nun alle zu zeigenden Bilder (Folien) zu Hause zusammen bauen. Nun kam aber der schwierige Schritt. Wie bringt man das ganze in die Kuppel?

System im Planetarium genutzt (Schritt 2)

Nun konnte ich mit meinen Inhalten als 360°-FullDome-Master und einigen Sequenzen der Hubble-Aufnahmen in Planetarium gehen. Ohne diesen Kontakt in Insulaner (für den ich sehr dankbar bin) wäre diese 360°-FullDome-Präsentation wohl nicht entstanden.

Die wissenschaftliche Leiterin des Planetariums, Frau Dr. Monika Staesche, gab mir die Möglichkeiten im Planetarium an den Produktionsrechnern zu lernen, wie man eine solche Präsentation zusammenbaut und auf was man achten muss.

Das verwendete System im Planetarium am Insulaner nennt sich Powerdome Velvet und wird von der Firma Zeiss zur Verfügung gestellt und produziert.

Mittels der dazugehörigen Software kann man nun seine Bilder in einer Timeline anordnen und auch mit Effekten (Aufblenden, Abblenden etc.) versehen.

Die JPG-Sequenzen (DomeMaster), die ich von der Hubble-Seite hatte, kann man ebenso mit einem speziellen Encoder kodieren und damit für die Darstellung in der Kuppel zur Verfügung stellen. Nach dem kodieren erhält man ein m2v-Video welches sich ebenso in die Timeline einfügen lässt.

Setzt man dann noch entsprechende Pausen um bei den Folien und Inhalten zu stoppen, ist die Präsentation schon fast fertig.

Das Zusammenbasteln der Präsentation hat dann nochmal 2 Besuche im Planetarium bedurft. Hierbei musste ich aber vieles lernen und heute wurde das alles wesentlich schneller gehen.

Abspielen (Schritt 3)

Hat man die Reihenfolgen festgelegt und die Bilder und Videos (Musik ginge übrigens auch) eingebunden, dann bedarf es nur noch einem Abspielen und natürlich der Präsentation per Sprache.

So kompliziert ist es also nicht eine 360° FullDome Präsentation zusammen zu stellen.

Erfahrungen und Verbesserungen

Natürlich baut man erst Erfahrungen auf, wenn man sich mit der Technik beschäftigt. So war es auch hier. Diese Erfahrungen möchte ich hier einfach einmal zusammenfassen.

Große Folien & Große Schrift & Kontrastreiche Bilder

Meine Folien nehmen in der Kuppel schon einen gewissen Raum ein. Zumindest erscheint es so in der Software von Amateras. Gezeigt hat sich aber die Erfahrung, dass man hier eher Klotzen sollte.

Auch was die Schriftgröße anbelangt. So sollten die Folien möglich viel Raum in der Front des Planetariums einnehmen. Als Vergleich habe ich hier mal eine Folie eingeblendet die ich zur Präsentation verwendet habe und eine Folie wie ich diese in Zukunft erstellen werde.

testfolie1

testfolie2

Die Rahmen um die Folien lassen sich ausblenden. Für die Größendarstellung habe ich diese aber nun drin gelassen.

Die Schrift auf dem zweiten Bild müsste noch vergrößert werden, dann wären diese Folien noch etwas besser für die Planetariumskuppel geeignet.

Bei den kontrastreichen Bildern muss man ein wenig spielen. So hatte ich ein Foto einer Hubble Deep Fieldaufnahme verwendet und dort konnte man leider den Effekt nicht deutlich sehen.

Auf der rechten Seite sieht man das Bild. Hier wäre also eine kontrastreiche Darstellung besser gewesen. Die Beamer eines FullDome-System zeigen zwar Bilder und Videos in 3k oder 4k (die neueren auch in 8k) aber durch die Ganzkuppelprojektion wird es nicht richtig dunkel.

Dadurch geht das gelbe Dreieck komplett verloren. Daran muss man unbedingt denken.

Auch Videos mit blassen Farben gehen hier in der Kuppel etwas unter. An solchen Videos sollte man noch einmal Hand anlegen und diese per Farb- und Kontrasteinstellungen bearbeiten.

Was ist ein DomeMaster?

Genauso wie ich gelernt habe, wie die Folien für einen 360° Kuppel zu erstellen sind, habe ich nun auch (nach langer Zeit) verstanden was ein DomeMaster ist.

Eigentlich ist es nicht so schwer, aber wenn man nicht aus dem Fach kommt, können die Fachbegriffen einen schon sehr verwirren.

Ein DomeMaster ist nichts anderes als die Aneinanderreihung von JPG-Dateien in dem Format 4096 x 4096 Pixel. Außerdem müssen die Daten als Kuppelformat vorliegen. Das ist nichts anderes als das runde Format, welches Ihr oben in den Bilder aus dem Amateras Dome Player gesehen habt.

Domemaster1Die Sequenz in einem DomeMaster sollte nach bestimmten Kriterien benannt werden. So sollten alle Bilder immer das folgende Format besitzen: name_00000.jpg

Dabei ist darauf zu achten, dass der Name vorn immer gleich ist und die 5 Zahlen am Ende des Namens durch ein Unterstrich vom Namen getrennt ist. Ansonsten zählen die Bilder ganz einfach hoch.

Schaut man sich eine solche DomeMaster-Sequenz aus den Hubble-Shows der Seite SpaceTelescope.org an, dann erkennt man nun schnell das System.

Erstellt man nun mit geeigneten Videoprogrammen (z.B. Final Cut Pro) solche DomeMaster, braucht man nicht mehr ins Planetarium. Man kann alle Effekte selbst einbauen und exportiert diese JPG-Sequenz dann auf eine externe Festplatte.

Die einzige Info die das Planetarium dann benötigt, sind die Pausenzeiten. Also wann soll eine Pause stattfinden, damit man genügend Zeit hat über die Folien zu sprechen.

Diese Technik werde ich bei der Erstellung meines nächsten Vortrages als 360°-FullDome-Präsentation anwenden. Geplant ist hier meinen eigenen ISS-Vortrag anzupassen.

Bewertungen der Besucher (Fragebogen)

Nun kann sich jeder sicher vorstellen, dass ein kompletter Umbau eines Vortrages zur 360°-FullDome-Präsentation zu Unsicherheiten führt. Bei mir kamen schnell die Fragen auf: Wie gefällt es den Besuchern? Wird es ankommen? Wie werde ich mit der neuen Technik umgehen?

Damit ich nicht nur mündlich erfahre wie die Präsentation ankommt, habe ich einen kleinen Fragebogen mit 4 Fragen entwickelt und an diesem Abend die Besucher gebeten, diesen Fragebogen doch auszufüllen.

Von ca. 100 Besuchern haben 22 den Fragebogen ausgefüllt. Das sind zwar nicht alle Besucher, aber ich finde den Schnitt schon ganz gut.

Ich habe die Daten einfach mal in eine Tabelle eingetragen und kleine Balkendiagramme erstellt.

Hier nun die 4 Fragen als Balkendiagramme:

image

image

imageimage

Ich glaube das es hier absolut nichts zu meckern gibt. Bei 3 von 4 Fragen sind die meisten Besucher absolut zufrieden und bei einer Frage bekomme ich als Summe ein GUT.

Auch die Kommentare sind ähnlich strukturiert. Ich habe hier mal zwei oder drei der Kommentare herausgesucht:

“Mehr Bilder wären noch möglich gewesen. Ansonsten eine wirklich angemessene Würdigung für 25. Jahre”

oder:

“Der Referent sollte wiederkommen”

oder:

“Bilder und Schrift z.T. etwas dunkel/unscharf, sehr gut die Full-Dome Animationen”

Im wesentlichen gab es genau 3 Kritikpunkte.

1. Kritikpunkt: Mehr Bilder und Videos

Viele wollten mehr Bilder und längere Impressionen (Videos). Das werde ich im nächsten Vortrag beachten. Das scheint aber ein Wunsch zu sein, der der 360°-Präsentation geschuldet ist. Hier scheint das Format einhellig anzukommen.

2. Kritikpunkt: Folien und Bilder zu dunkel.

Das habe ich ja oben schon einmal angesprochen. Diesen Punkt werde ich in der nächsten Präsentation beachten und die technische und visuelle Anpassung der Folien ändern.

3. Kritikpunkt: Mehr Fakten

Hier war die Präsentation von Hubble wohl für einige wenige zu flach und es hätten wohl mehr Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse integriert werden sollen. Auch darauf werde ich in Zukunft achten und die tiefe der Vorträge anpassen. Hier muss ich einen guten Mittelweg zwischen Kritik 1 und dieser Kritik 3 finden. Das stelle ich mir nicht ganz so leicht vor.

Fazit

Ich glaube ich kann behaupten, dass die neue Technik einer 360°-FullDome-Präsentation ein voller Erfolg war und ich werde versuchen alle meine Planetariumsvorträge zu dieser Art der Präsentation umzubauen.

Schließlich ist der Aufwand überschaubar und der Mehrwert für die Besucher erheblich.

Ähnliche Artikel:

Rückblick: Meine 360°-FullDome-Präsentation im Planetarium am Insulaner (Berlin), 5.0 out of 5 based on 2 ratings
Teleskop bei Astroshop
Werbung

2 comments

  1. Ute sagt:

    Glückwunsch Stefan!
    Das ist dann doch als voller Erfolg zu werten!
    Tut mir nur leid, dass ich das nicht sehen konnte.
    Lieben Gruß
    Ute

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Ute, tut mir auch leid. Wäre sicherlich spannend für Dich gewesen und ich hätte Dich gern dabei gehabt.
      LG
      Stefan

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *