Flüchtlinge im Weltall – vagabundierende Planeten

planemoEine sehr interessante Objekte im Weltraum sind die sogenannten “Planemos”. Seit meinem Projekt 30 astronomische Fakten in 30 Tagen #30AstroFacts (Link zum Projekt) kenne ich diese Gruppe der Himmelsobjekte. Zumindest vom Namen her.

Heute möchte ich darüber schreiben. Vielleicht findet Ihr die Planemos, also die Vagabunden oder  Flüchtlinge des Weltalls auch so interessant.

Was sind Planemos? Wie entstehen diese? Und wie lassen sich Planemos überhaupt finden? – das sind Fragen die ich hier beantworten möchte.


Was sind Planemos?

Manch einer wird es sich schon denken können. Es geht um Objekte die eine ähnliche Größe und Masse besitzen wie Planeten, aber keinen Stern umkreisen.

Es sind also Planeten ohne Muttersonne. Nun darf man diese Objekte ja nicht als Planet bezeichnen, da die Definition für einen Planeten voraussetzt, dass dieser eine Sonne umkreist. Daher heißen diese Objekte des Weltalls auch Planemos – Objekte planetarer Masse bezeichnet.

Denkt man mal scharf darüber nach, ist es eigentlich logisch das es solche Objekte neben den Asteroiden und Kometen geben muss.

Entdeckt hat man aber Planemos erst in den letzten Jahren. So gelang der Nachweis von 12 Planemos im Jahre 2011. Bevor wir uns aber anschauen wie man diese Planemos im dunklen Weltall entdecken kann, geht es um die Entstehung von Planemos.

planemos

Wie entstehen Planemos?

Viele Planeten entstehen in einer Gaswolke, die sich immer weiter verdichtet und zu der Bildung eines neuen Sterns führt. Das restliche Gas die Staubwolke verfestigt sich und bildet anschließend Protoplaneten aus.

Das Video zeigt wie sowas aussehen könnte. Diese Animation als Zeitraffer zeigt deutlich die Entstehung unserer Sonnensystems.

Nun kann sich jeder vorstellen, dass ein solcher Prozess nicht immer Störungsfrei abläuft. So entstand unser Mond wahrscheinlich durch den Zusammenstoß der Proto-Erde mit einem großen Mars-ähnlichen Objekt.

Gibt es nun noch größere Störungen in der Entstehung von Sonnensystemen kann es passieren, dass die Protoplaneten auch mal rausgeschleudert werden. Dadurch ziehen diese Vagabunden allein und einsam durchs Weltall.

Es lassen sich hier natürlich noch mehr Szenarien durchdenken und sicherlich werden viele dieser Szenarien zu Planemos geführt haben.

Nachweis der Planemos oder wie findet man einen einsamen Planeten?

Der Nachweis der Planemos gestaltet sich nun schwieriger. Diese planetengroßen Objekte kreisen nicht um einen Stern und da Planemos, wie auch Planeten, nicht von sich aus leuchten, sind diese nur sehr schwer zu finden.

Der Zufall kommt der Wissenschaft hier zu gute. Die ständige Durchmusterung des Himmels führt dazu, dass Planemos auch mal andere Sterne bedecken. Passiert dies kommt der Mikrolinseneffekt zum tragen.

Bei diesem Mikrolinseneffekt führt die Bedeckung eines Sterns durch die Planemos zu einer Aufhellung des bedeckten Sterns. Wie das geht?

Ein vagabundierender Planet hat soviel Gravitation, dass das Licht des bedeckten Sterns abgelenkt wird. Es fliegt quasi eine Kurve um den Plano und wird dadurch gebündelt. Das Planetenobjekt bildet also eine Gravitationslinse, die aber nicht ausreicht um die so erzeugten Bilder zu trennen. Es reicht aber aus um das Licht des Sterns zu bündeln und dadurch für die Aufhellung zu sorgen.

Das können wir messen und haben nun ein Anzeichen für Planemos gefunden.

Bildquelle: Wikipedia.de – Mikrolinseneffekt (Urheber: Jan Skowron – own work, data from OGLE home page)

Das Bild zeigt nun eine solche Aufhellung eines Sterns durch einen Mikrolinseneffekt.

Wie viele Planemos gibt es eigentlich?

Jetzt kommen wir zu den wirklich spannenden Fragen. Bevor Ihr diesen Absatz lest, könnt Ihr Euch ja selbst mal eine Vorstellung machen und schätzen wie viele Planemos es wohl im Universum geben mag?

Zur Erinnerung: Im Jahr entdeckten Wissenschaftler 12 Planemos. Das klingt nicht viel oder?

Der aktuelle Stand der Wissenschaft geht davon aus, dass es nach Hochrechnungen ca. 1,8mal so viele Planemos wie Sterne in unserer Milchstraße geben müsste. Das gilt natürlich nur für unsere Galaxie.

Nimmt man sich diese Zahlen vor, dann müsste es allein bei uns in der Milchstraße ca. 180 – 540 Milliarden Planemos geben. Also Planetengroße Objekte die einfach so durch den Weltraum ziehen.

Diese Zahlen allein sind einfach Gigantisch und trotzdem noch kein Anzeichen dafür das uns Planemos gefährlich werden könnten. Schließlich ist der Raum zwischen den Sternen um ein vielfaches Größer.

Ich muss aber sagen, dass die Vorstellung dieser Planemos einfach toll sind. Man kann die Gedanken weiter führen und sich frage: Ist Leben auf solchen Objekten möglich? Wie sieht es auf der Oberfläche aus? Haben die Planemos Ähnlichkeiten mit Kometen oder eher mit Asteroiden? Kann es dort Wasser geben? Wie sieht der Planemo innen drin aus? Wie rotiert ein solcher Planemo? Könnte er Ringe besitzen oder gar Monde?

Ich glaube hier kann die Wissenschaft noch sehr viel herausfinden und spannende Dinge entdecken. Ich freue mich auf die Zukunft der Erforschung dieses Teilgebietes der Astronomie.

Quellen

Wikipedia – Objekte planetarer Masse

Wikipedia – Planemos

Wikipedia – Mikrolinseneffekt

#30AstroFakts – Vagabunden im Weltall

Bildquelle: NASA

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