Gastbeitrag: Astronomische Sommernächte 2015 – Teil 2: Nachtleuchtende Wolken, Polarlichter & ein Teleskoptreffen im Sternenpark Westhavelland -

Kamera NebelEnde September schrieb Tom einen Gastbeitrag hier im Blog mit dem Titel Gastbeitrag: Astronomische Sommernächte 2015 – Teil 1: Nächtliche Foto-Tour auf der Insel Rügen –.

Wir erhielten viele tolle Rückmeldungen auf den Beitrag und da im Titel etwas von Teil 1 steht wurde damals schon angekündigt, dass es auch einen 2. Teil geben wird.

Diesen 2. Teil möchte ich Euch hier nun anmoderieren. Es geht um Nachtleuchtende Wolken, Polarlichter und ums WHAT (Westhavelländer Teleskoptreffen). Tom und Christian haben viele Eindrücke gesammelt und tolle Bilder eingefangen und zusammengefasst. Das ist Hobbyastronomie LIVE!

Ich wünsche Euch wieder viel Spaß beim lesen des 2. Teil der kleinen Gastbeitragsserie von Tom.


Astronomische Sommernächte 2015 – Teil 2: NLC’s, PL & WHAT im Sternenpark Westhavelland -

Seit Februar 2014 ist der Naturpark Westhavelland aufgrund seiner sehr guten Himmelsqualität auch offiziell Sternenpark und lädt Sternenfreunde ein, die Nacht
dort zu verbringen. Im August 2014 habe ich dort den Berliner Fotografen Christian
Dandyk kennen gelernt, mit dem ich seitdem regelmäßig im Sommer in den
Sternenpark fahre. Dieses Jahr hat es auch wieder einige Male geklappt, und wir
haben dabei teils spektakuläre Erlebnisse machen dürfen, sodass ich mich
entschlossen habe, über die Besuche einen kleinen Bericht zu schreiben. Und wer
sich fragt, welche Bedeutung die Abkürzungen im Titel haben, sollte den Artikel
vollständig lesen ;-)

NLC’s im Juli

Die Saison für gemeinsame Beobachtungen unter dem dunklen Sommerhimmel des
Natur- und Sternenparks Westhavelland starteten wir im Juli. Mit Kamera und
Teleskop (ein 8” f/6 Dobson) ging es am frühen Abend in Richtung Gülpe. Schon
beim Aussteigen dort merkt man die Ruhe, welche die Landschaft bei tiefstehender
Sonne ausstrahlt: Die Natur bereitet sich auf die Nacht vor. So auch wir, denn nach
einem kleinen Imbiss bauten wir Kamera sowie Teleskop einsatzbereit auf. Das
Warten auf die Dunkelheit konnte also beginnen.

Standort

Als es dann schon ziemlich dunkel war, bemerkten wir, dass es am Nordhorizont
nicht richtig dunkel wurde. Klar dauert die Dämmerung auch in unseren Breiten im
Hochsommer etwas länger, aber da war noch etwas anderes was regelrecht leuchtete.
Nach längerer Beobachtung und einigen Fotos war klar: Es handelt sich um
Leuchtende Nachtwolken (engl.: noctilucent clouds = NLC’s). Ein Phänomen, bei
dem Eiskristall-Ansammlungen in über 80 km Höhe das Licht der schon lange
untergegangenen Sonne zum Beobachter reflektieren.

NLC

Irgendwann war es dann doch so dunkel, dass die Leuchtenden Nachtwolken
allmählich verblassten und mit der eigentlichen Sternenbeobachtung gestartet werden
konnte. Ich beschränkte mich dieses Mal auf das visuelle Beobachten durchs
Teleskop, also ohne aufwändige Astrofotografie.

Ehe man sich versah, wurde der Himmelshintergrund auch schon wieder heller und
die Morgendämmerung setzte ein. Diese Zeit muss man gekonnt überbrücken. Denn
für Astrofotografie und Beobachtungen ist der Himmel schon zu hell, für Landschaftsfotografie ist die Landschaft noch zu dunkel und bis zum Sonnenaufgang
dauert es auch noch ein bisschen. Kein Wunder, dass zu diesem Zeitpunkt die
Müdigkeit am stärksten in Erscheinung tritt.
So ließen wir uns zu einem kleinen Nickerchen hinreißen. Zwischendrin bemerkte ich
sogar in der Morgendämmerung auch wieder die Leuchtenden Nachtwolken, welche
allerdings nicht so spektakulär aussahen wie am Abendhimmel. Sie halfen allerdings
gegen die Müdigkeit, da ich jetzt wieder fleißig fotografierte.

NLC Morgen

Währenddessen plante ich kurzfristig, den Sonnenaufgang als Zeitraffer
aufzunehmen, da der sich ständig bewegende Morgennebel auch ein gutes Stilmitel
für einen Zeitraffer sein könnte. Ich stellte die Kamera ein und legte los. Während
meine Kamera lief und die Sequenz aufnahm, borgte ich mir von Christian eine
Kamera mit Objektiv. Als Berufsfotograf hatte er natürlich sehr hochwertiges
Equipment dabei und schon nach dem ersten Bild bemerkte ich den
Qualitätsunterschied zwischen meiner Canon 500D und seiner Sony A7MII. Auch die
Zeiss-Objektive hatten einen großen Anteil daran.
Im Folgenden die schönsten Impressionen der Morgendämmerung und des
Sonnenaufgangs, zusammengefasst auch als Video mit dem angesprochenen
Zeitraffer. Dieser Morgen inkl. dem Sonnenaufgang schafft es in die Top 3 von allen,
die ich bisher erlebt habe.
Kamera Nebel
Nebel Plattenweg
Sonnenaufgang 1

Sonnenaufgang2

Wolken vor den Perseiden im August

Der Sternschnuppenstrom der Perseiden ist ein fest eingeplanter Termin im Kalender
für alle Astronomie-Begeisterte und für alle Sternschnuppenfans sowieso. Da die
Perseiden gegenüber 2014 dieses Jahr auf eine günstige Mondphase fallen sollten
(fast Neumond), war schon lange klar, dass ich auch zu diesem Termin ins
Westhavelland fahren wollte. Denn je dunkler der Himmel, desto mehr
Sternschnuppen sind zu sehen und umso größer dann das Spektakel. Zusammen mit
Christian plante ich also einen weiteren gemeinsamen Aufenthalt. Im Laufe des
Abends aber verdichteten sich die Wolken und die Prognosen ließen einen auch nicht
optimistischer werden. Trotz aller Wolken ließ uns ein schönes Abendlicht dann doch
noch auf andere Gedanken kommen.

Abendlicht1

Abendlicht2

Allerdings verzogen sich die Wolken im Laufe der Dämmerung nicht. Lediglich für 1
Stunde waren größere Lücken, durch die auch einige Perseiden zu sehen waren. Aber
wie es immer so ist: Hält man die Kamera in die eine Wolkenlücke, ist die nächste
Sternschnuppe durch die andere Wolkenlücke zu sehen.

Milchstraße mit Wolken

Danach zog es sich wieder zu und es sollte im Laufe der Nacht auch nicht mehr
aufklaren, sodass wir uns entschlossen, die Rückfahrt anzutreten.
Auf der Rückfahrt hatten wir allerdings wieder ein Lächeln im Gesicht. Es war lustig
anzuschauen, wie immer wieder am Straßenrand Autos abgestellt waren. Sie alle
wollten die Perseiden im Sternenpark sehen.
Man kann ja nicht immer Glück haben.

PL im September

Als sich der Sommer bereits in den letzten Zügen befand, verabredete ich mich mit
Christian sehr spontan nochmal für einen Ausflug in den Sternenpark. Die
Entscheidung fiel erst am späten Nachmittag, da sich zu dem Zeitpunkt die
Wetterprognose für die folgende Nacht zum Positiven wendete. Wir fuhren sogar los,
als es schon dunkel und der Himmel noch fast komplett bedeckt war und verließen
uns somit komplett auf die Prognose. Im Sternenpark angekommen, stiegen wir aus
dem Auto aus und uns empfing eine fantastische Milchstraße über unseren Köpfen.
Schon allein dafür lohnt sich die Fahrt dahin.

Als wir die ersten Fotos gemacht haben, fiel mir plötzlich am Nordhimmel eine
längliche Leuchterscheinung auf. Erst hielt ich es für einen Kondensstreifen, doch
plötzlich schien dieser Streifen entlang des Nordhorizontes zu wandern und wie aus dem Nichts bildete sich daneben ein zweiter, während der erste wider verblasste.
Jetzt hatte ich schon eine Vermutung was das sein könnte. Sicherheitshalber richtete
ich die Kamera an die entsprechende Stelle, und was ich dann auf dem
Kameradisplay sah, war einfach atemberaubend: Es war tatsächlich Polarlicht! Und
das vorher mit bloßem Auge und das auch noch im Westhavelland.

Polarlicht

Schließlich machten wir noch einige zahlreiche Bilder. Im folgenden Bild erkennt
man, welche Auswirkung Wolken in Sachen Lichtverschmutzung haben. Die Wolke
streut das Licht der entfernten Stadt extrem:

Lichtverschmutzungswolke

Als die Nacht sich dem Ende neigte und der Morgen graute, bekamen wir erneut
etwas zu sehen, womit wir gar nicht gerechnet haben: Eine Mond-Venus-Mars-
Konjunktion am Morgenhimmel. Mit dem Nebel in der Landschaft, der sogar auch
die ganze Nacht über in Bewegung war (mal kam er näher, dann verzog er sich
wieder), gab dies eine tolle Morgenstimmung ab:
Mond-Venus-Mars

Zu Besuch auf dem WHAT 2015

Zwei Tage später stand nun der Westhavelländer Astrotreff (Kurz WHAT) auf dem
Programm. Dieses Mal fuhr ich ohne Christian und auch nur am ersten
Veranstaltungstag, nämlich am Freitag, denn für diese Nacht waren die
Wetterprognosen noch am besten. In Gülpe angekommen, waren bereits viele
Sternenfreunde da und auch einige Teleskope aufgebaut:

WHAT1

Nach einem Imbiss und während dem Warten auf die Dunkelheit ergaben sich viele
nette Gespräche. Natürlich lag hier das Hauptaugenmerk auf das gemeinsame
Beobachten durch Teleskope von anderen Astronomie-Begeisterten, sodass ich keine
aufwändige Astrofotografie-Ausrüstung aufbaute. Das lag auch daran, dass immer
wieder Wolken durchgezogen sind, aber der Vorteil bei so einem Treff ist ja, dass man
sich auch mal ohne Sterne nett unterhalten kann. Aber eine Milchstraße sollte
dennoch nicht fehlen :-)

Milchstraße

Alles in allem waren es super Aufenthalte im Sternenpark Westhavelland, die wir
beizeiten wiederholen würden. Vielleicht klappt es ja zu dem Sternschnuppenstrom
der Geminiden im Dezember, wenn es das Wetter zulässt.
Zum Schluss ist nur noch zu sagen: Clear Skies!

Christian Dandyk bei Facebook

Tom Radziwill bei Facebook

Tom Radziwill bei Flickr

Vielen Dank

An dieser Stelle möchte ich Tom und Christian wieder für diesen tollen Bericht danken. Der zweite Teil des Berichtes steht dem ersten in nichts nach. Die Bilder sind sehr toll und wie immer für mich auch inspirierend.

Ich hoffe das wird nicht der letzte Bericht von Tom in meinem Blog gewesen sein. Sein Stil gefällt mir sehr und führt mir auch immer wieder vor Augen, mehr Astronomie zu betreiben. Mach ich immer noch viel zu wenig. Danke Tom!

Wie immer muss und möchte ich darauf Hinweisen, dass alle im Artikel enthaltenen Bilder von Tom und Christian sind. Dort liegt das Urheberrecht und damit dürfen die Bilder auch nur nach Anfrage bei Tom und/oder Christian verwendet werden.

Ähnliche Artikel:

Gastbeitrag: Astronomische Sommernächte 2015 - Teil 2: Nachtleuchtende Wolken, Polarlichter & ein Teleskoptreffen im Sternenpark Westhavelland -, 5.0 out of 5 based on 8 ratings
Teleskop bei Astroshop
Werbung

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *