Astronomische Irrtümer: Die Sterne am Himmel sind schon lange tot!

Bei meinem gestrigen Vortrag in der Eatery Stage Night bei Microsoft beschrieb ich einige astronomische Irrtümer. Unter anderem auch den Irrtum das manche Menschen glauben, dass die Sterne die man am Himmel sehen kann schon tot wären.

Dies ist ein Irrtum und rührt aus der einfachen Überlegung her, dass Sterne weit weg sind, ihr Licht eine gewisse Dauer bis zu uns brauchen und es dadurch eine Zeitverzögerung ist.

Leider entsteht hier ein falscher Eindruck und den möchte ich hier in diesem Artikel einfach mal aufheben und beschreiben.


Licht und Geschwindigkeit

Die Grundlage dieses astronomischen Irrtum liegt darin, dass vielen Menschen die Lichtgeschwindigkeit ein Begriff ist. Mit ca. 300.000 km/s breitet sich Licht aus und besitzt damit eine endliche Geschwindigkeit.

Jeder Mensch weiß das Licht vom Mond (reflektiertes Sonnenlicht) ca. 1,3 Sekunden bis zur Erde braucht. Schauen wir uns also den Mond an, dann blicken wir in die Vergangenheit. 1,3 Sekunden um genau zu sein.

Von der Sonne braucht das Licht 8 Minuten bis zur Erde. Würde also die Sonne ausgeknipst werden, würden wir erst nach 8 Minuten die Verdunklung mitbekommen.

Daraus resultiert nun die Annahme das Sterne ja unheimlich weit weg sind und es damit möglich wäre, dass die meisten oder viele davon ja gar nicht mehr existieren.

Schließlich braucht das Licht ja sehr lange bis zu uns. Doch hier liegt ein Grundlegender Denkfehler zu Grunde. Das liegt aber nur daran, dass man in den Größenordnungen des Universums keinerlei Erfahrungen hat.

Sterne die wir sehen

236084main MilkyWay-full-annotated.jpgSchauen wir uns doch mal den Sternenhimmel an. ALLE Sterne die wir mit dem bloßen Auge sehen befinden sich in unserer Milchstraße. Es gibt nur sehr wenige Objekte, wie die Andromeda-Galaxie, die man mit dem bloßen Auge sieht und die sich außerhalb unserer Heimatgalaxie befinden.

Die Ausdehnung unserer Milchstraße liegt bei 100.000 – 120.000 Lichtjahre. Lichtjahr ist hierbei ja eine Entfernungsangabe und keine Zeitangabe.

Da wir uns relativ am Rand mit unserem kleinen Sonnensystem befinden, sind die meisten Sterne die wir sehen zwischen ein paar wenigen Lichtjahren bis zu 100.000 Lichtjahre entfernt. Mehr nicht!

Jetzt merkt sicherlich der ein oder andere schon worauf das hier hinausläuft. Beobachten wir nun diese Sterne, dann sehen wir max. 120.000 Jahre in die Vergangenheit. Das Licht des entferntesten Sterns unserer Milchstraße wäre nämlich 120.000 Jahre zu uns unterwegs.

Damit ist die Grundlage gelegt diesen astronomischen Mythos aufzuheben.

Der Lebenszyklus eines Sterns

Schaut man sich nun zusätzlich einen Lebenszyklus eines Sterns an, dann wird einem schnell klar, warum man hier einem Irrtum unterlegen ist.

So z.B. unsere Sonne. Die existiert seit 4,5 Milliarden Jahren. Um also die Entstehung unserer Sonne zu beobachten, müsste man 4,5 Milliarden Lichtjahre entfernt sein. An dieser Position im Universum kommt nämlich gerade das Licht der jungen Sonne unserer Sonnensystems an.

Sun Life DE.png

Bis sich unsere Sonne nun dem Ende Ihres Lebenszyklus nähern wird, dauert es aber noch ca. 5,5 Milliarden Jahre. Man kann unsere Sonne also ca. 10 Milliarden Jahre lang beobachten.

Vergleicht man nun diese Lebenszyklusdaten mit der Ausdehnung unserer Galaxie, wird schnell klar, dass die Größenunterschiede zwischen Ausdehnung und Lebenszyklus stark abweichen.

120.000 Lichtjahre im Durchmesser zu 10 Milliarden Jahre Lebenszeit zeigt uns schon jetzt das die meisten Sterne am Himmel noch existent sind. Wir müssten nämlich viel, viel älter werden um die Sterne verlöschen zu sehen.

Dazu kommt das wir in der Wissenschaft die Lebenszyklen eines Sterns mittlerweile recht gut kennen. Wir können also durch Beobachtungen feststellen in welchem Lebensalter ein Stern sich befindet. Selbst wenn dieser schon begonnen hat zum roten Riesen zu werden, wissen wir das es noch einige 100.000 Jahre dauert bis hier ein Stern vergeht und stirbt.

Fazit

Ich hoffe ich konnte den Mythos verständlich darstellen. Die großen Entfernungen und Größenordnungen im Lebenszyklus eines Sterns machen diesen Irrtum real und ich kenne viele Eltern, die Ihren Kindern genau das erzählen. Leider funktioniert es nicht immer so einfach.

Bildquelle: ESO/Yuri Beletsky (CC-BY 4.0)

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2 comments

  1. onestarblack sagt:

    Hallo,
    ich hätte da mal eine Verständnisfrage:
    Wenn sich ein Stern 120.000 Lichtjahre weit weg ist kann man aber auch nicht ausschließen, dass er schon tot ist oder?
    Wenn so ein besagter Stern eine kurze Lebensdauer von ca. 50 Mio. Jahren hat (weil er ein besonders massereicher Stern ist) könnten wir heute einen Roten Riesen oder Überriesen sehen. Er könnte aber bereits vor z.B. 80.000 Jahren explodiert sein (oder gestern). Wir wissen es in so einem Fall eben nicht eindeutig. Wäre der Stern mehr als 50 Mio. Lichtjahre entfernt wüssten wir, dass er bereits “tot” ist.
    Kommt das in etwa hin oder habe ich einen entscheidenden Faktor übersehen?
    Danke

    • Stefan Gotthold sagt:

      Nein, Du hast keinen Denkfehler in der Logik. Das was Du schreibst ist richtig und sicherlich wird es bei dem ein oder anderen Stern sogar zutreffen. Von den Größenangaben passt es nicht so ganz. Unsere Milchstraße hat einen Durchmesser von ca. 100.000 Lichtjahren. Wir liegen nicht ganz am Rande, daher sind alle Sterne, die wir mit dem bloßem Auge sehen keine 120.000 LJ entfernt.
      Weiterhin kennen wir mittlerweile die Lebensphasen der Sterne recht gut und daher kann man schon sehr gut abschätzen ob der Stern in der sterbenden Phase ist und selbst diese Phase kann mehrere hundertausend Jahre dauern.
      So ist Beteigeuze ein solcher Kandidat. Der Stern befindet sich aber nur ca. 600 LJ von uns entfernt. Laut einigen Wissenschaftlern soll der Stern, der ein Roter Überriese ist, in den nächsten 1000 Jahren zur Supernova werden. Andere hingegen sagen, es dauert noch 100.000 Jahre. Wann das passiert ist also völlig unklar.

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