10 Himmelsobjekte für Einsteiger und Anfänger

Viele Einsteiger haben sich Ihr erstes Teleskop gekauft oder gar geschenkt bekommen und stehen gleich vor der Frage: “Was kann man am Himmel beobachten”. Ist die Zeit gerade passen für Mond oder den ein oder anderen Planeten, hat man noch Glück und beginnt oft damit. Aber es gibt auch Zeiten bei denen der Mond nicht am Nachthimmel steht oder man weiß nicht mal das einige der hellen Lichtpunkte Sterne sind.

Dieser Artikel stellt 10 Objekte am Nachthimmel vor, die man schon mit sehr einfachen Teleskop (70 – 114 mm Öffnung) beobachten kann.

Hat man diese 10 Objekte beobachtet, ist man schon ein ganzes Stück weiter in seinem neuen Hobby.

Himmelsobjekt 1: Der Mond

Man könnte sich sein Leben lang den Mond anschauen.

So lautet ein Zitat aus einem Zeitungsinterview im Tagesspiegel mit mir. Jemand der sich der Mondbeobachtung verschreibt wird immer wieder neue Bereiche entdecken. Selbst in kleinen Geräten kann man den Mond gut beobachten.

Viele Einsteiger machen den Fehler und betrachten sich den Vollmond. Dieser ist nun auch am einfachsten zu finden. Der Mond wird aber genau zu allen anderen Tagen sehr interessant. Bei Vollmond wird der Mond nämlich gesamt beleuchtet und dadurch gibt es keinen Schattenwurf der Krater und Gebirge. Schaut man sich aber den Mond zu anderen Tagen an und wandert am Terminator (der Nacht-Tag-Grenze) entlang, entdeckt man plötzlich ganz viele Strukturen.

In der Artikelserie: Eine Reise zum Mond hier im Blog findet Ihr viele tolle Hinweise zur Mondbeobachtung.

Mit einem einfachen Teleskop (z.B. Bresser 76 / 700) und einem 10 mm Okular bekommt man den Mond schon gut Formatfüllend ins Bild und kann sich lange Zeit mit dem Mond beschäftigen.

Empfehlung: Damit man auch weiß was man gesehen hat auf dem Mond, sollte man sich eine Mond-Karte oder einen Mond-Atlas zulegen.

Mond-Karte: Hallwag: The Moon / La Luna – Space Map (bei Amazon*).
Mond-Atlas: Kosmos Mondführer (bei Amazon*)

Beste Beobachtungszeit: Immer

Himmelsobjekt 2: Die Sonne

Oft unterschätzen Anfänger das man auch die Sonne wunderbar beobachten kann. So bilden sich immer wieder neue Fleckengruppen auf der Sonne und mit einem einfach Filter (ACHTUNG: NIEMALS OHNE FILTER IN DIE SONNE SCHAUEN – HILFREICHE ARTIKEL ZUR SICHEREN SONNEBEOBACHTUNG FINDET MAN HIER UND HIER) kann sich jeder mit einem einfachen Teleskop die Sonne anschauen.

Das tolle an der Sonne ist übrigens Ihre Größe. Sie hat den gleichen scheinbaren Durchmesser am Himmel wie der Mond. Das heißt wenn Ihr den Mond formatfüllend in das Teleskop bekommt, gilt das gleiche für die Sonne.

Der Sonnenfilter den man braucht kann man sich allein basteln. Eine Anleitung findet Ihr auch hier im Blog: Bauanleitung: Sonnenfilter für das Teleskop mit Folie selber bauen (mit Fotos)

Und wer einen solchen Filter dann besitzt ist auch gleich für die nächste Sonnenfinsternis vorbereitet.

Mit ein bisschen Glück und einem Ohr an der Astro-Szene kann dann auch mal Riesen-Sonnenflecken sehen. Diese Gruppe im Bild rechts oben ist wesentlich Größer wie die Erde oder sogar Jupiter.

Einen Bericht zu der Fleckengruppe aus dem Oktober 2014 findet Ihr hier: Ein Sonnenfleck begeistert die Astronomie-Szene (AR12192)

Beste Beobachtungszeit: Immer

Himmelsobjekt 3: Planeten

Auch in kleineren Geräten funktioniert die Beobachtung von Planeten recht gut. Hierbei kommt man eher in die Schwierigkeit das die Montierungen und das Stativ sehr wackelig sind und man bei der kleinsten Berührung das ganze System zum Schwingen bringt.

Trotzdem funktioniert die Planetenbeobachtung.

Natürlich sollte man sich Informieren welche Planeten gerade sichtbar sind und wie man diese findet. 3 der Planeten kann man aber sehr einfach entdecken, da diese sehr hell sind und den Sternenhimmel oft dominieren.

imageJupiter, Venus und Saturn sind die hellsten Himmelsobjekte nach dem Mond und der Sonne. Damit man aber auch die Planeten findet sollte man sich entweder ein Himmeljahrbuch wie das Kosmos Himmelsjahr anschaffen oder aber die Software Stellarium verwenden.

Schließlich bewegen sich die Planeten nicht wie die restlichen Sterne.

Mit einfachen Geräten kann man dann schon die Galileischen Mond beobachten oder aber die Ringe von Saturn sehen.

Mit Geräten um die 50-70 mm Öffnung lassen sich dann schon die Wolkenbänder und die Monde auf Jupiter entdecken und Saturns Ringsystem. Geräte von Öffnungen bis 120 mm zeigen dann auch schon Strukturen in den Wolkenbändern und auch die Teilung der Ringe des Saturns.

Man sollte aber nicht erschrecken. Die beiden größten Planeten erscheinen in kleineren Geräte unheimlich klein und vor allem am Anfang hat man noch viel mit der Technik zu tun. Wer die Beobachtung der Planeten geübt hat, kann immer mehr Strukturen erkennen. Das astronomische Sehen will auch gelernt und geübt sein.

Oben sieht man einen Ausschnitt eines 114 mm Teleskop mit 1000 mm Brennweite und einem 10 mm Okular. Man kann die Webseite der Sternfreunde Münster nutzen um für sein Gerät die Ansichten zu generieren.

Teleskop- und Okularrechner der Sternfreunde Münster.

Beste Beobachtungszeit: Immer

Himmelsobjekt 4: Offener Sternhaufen M44 (OS)

imageAls Einsteiger kennt man die Himmelsobjekte 1-3 und hat sicherlich ein wenig damit zu tun. Nach einer gewissen Zeit möchte man aber mehr sehen und fragt sich wohl oft, wie finde ich interessante Objekte.

Vor der Zeit des Internets gab und gibt es viele tolle Bücher die für jeden Einsteiger sinnvoll wären. So arbeite ich sehr gern mit dem Atlas für Himmelsbeobachter (kurz: Karkoschka) genannt.

Der Karkoschka enthält eine Reihe an Sternenkarten und klassifiziert die Objekte nach Schwierigkeitsgrad. Hier kann man die ersten einfachen Himmelsobjekte finden.

M44 (Messier 44) gehört zu einem dieser sehr einfachen Himmelsobjekte. Dieser offene Sternhaufen ist einfach zu finden und auch in kleineren Geräten gut zu sehen.

Dieser Sternhaufen versteckt sich im Sternbild Krebs (Cancer). Wer den Himmel noch nicht so genau kennt, kann sich am Sternbild Zwillinge und dem Sternbild Löwen orientieren. Genau zwischen Pollux und Regulus findet man diesen offen Sternhaufen.

image

Ich konnte diesen offenen Sternhaufen sogar mit einer einfachen Spiegelreflexkamera ablichten.

Den Bericht dazu findet Ihr hier im Blog: M44 und M67 aus der Großstadt Berlin nur mit DSLR fotografieren

Beste Beobachtungszeit: Winter-Frühling

Himmelsobjekt 5: Plejaden M45 (OS)

imageEin Hauptobjekt des Wintersternhimmels kennt sicherlich jeder. M45 oder auch die Plejaden (Siebengestirn) sind für jeden Teleskopbesitzer ein lohnendes Ziel. Da man unter einem relativ dunklen Himmel dieses Objekt schon mit dem Auge sieht, ist das finden nicht mehr ganz so schwer.

Schon mit sehr kleinen Vergrößerungen löst sich der offene Sternhaufen auf. Im Sternbild Stier kann man die Plejaden leicht entdecken.

Man sollte auf jeden Fall darauf achten nicht all zu hoch zu vergrößern. Ein 25mm Okular bei einer Brennweite des Teleskops von 500 mm reicht schon aus, diesen großflächigen Sternhaufen ins Bild zu bekommen.

image

Beste Beobachtungszeit: Winter

Himmelsobjekt 6: Andromeda Galaxie M31 (GX)

imageViele Anfänger und Einsteiger sehen die tollen Hubble-Bilder der Andromeda-Galaxie und wollen diese auch einmal sehen. Bevor man sich diese aber anschaut, sollte man sich gewiss sein, dass die Andromeda-Galaxie vor allem in kleinen Geräte eher enttäuschend ist.

Die Andromeda-Galaxie gehört auch zu den Winterobjekten und zu finden ist diese in den Wintermonaten am besten zu beobachten.

Mit recht kleinen Vergrößerungen kann man sich diese sehr ausgedehnte Galaxien anschauen. Richtige Strukturen wird man aber mit kleineren Geräten dort nicht sehen. Hier gilt es nämlich Licht zu sammeln. Also viel Öffnung hilft viel.

Trotzdem kann es als Galaxienziel ein toller Fang sein. Man sollte es probieren. Unter sehr dunklem Himmel sollte man auch mal den Feldstecher auf Andromeda richten.

Beste Beobachtungszeit: Herbst

Himmelobjekt 7: Ringnebel in der Leier M57 (PN)

image

Der Ringnebel in dem Sternbild Leier ist ein tolles Einsteigerobjekt. Es ist ein Planetarer Nebel. Im Teleskop wird er zu einem Scheibchen mit hellem zentralen Gebiet. Man muss aber schon hoch Vergrößern um die Aufhellung zu sehen.

Auch die Öffnung spielt hier eine große Rolle. Je mehr Öffnung man hat desto besser wird der Ringnebel sichtbar. Trotzdem kann man hier einfach ein weiteres Objekt aus der Messierliste finden und abhaken.

Orientieren kann man sich zur Suche am Sternbild selbst. Dieses ist oft leicht zu sehen und daher findet man den Ringnebel in den hinteren beiden Sternen des Sternbildes.

Beste Beobachtungzeit: Sommer

 

 

Himmelsobjekt 8: Albireo (Doppelstern)

imageAuch Doppelsterne können tolle Himmelsobjekte für Einsteiger sein. Hier kommt es oft auf den Abstand der 2 oder mehreren Sterne an. Albireo ist einer der tollsten Doppelsterne im Sternbild Schwan.

Da sich Albireo am Ende des Sternbildes Schwan befindet, kann man diesen Doppelstern auch sehr leicht finden.

Den Schwan selbst entdeckt man oft am Himmel als Kreuz und der Kopf des Schwanes stellt halt Albireo dar.

Das tolle an dem Doppelstern ist, dass man diesen auch schon in kleineren Geräte auflösen und trennen kann und das eine Komponenten des Doppelstern bläulich-weiß und die andere Komponente rötlich leuchtet. Das liegt an den Temperaturen der Sterne.

image

Beste Beobachtungszeit: Sommer

Himmelsobjekt 9: Orionnebel M42 (Gasnebel)

image

Auch eher im Winter zu sehen ist der Orionneble oder M42 genannt. Er ist ein Gasnebel und fast jeder kennt Ihn.

Daher ist er auch so leicht mit einfachen Geräten zu finden. Meist wird er auch als Paradeobjekt des Wintersternhimmels bezeichnet.

Da er sich im Sternbild Orion im unteren Bereich zwischen Hüfte (3 Sterne in Reihe) und den Füßen befindet, kann man diesen Gasnebel kaum übersehen. Bestandteil des Schwertes des Orions ist er in der Mitte der absteigenden Sternenfolge zu entdecken.

Schon mit kleinen Geräten macht die Betrachtung von Orion Spaß. Wer sein Equipment hier noch etwas aufstocken will, kann mit einem OIII-Filter oder einem UHC-Filter noch mehr Struktur herausholen. Dabei ist aber zu beachten, dass das Bild dunkler wird und sehr kleine Teleskope dann nicht mehr viel vom Nebel zeigen.

Ansonsten sollte jeder Hobbyastronom mal den Orionnebel aufgesucht haben.

Beste Beobachtungszeit: Winter

Himmelsobjekt 10: Kugelsternhaufen M13

imageIm Sternbild Herkules findet sich einer der schönsten Kugelsternhaufen. Schon mit 50facher Vergrößerungen kann man diesen Kugelsternhaufen toll betrachten. Je höher man vergrößert desto mehr Strukturen werden in diesem Sternehaufen sichtbar.

Da sich M13 zwischen zwei der Hauptsterne des Sternbildes Herkules befindet, lässt sich auch dieses Objekt sehr einfach finden.

Es gehört zu den Objekten des Sommersternhimmels und kann daher bald betrachtet werden.

Mit einer Größe von 15 Bogenminuten entspricht er ungefähr 1/3 des Vollmonddurchmessers.

Beste Beobachtungszeit: Frühling-Sommer

Buchempfehlung zum Abschluss

Ihr seht, dass viele der Objekte die ich hier beschrieben habe, eine M-Nummer tragen. Dieses M steht für Messier. Ein Sternenbeobachter der Objekte beobachtet hat und diese in seinen Katalog eingetragen hat. Der Messier-Katalog ist vor allem für Einsteiger sehr interessant, da er viele einfache Himmelsobjekte zeigt.

Daher lohnt es sich sicherlich ein Buch mit den klassischen 110 Messierobjekten anzuschauen.

Die Messierobjekte – Die 110 klassischen Ziele für Himmelsbeobachter* (bei Amazon für 29,90 €)

(Bilderquellen: Stellarium / Okularrechner Sternfreunde Münster / eigene Bilder)

Ähnliche Artikel:

10 Himmelsobjekte für Einsteiger und Anfänger, 5.0 out of 5 based on 3 ratings
Teleskop bei Astroshop
Werbung

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *