Ein Teleskop zu Weihnachten verschenken? Ja, aber bitte das richtige!

IMG_7347“Mein Sohn wünscht sich zu Weihnachten ein Teleskop? Kann mir wer etwas empfehlen?” oder “Mein Tochter möchte die Sterne beobachten, welches Teleskop ist dafür gut?” so und so ähnlich lauten im Moment die Fragen die mich erreichen oder die in diversen Foren oder Plattformen gerade auftauchen. Ja, es ist Weihnachten und ja es ist eine der besten Gelegenheiten seinem Kind (auch die Großen) an die Astronomie heranzuführen.

Doch was sich die Eltern oder Partner heraussuchen und auch was als Antworten zum Teil kommt ist zum Haare raufen. Ach die (unseriösen) Hersteller leben vom Weihnachtsgeschäft und machen daher vor allem für Billigteleskope verstärkt Werbung.

Dieser Artikel soll mit Tipps und Empfehlungen helfen in das Hobby Astronomie dauerhaft einzusteigen und nicht wegen der mangelnder Qualität eines Fehlkaufs den Ausstieg auf Dauer provozieren.


Eine erste Grundlage über das Teleskop

Damit Einsteiger und Beginner wissen über was wir gleich Reden werden und ich nicht jeden Fachbegriff im entsprechenden Absatz erklären muss, gibt es hier eine Schnelleinführung zum Teleskop. Diese Begriffe sollte jeder kennen und im Blog findet Ihr detaillierte Beschreibungen dazu. Zum Beispiel hier: Grundbegriffe die man vor dem Kauf eines Teleskops kennen sollte.

Auf dem nächsten Bild sieht man nun die Begrifflichkeiten, die es zu lernen gibt, wenn man sich ein Teleskop kaufen möchte. Schließlich möchte man auch mal den Verkäufer fragen und nicht einen Fehlkauf riskieren, weil man bestimmte Wörter nicht kennt.

Teleskop

Ein Teleskop besteht nicht nur aus einem Fernrohr (Tubus)

Der Blick in die Broschüren oder auch das Gespräch mit Eltern zeigt mir oft das beim Teleskopkauf der Tubus im Vordergrund steht. Da werden Begriffe wie Öffnungen oder Vergrößerungen verwendet und man schaut im Internet nach ob es nicht mit dem Gerät auch Astro-Fotos gibt. Da die Hobby-Astronomen ein findiges Volk sind, gibt es für so ziemlich jede Teleskopart (auch für die “billigen”) Astrofotos im Netz und man wähnt sich dann auf der sicheren Seite.

CELESTRON Linsenteleskop Power Seeker 70 AZ 1Das zum Teleskopkauf aber nicht nur ein Tubus gehört, muss man vielen Einsteigern erst erklären.

Ein stabiles Stativ und eine stabile Montierung sind das A&O bei der praktischen Anwendung des Hobby Astronomie. Wer hier spart wird oft mit Frust das Teleskop im Keller stehen lassen oder auf dem Dachboden. Es gibt Hunderte oder Tausende dieser einfachen billigen Teleskope die oft nur dafür sorgen, dass man das Hobby an den Nagel hängt.

Schauen wir uns doch einmal so ein “billiges” Teleskop an. Bei einem Namenhaften Lebensmittel-Discounter gibt es aktuell wieder Teleskope im Angebot.

Der Tubus wird hier mit einer Öffnung von 70 mm und einer Brennweite von 700 mm angeben. Das sind keine schlechten Daten für den Einstieg und neben dem Mond kann man auch Planeten beobachten. Auch Doppelsterne, offene Sternhaufen oder helle Nebel sind damit Möglich.

Werfen wir aber mal einen Blick auf die AZ-Montierung und das Stativ. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man mit Glück und Geduld mit diesem Stativ noch den Mond ins Visier nehmen kann.

Jupiter oder Saturn damit zu beobachten ist schon kaum noch Möglich. Eine ruhige Beobachtung, die bekanntlich auch etwas Zeit benötigt, geht hier nicht, da die Montierung nicht nur ständig Nachgeführt werden muss (die Erde dreht sich ja weiter), sondern auch so labil ist, dass sobald man das Teleskop berührt sich das ganze System in Schwingung versetzt. Bevor es sich wieder beruhigt hat, wird das Objekt aus dem Sichtfeld gelaufen sein.

Das ganze Teleskop kostet aktuell 96 € und das wäre rausgeschmissenes Geld. Finger weg von solchen Geräten!

Werbeanzeigen mit falschen Versprechungen

Nun ist es natürlich schwierig sich ein Bild vom Teleskop zu machen, wenn die Erfahrungswerte einfach fehlen. So versprechen Werbeanzeigen häufig etwas falsches.

Eine der Werbeanzeigentexte habe ich hier einmal herausgesucht:

image

Schauen wir uns diese Anzeige doch mal genauer an. Die Bewertung im ersten Punkt “hohe Farbtreue” täuscht einen Umstand vor, den es so erst einmal nicht gibt. Haben viele andere Teleskope bei denen das nicht steht eine geringere Farbtreue? Welche Farben kann ich im Teleskop überhaupt sehen? Hier wird mit der Unwissenheit der Leute gespielt. Jeder kennt die tollen Farbfotos von Hubble und Co. und denkt nun wenn man sich eine Galaxie oder einen Nebel anschaut, müsste man dort doch auch Farbe sehen. Dem ist nicht so. Unsere Augen sind nicht empfindlich genug um die Farben des Lichts vieler Himmelsobjekte einzufangen. Dazu braucht man Fotoequipment.

Punkt 3: Dieses Teleskop kostet im angesprochenen Discounter 79,90 €! Also sollte man sich schon bei dem Wort “Profimontierung” fragen, ob da was nicht stimmen kann. Profimontierungen gehen bei Preisbereichen von 600 € los und dort wird NICHT mit dem Begriff Profimontierung geworben. Warum auch. Wer 600€ oder meistens viel mehr für eine Montierung ausgibt, weiß was er/sie sich da holt.

Punkt 4: Zu Vergrößerungen habe ich hier schon viel im Blog geschrieben. Auch wie man die sinnvolle maximale Vergrößerung eines Teleskops ausrechnen kann. Eine Faustformel für die sinnvolle maximale Vergrößerung sagt: 2 x Objektivdurchmesser des Tubus. Höher sollte man mit keinem Gerät vergrößern. Bei dieser Anzeige müsste man also 140x maximale Vergrößerung schreiben. 525x ist hier einfach unseriös und täuscht den Käufer.

Da sich nun im folgenden viele Argumente wiederholen verzichte ich einmal auf die weitere Betrachtung. Die wichtigsten und schlimmsten Punkte dieser Anzeige habe ich oben angesprochen.

Auch hier gilt: Finger weg von solchen Teleskopen!

Was wäre aber nun ein gutes Einsteigerteleskop?

Da die Budgets zu Weihnachten und/oder zum Geburtstag oft bei ca. 100 € – 200 € liegen, möchte ich ganz klar in dieser Preisklasse bleiben oder zumindest in der Nähe davon bleiben.

Dobson als Einsteigergeräte

Wer nicht mehr Geld in ein ordentliches Teleskop investieren mag, wird kaum um die Dobson-Geräte herumkommen. Hier wird statt eines Statives mit einer Montierung eine sogenannte Rockerbox verwendet um das Teleskop zu führen.

Diese Rockerbox ist oft aus Pressspan und damit sehr günstig. Was wiederrum dazu führt, dass die Hauptinvestition in das Teleskop fließt und man hier für wenig Geld relativ viel Teleskop bekommt.

Dobson-Teleskop sind sehr beliebt bei Hobby-Astronomen, da man damit sehr schnell und sehr einfach beobachten kann.

Für 200 € erhält man zum Beispiel das Skywatcher Heritage-130P FlexTube Dobson mit 650 mm Brennweite.

Dieses Teleskop besitzt eine Öffnung von 130 mm und eine Brennweite von 650 mm. Damit lassen sich neben dem Mond (bei dem man viele Krater sieht) auch Jupiter mit seinen Monden, Saturn mit den Ringen und viele, viele andere Himmelsobjekte beobachten.

Vielleicht muss man sich noch 1 Okular dazukaufen, aber das kann alles viel später kommen. Der Aufbau des Teleskops ist simple und der Flextubus erlaubt es, dass Teleskop leicht und einfach zu transportieren.

Preis des Skywatcher Heritage 130P* bei Amazon: 196 €

Teleskop mit Montierung

Für diesen Artikel habe ich lange überlegt, welches Teleskop man den mit Montierung empfehlen könnte. Natürlich im Preisbereich von 100-200 €. Leider bin ich auf kein anständiges Gerät gestoßen, welches ich mit ruhigem Gewissen empfehlen könnte.

Wie ich oben schon erwähnt habe, sollte man sich einen Kauf gut Überlegen. Wo Teleskope mit Montierungen im Preis beginnen, kann man sich in den folgenden Artikel anschauen:

In dieser zweiteiligen Serie gebe ich konkrete Kaufempfehlungen. Hier bekommt man auch Teleskope mit entsprechenden Montierungen zu sehen. Natürlich außerhalb des Preisbereiches zwischen 100-200 €.

Fazit

Bis heute ist das Thema Teleskop kaufen eines der schwierigsten Entscheidungen im Bereich Hobbyastronomie.

Bevor man ein Teleskop kauft und dieses Dauerhaft verwenden möchte, muss man sich hier doch richtig gut einlesen. Ich überlege immer wieder wie man die Beratung beim Kauf eines Teleskops verbessern kann. Oft steht aber die Budget-Frage dem Kauf eines guten Gerätes im Wege. Für viele Menschen sind 100 € viel Geld und da Teleskope meist erst im 2 bis 3fachen Bereich anfangen(!), kann man hier halt einfach viel Falsch machen.

Damit man aber nicht alles Falsch macht, ist meine Empfehlung oft: Kauft ein Sparschwein und steckt die ersten 100€ lieber in das Sparschwein. Junior oder Prinzessin kann dann weitersparen und bleibt das Interesse an der Astronomie erhalten, dann kann man mit dem gesparten Geld auch ein tolles Teleskop (fürs Leben) kaufen.

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