Königsdisziplin Sonnenbeobachtung im H-Alpha-Licht (Erfahrungen)

sonneUnser Zentralstern, die Sonne, ist ein immerwährendes Beobachtungsobjekt und ich habe hier im Blog schon oft darüber geschrieben, wie man sich die Sonne anschauen kann. Es gibt dort tolle Sachen zu entdecken.

Die meisten beobachten die Sonne im sogenannten Weißlicht. Also in allen Lichtspektren, die die Sonne zu bieten hat. Dadurch kann man die Strukturen der Sonnenflecken oder auch Filamente beobachten. Die Bilder die jeder Menschen (ob Astronom oder nicht) im Kopf hat sind aber eher geprägt durch tolle Aufnahmen der Sonne mit leuchtenden Regionen und riesigen Protuberanzen.

Die Königsdisziplin in der Sonnenbeobachtung: H-Alpha.


Was bedeutet H-Alpha eigentlich?

Wie ich oben schon erwähnt habe, beobachten die meisten Hobbyastronomen die Sonne im Weißlicht. Da diese Methode der Sonnenbeobachtung sehr günstig ist und man sich selbst die Filter dafür basteln kann. In meinen Artikeln zur Sonnenbeobachtung kann man das sehr gut nachlesen und auch die Bastelanleitung finden:

Nun kennt man aber Bilder wie das obige Artikelbild. Das ist Aufgenommen mit einem H-Alpha-Gerät des NASA-Satelliten SDO.

Was ist aber nun der Unterschied zwischen Weißlicht- und H-Alpha-Beobachtung?

Das Licht der Sonne strahlt in einem sehr breiten Spektrum. Das bedeutet, dass wir mir dem Auge oder einem Helligkeitsfilter auch das gesamte Spektrum der Sonne sehen. Daher können wir nur sehr große Helligkeitsunterschiede auf der Sonne erkennen. Schauen wir uns also die Sonne mit einer ND5-Filterfolie an, dann können wir zwar Filamente und Sonnenflecken entdecken, aber alle anderen Strukturen der Sonne werden überblendet und sind damit nicht mehr sichtbar.

Ein H-Alpha-Sonnenfilter oder ein H-Alpha-Sonnenteleskope hingegen filtert mit einem Interferenzfilter den größten Teil des Spektrums des Sonnenlichts heraus und lässt nur noch ein ganz schmales Band des Sonnenspektrum durch.

Im Endeffekt wird hierbei nur die Wellenlänge des angeregten leuchtenden Wasserstoffes durchgelassen und dieser liegt bei 656,281 nm. Dieser Bereich nennt sich H-Alpha und daher kommt der Name dieser Disziplin der Sonnenbeobachtung. Es gibt natürlich noch eine Reihe weiterer sehr interessanter Spektrallinie. So kann man mit einem Calziumfilter sich die Sonne wieder in ganz anderen Bereichen anschauen.

 

Hier sieht man einmal eine Übersicht welche Kamera des NASA-SDO-Satelliten welche Bilder schießt. Die Angabe in Ansgtrom (das A mit der Kugel drauf) gibt die Wellenlänge des Lichts an.

1 Angström ist hierbei 0,1 nm.

H-Alpha – Der Traum der Hobbyastronomen

Jetzt wissen wir also was mit der H-Alpha-Beobachtung gemeint ist. Seit kurzem habe ich durch eine Kooperation mit Bresser/Lunt ein solches H-Alpha-Gerät zu Hause.

Man kann mit Fug und Recht behaupten das die H-Alpha-Sonnenbeobachtung ein Traum jeden Hobbyastronomen ist. Leider ist diese spezielle Disziplin der Astronomie aber nicht ganz billig, so das viele eher davor zurückschrecken sich ein solches Spezialgerät anzuschaffen.

Diese Geräte kosten nämlich ab ca. 1.000 € aufwärts. Nach oben ist wieder keine Grenze zu sehen, aber das kennen wir in unserem Hobby ja schon.

Einige erste eigene Erfahrungen konnte ich aber nun schon sammeln und daher möchte ich diese im Artikel auch gern wieder geben.

LUNT LS50THA/B600PT H-ALPHA SONNENTELESKOP

luntDas Bresser Lunt LS50THA ist das kleinste Gerät welches Bresser/Lunt anbietet. Es besitzt ein optischen Durchmesser von 50mm und meines hat eine Brennweite von 350mm.

Das Gerät ist wirklich klein und handlich und passt sehr gut auf meine SkyView-Montierung.

Wie mittlerweile alle Bresser/Lunt-Sonnenteleskope verfügt auch dieses über einen Pressure-Tuner. Mit diesem kann man den Druck im inneren des Systems anpassen und dadurch die Abbildung noch einmal steigern und optimieren.

Zum Teleskop mit allen Details kommt man hier: LUNT LS50THA/B600PT

Der Preis für dieses Einsteigergerät in die H-Alpha-Beobachtung liegt bei 1.275 € (Stand 08/2015) und hier sieht man schon das Manko der H-Alpha-Sonnenbeobachtung. Die Geräte die einzig zur Sonnenbeobachtung geeignet sind, sind doch relativ teuer in der Anschaffung und daher bleibt der Traum vom H-Alpha-Teleskop lange Zeit ein Traum. Trotzdem lohnt sich diese Disziplin und das möchte ich nun ein wenig beschreiben.

Erste Gehversuche mit dem Lunt

Nach dem das Teleskop bei mir ankam, musste es natürlich sofort ausprobiert werden. Die kurze Prismenschiene war schnell montiert und das Teleskop ist innerhalb von Minuten einsatzbereit. Es ist also wirklich sehr gut geeignet um sich mal schnell die Sonne anzuschauen.

Es ging als auf meine “Balkonsternwarte” und die Sonne ist ja am Himmel schnell gefunden. Der Fokussierer des Teleskops ist recht feinfühlig und daher war der Sonnenrand auch schnell scharf gestellt. Doch was war das? Ich sah eine rote Sonne! Mehr nicht.

Nun hat man bestimmte Erwartungen und es stellte sich ein kleines Enttäuschungsgefühl ein. Doch halt. Da gibt es ja noch eine Einstellmöglichkeit. Der Pressuretuner. Auch wenn ich weiß das man mit Einstellungen viel erreichen kann, kannte ich mich mit dem Tuner nicht aus. Also fing ich ganz langsam an zu drehen und veränderte dadurch den Druck im System. Diese Druckänderungen stellt den sichtbaren Spektralbereich ein und nach kurzer Zeit merkte ich wie plötzlich Strukturen auf der Sonne sichtbar wurden. Die große Sonnenfleckengruppe änderte sich langsam und die Granulen (granulierte Sonnenoberfläche) wurde langsam sichtbar.

Und dann kamen die Protuberanzen heraus. Wow und Wahnsinn waren die nächsten Worte die meine Frau vom Balkon hörte. Die Sonne im H-Alpha-Licht in diesem kleinen Teleskop sahen fantastisch aus. Und auch wenn ich die Sonne schon mehrfach in H-Alpha-Systemen gesehen hatte, gibt es nichts besseres als sich Zeit zu nehmen und das Universum in einem ganz anderen Licht zu entdecken.

Seit dem nutze ich jede Gelegenheit um die Sonne im H-Alpha zu beobachten. Natürlich war das aber nicht alles. Ich habe auch gleich mal probiert die Sonne zu fotografieren.

Kein Fokus mit DSLR und dem LS50Tha

Der erste Versuch war, ohne sich vorher zu informieren, einfach mal meine Spiegelreflexkamera Canon600D an das Lunt LS50THA ranzuhängen. Schnell musste ich feststellen, dass man damit einfach nicht in den Fokus kommt.

Es soll zwar einen Adapter geben, aber so richtig schlau habe ich mich dabei nicht gemacht. Ich habe ja schließlich noch eine zweite Option und so war es ein leichtes meine CCD-Ausrüstung aufzubauen und an das Gerät zu hängen.

QHYCCD mit dem Lunt LS50THA

Gesagt getan. Meine Sonnenbeobachtungsstation war damit schnell fertig. Das ganze sieht dann so aus:

sonnenstation

Hier sieht man das Lunt mit der QHYCCD am Laptop. Leider ist der Kontrast nicht ausreichend um auch die Sonne auf dem Monitor darzustellen. Das macht aber nicht wirklich was.

Einige Einstellungen später konnte ich die ersten Videos mit der Kamera aufzeichnen. Eines der Videos habe ich einmal in meinem Kanal hochgeladen.

Hier sieht man einmal die Rohdaten bei der Astrofotografie der Sonne. Da die QHYCCD eine Monochrome-Kamera ist, gibt es das Video nur in Schwarz/Weiß.

Anschließend kann man in die Bearbeitung mit z.B. Registax gehen und die Bilder entsprechend verarbeiten, nachschärfen und einfärben.

Ich habe mich einmal daran versucht und war mit meinem Ergebnis schon recht zufrieden. Hier seht Ihr meine erste H-Alpha-Sonne nach der Bearbeitung:

Sonne3_gestacket_farbe

Was dabei geht kann man hier schon erahnen. Ein Astronomie-Kollege hat sich aber meiner Sonne noch einmal angenommen und mir gezeigt, was man aus den Daten wirklich machen kann.

Sonne_CPreuss

Der Unterschied ist schon wirklich immens und ich muss wohl in der Bearbeitung der Sonne noch einiges dazulernen.

Fazit

Das Bresser/Lunt LS50THA/B600PT ist ein fantastisches Gerät und auch wenn der Preis etwas hoch ist und man sich nicht mal eben ein solches Teleskop nur für die Sonne anschaffen möchte, kann ich dieses Gerät jedem nur empfehlen.

In den nächsten Wochen werde ich das Gerät häufiger einsetzen und sicherlich viele Berichte hier veröffentlichen. Auch astronomiefremden Personen gefällt der Anblick der Sonne im H-Alpha-Bereich sehr.

So kam mein Gerät auf der Langen Nacht der Astronomie zum Einsatz und es bildeten sich sofort lange Schlangen hinter dem Lunt. Erstaunlich war dabei aber das mein 4Zoll-Refraktor mit einer Weißlichtsonne quasi abgeschrieben war. Das schien die Menschen nicht mehr wirklich zu interessieren. Obwohl der Refraktor beim Einsatz ohne dem H-Alpha-Gerät eigentlich immer gut ankam.

Hier mal ein Bild von Klaus-Peter Janovics auf der Langen Nacht der Astronomie:

Lunt_LNDA

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Advertorial. Das Gerät wird von Bresser/Lunt dem Clear Sky-Blog zur Verfügung gestellt. Der Artikel entspricht einzig der Meinung des Autor. Redaktionellen Einfluss des Kooperationspartners gibt es nicht.

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  1. Abdere Systeme wie die von Coronado oder Daystar liegen auch um/über 1000 EUR.
    Insofern ist der Preis ok.
    Danke für den tollen Bericht. Ich bin gespannt auf weitere.

    Gruß

    Axel

    • Hallo Axel,
      ja da hast Du recht. Man kann sagen das der H-Alpha-Einstieg so um die 1.000 Euro liegt (einige kleinere PST-Geräte mal ausgeschlossen). Mir ging es auch nicht um den Vergleich zu anderen H-Alpha-Geräten, sondern eher um diese hohe Einstiegshürde. Der Wunsch war bei mir auch lange da, aber mal 1.000 Euro nur für die Sonne zu investieren ist schon hoch. Es lohnt sich aber, wie der Artikel wohl zeigt.
      LG
      Stefan

  2. Super Bericht! Vielleicht wäre noch anzumerken, dass die Prismenschiene, die man dir scheinbar freundlicherweise beigelegt hat, normalerweise nicht zum Lieferumfang des LS50THa gehört und separat (Preis ca. 50 EUR) erworben werden muss, wenn man eine astronomische Montierung anstelle eines Fotostativs nutzen möchte. Das steht auch so in der Anleitung.

    Beste Grüße
    Marco