Erfahrungsbericht H-Alpha-Sonnenbeobachtung mit dem Lunt LS50Tha/B600

h-alpha-beoabchtungCa. 2 Wochen habe ich nun das Sonnenteleskop Lunt LS50Tha/B600 und nutze natürlich jede Gelegenheit damit auf die Sonne zu zielen.

Nicht nur für mich ist das Gerät ein Zugewinn in der praktischen Astronomie, sondern auch viele Menschen konnten sich an dem Anblick einer Sonne im H-Alpha-Bereich erfreuen.

Nun konnte ich einige Erfahrungen sammeln und da dieser Blog für den Erfahrungsaustausch da ist, möchte ich diese mit Euch teilen. Hierbei wird es um Sonnenbeobachtung, Sonnenfotografie und natürlich auch um die Bearbeitung der Bilder gehen.


Beobachtungsstandort und Ausrüstung

Beginnen möchte ich mit der Beschreibung meines Standortes. Mitten in Berlin verwende ich das Lunt LS50Tha/B600 (Bresser) auf meinem Balkon und kann durch die Ost-Ausrichtung des Balkons die Sonne am Vormittag bis zum Mittag sehr gut beobachten.

Das Teleskop habe ich auf meine Montierung SkyView (EQ3-Klasse) gesetzt und kann dadurch mit einer “schnellen” Einnordung der Sonne gut folgen.

Die Montierung ist für das kleine Gerät völlig ausreichend und da diese auch mit einem Nachführmotor ausgestattet ist, lassen sich hier auch wunderbar Fotos der Sonne schießen.

Wo wir nun schon bei der Fotografie sind. Ich habe natürlich versucht als erstes eine Spiegelreflexkamera an das Gerät zu hängen. Ich musste aber feststellen, dass die Kamera hier nicht in den Fokus gelangt.

Nach einigen Internetrecherchen wurde mir meine Erfahrung auch bestätigt. Es soll wohl einen Adapter geben, aber danach habe ich noch nicht gesucht.

Der zweite Versuch wurde mit einer QHYCCD 5-II-L(m) durchgeführt und das passt natürlich mit der kleinen Kamera wunderbar. Wie der Name der Kamera aber schon sagt, ist diese eine monochrome CCD (mit CMOS-Chip) und eigentlich für die Planeten, Mond und Nachführfotografie (Guiding) ausgelegt. Damit ist sie aber auch für die Sonne wunderbar geeignet.

Den Aufbau der Ausrüstung kann man nun mal hier betrachten:

ausrüstung

Erfahrungen

Die erste Erfahrung die jeder Sonnenbeobachter als erstes macht: “Es ist heiß”. Vor allem wenn man in den Sommermonaten damit startet und sich mit seinem Teleskop der Sonne aussetzt, merkt man sehr schnell das es Schweißtreibend ist.

Ich habe meinen Beobachtungsort mittlerweile optimiert und einen Sonnenschirm so platziert, dass der Laptop im Schatten steht, während das Sonnenteleskop natürlich in der prallen Sonne ausharren muss.

Das macht zwar die Beobachtung nicht unbedingt besser, aber bei der Fotografie hilft der Schatten doch schon sehr.

Allein die Beobachtung von H-Alpha-Regionen Rund um Sonnenflecken oder Protuberanzen ist fantastisch. Das kleine Lunt leistet hier hervorragende Arbeit. Nun ist es aber nicht immer mit der Beobachtung getan, sondern man möchte auch festhalten was man da sieht.

Sonnenfotografie

Für die Fotografie am Lunt LS50Tha verwende ich eine QHYCCD 5-II-L monochrom Kamera. Diese kann man Video mit der freien Software FireCapture (Webseite) aufzeichnen. Mittlerweile bin ich recht geübt und die Bauweise von Teleskop und Kamera passen super zusammen.

Ich habe mittlerweile gute Erfahrungen mit FireCapture sammeln können und daher sehen die Videos nicht mehr ganz so schlecht aus.

Was man in FireCapture herausbekommt, zeigen die beiden folgenden Videos. Aufgenommen wurden diese einmal direkt mit der QHYCCD am Lunt und einmal mit einer 2xBarlow vergrößert.

Ich habe letztens auch mal ein Test mit einer 5xBarlow durchgeführt. Leider ist die Barlow an dem Gerät nicht mehr einsatzfähig. Sie ist zu lang und daher bekomme ich den Fokus nicht mehr richtig scharf. Das Video zeigt, wie es aussieht.

Hat man nun solche Videos aufgenommen, kann man diese bearbeiten. Ich verwende dazu zwei Programme.

Stacken (also das Überlagern und aussuchen der besten Bilder aus dem Video) mache ich mit dem Programm Autostakkert2 (Webseite). Das Schärfen der Ergebnisbilder mache ich anschließend mit Registax 6 (Webseite) auf meinem Mac.

Hat man diese Schritte durchgeführt, sehen die Ergebnisse schon um längen besser aus. So manches mal war ich mit der Bearbeitung an diesem Punkt schon fertig.

sonne_gesamt_pm

protuberanz_rs

Ich finde die Bilder für den Anfang schon wirklich super. Das einzige Manko an den Bildern ist, dass diese noch in Schwarz/Weiß sind. Vergleiche ich meine Bilder mit denen meiner Astronomiekollegen, dann sind diese oft schön farbig.

Nach einigem Nachfragen und netter Hilfe hat mir ein Kollegen dann auch mal eines meiner Bilder eingefärbt. Er macht das mit Photoshop.

Da ich kein Photoshop habe, sondern mit Pixelmator arbeite, hat es eine weile Gedauert. Mittlerweile kenne ich aber den Weg und konnte gestern einmal erste eingefärbte Bilder zeigen.

Hier seht Ihr nun noch die Ergebnisse.

sonne_pm

sonne_2x_pm

Ich muss sagen, dass mir persönlich die Bilder mit Farbe viel mehr gefallen. Hier kommt die Stimmung der Sonnenbeobachtung noch einmal richtig zu Geltung.

Natürlich habe ich auch das Video mit der 5xBarlow-Linse bearbeitet.

sonne_5x_pm

Hier sieht man aber das die Schärfe nicht getroffen wurde.

Fazit & Ziele

Ich bin sowas von zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen. Vor wenigen Jahren hätte ich niemals davon geträumt mal solche Bilder zu erstellen oder die Sonne im H-Alpha-Licht einfach so mit viel Zeit zu sehen.

Natürlich habe ich mir weitere Ziele gesetzt. Am liebsten möchte ich ein Zeitraffer der Sonne machen. Also mal wirklich über Stunden die Sonne aufnehmen und daraus mal die Bewegung der Strukturen auf der Sonne im Video darstellen.

Das zweite Ziel ist ein ISS-Transit vor der H-Alpha-Sonne. Das wäre für mich der Hammer. Mal schauen ob das klappt.

Alle Weblinks im Artikel habe ich hier noch einmal aufgeführt:

Bresser Lunt LS50Thas/B600

QHYCCD 5-LL-I (astrolumina.com)

Firecapture

Autostakkert2

Registax

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