Himmelsfotografie für Jedermann: Sternschnuppen fotografieren

Die beste Nacht für Sternschnuppen steht kurz bevor und was bietet sich da besser an als einen neuen Artikel in der Serie Himmelsfotografie für Jedermann zu beschreiben. Mittlerweile ist dies schon der 10. Teil aus dieser Serie zur Astrofotografie.

Schließlich kann man in der Perseiden-Nacht die meisten Sternschnuppen sehen und viele wollen das Erlebnis auch auf ein Foto bannen. Nur wie kann man Sternschnuppen fotografieren? Was braucht man an Ausrüstung dafür? Und wie bearbeitet man die Bilder anschließend am besten?

Diese Fragen soll dieser Artikel klären und Antworten geben.

Vorbereitung und Ausrüstung

Wer die Sternschnuppen (z.B. die Perseiden) fotografieren möchte, sollte sich vorbereiten und seine Ausrüstung prüfen.

Man sollte sich bewusst machen, dass die Sternschnuppen eine sehr hohe Geschwindigkeit haben und nur sehr kurze Zeit zu sehen sind.

Daher wird es recht schwierig mit einem Handy oder eine Tablet die Sternschnuppen einzufangen. Hier kann man oft die Belichtungszeiten und den Fokus nicht einstellen und das Fotografieren aus der Hand sorgt immer wieder für sehr verwackelte Bilder.

Auch das Fotografieren durch ein Teleskop bei Sternschnuppen ist nicht wirklich sinnvoll, da der abzulichtende Himmelsausschnitt durch ein Teleskop viel zu klein ist. Man kann natürlich versuchen eine Detailaufnahme von Sternschnuppen zu bekommen, aber das ist ein Glücksspiel und kann damit enden, dass man kein einziges Bild mit Sternschnuppe drauf hat.

Die Ausrüstung sollte also nach Möglichkeit folgendes enthalten:

  1. Kamera mit manueller Blenden-, Belichtungszeit und Fokuseinstellungen (z.B. Bridgekamera oder Spiegelreflexkameras)
  2. Objektiv mit kurzer Brennweite (Weitwinkel- oder Fisch-Augen-Objektiv)
  3. Stativ
  4. Fernauslöser (oder Kameraeinstellung Intervall)

Ich persönlich verwende folgende Ausrüstung zur Sternschnuppenjagd:

  • Spiegelreflexkamera Canon 600D
  • 8mm FishEye-Objektiv
  • Kabelfernauslöser
  • Stativ und Skywatcher StarAdventurer
  • Akku-Pack (doppelt)

Für meine Vorbereitung verwende ich natürlich nicht nur die Liste der Hardwarekomponenten, sondern schaue mir auch den aktuellen Sternenhimmel an.

Das geht am besten in der Software Stellarium. Dort kann man die Zeit und den Ort einstellen und sieht was man sehen wird.

image

Einstellungen der Kamera für Sternschnuppenaufnahmen

Oben habe ich es schon erwähnt. Man sollte sich bewusst sein mit welchem Himmelsausschnitt man arbeiten möchte. Ich nehme mir ein FishEye-Objektiv mit ca. 168° Bildfeld. Ich bekomme also fast den gesamten Himmel auf das Bild.

Das hat zwei Gründe.

  1. Ich weiß ja vorher nicht wo die Sternschnuppen herunter kommen. Daher möchte ich so viel Himmel wie möglich auf den Aufnahmen haben.
  2. Ja kürzer die Brennweite ist desto länger kann ich belichten.

Das zweite heißt hier, dass wir nach Möglichkeit die Belichtungszeit so lang wie Möglich haben wollen. Ich werde mit 30 Sekunden und länger Belichtungszeit arbeiten.

Da wir aber auf der Erde stehen und die Erde sich dreht werden die Sterne irgendwann zu strichen.

Wer keine Striche auf seinen Bildern haben möchte, muss die maximale Belichtungszeit für seine Kamera kennen. Das kann man sehr einfach ausrechnen. Dir Formeln finden sich in diesem Artikel: Mathematik in der Astronomie (Teil 6): Die maximale Belichtungszeit (Astrofotografie)

Hier sieht man nun schon deutlich, dass es auch zwei Möglichkeiten zur Aufnahme von Strichspuraufnahmen gibt:

1. Sternschnuppen mit Strichspuren

Wem nur ein Stativ mit Kamera zur Verfügung steht, kann diese Art der Aufnahmen machen und später zusammen setzen. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Hier habe ich die Kamera einfach laufen lassen und mit einem speziellen Programm die sogenannten StarTrails erstellt. Dazu komme ich später noch.

Die Kameradaten waren hier: ISO 400, 30 Sekunden Belichtungszeit, Blende 3,5.

Je nachdem wie dunkel der Himmel ist, kann man auch die ISO (Empfindlichkeit) nach oben schrauben. So fotografieren einige Astrofotografen mit ISO bis zu 3.200 und bekommen dadurch viel mehr Sterne und zum Teil die Milchstraße aufs Bild.

2. Sternschnuppen ohne Strichspuren

Für diese Art der Sternschnuppenfotografie benötigt man eine Nachführung oder muss die Bilder viel kürzer belichten. Anschließend jagt man die Bilder durch sogenannte Stacking-Software (z.B. Registax oder Autostakkert) und kann dann die Überlagerung besser berechnen lassen.

Dort analysiert die Software die Bilder und orientiert sich an den Sternen. Dabei gibt es dann ein Sternenbild ohne Strichspuren.

Da ich vor einem Jahr noch keinen StarAdventurer hatte, kann ich hier leider kein eigenes Beispiel posten. Es gibt aber auf der Plattform astrobin eine Reihe von so erstellten Sternschnuppenfotos.

Sehr gute Beispiele für die Perseidenfotografie findet man auch auf der Webseite von Uwe Grün – Kraichgaufoto: Perseiden, Sternschnuppen, ISS & Co.

Die Einstellungen für die Kamera gleichen dabei den Einstellungen für die Strichspuraufnahmen (siehe Pkt. 1). Nur die Verarbeitung der Bilder ist etwas anderes.

Bearbeitung der Bilder

Hat man nun den Abend hinter sich gebracht und schöne Aufnahmen erstellt, kann man die Bilder noch etwas verbessern.

1. Strichspuren oder StarTrails erstellen

Hat man keine Nachführung verwendet oder möchte aus den Bildern Strichspuraufnahmen machen, dann kann man dies sehr einfach mit der Software StarTrails tun. Da ich im Blog schon eine Anleitung dafür geschrieben habe, verweise ich an dieser Stelle nur darauf.

Himmelsfotografie für Jedermann: Strichspuraufnahmen

Möchte man nicht all zu lange Sternspuren auf dem Bild haben, kann man sich auch die Bilder mit Sternschnuppen heraussuchen und überlagert diese einfach in der Software StarTrails.

Das Ergebnis sieht dann so aus:

Auf dem Bild sieht man aber auch einen Nachteil dieses Vorgehens. Wer genau hinschaut sieht das die Sternen gedoppelt vorkommen. Eigentlich sogar dreifach, da hier einfach 3 Bilder überlagert wurden.

1. Ohne Strichspuren

Wer nun mit einer Nachführung arbeitet oder wirklich Bilder erstellt die kürzer belichtet werden und keine Striche der Sterne aufweisen, muss sich eine andere Software laden.

So kann man diese Bilderserie in Stacking-Software verarbeiten und erhält ein Bild mit Sternen und Sternschnuppen ohne das Doppelungen oder Strichspuren auftauchen.

Bekannte Stacking-Programme sind hier Registax und Autostakkert. Diese Programm analysieren die Bilddaten und verschieben die Bilder so, dass die Sterne übereinander liegen.

So werden z.B. auch Galaxiebilder oder andere Deep-Sky-Bilder, aber auch Planeten oder Mond bearbeitet und bessere Ergebnisse zu erzielen.

Tipps und Tricks zur Sternschnuppenjagt

Hier möchte ich noch einen kleinen Tipp geben. Wer mit der Kamera auf Sternschnuppenjagt geht, sollte sich vorher mal die ISS-Überflugdaten anschauen.

Vor allem in diesem Jahr kommt die ISS in den Abendstunden über den Himmel gejagt und den Trail sollte man sich nicht entgehen lassen.

Wie man die ISS fotografiert habe ich hier im Blog auch schon mehrfach beschrieben und sogar mal ein Live-Video bei Youtube hochgeladen.

Ein weitere Tipp ist das Fokussieren der Kamera. Hier haben viele immer wieder Probleme. Vor allem wenn die Kamera die Möglichkeit zur manuellen Fokussierung nicht besitzt.

Bei Spiegelreflexkameras kann man die automatische Fokussierung ausschalten und fokussiert nun über das Objektiv.

Sucht Euch hier am besten ein weit entferntes Objekt oder gleich einen Stern heraus. Ich kann bei meiner Canon noch zusätzlich in den LiveView-Modus schalten und zoome dann digital den Stern heran.

Ist der Stern punktförmig habe ich den Fokus gefunden und kann mit der Fotografie beginnen. Bei Kameras ohne manuelle Fokussierung wird es sehr schwer Bilder von Sternschnuppen zu machen. Schaut doch mal ob Ihr hier nicht bestimmte Einstellungen besitzt um den Fokus festzustellen.

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Himmelsfotografie für Jedermann: Sternschnuppen fotografieren, 5.0 out of 5 based on 3 ratings
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9 comments

  1. Sven sagt:

    Hallo Stefan,

    danke für die Post! Habe dieselbe Canon-Camera und möchte jetzt die Tage auch mein Glück mit Sternschnuppen (+Milchstraße) probieren.

    Der Einfachheit halber ohne Montierung.

    Als Objektiv steht mir ein 14mm Walimex-Objektiv zur Verfügung und ein
    Timer Fernauslöser JJC TM-C.

    Ok, max. 30s ist klar, ISO 400, 800 oder mehr (je nach dem ob man Milchstraße mit dabei haben will).

    Benutzt Du die Spiegelvorauslösung?

    Ich hätte die Kamera jetzt so eingestellt:
    - Spiegelvorauslösung aktiv
    - High ISO Rauschen mildern deaktiviert
    - autom. Rauschreduktion deaktiviert
    - Aufnehmen von RAW-Bildern
    - 30s Belichtungszeit mit z.B. ISO 400 und Blende 3,5 (das Objektiv hat ja 2,8 aber für bessere Sterne muss man ja eine Blende abblenden)
    - Belichtungsverzögerung auf “Fernauslöser” (10 s Verzögerung fix) eingestellt
    - Intervalltimer dem entsprechend auf ca. 50 Sekunden im “Dauerfeuer”

    => So gibt der Timer alle 50s einen “Impuls”, dadurch klappt an der Kamera der Spiegel hoch und die Kamera zählt 10s runter und belichtet dann für 30s, speichert das Bild und ist bereit für den nächsten “Shot”.

    Gibt es da was zu verbessern?

    Hast Du eigentlich schon mal einen Artikel über
    Weitwinkel-Milchstrassen-Fotographie geschrieben?

    Bin für jeden Tipp dankbar.

    LG und heute und morgen abend/nacht hoffentlich: clear skies!
    Sven

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Sven,

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Du bist ja gut vorbereitet.
      Zur Spiegelvorauslösung: Vor allem wenn Du ohne Nachführung arbeitest und die langen Belichtungszeiten drin hast, wird das zu Lücken führen. Falls du also ein StarTrails (Strichspur) planst, wird Dir die Spiegelvorauslösung große Lücken in die Sternspur zaubern.
      Bei diesen langen Belichtungszeiten und den kurzen Brennweiten bringt die Vorauslösung auch nicht wirklich was. Hier kannst Du also beruhigt drauf verzichten. Die Schwingungen wirst Du im Bild nicht sehen.

      Zur Milchstraßenfotografie habe ich direkt noch keinen Artikel geschrieben. Diese Art der Fotografie habe ich aber letztes Jahr auf dem HTT ausprobiert und erstaunliche Ergebnisse erzielt. Den Artikel findest Du hier: http://www.clearskyblog.de/2014/09/29/rueckblick-auf-das-15-htt-herzberger-teleskop-treffen/

      Ich hoffe das hilft dir ein wenig weiter.

      Viele Grüße und clear skies
      Stefan

  2. Sven sagt:

    Hallo Stefan,

    vielen Dank für Deine schnelle Antwort.

    Hast Du eigentlich auch so einen programmierbaren Fernauslöser?

    Denn selbst wenn ich auf die Spiegelvorauslösung verzichte, dann braucht ja die Kamera noch Zeit zum Speichern des Bildes. Selbst ohne “Rauschreduzierung” sind das doch ein paar Sekunden? Wie lange braucht sie denn bei Dir dafür?

    Also wenn ich 30s belichte (also die Kamera direkt selber die Belichtung regeln lasse), darf ich dann ja nur alle 30s + Xs das Signal im Timer geben.

    35s? 33s?

    Vielen Dank und CS,
    Sven

    • Stefan Gotthold sagt:

      Ja, ich habe auch ein programmierbaren Fernauslöser, verwende diesen aber eher selten.
      Für StarTrails und Morgen für Sternschnuppen nehme ich einen einfachen Kabelauslöser, stelle die Kamera auch 30 Sekunden (oder kürzer) und stelle der Auslöser fest.
      Um die Speicherzeiten kurz zu halten, nehme ich oft statt RAW auch JPEG. Das reicht mir. Die meisten Astrobilder im Blog sind mit JPEG aufgenommen. Eine Nachbearbeitung bei der ich RAW bräuchte war bisher selten erforderlich. Spart auch Platz auf der Karte und bei 2 Stunden kann das schon mal eng werden.

      Viele Grüße
      Stefan

  3. Sven sagt:

    Ok, danke! :)

  4. Gunnar sagt:

    Hi Stefan,

    Schöner Artikel. Hoffentlich spielt das Wetter in den nächsten Tagen mit!

    Kannst du mir mal ein Tipp zum LiveView geben? Sowohl bei mir (450D) als auch bei einem Freund (600d) ist im LiveView kein Stern zu sehen.

    Ich hab mir jetzt einen weißen Eddingstrich mit der “richtigen” Fokus Einstellung gemacht. Ich bin recht zufrieden damit.

    Gruß Gunnar

    • Stefan Gotthold sagt:

      Also Planeten und die hellsten Sterne bekomme ich auch im LiveView hin. Die Einstellungen wie ISO und Belichtungszeiten einfach mal Hochschrauben, dann sieht man auch im LV mehr.
      Manchmal hilft auch schon den 5x-Zoom einzuschalten, wenn man die Richtung des hellen Sterns schon hat. 10x nehme ich dann für die Fokuseinstellungen.

      Beim FishEye habe ich natürlich nicht das Problem, da das Objektiv einfach auf Unendlich gestellt wird. Probiere es mal aus.

      Viele Grüße
      Stefan

  5. Gunnar sagt:

    Vielleicht sind meine Objektive(bei ISO 1600) doch nicht lichtstarkt genug. Ich werd es heute nochmal probieren. Laptop an die Kamera finde ich dann doch immer etwas nervig.

    CS Gunnar

  6. […] Mit einer guten Horizontsicht in Richtung Süden, kann man diese angeblich zweite Bewegung des Sternenhimmels sichtbar machen. Wer sich also selbst einmal an Strichspuraufnahmen versuchen möchte, kann dies mithilfe dieses Artikels sehr gern tun: Himmelsfotografie für Jedermann: Sternschnuppen fotografieren […]

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