Was die Astronomie von der re:publica 15 lernen MUSS

imageMeine Tagungswoche ist nun beendet. Erst sprang ich drei Tage auf der GDP-Tagung (Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien) herum und hielt dort noch einen Vortrag über “Facebook & Co. – Social Media Marketing im Umfeld der Sternwarten und Planetarien” und anschließend ging es zur Re:publica 15 (im folgendem Artikel auch #rp15 genannt).

Es war für mich erst einmal ein Kulturschock von der einen Tagung auf die andere zu wechseln. Außerdem stellte sich bei mir die Frage was wohl ein Astronom auf der re:publica zu suchen hätte.

Diese Frage wurde beantwortet und das gleich mehrfach. Es fielen mir aber noch viel, viel mehr Dinge auf und daher kann man auch gut vergleiche ziehen.

Hier bekommt Ihr also meinen Recap (Recapitulation = Rekapitulation) der re:publica und warum viel, viel mehr Planetarien und Sternwarten mal dort hingehen sollten.


3 Tage #rp15

Für mich hieß es ab dem 05.05.2015 nun ab zur #RP15.

Nachdem ich aus der GDP-Tagung kam, erschlug mich die Republica erst einmal mit Ihrer schieren Größe und der Masse an Besuchern. Wo anfangen? Kennst Du überhaupt hier jemanden? Was kommt auf Dich zu?

Die Grafik zeigt ein wenig was auf der Republica los war:

Infografik der Republica (Link)

Orientierung ist ALLES

Es hieß also als erstes sich zu orientieren. Wo geht man hin oder wie sind die Sessions angeordnet? Was sind interessante Themen die man sich anschauen sollte.

Schnell war der Plan der Sessions geprüft und es bildete sich langsam ein Plan heraus. Nebenbei hieß es immer wieder Tweeten auf Twitter und Kontakte knüpfen und ausbauen.

Nach einem halben Tag hatte ich mich an die Tagung gewöhnt und wusste wo was liegt. Ich habe viele Sessions auf der #rp15 besucht und einige davon sollten für die Astronomie auch äußerst wichtig sein. Aber warum?

#rp15 für Astronomen wichtig!

Die Republica ist einer Tagung der Kommunikation, der Technik, der Medien und vieles, vieles mehr. Hier werden immer wieder Themen besprochen, die nicht nur die Bevölkerung interessieren sollten, sondern es werden auch Anregungen oder Techniken besprochen, die für die Astronomie sehr förderlich sein könnten.

1. Lasst die Öffentlichkeit teilnehmen

Ein Kredo welches man sehr schnell mitbekommt und worüber ich mich sehr gefreut habe, ist der öffentliche Umgang mit der Tagung. Viele Tagungen möchten gern für sich bleiben. Es sollen möglichst nur die Zielgruppe und potentielle Kunden beraten und bespaßt werden. Aber BITTE niemand von außen.

Bei der Republica war ALLES anders. Es gab von vornherein Livestreams, alle möglichen Teilnehmer saßen mit Handy, Tab oder Laptop rum und berichten allumfänglich über die gesamte Tagung.

Allein am ersten Tag kamen über 30.000 Tweets bei Twitter zusammen. Das heißt das jeder Besucher im Schnitt 5 Tweets abgesetzt haben. Das hat natürlich nicht jeder gemacht, aber ich allein habe  111 Tweets zum Thema #rp15 verfasst. Daran sieht man wie umfangreich ich selbst über die #rp15 berichtete und mit welcher Kommunikationsfrequenz einige hier unterwegs waren.

Im Gegensatz zur #rp15 habe ich zum Thema #gdp2015 nur 7 Tweets in 3 Tagen abgesetzt. Warum? Es gab nicht solche Rückmeldungen oder eben auch die Themenbreite war vielleicht nicht so gegeben. Nun ist es unfair eine Tagung mit 130 Teilnehmer und eine Tagung mit 5.500 Teilnehmer zu vergleichen. Das gebe ich zu. Aber es zeigt auch das in der Astronomie hier noch eine Menge aufholbedarf besteht.

2. Interessante Themen für die astronomische Öffentlichkeitsarbeit

Es gab einige Session die sicherlich für viele Astronomen und Planetarier sehr spannend sind. So nahm ich an einer Session zu Bildrechten teil. Das ist in der heutigen Zeit sicherlich ein spannendes Thema für jeden der eine Webseite betreut oder Inhalte für FB sucht.

Ich habe mich viel über Social-Media-Aktivitäten ausgetauscht. So findet man dort die geballten Erfahrungen zu TweetUps oder Bar-Camps. Wie bekommt man dort Besucher, Twitteraner oder Facebooker hin.

Auch Möglichkeiten zu Video-Streaming werden dort besprochen. Also all diese technischen Inhalte die wir in der Astronomie einfach noch nicht finden.

3. Abschauen erlaubt

Aber auch die #rp15 selbst ist sehr interessant für die Astronomie. Wie geht die Messe mit Besuchern um? Was wird geplant? Wie ist die Tagung aufgebaut?

Welche Informationsmittel gibt es? Um vielleicht nur mal ein Beispiel zu nennen:

Schaut Euch mal die Seite der größten Astronomie-Messen Europas an: ATT in Essen und schaut Euch mal die Hauptseite der Republica an. Merkt Ihr was?

Aber auch die Arbeit die im Vorfeld geführt wird. So nimmt sich die Tagung selbst heraus HashTags zu definieren und diese auch öffentlich zu machen. Der HashTag #rp15 kam nicht von den Besuchern, sondern wurde von der Republica definiert. Und jeder der über Twitter, Facebook oder G+ kommuniziert verwendet diesen HashTag.

Dadurch wird ebenfalls die Öffentlichkeit informiert. Jeder der sich darüber informieren möchte, was auf der Republica stattfindet, benutzt einfach die Suche nach dem HashTag. So hat es die Republica einfach mal am ersten Tag in die Twitter-Trends geschafft.

4. Kontakt knüpfen leicht gemacht

Natürlich kann man auch ohne soziale Medien Kontakte knüpfen. Vor allem bei kleineren Tagungen ist das sehr einfach. Auf der GDP-Tagung habe ich jeden Teilnehmer mehrfach gesehen und die Gespräche waren toll.

Aber sobald die Tagungsteilnehmer in den 4stelligen Bereich gehen, ist das Kontakt-Knüpfen nicht mehr ganz so einfach. Es ist aber einfach sich Meinungsbilder über die sozialen Netzwerke zu holen oder die Online-Kontakte auch mal Offline treffen.

So habe ich z.B. mehrere meiner Twitter-Follower einfach mal auf der Republica kennen lernen dürfen. Mit manchen bin ich seit Jahren verknüpft und habe diese noch nie gesehen oder direkt gesprochen.

Durch die Kommunikation auf der Republica ging das aber ganz schnell. Ein Tweet mit “Kaffee trinken auf der #rp15” in meine Timeline hilft und schon verabredet man sich auf der Republica.

Was hab ich erlebt auf der #rp15

Nun soll dieser Artikel aber nicht nur eine Anklage gegen die Astronomie sein, sondern ich möchte auch gern ein wenig erzählen, was ich so erlebte und welche Ideen sich entwickelten.

Das Programm auf der Republica ist wirklich eng. Dadurch das es viele spannende Sessions gleichzeitig gibt, muss man hier von vornherein selektieren.

Tag 1

Wie gesagt am ersten Tag hatte ich so meine Problemchen mit der Orientierung und ich musste mich erst einmal ein wenig finden. Daher setzte ich mich einfach in der Eröffnungsprogramm und ließ die ersten Vorträge auf mich rieseln.

Die Republica steht ja unter dem Motto: Finding Europe…

Es sollte also gleich klargestellt werden, dass Politik, Netzneutralität und andere wichtige Themen ganz Europa betrifft und nicht nur Deutschland. Die Tagung wird also internationaler und auch ein Stück weit politscher.

Nach der ganzen Eröffnung konzentrierte ich mich auf die Themen die mich persönlich als Blogger sehr interessierten.

So schaut ich mir die Sessions Schleichwerbung – Geld vs. Recht & Moral von Thomas Schwenke oder Storytelling im mobilen Zeitalter von Hans Evert an.

Nicht ganz so interessant wie ich es mir vorgestellt hatte, war die Diskussionsrunde Ethik in der digitalen Sphäre. Davon hatte ich mir mehr versprochen.

Leider war dann mein erster Tag auch schon vorbei, da ich durch einen Anruf die Tagung verlassen musst.

Tag 2

Wesentlich klarer im Kopf und auch nicht mehr so erschlagen von der Tagungsgröße ging der zweite Tag viel entspannter los. Ich nahm meinen Notizblock und das Tagungsprogramm und suchte mir raus, was man sich so anschauen sollte.

Mittlerweile traf ich auch auf einige bekannte Gesichter. So sprang Henning Krause von der Helmholtz-Gesellschaft dort rum oder Andre Lampe (bekannt aus TM Wissen (Servus TV) oder aus den ScienceSlams).

Interessant waren dann Vorträge wie Warum Online-Werbung so schlecht ist oder AdBlocker – Ein Werbeblocker als Retter der Online-Werbung.

Auch die Veranstaltung Presserecht für Blogger wäre sicherlich für viele online tätigen Astronomen sehr interessant gewesen.

Von der Diskussionsrunde Hype, Hype, Superhype hätte ich mir doch noch eine ganze Menge mehr versprochen. Langsam bildete sich auch ein eher schlechtes Bild über die Diskussionsrunden und dieses würde im Laufe der Tagung auch immer weiter verstärkt.

Gemeinsam ging es dann zum Vortrag von Gabriella Coleman über How Anonymous evaded the Cyberterrorism rhetorical machine. Ein interessanter Vortrag über die Anonymous-Bewegung.

Anschließend sollte die Blue-Dot-Mission vorgestellt werden. Alexander Gerst war nämlich auch auf der republica.

Platziert in der ersten Reihe dachte ich noch kurz wir hätten ja echt Glück. Leider kam dann eine Dame und reservierte die Plätze. Ich glaube es gab nur keinen Streit, weil es um Kinder und Jugendliche ging, die extra für Alexander Gerst angereist sind.

Daher standen alle ganz brav auf und suchten sich neue Plätze. Wir kamen dann in Reihe vier an und von dort konnte man den super Vortrag von Astro_Alex hören, sehen und auch fotografieren.

Einige meiner Bilder findet man nun hier:IMG_3918IMG_3925

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Den Vortrag könnt Ihr hier noch einmal nachhorchen:

Lustig war übrigens das ich neben einem Künstler saß und nach dem wir ins Gespräch kamen, sagte er mir das er sich freuen würde Astro_Alex mal direkt kennen zu lernen. Kurze Zeit später kam heraus, dass er das Republica-Bild in einem der Höfe gezeichnet hat:

James Gardiner bei Twitter @jamesgardinerartworks

Nach vielen Tweets über viele Kontakte kam auch eine der Koordinatorinnen und sprach mit James. Meine letzte Message war wohl das es geklappt hätte. Ob es wirklich so ist, habe ich leider nicht mehr erfahren.

Anschließend ging es noch auf einige Sessions, die aber mit der BlueDot-Session nicht mehr mithalten konnten.

Tag 3

Am Tag 3 hatte ich wieder nur bis 17 Uhr Zeit, lernte aber durch einige Zufälle auch wieder tolle Leute kennen.

Interessant war anfangs der Beitrag über Youtuber und ob diese das nur fürs Geld machen. Leider verkam die Veranstaltung zu Tipps und Tricks um bei YouTube Geld zu verdienen. Kontroverse wurde hier nichts diskutiert.

Sehr interessant waren die beiden Vorträge vom Wissenschaftsjahr über Hack your City und Citizen Partizipations 3000. Hier wurden die Vorteile von Citizen Science Projekte dargestellt und was es auf diesem Gebiet schon alles gibt. Sehr Klasse gemacht.

Sicherlich auch sehr interessant für die Astro-Szene.

Zur Mittagszeit gab es eine Diskussion über Crowdfinanzierten Journalismus. Hier würde die Crowd-Kampagne der interstellrum gut reinpassen. Leider war die Diskussion wieder sehr flach und es fehlten viele Informationen.

Ein super Vortrag war re:data – ein Standard für offene Konferenzdaten. Michael Kreil durfte ich vorher schon kennen lernen und hier werden wir sicherlich auch etwas im Umfeld der Planetarien unternehmen.

Den Abschluss des Tages macht ein kleiner Workshop. Hier stellten 2 Gebärdensprachler die Gebärdensprache vor und gaben erste Einstiegspunkte in diese tolle Sprache. Ich war sehr gespannt auf diese Session und die beiden Gebärdensprachler und die beiden Übersetzterinnen haben das echt Klasse gemacht. Super.

Damit endete meine Republica am dritten Tag und ich machte mich auf den Weg zu meinem Sternfreundetreff.

Ideen für die Astronomie und Planetarien

Was nahm ich mit und welche Ideen kann man aus dem gehörten für Planetarien und Sternwarten ableiten?

1. Idee: Mehr Kommunikation erzeugt mehr Kommunikation

Für mich persönlich heißt es, dass ich selbst viel mehr über unsere astronomischen Events berichten werden. Ich glaube das hier mehr Kommunikation auch mehr Rückmeldungen erzeugen und dadurch ein Kreislauf entsteht, der schon allein deshalb für mehr Aufmerksamkeit sorgt.

2. Idee: Mehr Social Media-Events

Es gibt viele tolle Möglichkeiten mit TweetUps, BarCamps und anderen Dingen auf die Astronomie aufmerksam zu machen.

Ich werde in Zukunft mal schauen ob wir nicht auch einfach diese Techniken tiefer in die Astronomie tragen können. Es gibt ja in der Raumfahrt solche Events. Sicherlich kann man hier noch mehr etablieren.

3. Idee: Mehr der Techniken nutzen

Es gibt tolle Technik und Technologie mit der man die Astronomie unterstützen kann. So z.B. die APP Persicope. Diese werde ich demnächst mal ausprobieren und schauen ob wir nicht aus der Hobbyastronomie-Szene auch Livestreams schicken und nutzen können.

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Ideen, aber da der Artikel nun schon so lang geworden ist, werde ich hier erst einmal einen Schlussstrich ziehen

Fazit

Das einfache Fazit ist: Nehmt an solchen Tagungen wie der re:publica teil. Es gibt hier viele, viele Ideen die plötzlich entstehen und man kann sich viel besser vernetzen. Allein die Kontakte zu bilden ist es Wert auf solche Tagungen zu gehen.

Ich hoffe sehr das wir solche Mechanismen wie auf der Republica haben wirklich auch in der Astronomie treffen. Eine hohe Öffentlichkeitsarbeit und das besser einbinden der Bevölkerung würde ich mir wünschen. Ich glaube wir haben viele spannende Themen in der Astronomie und wenn wir den Menschen das besser näher bringen können, haben wir alle gewonnen!

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2 comments

  1. Peter sagt:

    Ja, den Vortrag von Alex habe ich bereits gesehen. Das war brilliant. Er hat es einfach drauf, auch komplexe Sachverhalte in einfacher Sprache zu erklären – ein Erklärbär. Und er hat eine Ader für Entertainment. Das Ding mit dem “Einparkmanöver” war genial! Diese Kombi ist Gold wert für die ESA und die Raumfahrt im Allgemeinen. Ihm wird es definitiv viel leichter fallen auch mal einen Politiker zu überreden – und durch solche PR auch den Fortbestand sonst fraglicher Projekte zu sichern. Aber das hat die ESA wohl hoffentlich verstanden.

    Ich wünsche mir, dass er schnellstmöglich nochmals nominiert wird für eine Mission, und danach noch mehr Vorträge halten kann.

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