Wenn (Hobby-)Astronomen angepöbelt werden!

imageAm Wochenende erreichte mich wieder ein Blogartikel eines Hobbyastronomen, bei dem Menschen mit Ignoranz und Unwissenheit reagierten. Eine Pöbelei war die Folge und da dies nicht das erste Erlebnis von Hobbyastronomen in dieser Art ist, wollte ich diesen Umstand hier einfach mal thematisieren und zur Diskussion stellen.

Vor allem Stadtastronomen haben hier mit der Bevölkerung zu kämpfen und da ich selbst oft vom Balkon aus der praktischen Astronomie nachgehen, ist das Thema sehr wichtig für mich.


Ängste und Reaktionen darauf

Der Himmel ist klar und der geneigte Hobbyastronom freut sich auf besondere Ereignisse am Himmel. Bei mir ist es immer wieder das Fotografieren der Internationale Raumstation oder die Sichtbarkeit von Planeten. Das sind Gebiete der Astronomie, die ich aus der Stadt immer wieder gern in Angriff nehme.

Trotzdem schwingt beim Aufbau der Ausrüstung immer wieder das schlechte Gefühl mit, ob meine Nachbarn wohl verstehen was ich dort mit meiner Gerätschaft tue. Sei es nun der Fotoapparat der in den Himmel schaut und alle 20 Sekunden ein Bild schießt oder aber das Teleskop, welches ja ALLES stark vergrößern kann.

Bei einer Sonnenbeobachtung hatte nun ein Hobbyastronom (Manfred Holl – Sonnenbeobachter) eine unangenehme Begegnung mit seinen Nachbarn.

Ein Teleskop mit Sonnenfilter und ein H-Alphagerät war wohl Anstoß des Unmutes der Nachbarn.

In seinem Blog Manfred Holls Sonnenbeobachtung beschreibt er nun sein Erlebnis nieder und die Gemeinde reagiert mit Kopfschütteln.

Hier mal ein Zitat aus den zahlreichen Sprüchen der Nachbarn:

„Glotzen Sie uns nicht ins Fenster, sonst rufe ich die Polizei!“, ich erklärte, dass ich die Sonne beobachte. Antwort: „Blödsinn, so was gibt´s nicht.“

Auch nach dem Einsatz des PST-Gerätes, mit dem man auf der Erde absolut nichts beobachten kann, führte zu mehr Unmut und äußerte sich in einer Androhung:

„Der hört nicht auf, jetzt hat er ne Infrarotkamera, und fotografiert uns?“ Ich bot an, einfach mal durch das Fernrohr zu gucken. Das war die falsche Antwort, denn die Stimme brüllte: „Wenn Du weitermachst, knall ich Dir eine!“.

Den gesamten Artikel könnt Ihr hier nachlesen: Sonne am 18.7.2015

Was ist der Grund?

Nun kann man lange darüber diskutieren wie ignorant solche Menschen sein müssen und warum diese nicht das Angebot von Manfred annahmen.

Woher kommen solche Äußerungen? Was könnte der Grund für diesen Unmut sein?

Ich selbst durfte diese Anfeindungen in meinem nachbarlichen Umfeld noch nicht erleben, kann mir aber sehr gut Vorstellen das einige meiner Nachbarn hinter den Gardinen tuscheln.

Auch Manfred wird nicht das erste mal auf dem Hof stehen und die Sonne beobachten und vielleicht war es der Punkt an dem der Nachbar nicht mehr Stillhalten kann oder wollte.

Für uns Hobbyastronomen ist die Sache ziemlich klar. Die meisten von uns interessieren sich nicht die Bohne mit einem Teleskop in das Fenster der Nachbarn zu halten. Warum auch? Vor allem mit einem H-Alphagerät würde man dort nichts sehen und auch mit einem Teleskop könnte ich nur eingeschränkt etwas beobachten. Ich müsste also doch eher Stunden damit verbringen meine Nachbarn zu beobachten.

Und mal Ehrlich: Wer stellt sich Mitten auf den Hof um von dort aus die Nachbarn zu beobachten? Das macht für mich keinen Sinn. Trotzdem sollte man die Ängste der Nachbarn nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Wie nun reagieren?

Nach dem Beitrag von Manfred habe ich mir lange Gedanken gemacht und kam eigentlich auf eine Lösung.

Natürlich könnte man sich nun nach dieser Erfahrung einigeln und nicht mehr das Teleskop auf den Hof stellen. Man kann auch auf Konfrontation gehen und das Teleskop erst recht immer wieder im Hof aufbauen. Beide Möglichkeiten kann natürlich jeder für sich in Betracht ziehen, haben aber auch große Nachteile.

Wer möchte schon mit Angst vor “Schlägen” seinem Hobby nachgehen? Das macht doch keinen Spaß und wenn man sich gegenüber Ehrlich ist, möchte man doch eher die Menschen begeistern und von der Astronomie überzeugen.

Daher finde ich den Gedanken von John Dobson (Erfinder des Dobson-Teleskops und auch der Sidewalk-Astronomie) bestechend.

Mein Vorschlag an Manfred und an alle anderen mit einem ähnlichen Problem ist der Folgende:

Lösung: Öffentliche Beobachtung

Plant doch einfach eine öffentliche Beobachtung der Sonne oder der Sterne in Eurer Nachbarschaft. Ein kleiner Infozettel sollte für die Nachbarn als Einladung ausreichend sein und man finde immer welche die Begeistert sind.

Die Pöbeler/Ignoranten hier direkt anzugehen macht einfach keinen Sinn, aber man kann die Nachbarn ja überzeugen, dass man selbst kein Interesse am Spannern hat und sich eher für die Sterne interessiert.

Ich werde zum Beispiel hier in Berlin eine solche Nachbarschaftsbeobachtung in nächster Zeit durchführen. So werde ich als erstes eine kleine Einladung an die Türen hängen und lade damit die Nachbarn ein.

Diese Einladung hat ebenso einen weiteren Hintergrund. Viele Nachbarn trauen sich nicht zu solchen Veranstaltungen zu gehen. Vor allem die Ignoranten sind schlecht zu überzeugen. Man kann aber schon mit der Einladung Aufklärung leisten. Mein Text sähe wie folgt aus:

Liebe Nachbarn,

mein Name ist … (Stefan Gotthold) und ich bin Amateurastronom.

Da ich mir oft die Sterne, Sonne und die Planeten durch meine Teleskope anschauen (der ein oder andere wird mich dabei schon mal gesehen haben), möchte ich am …. (Datum) um …. (Uhrzeit) alle interessierten Nachbarn und Ihre Freunde zu einer öffentlichen Beobachtung der Sonne/Planeten XYZ (Jupiter, Saturn)/Mond etc. einladen.

Ihr findet mich im Hof an der Stelle ….!

Wer sich über mein Hobby schon mal vorher informieren möchte, kann dies gern auf meiner Webseite/FB-Profil …. (z.B. www.clearskyblog.de) tun.

Liebe Grüße und einen klaren Himmel

Euer …. (Stefan)

So oder so ähnlich kann eine aufklärende Einladung aussehen. Das sollte dann auch die Nachbarn beruhigen, die der Meinung sind das man in die Fenster schaut.

Wie würdet Ihr reagieren oder was würdet Ihr tun um den Frieden wieder herzustellen?

Euer Meinungen interessieren mich hier sehr.

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4 comments

  1. Berberich sagt:

    Diese Situation ist bekannt. Da ich auf dem Dorf wohne, kennen meine Nachbarn mich aber und wissen um mein Hobby. Man sollte mit den Nachbarn sprechen – und das in aller Ruhe. Gegebenenfalls wie bei diesen hier zitierten Antworten sich ggf. sogar darauf einlassen und die Polizei holen. Dann werden diese Leute recht schnell wieder ruhig. In der Innenstadt als “Sideway astronom” gab es bei uns noch nie Probleme.

  2. Peter sagt:

    Sehe ich ähnlich wie Berberich.

    Ich sollte mich auch gar nicht auf eine direkte Konfrontation mit einem derartigen zeitgenossen einlassen. Wenn er meint, die Polizei müsse das regeln, ist das sein Weg – den ich dann entsprechend mitgehe.

    Hier auf dem Dorf ist das aber alles einfacher…bei der SoFi wurden die nachbarn mit dazugeholt, kurzerhand den Kindern die SoFi-Brille übergestülpt, und im garten ein Minireferat über das Warum und Wieso einer SoFi abgehalten. Bei anderen nachbarn gab es lange Ohren, und schwupdiwupp gab es ein größeres “Public Viewing”…jetzt wissen die auch was das ist, wenn wieder etwas queitscht und knarrt, der Stuhl rückt…nachts 2:30 beim Peter im Garten :)

    Ansonsten bin ich mal auf das Feedback zu deinem Nachbarschaftssternegucken gespannt!

  3. gernot sagt:

    Ich würde es im Grunde wie Peter halten und gar nicht auf Konfrontation gehen. Wenn er rum pöbeln will soll er machen, ich ignoriere es einfach oder bau mir dann eine Sichtschutz neben das Teleskop :). Oft ist es doch so das sich solche Leute nur aufspielen wollen und denken sie sind die größten, und wenn man sie Ignoriert dann werden sie zwar meist richtig sauer aber das gibt sich auch wieder.
    Als ich men Teleskop noch hatte und im Garten aufgebaut habe, hatte ich auch öfter mal Zuschauer. Es gab auch mal dumme Sprüche aber die waren mir so egal, wie wenn ich China nen Teebeutel plazt.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Ja, unqualifizierte Äußerungen kenne ich von jeder öffentlichen Beobachtung die ich mitgemacht habe. Angefangen bei (Oh, der Mond) bei Venusbeobachtungen bis hin zu Unterstellungen das wäre ein gemaltes Bild im Teleskop ;-)
      Damit muss man halt Leben. Aber das Pöbeln finde ich schon recht unangenehm. Man sollte es aber nicht unbedingt ignorieren, sondern wir alle sollte eher an der Aufklärung der Leute arbeiten. Mal schauen wir meine private geplante Beobachtung so läuft. Ich werde drüber berichten.

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